Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-03-26 · N° 13. (26.3.1885) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 13. (26.3.1885)
Date
1885-03-26
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584711--5673-9584716
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 101 Die Gesammtausgabe bezifferte sich auf Mk. 48530.56 wovon Mk. 21458.64 für die Küche und was dazu gehört, „ 4 7284.90 für Mcdicaincnte, Bekleidung, Beleuchtniig, Feuerung, Occvnomie re. und „ 0787.02 für' Honorare und Löhne verwendet worden ist. Die Behandlung der Kranken ist drei Acrztcn anvertraut, von denen der eine mehr die medicinische, der andere die wnndärztliche Abtheitung leitet und der dritte ^lrzt, tvctchcr Wohnung im Hause bat und jederzeit zur Stelle sei» uuit';, als Hülssarzt sungirt. In der mediemischen öibtheitung wurden 108 Personen behandelt und besuchten die Poliklinik 125; in der chirurgischen 212, von denen 07 sich einer Operation unterwerfen muhten: es' wurden 2006 in der Poliklinik behandelt und 208 Operationen ausgeführt: in die augenärztlichc Klinik wurden 1520 Personen ausgenommen und 112 Personen opcrirt. Tic Bcrwaltung des Krankenhauses hofft, das; es ihr von nun an gelinge» werde, die Hülfe der Gemeinde nicht wieder in Anspruch zu nehmen und dennoch allen Anforderungen der neueren Wissenschaft zu genügen. tzokberg. 'Rach drin uns vorliegenden, jüngst vcröfscittlichtcn Jahresberichte des jüdische,: Kurhospitals ist das vergangene elfte Berwaltnngsjahr als ein für die segensreiche Wirksamkeit und fortschreitende Entwicklung derselbe» durchaus glückliches zu bezeichnen, und steht dasselbe trotz des joridauernde» Druckes, der fast aus alle» wirthschaftlichcn Lebensverhaltnissen ruht, hinter keinem der Vorjahre zurück. Das im Jahre 1882 cingeleitete Lotterieunternehmeu wurde vollständig abgeschlossen und der letzte Rest des Reinertrages mit 1433 M. 65 Pf. dem Grundvermögen einverlcibt. Mit den ans Anlaß dieses Unternehmens in den Jahren 1882/83 der Anstalt zugewenvcten und bereits verrechnete» Schenkungen und mit de» schon im vorigen Jahre dem Grundvermögen zugcführten Ertragen brachte das zweite Lottcrieunternehmen einen Reingewinn von 12,242 M. 05 Pf. Tic ordentlichen Einnahmen betrugen 7552 M. 87 Pf. Die Ausgaben der Unterhaltung 6370 M. 12 Pf., so daß der Ueberschuß 1173 M. 75 Pf. betragt, wovon 1141 M. 5 Pf. zum Grundvermögen zugeschrieben, und der Rest als Kassenbestand vorgclragen wurde. Zu den ordentlichen Einnah,»en waren an laufenden Jahresbeiträgen 2809 Mark zu verzeichnen, welche von 353 Mitgliedern aufgebracht wurden. Die Mitgliederzahl ist um 43 Personen, die Jahresbeiträge sind um 371 Mark 50 Pf. gestiegen. Zu deu allsehnlichen einmaligen Einnahmen gehört auch eine Scheiikung von 100 M., die I. Maj. die Kaiserin Augusta der Anstalt aus Anlaß der zehnjährigen Stiftungsfeier zuzuwendcn geruhte. Ferner sandten zwei ungenannte Menschenfreunde je 200 M., außerdem erfolgten noch einmalige Beitrüge im Betrage von 150, 140, 100 Mark. Am Schlüsse des Borjahres bestand das Grundvermögen außer dem Grundstück und Inventar Gie einen Werth von ca. 52,107 repräsentircn), noch in einem Kapitale von 11,600 Mark. Dagegen schwebte noch eine Schuld von 1500 Mark, die endlich im Laufe des letzten Jahres getilgt worden ist. Außerdem mußte aus hygienischen Gründen ein Neubau ausgeführt, sowie das Tonncnsystcm eingcfllhrt, und der Betrag mit 025 Mark aus dem Baarvermögeu bestritten werden. Durch den Reinertrag aus den, Lottcrieunternehmen und dem Jahresüberschuß ist das Baarvermögcu auf 11,750 M. gestiegen. Die Anstalt war vom 1. Juni bis 1. Oktober i» Betrieb. Leider konnten nicht alle Anträge um Aufnahme berücksichtigt werden. Es haben jedoch 80 durchans unbemittelte Personen ganz unentgeltlich Wohnung, Nahrung, ärztliche Behandlung, Arzcncien und Bäder empfangen, (1186 Sool-, 14 Sitz- und 15 Schwefelbäder), — außerdem sind noch an 5 arme Personen, die nicht der Anstalt angehörten, 165 Sool- — im ganzen 1380 Bäder in der Anstalt selbst verabreicht worden, außerdem in der Behrend'schen Badeanstalt 31 Moor- und in den