Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 14-15. (3.4.1885)
- Date
- 1885-04-03
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — lehrung zu einer Zeit vorhanden fei, wo es möglichst vielen dieser junge» Leute möglich ist, derselben theilhaftig zn werden. Man gründe, kurz gesagt, jüdische Lesevereine, wo jüdische Zeitungen, Brochure», populäre Abhandlungen, Bibeln rc. Jedermann zu einer ihm gelegenen Zeit und unentgeltlich zur Verfügung stehen, man lasse dort bewährte Kräfte und namentlich solche Männer, die sich des allgemeine» Ansehens erfreuen, einige Male wöchentlich und ganz besonders an den Sonntag Nachmittagen*) Vorträge über den laufenden Wochenabschnitt, der Haftvra rc., halten**) und man wird einsehen, daß dadurch Manches erreicht werden wird, was sonst ganz unerreichbar ist. Mau wende mir nicht ein, daß diese mit vieler Mühe und Kosten iirs Leben gerufene Institution von denen für die sie ganz besonders bestimmt ist, nämlich den jungen Leuten, nicht benützt und geivürdigt werden wird. Ich bin von der Ueberzeugnng durchdrungen, daß z, B, ei» Rabbiner Plazek seine» Vortrag nicht vor leeren Bänken halten würde, sondern daß ein Jeder, dem es seine Zeit einigermaßen gestattet, herbeieilen würde, um diesen berühmten Redner zu hören. Der Kostenpunkt kann bei einer so bedeutenden Gemeinde wie z, B, die Brünner keine nennenswerthe Rolle spielen, Uebrigens würde auch das Curatorium des mährisch-jüd, Landesmassafonds für dieses, die Interessen des Judenlhums in so hohem Maße fördernde Unternehmen, seine Unterstützung nicht versagen und eine beträchtliche jährliche Subvention bewilligen. Daß bei Dorchführung dieses Projektes die jüdische Presse unterstützt und unter den hiesigen Juden bekannter und verbreiteter würde, (wie wenig derselben haben davon Kenntniß, daß es jüdische Zeitungen giebt!) daß Vereine, wie z, B, die Israelitische Allianz, eine nicht zu unterschätzende Förderung erfahren könnten (wie viele Mitglieder unserer Gemeinde gehören der Allianz an?!) liegt auf der Hand, doch wären diese Vortheile nur Nebensächliches im Vergleiche zu dem eigentlichen Vereinszwecke: der Heranwachsenden und religiös indifferenten Jugend Liebe und Anhänglichkeit zu dem Glauben der Väter einzuflößen und würde» sich als eine Consequenz desselben ergeben, Ueber die Art und Weise wie ich mir die Organisation eines solchen jüdischen „Lesevereines' denke, will ich, wenn Sie mir dies gestatten,***) in einem zweiten Artikel Aufschluß geben, M. ß. in Brünn, Berichte und Correspondenzen. Dentsckland. Berlin, Die Zahl der Mitglieder für den hebräischen Litteratur-Verein „Mekize Nirdamim" hat sich in erfreulicher f) Weise bis fast auf 300 gesteigert. Außerdem ist von mehreren Seiten besonders in Petersburg, auch der f e st e Fonds zur größeren Sicherstellung des Vereins mit namhaften Beiträgen bedacht worden. Um Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit für das Erscheine» der zu veröffentlichenden Schriften einzuführen, soll mit dem Druck nunmehr unverzüglich vorgegangen werden. Es ist zu hoffen, daß die Schriften des ersten Jahrganges Anfangs Tischri zur Versendung werden gelangen können. Bei der kurzen Zeit, welche für die Vorbereitung der ersten Publikationen geblieben war, werde» größere Schriften erst für den zweiten Jahrgang ins Auge gefaßt werden. Im ersten Jahrgang werden von den 50—60 Druckbogen, welche geliefert werden können, je ca, 15 Bogen kommen: 1, auf den fort¬ *) Ganz besonders in den Wintermonaten. **) Ein Minchah-GotteSdienst ließe sich damit verbinden. ***) Wir gestatten jcbcm, der Vorschläge zur Besserung unserer religiösen Zustände zu machen ha«, gern das Wort, (Red,) +) Wir müssen gestehen, daß uns diese geringe Zahl von kaum 300 Mitgliedern gar nicht „erfreulich" erscheint: wir hatten gedacht, daß allein in Rußland, G a l izien „ Ungarn sich mindestens die dreifache Zahl von Abonnenteil aus hebr, Werke