Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 11. (12.3.1885)
- Date
- 1885-03-12
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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in deren einer sogar der erste Vorsitzende des D.-J. G.-B. als Mitarbeiter glänzt — zugesendet würden, eines Blattes, das zu wiederholten Malen Männer, die im Ausschuß des D.-J. G.-B. sitzen und zu den Zierden des Judenihums gehören, wegen ihrer nicht-orthodoxen Gesinnung beschimpft hat.*) Da nicht anzunehme» ist,das; von irgendwelcher unberufenenSeite hier eine pia fraus vorliegen könnte, so bleibt leider nur die einzige Erklärung übrig, dag der zeitige Vorstand des D.-J. G.-B. —ob mit oder ohneZustimmung des gesammten Ausschusses ist fraglich — de» verhängnisvollen Schritt gethan hat, das von den früheren Leitern stets und mit Recht hochchgehaltene Princip des Stehens über den Parteien, diesen rooirsr äs bronze des D.-J. G.-B., nunmehr auch affen zu verlassen. Eine Coalition: .,K r iste lle r - H ilde s h e imcr - Lehman n" dürfte denn doch gar manchem freisinnigen Delegirten nnd nicht-orthodoxen Gemeinvevorstaude zn denken gegeben. Wir fragen die geehrten Mitglieder des Ausschusses des D.-J. G.-D. — uni nur einige zu nennen: die HH. Professoren Dr. Lazarus nnd Or. Stein thal- Berlin, Rechtsanwalt und Gemeinde-Vorsteher Emil Lehmann-Dresden, Gemeinde-Vorsteher Alexander Wert hancr-Leipzig, Sanitatsrath Or. Mar cu je - Berlin, Shndicus Or. Honigmann- Breslan, Rechtsanwalt I o s eph ta l - Nürnberg, Maurermeister Adler in Berlin — an, ob sic dieses Verfahren des D.-J. G.-B. billigen, ob sie in einer solchen flagranten Parteinahme nicht eine Gefährdung des Gemeindebundes erblicken. Wir stellen diese Frage offen, weil die Gemeinden wissen müssen, woran sie mit dem D.-J. G.-B. sind. Das Siegel des D.-J. G.-B. als Etikette auf hochorthvdoxen, pietistischen Blättern — wir sprechen es mit schwerem Herzen aus, aber die Wahrheit geht uns über Alles — ist nicht mehr: NVK 2ir Wir bedauern es tief, daß derHerr VorsitzendedesD.-J.G.-B. auf die ihm von bewährtester Freundesscite wiederholt gewordenen diesbezüglichen Abmahnungen nicht hören zu sollen geglaubt hat. Magdeburg. Eine das Beerdigungswesen in Preußen betreffende wichtige Entscheidung in einer Frage, mit welcher sich die Rechtsprechung der höchsten Gerichtshöfe noch nicht beschäftigt hak, ist vom Reichsgericht IV Civilsenat durch Urtheil vom 4. Dccembv. I. gefällt worden. Rach diesem Urtheil hat jedes Mitglied c ner Kirchcugescllschaft im Geltungsbereich des Preuß. allgcm. Landrcchts ein im Wege des Civilproccsses erfolgbares Recht auf die bestimmungsmäßige Benutzung des der Kircheiigesellschaft gehörigen Kirchhofes für sich und seine, der nämlichen Pfarrei gehörigen Familienglieder. Verweigert beispielsweise die Kirchengcmcinde dem eingepfarrtcn Vater das „ehrliche" Begrabniß der Leiche seines (Haus-) Sohnes, so kann der Vater gegen die Gemeinde die Civilklage erheben auf Verurthcilung derselben, das Begrabniß der Leiche auf dem Gcmeindckirchhofc an der für die Beerdigung der Gemcindemitglicder regelmäßig dienenden Stelle („in der Reihe") unter Ausschluß aller' das Andenken des Verstorbenen herabsetzenden Ausnahinemaßregeln zu gestatten. (Obschon solche Fälle in den jlld. Gemeinden selten Vorkommen mögen, so können sie doch Vorkommen und wir richten an unsere Juristen die Frage, ob damit die religionsgesetzlich oder statutarisch oder gewohnheits- (der Sitte) gemäße abweichende Behandlung von Selbstmördern, oder bei Begehung eines Verbrechens Getödteten ausgeschlossen wird? Wir haben uns stets gegen dergleichen„Ausnahmen" ausgesprochen). Merlin Es dürfte bekannt sein, daß die „Wochenschrift" stets in entschiedener Weise der Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden das Wort geredet hat. Hier in Berlin entfaltet zu diesem Zwecke die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke u. s. w. im preußischen Staate" eine rege Thätigkeit. Der Vorsitzende des Vorstandes genannter Gesellschaft ist Professor H. Breßlau. Rach dem uns vorliegenden Geschäftsbericht pro 1884/85 sind am