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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-01-08 · N° 2. (8.1.1885) · p. Seite 11

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 2. (8.1.1885)
Date
1885-01-08
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 F heißt, wenn man sagt: Weil die Juden unter Christen lebten, blieben sie; während die gesunde Vernunft sagt: t r o tz der mittelalterlichen christlichen Feindschaft lebten sie, - (Fortsetzung folgt.) Zur Frage der Culttts - Verfassung in Oesterreich. (SMuß.) Viel fühlbarer macht sich dieser Mangel bei der Bestallung von jüdischen Religionslehrern für Mittelschulen (Gymnasien und Realschulen), Lehrerbildungsanstalten und Volksschulen, Da herrscht nun vollständige Rathlosigkcit, Zwar das Gesetz bestimmt, das; die Vorstände der Cultusgemcindcu, dieselben mit den kirchlichen Oberbchörden auf gleiche Stufe stellend, diejenigen Behörde» sind, die die betr. Bewerber zu qualificiren haben. Allein hat diese Bestimmung einen Sinn? Sind denn die Cultusvorstände theologische Prüfungscollegien? Dieses Privilegium onerosum hat also gar keinen praktischen Werth, und dies um so weniger, als es leider ja für das Maß der Kenntnisse und der Besähigung weder bei ReligionStehrcru an Mittelschulen noch an Volksschulen eine gesetzliche Ordnung und Festsetzung existin, was wieder den Mangel eines Lehrer-Seminars um so fühlbarer macht. Dazu tritt noch die Frage der Lehrpläne für den Religionsunterricht selber, die Lehr- und Schulbücher Frage, lauter Angelegenheiten, zu deren gründlicher Behandlung es eines fachmännischen, von der Regierung anerkannten und all hoc eingesetzten Organes bedürfte, welches tn allen diesen Beziehungen anregend, berathend und handelnd einzuiretcn hätte. Ein solches Organ möge geschaffen werden, heiße es nun Synagogen- oder Cultusrath, oder wie immer sonst. Einer solchen Körperschaft, bereu Autorität anerkaiiiit wird nach oben wie uiitcn, wird es gelingen, die Frage der endlichen Begründung eines Rabbincr- und Letzter - Seminars in Fluß zu bringe», es wird darnach trachten, daß Prüsuiigscommifsivnen für Rcligionslehrer eingesetzt werden, daß der Lehrstoff hiefür abgegrenzt, daß einheitliche Lehrbücher für den Religionsunterricht an Mittel- und Volksschulen eingeführt werden. Kurz alle die Desidericn, die s>it Jahren öffentlich und privat besprochen werden. — Zu ihrer endlichen Erfüllung bedarf cS einer jüdischen culiuellen Centralbehörde, die von der Regierung eingesitzt und mit einer gewissen Machtvollkommenheit ausgestatlet werden muß. Man hat dafür plaidirt, daß Galizien von der Competcnz ausgeschlossen werde. Die Besonderheit der galizischen Zustände muß jeder nüchtern Denkende cinräumen. Ja wir gehen sogar viel weiter und meinen, daß in den einzelnen Kronländcrn, wo zahlreiche Glaubensgenossen leben, eine ähnliche Institution, wie das Landesrabbinat in Mähren ausgcstattct, mit einer gewissen engem Competenz neu creirt werden sollte, dies aber unbeschadet der Centralbehörde, die in Wien ihren Sitz haben und über die allen Juden des Reiches gemeinsamen Angelegenheiten zu berathcn, resp, zu beschließen hätte. Für Galizien könnten immerhin noch ganz besondere Veranstaltungen getroffen iverden — aber es aus der Gemeinschaft mit den Juden der anderen Provinzen ganz und gar zu reißen, wäre weder nothwendig noch wllnschenswerth. Die nöthige Rücksicht auf die „berechtigten Eigeathümlichkeiten" der polnischen Juden wüßte man auch in Wien zu nehmen und Schonung für religiösen Conservatiswus wird eine derartige Körperschaft sicherlich auch in genügendem Maße besitzen, — Hoffen mir, daß diese gesunde Idee auf fruchtbaren Boden falle und bald zur That werde. - —m. Berichte und Correspondenzen. Deutsckland. Magdeburg. Kurz vor Ablauf des Jahres 1884 — am 29, Dezember — fand in Berlin die erste Sitzung des Central-Ausschusses