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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-01-02 · N° 1. (2.1.1885) · p. Seite 5

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 1. (2.1.1885)
Date
1885-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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— 5 — v Wurtcte mir nach einigen Tagen: „Wohl habe ich Ihr Ausbleiben bedauert, aber ich kann mich wohl in Ihre Lage versetzen, mich in Ihre Stimmung hineindenken," Leipig, 25. Decembcr, Die hiesige „Burger-Zeitung" von gestern bringt folgendes „Eingesandt" aus der Feder eines wacker» Christen, der seine Religion nicht beschiinpfen lassen will: „Die Klugen (|\ h, die Dummen) werden nicht alle, das ist factisch ein ivahrcs Sprüchwort, und das; es wahr ist, hat der Leipziger Aiilisemiten-Verein dadurch bewiese», das; er am Sonnabend Abend in de» Straßen der Stadt Leipzig, der Heimstätte von Kunst und Wissenschaft, sowie der Metropole des Buchhandels, große gelbe Zettel vertheilcn ließ, in welchen das Publikunr aufgesordert wird, bei seinen Weihnachtscinküufen nur christliche Kaufleute und Händler zu bevorzugen. Kan» mau diese aller Nächstenliebe und Sittlichkeit Hohn sprechende Warnung noch als Mangel an Einsicht bezeichnen? Nein, ich glaube, es ist kein Delikt der Intelligenz, es ist ein Delikt der Sittlichkeit, das hier gcbrandmarlt werden »ruß. Was bezweckt der Leipziger Autiseiniten-Berciu, der sogar heute von Vormittag II Uhr au einen Dicnstmanii mit demselben an einer großen Stange befestigten Placat an die Ecke des Marktes und der Peterstraße stellte, mit dieser Nichts, Würdigkeit, die im Publikum nichts als Entrüstung hervorgernsen hat? Will man etwa noch kurz vor dem Weihnachssest, dem Feste der Menschensreundlichkcit und Nächstenliebe, die Weihe desselben störe» und in Leipzig einen kleinen Religionszwist Heraufbeschören, oder will man dadurch die in hiesige» israelitischen Handelshäusern beschäftigten Personen brotlos machen? Wenn Ihr das wollt, Ihr brotneidischen Antisemiten, dann inacht cS wie Euer Packträger, der laut polizeilicheii Bcrbvtes in Folge meiner Veranlassung gegen l Uhr Mittag sich mit Eurer Standarte wieder heimtrvllen mußte, trollt Euch auch heim, packt Eure Muster ein und geht nach Berlin zu Stöcker, Dort werdet Ihr vielleicht niehr Propaganda erzielen, als in Leipzig, wir Leipziger danken für Eure Ausmerksamkeit, Wilh, Hörig, Protestant," E. Nienburg a. d. Weser, 25. Decembcr, (Or,-Corr,) Die „Provinzial Zeitung, Tageblatt für die Städte Bremerhaven-Geestemünde" enthält in der Nummer vom 7, Decembcr unter der Rubrik „Gerichts-Zeitung" folgendes: „Gcg » eine eieei.thiimliche Anklage haben sich die Vorsteher der Lehe - Gcestemündcr Synagogen - Gemeinde, Privatier I, Thorn er in Geestemünde, Lohgerber N, Mengers in Lehe und Kaufmann M, Weil in Bremerhaven zu verantworten, Die Genannten sollen nämlich am 31, August d. I, zwischen 9'/- "»d 11 Uhr (d, h, während des Gottesdienstes) ein Begrübniß veranlaßt haben, wobei der Leichcnzug zu dem israelitischen Friedhöfe an der lutherischen Kirche sich vorbei bewegt hat, Diese in den Augen mancher Leute gewiß fürchterliche Thal brachte sie heute (6. Dcccmber) aus die Anklagebank, Das Gericht sprach die Angeklagten jedoch kostenlos frei und sollen ihnen die nothwendigen Auslagen aus der Staatskasse ersetzt werden", — Wenn ein jüdisches Begräbuiß während des Gottesdienstes am Sonntage eine Anklage zur Folge haben kann, so muß doch ein Gesctzesparagraph vorhanden sein, der cs verbietet; dann aber wäre es im Interesse der jüdischen Gemcindcu, diesen zu citiren, um sich darnach richten zu können. Aus die Vermuthung, daß ein jüdisches Begrübniß während deS Gottesdienstes am Sonntage nach dem Gesetze unstatthaft sei, wurde ich jüngst bei gleicher Veranlassung geführt, I», hiesigen Krankenhause starb am 1U, Decembcr ein junger Israelit ans Wien; er konnte vor Sonntag, 14, Derember, nicht begraben werden. Auf Anfrage beim Magistrat wurde dahin Bescheid gegeben, daß das Begrübniß vor oder n a ch dem Gottesdienste vvrzunchmcn sei,. Da nun unser Friedhof ziemlich weit von der Stadt