städtischen Badeanstalten 677 Seebäder, zu welchen in großherziger Weise von den städtische» Behörden der Anstalt Freikarten zur Verfügung gestellt wurden. Nur durch die Gunst und das Wohlwollen der hohen Behörden und durch die großherzige Theilnahme und kräftige Unterstützung zahlreicher Gemeinden, Vereine und edler Menschenfreunde hat die so überaus günstige, mächtig aufbühende Entwickelung dieser Anstalt gefördert werden können. Möchte diese Theilnahmc und Unterstützung derselben auch ferner zu Theil werden zum Segen jener Unglückliche», die krank und elend, gebeugt und gebrochen an Geist und Körper mit der Sorge um das tägliche Brod zu kämpfen haben. B Deustadt G. S., 8. Mürz. (Or.-Corr.) Den am 22. Februar erfolgten Hintritt eines unserer würdigsten und verdientesten Amtsbrüder, des emeritirten Religionslehrcrs und Cantors, Louis Hosch zu Reiste, hat dieses Blatt bereits in früherer Nr. gemeldet: aber viele College» werden über dessen Bildungsgang und Leben Näheres erfahren wollen. Hosch war 1815 zu Rawitsch geboren, woselbst er den Grund gelegt zu seinen jüdischen wissenschaftlichen Kenntnissen, er ging später nach Berlin und erlangte seine pädagogische Ausbildung an dem berühmten Disterwcg'schen Seminar, während er sich zum Cantorate bei dem Ober-Cantor Lion vorbereitete und befähigte. Am 1. April 1842 trat der Verstorbene sein Amt bei der jüdischen Gemeinde in Ncisse an, die ihn zu ihrem ersten Lehrer und Cantor berufen. Diese Aemter verwaltete er mit regem Eifer und Geschick er war der Jugend ei» wohlwollender, gewissenhafter und tüchtiger Lehrer, der Synagoge ein würdiger Prediger und Cantor, der Gemeinde ein verständigtr und treuer Becather gewesen, so daß seine amtlichen Eigenschaften, im Bunde mit einer herzgewinnenden Freundlichkeit und Bescheidenheit wie ehrenhaftem Charakter ihm die Liebe und Hochachtung Aller, selbst der Andersgläubigen, verschafften, die mit ihm in Berührung kamen. 40 Jahre wirkte er zum Segen der Gemeinde Ncisse: am 1. Juli 1882 trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Bei dieser Gelegenheit wurde ihn, der Hohenzoller'sche Hausorden in Gegenwart der Gemeinde- Repräsentanz, der Schul-Jnspectoren und der christlichen College» durch den königl. Landrath überreicht, eine seltene Auszeichnung für einen jüdischen Lehrer, zumal zur Zeit der Hvchsluth des Antisemitismus. Auf mein diesbezügliches Gratulationsschreiben antwortete mir der Verstorbene, daß diese Ehre ihn hauptsächlich freue und schmücke wegen der dadurch an höchster Stelle ausgesprochenen Anerkennung und Werthschätzung des Judenthums, dem er diene. Sein Leichenbegüngniß gestaltete sich zu einer imposante» Feier. Unter Borantritt des Vorstehers der Chewra kadischa, der den Orden auf einem Kissen trug, wie der jüdischen Schuljugend, hatte sich die ganze Gemeinde zusammengefnnden, Freunde und Schüler aus der Ferne waren herbeigeeilt, selbst viele Andersgläubige, darunter der Superintendent und 2 katholische Geistliche, waren erschienen, deni Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Auf dem Friedhofe nahm Herr Prediger Ellguthcr, der ^Amtsnachfolger und Freund Hosch's das Wort und entrollte in trefflicher Rede und tiefer Empstndung ein Lebensbild des Hingeschiedenen und verlieh den Gefühlen der trauernden zahlreichen Zuhörer einen ergreifenden Ausdruck. Hierauf widmete ihn, der Pestalozzi-Verein, dem Hosch als Mitglied ange- : hört hatte, ein würdig vorgetragenes Lied. Nach einem kurzen j Gebete schloß die Trauerfeier. Möge es den Gemeinden I Israels an solchen Beamten niemals fehlen, dann braucht! uns um die Zukunft des Judenthums nicht bange zu sein. | Aus Westfalen (Or.-Corr.) Die Mittheilung in Nr. 11 der „Wochenschrift" bezüglich des Vorstandes des D.-J. G.-B. hat, wie hier, gewiß auch in anderen Kreisen viel, sehr viel „zu denken gegeben". Einsender ist überzeugt, daß Ihnen, Herr Redacteur, für diese Mittheilung alle charakter- und ehrenfesten Delegirten und Gemeindevorsteher Dank wissen werden, welche die unqualifizierbare Liebüugelei mit der Orthodoxie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.