des deutschen Rabbiner-Verbandes statt. Nachdem sich derselbe constituirt und nach § 11 des Statuts den „geschäftsfllhrenden Ausschuß" aus seiner Mitte gewählt hatte — man vergl, das diesbezügliche Inserat in der heutigen Nr — wurden vom Vorsitzenden die Gründe der bisherigen Verzögerung der Constituirung dargelegt und diverse Mittheilungen über interne Angelegenheiten des Verbandes gemacht (u, A, daß im Namen desselben Sir Moses Montefiore zu dessen 100, Geburtstage, sowie Herrn Rabb, Dr. Rülf zum 25. AmtSjubiläum gratulirt, und der Gemeinde Bernburg gelegentlich des Ablebens ihres Rabbiners Dr. Herxheimer cvndolirt worden). Hierauf wurde die Drucklegung der Protokolle der ersten (Berliner) Rabbinerversammlung beschlossen, sowie, daß im Laufe dieses Sommers eine zweite Rabbinerversammlung stattfinden solle, die sich aber nicht blos mit der Revision des Statuts (Beschluß vom 5, Juni, s, Vorlüuf. Bericht S, 12), sondern mit einer Reihe praktischer Fragen, die zum Theil in dem an die Mitglieder versandten Arbeitsplan näher bezeichnet sind, beschäftigen werde. Ort, Zeit und Tagesordnung der nächsten Versammlung werden mit der Einladung kundgegebc» werden. Somit tritt der „Verband der Rabbiner Deutschlands" mit dem Kalenderjahr 1885 (nach 8 26) ins Leben, Möge er seitens seiner Mitglieder die kräftigste Unterstützung zur Lösung seiner hohen wissenschaftlichen und praktischen Ausgaben finden,*) Derkin, 5, Januar. (Or.-Corr.) Ich komme eben vom Grabe Eduard Lasker'S, dessen erste Jahrzeit heute ist. Ich fand, um 12 Uhr, eine» Kreis von treuen persönlichen und politischen Freunden um seinen Grabhügel auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee versammelt. Der Hügel war mit dem bereits enthüllten Denksteine bedeckt, einem auf Granit ruhenden Sarkophag aus schwarzgrauem Syenit, der nur den Rainen Eduard Lasker und GeburtS- und Todestag trägt. Hohe Palmen und Lorbeern umgaben rings die Grabstätte, Zu Füßen des Grabes lag ein Kranz mit der Widmung: „Dem Träger der Idealität", während ein Kranz von blühenden Rose» das obere Ende schmückte. Man bemerkte den Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Rickert, Bamberger, Baumbach, Ludwig Löwe, Munckel, Langerhans, Möller, beide Hermes, Horwitz, Alexander Meyer, Dr. Max Hi rsch, Koch Hann, Zelle, Goldschmidt, Eberty, Schröder, Dr. Barth, Prof. Mommsen, Rabbiner Maybaum, Sanitätsrath Marcuse, Rechtsanwalt Jonas u, A, Der Gemeindevorstand und die Repräscntantenversammlung der jüdischen Gemeinde waren durch ihre Vorsitzenden, Justizräthe Meyer und M a k o w e r, und fast sämmtliche Mitglieder vertreten. Nachdem der Synagogen-Chor das Lied „Herrlich ist es ihm gelungen", vorgetragen, hielt Rabbiner Dr. Frankl eine tiefempfundene Gedächtnißrede, in der er auch des inzwischen erfolgten Heimganges Friedrich K a p p s Erwähnung that und darauf hinwies, wie schwer Lasker schon nach dem ersten Jahre seines Todes im öffentlichen Leben vermißt werde. Sein Denkmal, das für die Macht der den Tod überdauernden Liebe, für die Unvergänglichkeit des geistigen Strebens zeugen soll, werde fortan die Mahnung zur Gerechtigkeit und Liebe, zur Treue und Wahrhaftigkeit bekunden. La skerS Name aber werde bleiben in Ewigkeit, und sein Ruhm werde sprossen vor der ausgehenden Sonne der Freiheit und Gerechtigkeit, — Mit einem Gebet für die Seele des Verklärten schloß der Rabbiner. Nach abermaligem Gesang legte Abgeordneter Rickert mit kurzer Anspr che einen Kranz mit der Inschrift „Ihrem unvergeßlichen Freunde Eduard Lasker seine politischen Gesinnungsgenossen" auf das Grab; Abgeordneter Baumbach widmete einen Kranz im Namen und Aufträge der Freunde *) Der jährliche Beitrag ist auf 10 Mk, festgesetzt; doch können nach Beschluß des EcntralausschusseS auch geringere Beiträge zugelassen werden, (K 0.)

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