Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 7. (12.2.1885)
- Date
- 1885-02-12
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9586215-9584657--5619-9584662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 53 — einet größeren Versammlung im Interesse der Talmud-Thora- Schule tfjeil. Außer zur Direetian dieses Instituts gehörte M. auch dem Vorstände der Israelitischen Töchterschule an; und diese Schule nicht minder verdankt ihm viel, wenngleich er sie nicht mit gleicher Liebe wie ihre Vorgängerin, die Mädchenschule von 1798, umfaßt zu haben scheint. Ein ansehnliches Capital ist von obengenannter Dame dem PensionStond dieser Anstalt ebenfalls auf seine Veranlassung vermacht worden. Auch der jüdischen Armen-Verwaltitng hat der Entschlafene seit einer langen Reihe von Jahren angehört: ferner dem Liquidations-Collegium, dem Vorstand des Vereins zur Bekleidung armer Schüler der Talmud-Thora, in gleicher Eigenschaft dem Vereine zur Periheilung von Brot und Suppe und den. Local - Comit« der Alliance Israelite universelle. Vor etwa dreißig Jahre», als der Bau einer neue» großen Shnagoge beschlossen war, itahm der Verstorbene regen Aniheil an den Bestrebungen zur Hebung des Gottesdienstes, zog sich aber, friedfertig wie er war, später von diesem Felde der Thätigkeit zurück, nachdem er erkannt hatte, daß der Widerstand von gewisser Seite schiver zu überwinden sei und hat seitdem weder für noch gegen sich thätig erwiesen. M. erreichte ein Alter von fast siebenzig Jahren, er war am 2ö. Mai 1815 geboren und wurde heute unter großer Betheiligung aus alle» Schichten der jüdischen Bevölkerung in Ohlsdorf dem Schovße der Erde übergeben. I» der Kapelle des Friedhofs sprachen der Vorsitzende des Vorstands der Israelitischen Töchterschule und ein Mitglied der Arnien- Verwaltung, währeitd der Lberrabbiner und einer der Lehrer der Talmud-Thora-Schule bereits im Sterbehause die Verdienste des Verblichenen gepriesen hatten. Das Andenken deSselbeii sei ztim Segen! Köln, 6. Februar. (Or.-Corr.) Am vergangenen Sonntag, l. Februar, wurde im hiesigen israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache die Gedüchtnißfeier für die verstorbenen Wohlthäter und Gönner der Anstalt begangen. Gegen 11 Uhr Vormittag versammelte sich das Curatorium mit einer auserlesenen Schaar Theilnehmender in dem Saale der Anstalt, welcher mit den Bildnissen der verstorbenen Stifter, der Feier entsprechend, geschmückt war. Nach Reeitirung einiger auf die Bedeutung der Todtenfeier sich beziehenden hebräischen Psalmen hielt Herr Rabbiner Dr. Frank die Gedüchtnißrede, an welche sich ein Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen, Erwähnung ihrer Namen an- und die Feier mit deni Kaddischgebet abschloß. — Aus dem in der letzten Curatoriumssitzung von dem Anstaltsarzt Herrn Dr Feith, der sich den Kranken und Altersschwachen mit Unermüdlichkeit widmet, erftatteten Bericht geht hervor, daß im Jahre 1884 von 41 Kranken 39 als geheilt und gebessert und nur einer »»geheilt und ein anderer auf Wunsch entlassen wurden. Die Summe der Verpflegungstage pro 1884 betrug 7158. Unter den Altersschwachen hat sich der seltene Fall ereignet, daß eilt 90jähriger Greis von einer echten Lungenentzündung binnen 9 Tagen geheilt wurde. — Der Neubau, der zuin ursprünglichen Gebäude hinzugekommen, entspricht allen Anforderungen, welche in der neuesten Zeit an die Hygiene gestellt werden. Die Anstalt wirkt in höchst segensreicher Weise und werden ihr von allen Seiten vielfache Beweise des Wohltvollens und der Unterstützung entgegengebracht. Die Herren Gebrüder Eltzbacher haben in diesem Hause ein dem Andenken ihrer Eltern würdiges Denkmal errichtet. — Dem hies. Comite für die „Bismarckstiftung" gehört auch der Vorsitzende des Vorstandes unserer Gemeinde, Herr Banquier I. de Jon ge, an. A. L. Dresden, Mitte Februar. (Or.