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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-01-15 · N° 3. (15.1.1885) · p. Seite 20

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 3. (15.1.1885)
Date
1885-01-15
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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sowie bei der Frage über den Beginn des hebr. Leseunterrichts (ob gleichzeitig mit dem Deutschen, oder erst n a ch dem das Kind deutsch lesen gelernt) drobte, zu verhindern, indem man die Fragen vom rein-pädagogisch-didactischen Standpunkte aus rationell entschied. Aber am zweiten Tage, als cs sich um die allgemeinen Gruudzüge der Lehrstoffvertheilung handelte, und man beim Punkte „Pcntateuch-Ucbersetzen" anlangte, für welches die betr, Kommission auch die Kapitel über „Opfer" aufführte, da war es unvermeidlich, daß — ebenfalls vom pädagogisch - didactischen Standpunkte aus — energisch dagegen protestirt wurde, Herr Or. K i r s ch st e i n hat sich unstreitig ein Verdienst erworben, darauf hingewicsen zu haben, daß es bei der überaus knappen Zeit, welche der Religionsschule überhaupt zu Gebote stehe, doch geboten fei, in diesen wenigen Stunden mit den Kindern nur das für die Religionslehre Wichtigste aus der Bibel zu übersetzen, und dazu gehören doch wahrlich die Kapitel von den Opfergcsetzen nicht. Der Opfcrcultus hat mit, resp. kurz vor dem Untergang des Tempels aufgehört. Er hat seitdem jede praktische Bedeutung für das Judenthum verloren, er ist äs facto tobt und abgestorben, (Wir haben wirklich wichtigere Kapitel in der Bibel mit unserer Jugend durchzunehmen, als diese. Wir würden z, B, die Kapitel der Propheten Jesaja und Jeremia, die sich gegen den Opfercultus richte», unbedingt zu diesen wichtigeren zählen, und jede jüd, Religionsschule wird unzweifelhaft die Haftara zu Schabb, Chason (Jes, 1) und Schabb, hagodaul (Jerem, c, 7) in der oberen Klasse durchnehmen. Red,) Welcher Pädagoge kann das bestreiten?— Herr Kirschstcin kam aber gar nicht dazu, diesen Gedanken ruhig zuentwickeln, stürmische Rufe: Zur Ordnung! Unerhört! unterbrachen ihn. Darum wollen wir dieser wichtigen Frage ruhig und sachlich vom religiösen und pädagogisch-didaktischen Standpunkte aus näher treten, (Schluß folgt,) Koblenz. Dem Herrn Or, T, in der Corresp, „Aus der Provinz Posen" in vor. Nr, diene es zur Berichtigung, daß an allen hohen Feiertagen koschere Kost den Gefangenen gesetzlich zu bringen gestattet ist. Wir geben regelmäßig ganz Pessach, Rosch-haschonoh und Erewwie Mozoe-Jomkippur den hier Jnhaftirten Koscheressen auf Gcmeindekosten, Da die Verpflegungsfrage jüdischer Gefangener damit angeregt ist, dürfte es angebracht sein, folgendes Reskript der hiesigen Regierung zu veröffentlichen, — „Cvblcnz 3, Dec. 84. Aus die gefällige Eingabe vom 28. v, M. erwidern wir Ew, Wohlgcboren, daß für die Untersuchungsgefangenen und die zu einfacher Haft Verurtheilten die Selbstbeköstigung, falls dieselben solche verlangen, bereits im Allgemeinen unter gewissen Vorsichtsmaßregeln nachgelassen ist, und daß sich auf diesem Wege die von Ihnen gewünschte ritualmäßige Beköstigung der im hiesigen Arresthause detinirten jüdischen Gefangenen der bezeichneten Kategorien vielleicht bewerkstelligen läßt. Wir stellen Ew, Wohlgeboren hiernach anheim, in der Sache mit dem Herrn Anstaltsvorsteher, welchem wir die Eingabe vom 28. v, M. haben zngehen lasten, in näheres Benehmen zu treten". Da für alle Gefangenen, welche zu länger als 3 Monaten verurtheilt sind, die Abführung in das Centralgefängniß ungeordnet ist, wo sic Synagoge, Koscherkvst u, s. w. finden — erledigt diese Verfügung so ziemlich alle Wünsche. Armen Untersuchungs- und Haftgefangenen, die koscher essen wollen, muß die betreffende Gemeinde helfen, 8p, Aus dem Kegiernngsbezirk Kassel. (Or,-Corr.) Es war vor mehrere» Monaten als ich in dieser geschätzten Zeitschrift am Schluffe eines längeren Artikels den Wunsch äußerte, daß nur die königliche Regierung das Recht haben sollte, die isr, Lehrer in Rücksicht auf Dienstzeit und Befähigung zu befördern, wie dieses ja auch bei unseren