entfernt ist, mußte wegen der kurzen und dunkeln Nachmittage das Leichcnbegängniß schon gleich nach dem Morgcndienstc in der Synagoge früh 8 Uhr stattfinden. Ad vocem „Friedhof" sei bemerkt, daß ich auf Beranlassung des Vorstehers, Herrn I, Valentin, unter dessen ebenso energischer als intelligenter Leitung u»|ere Gemeindeverwaltung eine geradezu inustcrhafte zu nennen ist, im vergangenen sommcr sämmtliche Inschriften der Grabsteine bezüglich der Nc.men und des Datums ausgenommen habe. Von dem Friedhöfe ist ein karthographischcr Plan, und über die Gräber ein Buch angelegt, letztere sind nummerirt, so daß sich jeder leicht zurechtfinden kann. Der älteste Grabstein dalirt aus dem Jahre 1757, und es ist datier anzunehmen, daß die hiesige Gemeinde eine verhältnißmäßig noch junge ist; diese Annahme läßt sich auch dadurch rechtfertigen, daß hier erst seit etwas über 60 Jahren ein Gotteshaus ist, während früher der Gottesdienst i» einem Privathanse abgehalten wurde. Tan send Thaler zum Ban eines Gotteshauses, wie auch des Gemeindehauses, die Amtswohnung des Lehrers, sind das Geschenk einer Frau Susanne Abraham geb, Heine, die bereits seit 1821 in der Erde ruhend, ihr Gedächtniß bei den Nachgeborencu iortcrhält unter dem Namen Mimlc (Muhme) Süßchen, Ihr Andenken, soivic das vieler anderer Legataren hies, Gemeinde, wird auch in Erinnerung gehalten durch eine „Gedenktafel" und durch jedesmalige Erwähnung bei der Seelenfeier. Daß deren Gräber, soweit cs nicht von noch lebenden Angehörigen geschehen kann, seitens der Gemeinde in gutem Zustande erhalten werden, ist selbstredend und sei nur im Vorbeigehen erwähnt. Da ich einmal beim Berichten bin, so wollen Sie ges, auch »och eine Mittheilnng anfnehmen: Am 30, November feierte Herr Kaufmann Jsaac Goldschmidt und Frau in Wölpe bei Nienburg ihre silbernen Hochzeit in fast noch jugendlicher Frische, Am 10, Decembcr feierte das ziveitältcste Mitglied hiesiger Gemeinde — daS älteste steht im 93, Lebensjahre — Herr A, Jacvbsohn seine goldene Hochzeit, Wenn auch die Bürde des Alters von 83 resp, 77 Jahren dem sehr chrenwerkhcn Paare wohl fühlbar ist, erfreut sich dennoch das Jubelpaar einer Körper- und Geistcsfrische, wie das bei diese» hohen Jahre» wohl selten der Fall ist. Die Theilnahme bei beiden Jubiläen war Seitens der Gemeinde eine allgemeine; auch sehr viele chriiitiche Familien brachten oder überschicktc» ihre Glückwünsche. Möge de» beiden Jubelpaaren noch eine lange und glückliche Reihe von Jahren beschieden sein, — Wohl ein alleinstehender Fall ist cs, daß die^Prcvigt zur Montcfiore-Feier hier erst jetzt — am zweiten sabbaiy- Chanuka — gehalten wurde, worin der Gemeinde in große» Zügen die Thaten des gottgcsegncten Mannes vorgefüyrt wurden. Dem Vorträge lag der Text aus dem Wochenabschnitt fp» zu Grunde: -q dviSk rrn V'K na saom nebst dem dazu gehörigen Midrasch. Krankheitshalber konnte die Predigt nicht am betreffenden Sadbath gehalten werden und so wurde sie wegen der reger» Bethcitung der Frauen — die Mannspersonen sind jeden Sabbath fast vollzählig beim Gottesdienste — bis auf diesen zweiten Sadbath des Weihefcstes verschoben. Am ersten Sabbath des Festes wurde unter Hinweis auf den Glaubens- und Opfcrmuth der Makkabäer, zur Betheiligung an der Sammlung für die Cultusbcamten angeregt, Kamöurg, 14. December. (Or.-Corr.) Der hieß Prediger Dr. Jonas hielt gestern Abend im „Verein für Verbreitung der Wissenschaft des Judeulhums" einen Vortrag über Eüra. Nachdem der Redner auf die vergangene Zeit der Propheten mit wenigen Worten hingcwiesen, stellte er den Gegensatz der nun durch Esra angebahnten Periode der jüdischen ReligionSgcfchichte dar. Es wurde daun die 80 Jahre vor Esra's Ankunft stattgcfundciie Einwanderung besprochen, Revner »leint, daß der Fortgang der Dinge keine hohe Meinung von dem Geiste der Eiiigewauderten aufkommen lasse. Der Bau des Tempels, der daS Symbol der Wiederherstellung des Verhältnisses zivischeu Gott und Israel darstellen sollte, mährte 24 Jahre, und vollendet erschien er nur ein winziger Bau, Allerdings übte auch die Feindseligkeit der Nachbarn

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