-Corr.) Verhaltnißmäßig selten dringt gerade von hier jüdische Leserkreise Jnteressirendes zur Kenntniß der Außenwelt und doch scheint es, als ob gerade die letzten Jahre das jüdische, gesellige Leben sich reger erweist, denn seit längerer Zeit. Auch eine Frucht des gewisse gesellschaftliche Kreise inficirenden Antisemitismus. Sv haben wir nun seit vier Jahren den Brüderverein, der sich aus einfach-bürgerlichen Schichten der jüdischen Gesellschaft rekrutirt, unter seinen Ehrenmitgliedern die Herren Oberrabb. Dr. Landau und Ge meinde-Vorsteher Rechtsanwalt Emil Lehmann zählt, sowie seit Kurzem die „H ar m o »ic", die sich etwas exklusiver hält, auch wohl mehr pekuniäre Aiiforderungen stellt. Der „Brllderverein" hat sich jedoch schon unleugbares Verdienst erworben durch Veranstaltung Jedermann frei zugänglicher Vorträge, die auch von Nichtisraeliten, natürlich im Sinne einer freieren Lebensanffassung gehalten unö sehr gut besucht werden, auch bei einem Theile der (anständigeren) Presse Beachtung finden. Am I.März (Purim) feiern beide Vereine Feste, der Erstgenannte das IV. seiner Stiftung. —■ Außerdem wird diesmal der 7. Adar in besonders solenner Weise durch ein Herrenfestessen von den Vereinen „Beerdigun gsbrllderschaft" und „Krankenverpflegungsgesellschaft" zugleich als 25jährige Jubelfeier der „Alliance isr. univ.“ in de» Sälen des königl. Belvedöre's (auf der berühmten „Brühl'schen Terrasse") gefeiert. — Auch bekundet sich hier neuerdings Interesse für die Begründung eines jüd. Gesangvereins, der wohl neben dem ständigen Sy'agogenchor bei festlichen Anlässen wirken soll. Wiesbaden, 6. Februar. (Or.-Corr.) Am 1. ds. M. beging' der hiesige, s. Z von Dr. A. Geiger gegründete „Jsrealitische Männer-Kranken-Verein" sein 50 jähriges Stiftnngsfest. In der vom Hrn. Rabbiner Dr. M. Silberstein gehaltenen Festpredigt forderte derselbe zur Gründung einer Waisenanstalt für Stadt und Provinz auf, ein Gedanke, der von der Gemeinde mit Begeisterung ausgenommen ward. Sogleich nach beendigtem Gottesdienste stellte ein Gemeindemitglied Herrn Dr. Siberstein für den bezeichneten Zweck 1090 Mark zur Verfügung, dem bald noch ein anderes mit der gleichen Summe folgte. Bei dem am Abeud ftattgefundenen Festessen wurden gleichfalls ansehnliche Summe» gezeichnet, so daß schon am ersten Tage gegen 5000 Mark znsammenkame». Man hofft, daß, da eine Subscriptionsliste in der Gemeinde in Umlauf gesetzt wird, mindestens 10,000 Mark zusammenkommen werden. Das Tischgebet wurde zu Gunsten einiger Armen versteigert und 322 Mark hiefür erzielt. Mit demselben wurde vom Ersteigerer der Rabbiner beehrt. — Am 28. v. M. hielt der Herr Rabbiner Dr. Silberstein hierselbst vor einem zahlreichen, zum Theil auch aus Christen bestehenden Auditoriuin, in Folge einer an ihn von einem Verein gerichteten Einladung, einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag: „Einleitende Ideen zur Geschichte der Juden und des Judenthums". Aus Hberschkesi«». (Or.-Corr.) Sie wundern sich, geehrte Herr Redacteur, schon lange Nichts von mir aus und über Oberschlesien vernommen zu haben. Warum ich so lange geschwiegen? Ich könnte mir die Anttvon hierauf sehr leicht machen. Man erzähltj, daß Louis XIV., als er den Einzug in ein obscures Städtchen hielt, vom Bürgermeister mit einer feierlichen Ansprache, aber sonst in möglichst knapper Prunklosigkeit begrüßt wurde. Das gestrenge Stadtoberhaupt kündigte nicht weniger als 14 Gründe für sein sonderbares Berfahreii an. „Erstens, begann der Vater des Städtchens, fehlt es uns an Geld, um auch nur Ehrenpforten zu errichten." „Nun den» — replicirte der König — die anderen 13 Argumente seien ihm erlassen." Aehnlich ergeht es Ihrem Correspondenten. Es ist über jüdische Gemeindeverhältnisse nicht viel Neues zu berichten und was davon etwa mitzutheilen wäre, ist so unerquicklich und so wenig erbaulich, daß ein Freund seiner GlaubenSgenosseii nicht ohne Wehmuth an die Berichterstattung herangeht. Da giebt es z. B. im Süden eine Großgemeinde K a t t o >o i tz, welche von acuten und chronischen Leiden heimgesucht wird.