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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-02-26 · N° 9. (26.2.1885) · p. Seite 67

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 9. (26.2.1885)
Date
1885-02-26
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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— 67 — verständige Urtheil jedes sach- und fachkundigen Lehrers. Wir haben uns neuerdings in demselben Sinne auch anderwärts*! ausgesprochen. Dort habcn wir auch angedeutet, was der Lehrer zu thun hat, Ivenu er in die Lage kommen sollte, Etwas zu lehren, was nicht nach seiner individuellen religiösen Ueberzeugung ist.**) Allein — die Herren Orthodoxen haben doch mit so freudiger „Genugthuung und Anerkennung" die Erklärung des Herrn Or. Kristeller im Namen des Gemeindebundcs begrüßt, daß der Bund für die Verhandlungen und deren Ergcbniß keinerlei Verantwortung trage! Was doch die Herren sich Alles einbilden und zu ihren Gunsten auslcgen wollen!***) Es thnt uns wirklich leid, denselben diese il,rc Freude ganz und gar nehmen zu müssen, da wir für ihre „Genugthuung und Anerkennung" durchaus kein Verständniß haben. In solche Netze sängt man doch weder eine» Herrn vr. Kristeller, noch ein anderes Mitglied des Gemeindebundausschusses! Wenn irgend eine Behörde oder Bereinigung Sachverständige, Männer vom Fache, zur Erörterung einer ganz bestimmten Frage beauftragt, wer trägt denn die sachliche Verantwortung? Doch selbstverständlich die hierzu berufene Fachkommission. Wozu wäre sie sonst da? Und hier waren die meisten Herren noch nicht einmal „berufen", sondern von ihren rcsp. Vereinen delegirt. Der Gemeindebund trägt also nicht einmal für die Berufung der einzelnen Personen Verantwortung. Gestatten Sic mir noch ein Wort. Man hat am Schlüsse der Confercn-, in sehr bewegten Ausdrücke» die „armen" Lehrer bedauert, die nun wieder getäuscht sind, denen kein fertiger Lehrplan von der Versammlung geboten wird, deren Delegirte mit „leeren Händen" heimkommen. Wir gestehen, daß das Wort „arme Lehrer" uns immer und überall sehr unangenehm berührt. Es hat stets einen Beigeschmack von Mißachtung und die es im Munde führen, sollten an anderer stelle einwirken, daß es keine a r m e » Lehrer gäbe, weil die Lehrer eben nicht arm sein dürften, nicht arm sein sollten. Doch hier war es am allerwenigsten am .Platze; hier hätte cs im Sinne des Redners heißen müssen: „unwissende" Lehrer! Diejenigen, welchen die generellen Bestimmungen des Normallehrplans Nichts sind, und welche ans ihm unter Zuhülfenahme der 4—5 übrigen mehr specialisirten Pläne nichts machen können, sind eben geistesarm, und würden mit jedem andern, auch dem specialisirtcsten Lehrpläne Nichts auzusangcn wissen. Es fehlt ihnen dann leider am Besten, an pädagogischer und didaktischer Schulung, «leht man in einzelnen unserer jüdischen Lehrerseminarien etwa noch auf dem Boden der Regulativpüdagogik? Bietet mau vielleicht unseren jüdischeuSeminaristen einedürftige „Schulkunde", statt sie an den lebendigen Quellen der Pädagogik zur Selbstthätigkeit und Selbstständigkeit heranzubilden? Glaubt man in eitler Anmaßung immer noch, daß sachliches Wissen die Befähigung zum Lehrerberufe au sich schon gebe? Hat man etwa nöthig, sachverständigen Lehrern die Geistesnahrung, die sie ihren Schülern zu bieten haben, in kleinen Rationen vorzuschneiden? Wir hatten das Vergnügen, eine kurze Zeit unter den Zöglingen des Oberkursus des jüdische» Lehrerseminars zu Berlin zu verweile». Dort sahen wir einen Gedanken verwirklicht, den wir in unserer bescheidenen Lehrcrwirksainkeit und fesseln, sie begeistern". Die Lehren der Päda- *i In einem Artikel: „Religionsunterricht, unsere Zukunst", in den populär-wissenschaftlichen Monatsblättern von Or. Briill. (Wir haben uns den Artikel kommen lassen und gedenken, sobald der Raum es gestattet, ihn inhaltlich den zahlreichen Lehrern unter unseren Lesern mitzuthcilen. Red.) **j Vielleicht ist den mit der Geschichte der Pädagogik bekannten Lehrern auch der diesbezügliche Streit Diestertoeg's