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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-03-12 · N° 11. (12.3.1885) · p. Seite 86

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 11. (12.3.1885)
Date
1885-03-12
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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— 86 — Macht — hier aber ist die Judenverfolgung ein Stück der Verfassung und des nationalen Wesens geworden. Freilich die Humanität des 19. Jahrhunderts und das praktische Christenthum erscheinen dadurch in ganz eigcnthümlichem Licht. Die Ausweisungen sind schrecklich, doch zur volle» Verruchtheit werden sie durch die Weise ihrer Ausführung. Der Wortlaut dieser Ausweisungen ist folgender: „Königreich Rumänien, Amt der Stadt L., Bezirk Dorvhoi. Dem Herrn X Sohn I-B. In Folge der Gesetze aus den Jahren 1664, 1672, 1699 und endlich 1710 und im Eiuverstündnissc mit dem Bezirkshauptmann und dessen Stellvertreter befehle ich Dir, Deinen Wohnort binnen 24 Stunden zu verlassen. Falls Du nicht freiwillig gehen wirst, wird man Dich mit Gewalt fortschaffcn. Unterschrift des Beamten." Geht der Arme nicht binnen der 24 Stunden, dann dringen Polizisten in seine Wohnung, zerbrechen und verwüsten Alles und schleppen den Unglücklichen, der windelweich geprügelt wird, hinaus. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Uns geht soeben die gewiß alle jüdischen Lehrer erfreuende Mittheilung zu, daß die „Achawa", dieser so segensreich wirkende Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger isr. Lehrer, Lehrcr-Wittwcn und -Waisen in Deutschland, durch letztwilligc Verfügung des Lehrers Hcßlcin in Bamberg — s. A. — ein Legat von fünftausend Mark empfangen hat. Das Vermögen der „Achawa" beläuft sich nunmehr auf 140,08« Mark! rOT1 p. — Der Verein hat in den 20 Jahren seines Bestehens an Pensionen und Unterstützungen bereits an die hunderttausend Mark verausgabt, wie der dieser Tage uns zugckommene 20. Rechenschaftsbericht ausweist, auf den wir nächstens zurückkommcn, ebenso auch auf einen die Organisation der „Achawa" betreffenden Vorschlag aus Hessen. (Red.) Werkin. Die Chefs des Hauses N. Israel haben anläßlich des Geschüftsjubiläums verschiedenen hiesigen wohlrhätigen Instituten Schenkungen im Betrage von cinhundcrtundfünfzigtanscnd Mark gemacht, welche Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession zu Gute kommen sollen. (Von anderer Seite werden diese Schenkungen sogar auf 200,000 Mark beziffert.) Wraunschweig, 3. März. Zum Andenken an den vor Jahresfrist verstorbene» Landesrabbincr Professor Or. Herz - seid fand gestern am Grabe desselben im engsten Familienkreise eine stille Traucrfeierlichkeit statt, bei welcher Gelegenheit von den Kindern des Verewigten eine Stiftung zu Gunsten der jüdischen Lehrer - Wittmen und -Waisen des Herzogthums Braunschwelg begründet wurde. Aus dem Wofen'schen Der Kollege D. an der jüdischen Schule zu I. wurde nach seiner vor zwei Jahren erfolgten Emeritierung seitens des Korporationsvorstandes zur Zahlung der Korporationssteuern herangezogen. Er wandte sich darum an die königliche Regierung (Abtheilung des Innern I. dir. 3616/84 I B.) zu Posen und erhielt folgenden Bescheid: „Ihrem Gesuche um Freilassung von den Korporations-Abgaben kann, der Beschlußfassung der Kvrporationsbehörde gegenüber von uns nicht entsprochen werden, da Sie pensionirt sind und zu den besoldeten Beamten der Korporation nicht zählen". Komburg v. d. Köh«. Der im Jahre 1818 Hierselbst gearündetc „Israelitische Armen - Holz - Verein" hat laut Rechenschaftsbericht im vergangenen Jahre eine segensreiche Thätigkeit entwickelt. Es bezifferte sich die Anzahl Derjenigen, die eine Unterstützung beanspruchten, auf 18, die nach Maßgabe ihres Bedarfs 560 Ctr. Steinkohlen im Betrag von Mk. 442,20 und Holz im Betrage von Mk. 107,25. Dabei ist der eiserne Fonds des