Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 12. (19.3.1885)
- Date
- 1885-03-19
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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- 93 von 10,000 Mark unter dem Namen „Jacob und Minna Israel-Stiftung" in hochsinniger Weise bedacht hat. Außerdem sind unter demselben Namen in Berlin die Kaiser- Wilhelm-Stiftung mit 12,000 Mark, die Alterversorgungsgesellschaft mit 21,000 M., die Synagoge auf der Potsdamerstraße mit 27,000 M. und noch viele andere Institute mit entsprechenden Summen bedacht tvvrden. Im Ganzen sollen 150,000 Mark von diesem edlen Philanthropen für Wohlthätigkeitszwecke gespendet worden sein, Aasen, 14, März, Einen braven, alle huinanen u, wissenschaftlichen Bestrebungen in unserer Gemeinde gewissenhaft fördernden Man» mit lauterem Charakter, der so recht im Sinne der Alten, neben seinem Geschäft auch der Wissenschaft sich im Selbststudium widmete, de» Rentier Barn ch Schefftel, haben wir vorgestern, am 12, d, Mts., zu Grabe geleitet. Derselbe war Inhaber der bis vor einigen Jahren hier bestandenen Firma Bk, I, Mozart, Bor mehreren Jahren zog er sich vom Geschäfte zurück und widmete seitdem seine Muße lediglich wissenschaftlicher Beschäftigung. Manches Ergebniß seiner Studien ist bereits in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht; (Unser „Jüdisches Litteraturbl." hat mehrere gediegene Artikel über die Tanguuiiu aus seiner Feder gebracht — sein Andenken sei gesegnet! Red.) sowie er auch von namhaften Gelehrten in Fachblättern Beachtung und Anerkennung gefunden. An ein größeres Werk, eine Frucht mehrjähriger Studien, legte er eben die Hand an, als eine mehrwöchcntlichc Krankheit und der Tod ihm ein Ziel setzte. Der Verstorbene war auch Mitglied der Bcrwaltnngskollegien der jüdischen Gemeinde, sowie des Lokalkomits's der Israelit, Allianz, die ihm würdige und anerkennende Nachrufe in den hiesigen Zeitungen widmeten. An seiner Bahre sprachen die Rabb, Herr vr. Feiichenfeld und der Schwiegersohn Herr Rabb, Or, Perlcs aus München; Letzterer besonders sehr ergreifend, (Wie >vir erfahren, tvird Herr vr. Perles das Werk seines Schwiegervaters, der einer der bedeutendsten Targumkenner der Gcgentvart war, herausgeben. d-t- Aus Helle»,l) Schon seit Jahren wird in dem Vorworte des von der „Achaiva" herausgegebcnen Rechenschaftsberichtes das Bedauern und Befremden zu erkennen gegeben, daß eine so geringe Anzahl israelit Lehrer diesem Vereine beitretcn. Die gleiche Tendenz verfolgt sicherlich auch Herr Klingenstcin in Oberingelhcim (Nr, 5 ds. Bl,), der die Säumigen auf ihren eigenen pecuniärcn Vortheil hinweist. Die Thatsache steht allerdings fest, daß der schon über 20 Jahren bestehende, von edlen Männern gegründete, geleitete und geförderte Verein durchaus nicht den Zuwachs an Mitgliedern erhält, wie man zu hoffen berechtigt wäre. Allein i statt der beständigen Kritik über die angebliche Lauheit des i israelitischen Lchrerstandes und der Gemeinden wolle man j auch einem Mitgliede der Achawa, das gleichzeitig einem simultanen Provinzial-Lehrcrverband angehört, gestatten, die auffallende Erscheinung zu erklären. Sollte wirklich der israelitische Lehrer so gleichgültig gegen sich und seine Familie sein, daß er nicht der Achawa beitreten würde, die über so ansehnliche Mittel verfügt? Oder sollte nicht die kleinste Gemeinde den geringen Jahresbeitrag von 0 Mark gerne zahlen, wenn dieselbe die Sicherheit hätte, daß dereinst ihrem Lehrer das Recht zustände, eine entsprechende Unterstützung zu erhalten? Mit Nichten! Der Verein — so löblich auch seine Absicht ist, und so segensreich er auch bereits in vielen Fällen gewirkt hat und fürder wirkt — leidet an y Wir linbeit die obiflcn Ausstellungen an der „Achaiva", ehe wir sie veröffentlichten, erst den, „Pater" dieses so überaus segensreiche» Vereins — Herrn .Mngenstein — natürlich ohne Namcnnennung des Einsenders, mitgethcilt und drucken dessen Gegenbemerkungen hier unten ab. Gerade, tveil wir wünschen, daß alle Lehrer- und Rabbincr-PensionS- und Unterstützungs-Vereine mit der Achatva .Hand in Haild gehen, darum halten wir eine offene Besprechung (HTUÖ nrDlH) fi»' die Sache nur für ersprießlich. In diesem Sinne wünschen tvir die obige Correspoudenz gelesen, jotvic tvcitere Vorschläge