Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 8. (19.2.1885)
- Date
- 1885-02-19
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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— 59 — Das Andere überlassen wir der Familie und dem Leben. Und nun gar beim Uebersetzen des Pentateuch! Der Unterricht im Hebräischen ist Mittel zum Zweck! Er soll die Kinder befähigen, die Quellen der jüdischen Religion mehr oder weniger kennen zu lernen, an dem öffentlichen Gottesdienste sich zu betheiligen. Daß diejenigen, welche mehr Hebräisch verstehen, darum auch bessere, frömmere, gewissenhaftere Inden sind, werden selbst die orthodoxesten Preßhelden nicht behaupte» wollen. Wir thnn nun, was wir können. Mehr als das gesetzliche Maaß von Zeit dürfen und können wir auf den hebräischen Unterricht nicht verwenden. Die übrigen Unterrichts-Gegenstände dürfen durch ihn nicht beeinträchtigt werden. Da heißt cs denn concentrircn, sich auf das Lebensvollste, Bildendste, ans das, was auch für die Ge genwart das Werthvollste ist, beschränken: heranszuwähien aus dem „Bollen", aus der „Quelle lebendigen Wassers", aus dem Besten das Allerbeste! Ist cs also richtig, bei der Fülle deS Herrlichen, das wir aus Mangel an Zeit und Kraft nicht vcrwcrthe» können, zum — sagt, was Ihr wollt — zum Tobten, Abgestorbenen zu greisen? Zn dem, was auch im besten Falle in unserer Zeit nicht fruchtbar gemacht werden kann für die Erleuchtung der Geister, für die Erwärmung der Gemüthcr, für die Kräftigung des jüdischen Charakters? Das wäre ja auch eine — und zwar sehr verwerfliche Parteinahme! Wen» wir auch nur wenig fertig bringen der Quantität nach, — wir sind uns des Trostes gewiß, daß unserer Gott die Herzen und die Nieren prüfet und nicht das Mehr oder Minder der Kenntnisse im Hebräischen! — l Schluß folgt.) Berichte und Correspondenren. Deutschland. Magdeburg, 15. Fcbr. Das eben ausgcgebene 1, Heft der „Revue de droit international“ (Brüssel, Merzbach & Falk) enthält einen Artikel, welcher die rumänischen Behörden auf das große Unrecht hinwcift, daß sie damit begehen, die ohnehin strengen Gesetzesbestimmungen gegen die Ausländer statt mit möglichster Milde vielmehr mit der härtesten Rigorosität zu intcrpretiren und auszuführen. Zugleich appcllirt die „Revue“ an die maßgebenden Rechtsvertreter in Rumänien, mit ihrer Autorität nachdrücklichst für eine dem Geiste unseres Jahrhunderts und der Tendenz des Berliner Vertrages entsprechende Behandlung der „Ausländer" einzutreten. Berlin Am 7, Februar d, I, waren cs 50 Jahre, daß der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Mädchenschule ins Leben rief, nachdem etwa ein Jahrzehnt früher eine bis dahin von Wohlthütern unterhaltene Knabenschule von der Gemeinde übernommen und der Leitung des noch unter uns lebenden Dr. L. Zunz unterstellt worden war. Schon bei Reorganisation dieser Anstalt hatte man die Absicht, auch eine Mädchenschule zu gründen, Jndeß kam der Plan erst 1835 zur Ausführung, Zweck der neuen Anstalt war, Töchter unbemittelter Gemcindemitglieder in der Religion, in den Elemcntargegenständcn und in Handarbeiten zu unterrichten, Dirigent war Anfangs Dr. Michael Sachs s, A, Im Laufe der Jahre hat die zweiklassige Elementarschule sich zu einer starkbesuchten achtklassigen Mittelschule entwickelt. Die Kosten der jetzt unter Leitung des Herrn Dr, Steinschneider stehenden Anstalt werden zum größten Theile aus Gemeindcmitteln bestritten. Königsberg. (Schluß.) Um 5 Uhr wurden die Verhandlungen mit einem Berichte über die Hilfskasse, von Herrn Sekretair Klein, hier erstattet, wieder ausgenommen. Redner berichtet über die Entstehung der Hilfskasse, die für die Gemeindebeamten der Provinzen Ost-, Westpreußen und Poinmcrn bestimmt und nach Lage der Verhältnisse ein dringendes Bedürfniß ist und fordert unter Hinweis auf die glänzenden Erfolge der Hilfskasse in Hannover sehr dringend den Beitritt sämmtlicher Beamten, Mir diesem Referate wird der nächste Gegenstand, die Frage: „Wie ist dem Uebelstande des heutigen Stellenwechsels infolge Kündigung seitens der Gemeinden abzuhelfcn?", die'Herr N e u in a n n - Heilsberg zu beantworten gesucht hat, in Verbindung gebracht und an beide Referate knüpfen sich 1, der Antrag des Herrn Klein:^Die heutige Religionslehrer - Conferenz des Verbandes der Synagogcngemeinden OstspreußenS wolle beschließen, den Verbandsausschuß ver Synagogengemeindc» Ostpreußens zu ersuchen, sowohl den VerbandSgcmeindcn selbst als deren Beamten nochmals dringend den Beitritt zur genannten Hilfskasse zu empfehlen — und 2. der des Herrn Dr. Wolffberg: Der Berbandsansschuß möge zur Erreichung der definitiven Anstellung der Lehrer die geeigneten Schritte zu thnn.') Beide Anträge werden angenommen, und der anwesende Vorsitzende des Verbandsausschusses, Herr Stadtrath E l ö s s e r, erklärt, diese Beschlüsse wohlwollend behandeln zu wollen. Den letzten der angemeldeten Vorträge: „über die korrekte Aussprache des Hebräischen", hielt der Eantor B i rn b a um. Res, gab ein übersichtliches Bild der verschiedenen Aussprachen des Hebräischen in den einzelnen Ländern in Bezug auf die Vvcale, entwickelte die bedeutsamsten Lehrregcln und zeigte, wie wünschenswerth eine sorgfältigere Beachtung derselben sowohl beim Leseunterricht, als auch bei dem gottesdienstlichen Vortrage sei. Der Vorsitzende stellte nach Beendigung des Vortrages eine gedruckte Zusammenstellung der vorgeführten Leseregeln in Aussicht, Zum Schlüsse der Tagesordnung, die durch Abhaltung mehrerer Probelektionen ihre Erledigung fand, gab Herr Dr. Bamberger eine Resllme der Verhandlungen, dieselben nach zwei Seiten, das Wohl der Jugend und das der, Lehrer betreffend, beleuchtend. Auch Herr Dr, Rü l f-Memel der der Versammlung beiwohnte und als stellvertretender Vorsitzender (Schriftführer waren die Herren Dr. Wolssberg und Haase-Brausberg) fungirte, sprach Worte der Ermunterung zu gemeinschaftlichem Streben und forderte die Versammlung auf, Herrn Dr, Bamberger für sein unermüdliches Streben, das den Lehrern in den Schulen unserer Provinz zu ante kommt, ihren Dank zu bekunden, welcher Aufforderung in üblicher Weise gern Folge gegeben wurde. Die Conferenz wurde daraus von dem Vorsitzenden um 81/2 Uhr 'Abends geschloffen und es folgte dann ein schön arrangirtes Souper, das die Besucher der Conferenz bis in die späte Abendstunde in froher und vergnügter Stimmung znsammenhielt, und bei dem es an schönen und sinnigen Toasten nicht fehlte. Wie die vormalige, so hat auch die diesjährige Conferenz ihren Zivcck voll und ganz erfüllt. Sie hat auf die Besucher anregend und belehrend geivirkt und gar mancher wird nun der einen oder der andern pädagogischen Frage näher treten, als es bis jetzt seinerseits geschehen konnte. — Möge dieser zweiten Conferenz bald eine dritte folgen, aus daß der Segen, der durch regelmäßig wiederkehrende Confcrenzen der Schule erwächst, sich auch aus unsere Schulen in der Provinz erstrecke, T. Aus Westfalen, Februar. (Or.-Cor.) Der Bau des Lehrerseminars der Marks - Haindorf'schen Stiftung zu Münster schreitet tüchtig voran. Die Grundsteinlegung des Gebäudes hat am 2. Mai 1884, dem hundertjährigen Geburtstage des im hohen Alter verstorbenen Professors *) liebet diesen wichtigen Punkt theilen mir hier auch den bete. Passus aus dem Referat unseres andern Berichterstatters mit: „Der Diseussion hierüber war nicht minder die Fruchtlosigkeit anzumerken, wie der über de» Rormalplan, Es ist ja zu bekannt, wie ungern die Gemeinden das unbeschrüukte KündignngSrecht au» Händen geben, obwohl sie selbst einsehen, das; der öftere Beamtenwechsel ihren Institutionen und besonders den Schulen nicht zum Nutzen gereicht, und nur die Heuchelei und den Servilismus großzieht. Wie ivarnr auch Herr 4>r. Rüls für die Sicherstellung der Beamten eintrat, so wurde die Versammlung doch bald die Erfolglosigkeit jedes Versuches, in dieser Beziehung Wandel zu schaffen inne, und die ausgestellte Frage blieb — ungelöst." i.