Vereins von Mk. 4616,45 auf Mk. 5086,02 gebracht worden. Wir wünsche» dem Verein ferneres Gedeihen und seinem wackern Vorstände Unermüdlichkeit in den menschenfreundlichen Bestrebungen! sWMorms. In der Nacht zum 1. März wurde auf dem jüdischen Friedhof viele Gräber geschändet und Grabsteine verwüstet, mehrere Denkmäler größtentheils vernichtet und überhaupt in ganz beispielloser Weise gewirthschaftet. Die Polizeibehörde ist mit den Nachforschungen nach den Frevlern beschäftigt und der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat auf deren Habhaftmachung eine Prämie von 200 Mark gesetzt. Zleisse H.-Schk. Am 22. Februar starb unser »ach 40 jähriger treuer Dienstzeit seit 1882 cmeritirtc Rcligivnslehrer, Cantor und Prediger, Louis Horsch im 70. Lebensjahre. Er war einer der würdigsten jüdischen Eultusbcamte» Oberschlesiens, war mit dem Hohen zollerschen Hausorden geziert, und stand nicht nur bei den Mitgliedern seiner Gemeinde, sondern bei allen Bürgern der Stadt in hoher Achtung. An seiner Beerdigung betheiligten sich evangelische und katholische Geistliche. (Ein uns erst nach Redaktionsschluss von seinem würdigen Amtsbruder Herrn Baß in Neustadt O.-Sch. zugegangencr Nekrolog und Bericht über die Beerdigung kann erst in nächster Nr. Ausnahme finden. Red.) In Suk) unter dem Walde ist Herr Roller, der sich littcrarisch schon bekaiiiit gemacht hat und Offizier der Akademie ist, zum Rabbiner gewählt ivordeu. Men. Der Rechnungsausweis des Vereines „Bet ha- Midrasch" für das Jahr 1884 liegt uns vor. Der Vorstand, an deren Spitze Or. Ad. Jcll in c k steht, klagt darüber, daß das „Bcth Ha-Midrasch" nicht mehr so viel Einnahmen aus den Jahresbeiträgen und beit Bethaus-Spendcn hat, um die nöthigsten laufenden Ausgaben zu bestreiten und appellirt an alle diejenigen, die von der Uebcrzeugung durchdrungen sind, daß die Thora die unsterbliche Seele des Jndenthums ist, dem Vereine thatkrästige Unterstützung zu gewähren. Auch wir sprechen die Erwartung aus, daß die zahlreichen begüterten Gemeindcmitglieder Wiens mehr als bisher zu dem Gedeihen des unter so trefflicher Leitung stehenden Vereins beitragen mögen. In Arody ist Herr Ritter v. Kallir, obschon er in Brzeschan gewühlt war, mit 311 von 380 abgegebenen Stimmen zum Mitglied der Handelskammer ivieder gewühlt worden, so daß die Hoffnung nicht unbegründet ist, daß Herr v. K. wiederum zum Präsidenten Vieser Körperschaft werde ernannt werden. In Kraka« ist Jubel bei den Modernen (auch wir freuen uns dessen und gratulieren uuserm geehrten Mitarbeiter von Herzen) und Verzweiflung bei den Schwarzen darüber, daß auch Herr Or. Duschak zum stellvertretenden Rabbiner ersten Ranges von dem der Mittclpartci angehörendcu Vorstande befördert worden ist. (Jwri.) Wrün«. Am Io. ds. Mts. findet hier die Generalversammlung der Delegirtcn des LandeSmaffafonds statt, in welcher diesmal eine eminent wichtige Angelegenheit, die Errichtung einer jüdisch - theologischen Vorbildungsschule (Proseminar für Lehrer und Rabbiner) hicrsclbst zur Berathung gelangt. (Das vom Herrn Or. G. Deutsch, jüd. Hauptlehrer in Brünn verfaßte „Promemoria" über Zweck, Mittel und Organisation einer solchen Lehranstalt liegt uns vor, kann aber Raummangels wegen erst in der nächsten Nr. erscheinen. Red.) Der Antrag dürfte^ von Allen, denen die Hebung und Förderung des jüd. schul- und GemeindelebeuS in Mähren am Herzen liegt, sicherlich aufs Eifrigste unterstützt werden: er involvirt eine Lebensfrage für das mährische Judenthum. Angar» In der kleinen Stadt Tisza-Warkani ist eine Synagoge eingeweiht worden. Da kein Rabbiner im Orte ist, wurde der Geistliche (?) mit der Weihrcde^betraut! Ilngar«. In Botscha ist Herr Adolf spitz em - stimniig zum Ortsrichler gewählt worden. Ebenso überraschend ist's, daß in Holmi eine christl. Frau testamentarisch

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