christlichen Eollegen geschieht. Erfreulicher Weise hat nun auch die Regierung in dieser Sache einen Schritt zum Bessern getha», der hoffentlich nicht als Ausnahme von der Regel gelten ioll: sie hat einen Lehrer von B. nach A. befördert, obgleich 20 — die Gemeinde in A. mit großer Majorität gegen de» betreffenden Lehrer, weil er beim Probegottesdienst nicht gefallen, ihre Stimmen abgaben, und sich dann einen gesangskundigeren Schulamtscandidatcn erkoren hatte. Wenn die Behörde in analogen Fälle» auch so handelt, wie hier geschehen, so haben wir wenigstens in dieser Beziehung einen Fortschritt zu verzeichnen. Dagegen steigen von anderer Seite dunkle, schwarze Wolken am Horizont der Lehrerwelt auf, —' Man sollte annehmen, daß die Gemeinden im Regierungsbezirk Cassel bei vvrkommcnder Vacanz doch in erster Linie die Lehrer bevorzugen werden die im C a s s e l e r Seminar ausgebildet worden sind. Diese Annahme ist aber irrig, Sehen wir uns einmal die „Diöcese" Fulda an. Seit Jahr und Tag ist dort — ein einziger Fall ausgenommen — kein Lehrer, der dem C, Seminar entsprossen ist, angestcllt worden. Wenn derjenige, der seinen Einfluß in dieser Sache geltend macht, sich den weiland Minister Hasseupflug von Kurhessc» zum Vorbild genommen hat und uns mit diesem Verfahren ob unserer Sünden strafen will, so irrt er sich, denn die Lehrer aus dem Baiernlande sind uns werthe Eollegen, aber keine „Strafbaiern", Auch würde ich um der „Diöcese" Fulda willen kein Wort verloren haben, wenn dieser Einfluß auf Fulda beschränkt geblieben wäre. Da wird aber in Bälde eine Stelle im Kreise Marburg offen und in Lehrerkreisen will man bestimmt wissen, daß ein „Fuldarianer" bereits für diese Stelle bestimmt sei. Das ist denn doch zu viel und es ist hoch an der Zeit, daß der löbliche Ausschuß der isr. Lehrer im Regierungsbezirk Cassel sein Augenmerk auf diese Sache richte. Es scheint dieses um so mehr geboten, als man von gewisser Seite planmäßig darauf ausgeht, unsere Staatsschulen in Religions¬ und somit in Gemeindeschulen zu verwandeln, wie hier und da bereits schon geschehen Ruhig darf man hier nicht zusehen, es muß gehandelt werden, ehe es zu spät ist, Wekefeld, 6, Jan. (Or.-Corr.) Am 4, d, M, hielt der Vorstand der „Unterstützungskasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" wie alljährlich seine Sitzung ab, um den Stand der Kasse und die Höhe der pro 1885 zu erthcilenden Beträge zu ermitteln. Es waren im Jahre 1884 cingcgangen: a) an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder Mk. 849 (gegen Bk, 903 im Vorjahre); d) an Beiträgen von Gemeinden, Vereinen und Privatpersonen: Mk, 1910,61 (gegen Mk, 4162,80 im Vorjahre); c) an Zinsen: Mk, 2049,27 (gegen Mk, 1984,58 im Vorjahre); im Ganzen --- Mk, 4808,88, Nach Abzug der Ausgaben für Verwaltungskosten, Drucksachen und Porto im Betrage von Mk, 141,90 kommt statutengemäß von den Einnahmen die Hälfte mit Mk, 2333,49 in 1885 zur Vertheilung, Da dieser Betrag in 51'/, Antheilc (gegen 45'/, im Vorjahre) zerlegt werden muß, so konnte ein Antheil auf nur 45 Mark (gegen 57 Mk, im Vorjahre) festgesetzt werden. Dieser betrübende Rückgang findet also seine Erklärung theils in der Vermehrung der Untcrslützungsantheile (von 45'/, auf 56'/,), theils in der Verminderung der außerordentliche» Beitrüge (von Mk. 4162,80 auf Mk, 1910,61). — Wir bitten, angesichts des so sehr erheblichen Rückganges der von uns zu gewährenden Unterstützungen, recht warm und dringend, daß unsere begüterten und wohlthätig gesinnten Glaubensgenossen uns auch ferner in unserm Bestreben beistehen mögen, unseren Emeritirten, die wegen Alters und Gebrechen ihr Amt nicht mehr versehen können, Leid, Elend und Alter weniger fühlbar zu machen und die Thränen der Wittwen und Waisen trocknen zu helfe», — Es sind Anzeichen vorhanden, daß das begonnene bürgerliche Jahr uns noch weit mehr Verpflichtungen auscrlegen wird, als wir rechnungsmäßig fcststellen konnten, und wir machen besonders darauf aufmerksam, daß Legate und größere Spenden, deren wir in 1883 sieben im Betrage von zu-

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