l. Mürz 1885 62 Lehrlinge dauernd aufgenommen. *) Auch uns ging gestern eine solche Sendung mit der Aufforderung zum Probcabonnemem für den Atonal März zu. Von diesen 62 Lehrlingen sind: Bildhauer einer, Buchbinder drei, Buchdrucker fünf. Drechsler drei, Färber einer, Gelbgießer einer, Goldarbetter einer. Gürtler zwei, Instrumentenmacher einer. Klempner drei. Knmpferschnud einer, Lederarbeiter zwei, Lithograph einer. Maier zwei, Maschinenbauer einer, Maurer einer. Mechaniker zwei, Perrückenmacher und Friseur einer, Posamentier zwei. Sattler einer. Schlächter einer, Schlosser fünf. Schneider drei, Schriftsetzer drei, Schuhmacher fünf, Silberarbeiter einer, Steinmetz einer, Tapezierer fünf, Tischler zwei, Urgehausemachcr einer. Die Einnahmen betrugen Mk. 8637.82 und ebensoviel die Ausgaben, zn denen ein Posten von 800 Mark zählt, die einem jüdischen Handwerksgesellen als Beihilfe zum selbstständigen Etablissement — als unverzinsliches Dariehn — bewilligt worden find. Wir wollen über die vortreffliche Wirksamkeit der Gesellschaft kein Wort mehr verlieren, wohl aber den dringenden Wunsch aussprechen, daß der Gcsellschait noch recht viele Mitglieder beitreten möchten! Arakel, 6. März. iOr.-Corr.) Roch niedergedrückt von dem erschütternden Todesfall deS unglücklichen Collegen in Greifenberg möchte ich dem werthen Correfpondenlen aus Stettin, der,' wenn ich nicht irre, zur Zeit sich mit so beredten Worten für die angeregte Begründung eines Pcnsionsfonds aussprach, die Versicherung geben, daß meinerseits die Sache durchaus nicht anfgegcbcn ist, daß ich aber in Folge der von Seiten des D.-J. G.-B. ergriffenen Initiative — kurz nach dem Aufrufe — veranlaßt wurde, vorläufig erst abzuwarten, in welcher Weise der D.-J. G.-B. für einen solche» Fonds wirken würde nnd welches Resultat die Sammlung gehabt. Noch ist nichts davon in die Oeffentlichkeit gedrungen. Wie groß das Resultat nun auch sei, für das allgemeine Bcdürfniß wird es noch langen Sammelflcißes bedürfen, ehe wir diejenige Summe erreicht haben werden, die znm fraglichen Zwecke unbedingt nothwendig ist. An einleitenden Schritten habe ich es nicht fehlen lassen, für Porto, Erwerbung von Statuten, Zeitschriften habe ich schon manche Mark ausgcgeben, es fehlt mir eben noch über einige wesentliche Punkte die nothwcndige Aufklärung. Jedenfalls werde ich aber i» nächster Zeit über die in der Sache gegebenen Rathschlägc, Bedcnken, einen kurzen Bericht erstatten, damit diejenigen Cvnfcrenzen, welche sich mit der Angelegenheit befassen wollen, sich leichter in vaoäias res ein lassen können. Da aber mit einer Begründung des anzustrebenden Peusionsfonds der dringenden Roth der armen Hinterbliebenen in G. nicht geholfen werden kann, so möchte ich den hochverehrten Redacteur d. Bl. ersuchen, eine Collecte zu eröffnen, um so wenigstens in der allernächsten Zeit die Verlassenen wirksam aufrichten zu helfen.*) Or. S. Weinstein. Frier. (Or.-Corr.) Das hiesige Üocal-Comits der Alliance hat der Aufforderung des Centrat-Cvmitss Folge (leistend die 25 jährige Jubelfeier am Samstag würdig begangen. In der Synagoge hielt Herr Oberrabbiner Or. Zuckermandel die Festpredigt, in welcher er anknüpfend an den Text "121 "1121 Zweck und Mittel der Alliance darstellte. Ihr Kampf gelte dem Menschen- und Judenfeind Amalek, der die Freiheit bei Andern nicht dulden könne. Hinterrücks durch Lüge und Verleumdung greift er Israel an, welches aus dem Egypten der Rechtlosigkeit ausgezogen sei. Die Alliance kämpfe aber mit denselben Mitteln, durch welche MoseS Amalek besiegte. Wie Moses auf dem Berge stehend die Hände zum Himmel erhob, um die Unschuld Israels vor aller Welt zu betheucrn, so steht die Alliance auf der Warte und betheuert, die öffentliche Menge aufklärend, die Unschuld der vorgebrachten Verleumdungen Amaleks. Zu Israel gewendet bedeuten die cmpvrgehaltenen Hände des *) Wie wir hören wird von anderer Seite ein diesbezüglicher Ausruf zn einer Collecte vorbereitet. Wir erkläre» uns jedoch zur Entgegennahme von Gaben für die Hinterbliebenen gern bereit und werden eventuell im Jnfcratcntheil darüber qnittiren. (Red.)