finden ivürde, (Red,) gesetzten Pachad Jizchak; 2. auf die von E)r I, Derenbourg in Paris besorgte Edition des Rambam-Commentars zum 6, (bisher inkorrekten) Seder der Mischna, nach dem arabischen Original in Quadratbuchstaben und hiernach verbesserter hebräischer Uebersetzung; 3, auf die bisher unedirten Geonim-Bescheide nach einer Handschrift in Petersburg von Dr. Harkavy bearbeitet, und endlich 4, auf einen Sammelband bisher unebirtcr Piecen, — Da dem Programm gemäß die Auflage der Vereiusschriften die Zahl der bisher angemeldeten Abonnenten nur um einen kleine» Theil übersteigen wird, so wäre allen denen, welche noch gesinnt sind, dem Vereine beizutreten (Jahresbeitrag zehn Mark), anzuempfehle», dies dem Herr» Or. Berliner hier, Juvalidenstr, 151 schleunig st mittbeilen zu wollen. W. Stettin, 23. März, (Or,-Corr,) Wir sind jetzt in die Periode der General-Bersammlnngeii getreten. In kurzer Zeit 5 Stück, das ist selbst für die treuesten Vereinsmenschcu zu viel und der Besuch der betr, Versammlungeu läßt deshalb auch recht viel zu wünsche > übrig. Den Reigen eröffiiete die Alliance Jsraelite Universelle, diesem folgte das Waisenhaus, gestern fand die General-Versammlung des AnsstattungS-Vereins und des Knabe»-Vereins statt und morgen Abend beschließt die Reihe der Versammlungeil der Beerdigungs- und Unterstütziiiigs-Vereiii, Wenden wir nus vorläufig dem letztgenannten Verein zu, dessen Vorstand de» Jahresbericht bereits vertheilt hat. Das Vereins-Vermögen hat sich im letzten Jahre um ca, 150 Mk. vermehrt und besteht jetzt aus Mk, 3000 Hppotheken, Mk 1800 Effecten und Mk. 470,09 in baar. Die Mitgliederzahl hat auch etwas zugenominen, es sind jetzt 279, doch könnm wir nicht umhin, unsere Verwunderung darüber auszusprechen, daß sich immer »och so viele Mitglieder unserer Gemeinde diesem Vereine fernhalten. Es existirt sobald kein Verein, der so segensreich wirkt, wie gerade dieser; zum Beweise unserer Angaben mögen folgende Zahlen dienen, die die Ausgabeposlen dieses Jahres ausmachen: Beerdigungskosten Mk, 1498,75; Unterstützungen Mk. 3198,89; Medici» 101,04 und div, andere Unkosten Mk, 706, — Eine eigenthllmliche Versammlung war die des Knaben-Vereiiis und zwar in sofern eigenthümlich, weil die Mitglieder fast vollständig dazn erschienen waren. Das Local war fast zu klein für diesen Zweck uitb es hat uns Freude gemacht, zu sehen, mit welchem parlamentarischen Tact diese Versammluiig seitens des Vorsitzenden, des Primaners Herrn Samuel, geleitet wurde und welches Interesse die Mitglieder — lauter Knaben — bctnnbeten. In kurzer Zeit hat sich dieser Verein, über dessen Ziele und Tendenzeii die „Wochenschrift" schon öfters Berichte gebracht hat, ein bei der hiesigen Sparkasse zinsbar angelegtes Capital von Mk, 320 erworben und wir hoffen, und wünschen, daß er auch weiterhin segensreich wirken wird, — Der Ausstattungs- Verein hat au 100 Mitglieder und kouiite im abgelaufenen Geschäftsjahr Mk, 975 für Unterstützungen ausgeben. Wir hoffen, daß es dem überaus rührige» Vorstand gelingen wird, auch diesem Verein neue Mitglieder zu gewinnen, sodaß er seiner segensreichen Aufgabe — arme Bräute zu unterstützen — immer mehr gerecht werden kann. Die Alliance Jsraelite Universelle hat hier ebenfalls ca, 100 Mitglieder, deren Beitrag direkt dem Central-Comits eingesandt wird. Es hieße Eulen nach Athen tragen, über die Wirksamkeit der Alliance z» berichten, — lieber das hiesige Waisenhaus hat die „Wochenschrift" ebenfalls schvu öfter Berichte gebracht; in der General-Versammlung wurde der Umstand bemängelt, daß sich die Erziehnngskoste» für jeden Knaben auf ca, 1000 Mk, stellen und wir glaube» auch, daß diese Summe etwas hoch ist. Zum Schluß habe ich noch eine» Verein zu erwähnen, der unsere volle Sympathie verdient. Es ist der hiesige „Israelitische Frauenverein", der gleich dem Veilchen nur i» aller Stille wirkt. So wurden z. B. im Jahre 1883 ausgegeben: