Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 11. (12.3.1885)
- Date
- 1885-03-12
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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— 87 — der Chewra Kaddischa 200 Gulden vermacht hat, welche der durchaus nicht judenfreundliche Mann mit der Bedingung ausgezahlt hat, daß der Todestag der Erblasserin alljährlich ihm angezeigt werde, Anayni in Mähren, Die hiesige Gemeinde, welche, von der Regierung zur Anstellung eines Rabbiners angchaltcn, sich dessen weigerte, hat im Rechtsstreit obgesiegt, da angenommen wurde, daß sie sich einemNachbarbezirkeanschließenkönne. IPatis. Der Kr-cgsministcr hat angevrdnct, daß der 8 tägige Osternurlaub jüd, Soldaten, die darum ansuchen und sich dessen würdig gezeigt haben, vom 30, März bis 7, April gewährt und den Algierern noch Zeit für Heim- und Rückreise gegeben werden soll, Baris- Die „Union »oolsirs" veranstaltet populäre Vorträge, deren ersten am 15, Mürz in der Mairie des vierten Arrondissement der Oberrabbincr Herr Z, Kahn halten wird, Baris. Herr Salomvn R e i n ach ist mit einer archäologischen Mission nach Tunis betraut worden, (Arch, isr.) Baris Herr I a v a l (Isr,) wurde zum Direktor des Nationalinstituts für Taubstumme gewählt, Herr Michel L e v y, Bezirksingenieur, ist Mitglied der wissenschaftlichen Mission, welche von hier zum Studium der Erdbeben nach Spanien geschickt worden ist, Herr Lueien Levy, Prof, der Mathematik am Lyceum „Louis le Grand" ist mit den Funktionen eines wissenschaftlichen Studiendirektors an der berühmten Schule von Sainte Barbe betraut worden. Der Preisverthcilung an die Zöglinge der israelitischen Arbeitsschule am 25. Januar wohnten die beiden Großrabbinen bei und hielten Ansprachen, Sparkassenbücher und Geld, wie (von Verlagsbuchhandlungen gespendete) Bücher waren in großer Zahl den Schülern geschenkt worden. Der Marseiller Oberrabbiner ist zuni Offizier de l'Instruction publique (Auszeichnung für litterarische und pädagogische Leistungen) ernannt worden, Baris hat nun auch sein Chassidimstübel, Seit sechs Monaten wohnt der Erbprinz von Libowitsch (präsumtiver Nachfolger des dortigen Rabbi) hier und hat mit seinen Frommen den 18, und 20, Kisslew festlich in Chassidimweise begangen, — Auch die Schechita muß sich seinen Anforderungen unbequemen. Da ist die ini vorigen Jahre gestiftete polnische Gemeinde noch überboten! Algier, Die Gesellschaft „die Arbeit" welche das Erlernen von Handwerken durch Juden begünstigt, zählt 323 Mitglieder, Wieder haben 9 Lehrlinge ihre 3 jährige Lehrzeit bestanden, Einnahnie und Ausgabe erreichen 6700 Fr, — Anfang Februar hat bei der landwirthschaftlicheu Ausstellung in Paris Herr Levy-Osman Chouiaiam von hier eine Brvnce-Medaille für Weißweine erhalten. (Arch, isr,) Brüssel, Die Laicisirung der Schulen durch das Gesetz von 1881 hat für die israelitische Gemeinde die Folge gehabt, daß der Beschluß gefaßt worden ist, eine dreiklassigc israelitische Schule in der Nähe der Synagoge zu errichten. 3 Lehrer, 2 Lehrerinnen und der Oberrabbiner (der den höheren Religionsunterricht crtheilt) bilden das Lehrpersonal, welches Dienstag Nachmittag und Sonntag Vormittag Schule halten soll. Auch die Gesellschaft „Lehrlingsschutz", welche sich reorganisirt hat, will zweimal wöchentlich Religionsunterricht ertheilen lassen, Hl«m. Papst Leo ertheilte den Dispens zur kirchliche» Eheschließung zwischen einem israelitischen Bräutigam und einer katholischen Braut, (Der Bräutigam ist Baron Alexander Popper, der Sohn des bekannten Groß-Industriellen, die Braut ist Fräulein v. Castro ne, Tochter der berühmten Gesangs-Professorin M a r ch e s i.) Marocco An die „Anglo-Jewish Association" haben die aus Dcmnat nach Tanger geflüchteten Juden schon unter dem 6. Deeember v, I, eine Bittschrift gerichtet, welche nicht allein