mit dem streitbaren Bischof Kettler von Mainz noch erinnerlich. Diese Fälle bleiben sich überall gleich. ***! Die Orthodoxen haben so ganz Unrecht nicht, wenn sic das Uoqneltiren mit ihnen in ihrem Sinne anslegen. Red.) im Stillen schon lange gehegt, vielleicht auch hier und da schon einmal ausgesprochen haben. „Die Lehren der Pädagogik sind der Religion nahe verwandt. Wie diese muß die Pädagogik das Gemüth ihrer Jünger erfassen, ihnen Geist erheben gogik werden gestützt und getragen von den Lehren und Heilswahrheiten des Judenthums". Und als da in Berlin die Lehren der Pädagogik von den frischen, jungen Mensche» mit hebräischen Beweissätzen aus der Bibel belegt wurden, da durften wir uns sagen: Diese geistig frischen Jünger des jüdischen Lehramts werden einst in ihrem Berufe ihr Dheil an „Menschenbildung", „im Dienste des Wahren, Guten und Schönen" — und an der Regenerirung des Judenthums freudig leisten. Diese »nd noch sehr viele andere Lehrer werden auch wissen, was sie mit den Plänen machen, die ihnen bald vom D.-J. G.-Bund geboten werden. Darum gebührt den Leitern des D.-J. G.-B. immerhin unser Dank für die Berufung der Conferenz. Der Segen wird schließlich doch nicht ausbleiben. Htnar jaTX xS "2 Schließen wir darum hier mit dem Wunsche: Tüchtige, pädagogisch durchgebildete und kenntnißreichc jüdische Lehrer — sie sind die Hoffnung und die Zukunft Israels! Gerichte und Gorretpondenren. Deutschland. Magdeburg. Zur Colonisationsbcwegung! Wie es den Zeloten für die Palästinaerwerbung zur Gewohnheit geworden ist, alles ihnen Ungünstige abzuleugnen und Hoffnungsreiches zu erdichten, das haben bisher nur sogenannte „Antinationale" der Oeffentlichkeit geschildert. Jetzt klagt aber ein „Nationalgesinnter" selbst darüber weh' ihin, wie wird er überschüttet werden mir Fluch- und Schimpsreden — und zwar Einer, ders wissen kann, Herr Fr um kin, der Redakteur der in Jerusalem erscheinenden „Habazeleth". Dieser klagt in einem, an seinen Bruder nach Wien gerichteten (vom 29. Teweth pr. datirtcn schreiben, daß der wackere „Jbri" veröffentlicht) also: „Gar wunderlich anzuschaue» ist die Liebe, in welcher der Redakteur des „Hamaggid" zum heiligen Lande glüht. Alle Berichte über Verordnungen tind Befehle der Regierung, welche der Colvnisation gegnerisch lauten, werden als „erlogen" hingestellt, freilich ohne den geringsten Versuch des Beweises. Anstatt dessen heißt es da: „Augenscheinlich erlogen". Manchmal wird das noch verstärkt mit den Worten: „Wie aus Berichten, die wir empfangen, hcrvorgeht", oder — und das ist der Haupttrumpf: „Aus sehr guter Quelle erfahren wir". Mit solch lügenhaften, nichtssagenden Redensarten wurden die Verbote des Landankaufes behandelt und Hunderte in's Elend gestürzt, die den erlogenen Redensarten des „Hamaggid" mehr geglaubt haben, als den Warnungen treuer Freunde. Das frevelhafte Spiel hat sich wiederholt gegenüber den Berichten, daß die Regierung den Erbauern von Häusern in den neue» Colonien den Proceß gemacht hat. — Uns scheint das nicht der rechte Weg zu sein, der Israel zur Besiedelung Palästina's führt. Nicht dürfen wir in Strömen das Lebensb l u t unserer Brüder zur Befruchtung ergießen über den Weinberg des Herrn!" — Der in voriger Nr. angckündigte Protest aller Gemeindcverbände in Palästina gegen die Colonisation ist nunmehr in hebräischer Sprache unterzeichnet von 80 der angesehensten Männer, meist Vorstehern, erschienen; derselbe ergeht sich in den schärfsten Ausdrücken gegen Alle, die die Colonisation Palästina's anstrcben, sie nennt das Ganze eine schwindelhafte, vom Jrrgcistc der Verkehrtheit eingegebenc Idee (0'S1S ITH ITH sTk-HI und macht die hebräischen Blätter in denen der „Lügengeist Satans umherspringt" für das daraus entstehende Unglück verantwortlich. „Hameliz" will trotzdem, daß man den „Machazis Haschekel" zu diesem Zwecke sammle; ein Correspondcnt des „Jwri" fordert Rechnungslegung über die viele» bereits gesammelten Gelder, die verwirthschaftet worden sind. Hoffen!-

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