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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-03-12 · N° 11. (12.3.1885) · p. Seite 82

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 11. (12.3.1885)
Date
1885-03-12
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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— 82 — i' i vif i\ i r :" > .!, einen unmittelbar prae tischen Werth haben. Diejenigen, die dem Vogel Strauß gleich, ihren Kopf in den Saud stecken und die Gefahr nicht sehen wollen, mögen versuchen, diese Thatsachen zu leugnen; sie werden es nicht können, und wir sind dann begierig zu erfahren, welche Vorschläge sie machen würden. um von ihre in Standpunkte ans das drohende Unheil abznwehren. — Um Mißverständnissen vorznbenge», erklären wir zunächst, daß derjenige, dessen Herz warm schlägt für das Judenthnm und seine Geschichte, die Entfernung der hebräischen Sprache aus dem Gottesdienste niemals wird wünschen können. Die hebräische Sprache als Sprache des Gebetbuches hat sich durch den Wechsel der Jahrhunderte als ein mächtiges Band der Einigkeit im Judenthnm erwiesen. sie hat dazu! beigetragen, dem jüdischen Volke seine Mission als Religionsvolk stets vor die Augen zu führen, sie hat gleichsam ein Glied in der geistigen Retie gebildet, die den Israeliten mit der Vergangenheit verbindet. Diese Kraft besitzt sie unbestreitbar auch jetzt noch. Das brüderliche Zusammenhalten der Inden beruht nicht zum mindesten daraus, daß sie eine Sprache haben, die ihnen Allen gemeinsam ist, und das Rationalgefühl, so weit es seine innerliche Berechtigung findet in der Erinnerung au die Thaten und Geschicke der Vorfahren, wird gehoben und gekräftigt durch den Gedanken, daß dieselbe Sprache in alter Zeit von den Propheten und Goitesmännern Israels gesprochen wurde. Es liegt etwas Hvcherhabenes und Begeisterndes in dem Bewußtsein, daß die Sprache, in der wir beten, dieselbe ist, in der JesaiaS gepredigt und der Psalmist gesungen hat, und die heftigsten Gegner der hebräischen Sprache beim Gottesdienste müssen zngebe», daß, wenn auch ein Gebet in der allgemeinverständlicheu Umgangssprache dem andächtigen Sinne zu Gute kommt, das Hebräische dagegen gleichsam einen geistigen Werth besitzt, indem es jüdische Pflichterfüllung lehrt und jüdisches Empfinden weckt und belebt. Ein Verschwinden der heiligen Sprache ans dem Gebetbuche würde ein allmähliches Vergessen derselben unter dem größten Theil der Jndenheit zur Folge haben; sie würde, in den Angen der Majorität, jede praetische Bedeutung verlieren und würde nur noch in der Stndirstube derjenigen zu finden sein, die sich ans wissenschaftlichem Interesse mit ihr beschäftigen. Die Vvrtheile, die ans ihrer Beibehaltung bisher hervorgingen, würden geopfert, und es würde nicht nur eines der Fundamente der jüdischen Einheit zerstört werden, sondern das Gefühl des Zusammenhangs mit der Vergangenheit und seine veredelnden Einwirkungen auf das jüdische Herz würden abgeschwächt nnd^geschädigt werden. Eines jener Mahnzeichen, welche in schweigender Beredsamkeit die Inden an ihre ruhmreiche, verantwortliche Stellung unter den übrigen Völkern erinnern, würde unwiederbringlich verloren sein. Die Tage des Sinai, die jetzt, so zu sagen, durch die hebräische Sprache bis ins neunzehnte Jahrhundert hineinreichen, würden znrücksallen in das ferne Alterthnm und einen erheblichen Theil ihrer versittlichenden, läuternden Kraft mit sich nehmen. Es wäre kein Zeichen von Adel der Gesinnung und von Selbstachtung, wenn wir Juden selber beitragen sollten, daß unsere nationale Sprache, das Erbe unserer Väter, auf diese Weise in Verfall geriethe. — Andererseits aber.... (Schlich folgt.) Zur Berufsstatistik der Juden. Die „Statist. Corr." veröffentlicht