die schon bekannten Daten der Gouvcrncursgräuel wiederholt, sondern auf weiter begangene hinweist und hervorhebt, daß wenn nicht energisches Eintreten erfolgt, ähn- — gorfu Bei der Beerdigung des Erzbischofs Msgr, Maddalena hat der Rabbiner Joses Levi mit einer Deputation der Gemeinde die Leiche bis znm israelitischen Friedhofe begleitet, wo der Zug stille hielt, und die jüdischen liturgischen Gebete für die Seelenruhe des Dahingeschiedencn verrichtet wurden. (Auch diesen rührenden Akt humaner Religiosität haben Orthodoxe entstellt und begeifert), liche Verfolgungen sich auch über die anderen Städte ausdehnen werde. In Dcmnat plündert die Soldateska und wenn diese abzieht, der süße Pöbel, Keine Zufluchtsstätte ist sicher. Der 98 Jahre alte Rabbiner Joseph Malik wurde aus einem Versteck gezogen und zu 980 Ruthenstreichen verurtheilt, die er nicht überlebt hat. Glücklich preist sich, wem die Flucht gelungen ist. Alles was geschehen ist, war vom Gouvernelir befohlen, der behauptet, daß ihm so zu verfahren vom Sultan vorgeschriebe» sei!^ Rußland In mehreren Städten wurde in den Synagogen Trauergottesdienste für den Fürsten Demidoff San Donato abgehaltcn. Der Warschauer jüdisch-kaufmännische Verein hat von christlichen Gelehrten populärwissenschaftliche Borträge aller Art halten lassen — das Judenthum und seine Wissenschaft ist aber dabei leer ausgegangen. In Hdeffa hat ein Richter dent Dollmetsch des türk, Consulats nicht den Fez auf dem Kopse lassen wollen, weil er kein Muselmann, sondern ein Jude ist. Das hat zu diplomatische» Verhandlungen Anlaß gegeben, Moskau. 18000 Rubel sind gezeichnet, 100,000 müssen es aber tverdcn, uin das Aktienkapital zu begründen, mit welchem in Palästina entweder eine Fabrik oder eine Hypothekenbank »ud Handlungshäuscr errichtet werden sollen. Aus Furi« wird das Hinscheiden des berühmten und glaubenstreucn Abgeordneten Professors Morpurgo gemeldet. An seiner Stelle wurde Herr Levy zum Abgeordneten gewählt, welcher vor Kurzem seiner Vaterstadt Reggio Million Lire geschenkt hat, Fänger, Dem nach Bukarest versetzten franz, Ministerresidenten Ordenga wird nacherzählt, daß er sich wacker der Juden angenommen hat — der geringe Erfolg ist der Eifersucht der europ, Mächte aufeinander zuzuschreiben — und daß er auch in Rumänien, soviel an ihm ist, den Juden zur Seite stehen will, Bakällina, In den Kolonien, welche Herr Erlanger in seinen Schutz genommen hat, sollen Mühlen und Webereien zu Fabrikbetriebe eingerichtet werden, Aerusake«, Auf der hiesigen Oesterr. Post ist ein poste restante Brief an Prof. Rohling eingetroffen. Will der Herr dort Studien für seinen Blutdurst machen V — Alle hiesigen Vereine und llnterstützungskassen leiden an Auszehrung und Mittellosigkeit. — Es ist eben Alles nur auf's Handaufhalte» eingerichtet. Das Londoner Comite hat für die Leute von Jemen für 1500 Frcs. Grund .und Bode» zu Häusern gekauft. Das Land, das umsonst zu haben war, liegt nicht bequem genug!! (Z'wi.) Aeiv-Kork Im Gegensätze zu deni Verhalten der orthodoxen Rabbiner in Deutschland, welche mit den reformfreundlichen nicht in einem Vereine zusammen sein mögen, haben hier, wo die Gegensätze doch schärfer sind, Rabbiner aller Richtungen sich vereinigt, um Religiousschulfragen zu erörtern und Pensions- sowie Witlwenkassen zu begründen, Kalifornien. Es giebt hierzulande eine französische Colonie, deren meisten Mitglieder Juden aus Elsaß-Lothringen sind. Einer derselben, Herr Daniel Levy (ein ehemaliger Lehrer) hat „die Franzosen in Californien" geschrieben, worin die Akte des rhätigen Patriotismus verzeichnet sind. Obschon dieselben sich mit Preußenhaß legiren, können wir doch einzelnen derselben unsere Bewunderung nicht versagen, So, daß eine Dame (Frau A. Weill) einen Familienschmuck auf dem Altäre des Vaterlandes opferte, der 15,000 Francs einbringt.