eingesandt zu sehen, (Red.) einem organische',, Fehler. Er gilt in den Augen mancher Lehrer als eine Art Arme „verein, (Der Herr Einsender hat einen spezielle» Fall im Auge, in dem von einem Petenten das Armuthszeugniß verlangt worden sein soll, was aber von Herrn Kl. in Abrede gestellt wird, derselbe schreibt auf unsere diesbezügliche Anfrage: Das verlangen die §§ 9 und 10 der Statuten gar nicht. Von Armuth ist nirgends die Rede, sondern nur vom standesgemäßen Einkommen! Red.) Zuweilen genügt auch dieses noch nicht und der Weg der Spionage') wird betreten, um durch sogenannte Vertrauensmänner zu erfahren, ob sich nicht ein vermögender Bruder oder Vetter in irgend einem verborgenen Winkel Europa's oder Amerika's aufhält, — Bei der vorigen Geucralversanunluug halte ein Lehrer aus Bayern, nachdem er vergeblich den Antrag um gleichheitliche Unterstützung cingebracht und begründet hatte, den Anspruch erhoben, mindestens Pflicht- und Dürftigkei tSthcil zu unterscheiden. Auch dieser gewiß nur dem Gerechtigkeitssinn entsprechende Antrag wurde abgewieseu,3) Ob dieser Pflichtteil hoch oder niedrig ist, thut nichts zur Sache, So klein wie die Herren sich den Pflichttheit denken, scheint derselbe nach dem Beitrag und der gewährten Unterstützung an derer Vereine nicht zu sein. Als Bczirkskassicr des obeli erwähnten preuß, Prvvinzial- Lehrerverbandes constatire ich hiermit, daß jede Wittwe (auch Waise) bei einem jährlichen Beitrag von nur 5 Mark und ohne Eintrittsgeld eine Jahrcsunterstlltzuug von 40 M, erhält,') Weil die übrigen Lehrcrvereine das Princip der gleichen Unterstützung für Alle ausgestellt haben, deswegen verzichtet man gerne aus die Achawa, die die Dürftigkeit erst a in t l i ch beglaubigt haben will5). Das Ehrenwort und höchstens noch die Unterschrift zweier Nachbarkollegen muß genügen'- zur Berechtigung der Unterstützung, wenn man nun einmal von der Beschränkung nicht ablassen will. Wollen aber die Herren Kuratoren und Verwalter der Achawa in Wahrheit für die Lehrer Deutschlands segensreich wirken, so müssen die Wohlthaten des Vereins Ä l l c n zu Gute kommen, weil mit wenigen und seltenen Ausnahmen sämmtliche bedürft ig sind,') Und nun noch Eins. Der opferwillige Sinn der Israeliten Frankfurts ist ja allgemein bekannt und wird gewiß von allen Mitgliedern der Achawa dankbar anerkannt. Wenn andere Gemeinden und Länder sich diesem Verein? nur sehr indifferent gegenüber stelle», so liegt dies einerseits an dem oben gerügten Umstande, anderseits au der Organisation der Verwaltung, Ein Verein, der sich über ganz Deutschland erstrecken soll, muß sich nicht mit einer Centralstelle allein begnügen, sondern Landes-, Provinzial- und Lokalkomits's bilden, welche für die Sache wirken,') Für die eigne Sache können die Mitglieder oft weniger thätig sein, als man 9 Ein miserables Wort, wenn es sich um eine Frage bei einem vertranenSwürbige» College», oder, wenn keiner in der Nähe ist, beim Rabbiner handelt, eine Frage, die sich nie auf solche Dinge, wie hier vermuthct wird, bezieht, K. *) Aber nnS triftigen Gründen, 1. als unerheblich, weil die Pslichttheilc minimal würden: 2, als schädlich, weil sie die Bohlthä ter zu dem Gedanken bringen könnte, daß hier eine Versicherungsanstalt vorliegt, die sie nicht unterstützen und 3. weil unerheblich, denn die Verwaltung hat seit Jahre» keine Forderung abgewieseu, X. ') DicS Wunder möchte ich kennen; wenn nicht irgend Nebenerträgniffe vorhanden sind; wer rechnet nach'? K. *) Durchaus unrichtig! Nur wenn anerkannte Schnorrer i m A m t c — und es gicbt deren leider im Lchrerstande in allen Landen — auch in Hessen — wiederholt den Reservefonds ausibenten wollten, haben tvir nur zuioeilc» dieses Mittels bedient, zur Abwehr! Bei Dienstunfähigen, deren Dienstunfähigkeit nachgewicsen und bei Bittweu — nie! L, *) Genügt Einer — vollkommen! X 9 Ei» Wort, das ich nicht gerne lese; aber eS sind noch in all den Jahren her nicht 5 abgewieseu worden, weil allerdings wir, d, h. die Verwaltung, selten die tleberzeugung hat, daß ein standesgemäßes Einkommen vorhanden und nur, wo tvir dies constatire», erfolgt Abweisung. K. ») Ist j« im Statut vorgesehen, ivar auch da, — wird nur durch die Lässigkeit der Mitglieder nicht gchaudhabt. Frisch, organisirt; tvir haben sicherlich nichts dagegen, X, -4