in einem besonderen Abschnitt die Ergebnisse der allgemeinen Berufszählung, indem sie Beruf und Reli g i o n s beke n n tn iß eombinirt. Die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Statistik liegt ans der Hand; die Ergebnisse verdienen eine allgemeine Beachtung, die ihnen noch in erhöhtem Maße zu Theil werden wird, wenn erst die detaillirten Zahlen, die im 3. Theile des 76. Heftes der „Preußischen Statistik" pnblieirt werden sollen, vorliegen. Aus den summarischen Angaben der „Statist. Eorr." erwähnen wir Folgendes: Im Preußischen Staate befanden sich am S. Juni 1882 17 659141 Evangelische, 9 220 326 Katholiken und 357 554 Inden. Erwerbsthätig waren in einem Hauptberuf 7 617 096 Evangelische, 3 937 623 Katholiken und 137 138 Inden, während 10 042 048 Evangelische, 5 282 703 Katholiken und 220 416 Inden Angehörige ohne Hanpterwerb waren. Schon diese Zahlen kennzeichnen die große Verschiedenheit zwischen den einzelnen Confessionen. Während im allgemeinen Durchschnitt auf 100 Ernährer 133,0 Ernährte kamen, waren dies bei den Evangelischen 131,9, bei den Katholiken 134,1 und bei den Inden 160,7, mit andere» Worten: es wäre» von der Gesammtbevölkernng 57,1Proee»t ha npterwerbs lose Angehörige, von den Evangelischen 56,9, von den Katholiken 57,3, von den Inden 61,6 pCt. Die „Statist. Corr. schließt hieraus, daß einerseits die geringste Belastung der Produeente» auf Seiten der Evangelischen, die stärkste auf Seiten der Inden liegt, und daß andererseits die Heranziehung der Angehörigen zur Erwerbsthätigkeit bei den Evangelischen am itensivsten ist, bei den Inden dagegen die mildeste Form annimmt. Sondert man die einzelnen Bernfsgruppen von einander, so findet man, daß von 100 Erwerbsthätigen in der Landwirthschaft (Bodenbenntznng, Thierzncht und Fischerei) Ihütig waren bei den Evangelischen 38,9, bei den Katholiken 43,8, bei den Inden 1,2, überhaupt 40,1 pCt., in der Industrie und den Gewerben 31,0 Evangelische, 31,9 Katholiken und 20,8 Inden, im Handel 4,0 Evangelische, 3,0 Katholiken und 53,9 Inden. Als Rentner, Pensionäre, Anstaltsinsassen ohne Beruf und ohne BernfSangabe, zählte man von 100 bei den Evangelischen 6,4, den Katholiken 5,0 und den Inden 13,1. Die Gegensätze zwischen der Landwirtschaft und dem Handel, bezüglich der Betheiiignng der Inden sind eklatant. In einzelnen Gewerben re. prävaliren verhältnißmäßig die Katholiken bedeutend, z. B. in der Textilindustrie und dem Bergbau (eine Folge davon, daß die Hanptsitze dieser beiden Industrien in katholischen Gegenden liegen), in anderen die Inden, so im Buchdrnckereigewerbe, in den Bekleidnngsgewerben, besonders aber in der Industrie der Nahrnngs- und Gennßmittel und im Beherbergnngs- und Schankgewerbe (hier 1,34 Ev., 1,05 Kath und 2.66 Inden auf je 100 Erwerbsthätige dieser Confessio»). An den sogenannten „freien" Berufen waren 5,4 Evangelische, 4,2 Katholische und 4,6 Inden von je 100 Erwerbsthätigen dieser Confession betheiligt; darunter in der Verwaltung und Rechtspflege 1,17 Ev., 0,73 Kath. und 0.78 Inden, im Heerdienste und Kriegsflottendienste 2,39, bzw. 1,91 bzw. 0,68, in Neligionspflege, Erziehung und Unterricht 1,13 bzw. 0.91 bzw. 1,89, in Gesnndheits- und Krankenpflege 0.33 bzw. 0.38 bzw. 0,78, und in der Schriftstellerei und den ausübende» Künsten 0.43 bzw. 0,27 bzw. 0,51 von je 100 Erwerbsthätigen der drei Haupteonfessionen. Herichtc und Correlporrdenieu. Deutschland. Magdeburg, 9.Mürz. Es gehen uns von verschiedenen Seiten Berichte zu, die dem gerechtem Erstaunen darüber Ausdruck geben, daß ihnen ans dem Bureau und versehen mit dem Stempel des Dentsch-Jsr. Gemeinde-Bundes Nummern eines bekannten jüd. orthodoxen Blattes mit diversen Beilagen —

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