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Das jüdische Literaturblatt · 1880-12-16 · No. 51. (16.12.1880) · p. Seite 203

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 51. (16.12.1880)
Date
1880-12-16
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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— 203 — Der Grund, weshalb an den auf das Stirnblech ן bezügl. Stellen בגלף דעוקא nicht zugesetzt ist, ist bereits oben angegeben. Beim Anfertigungs-Bericht der Ephod- Steine in E. 39, 6 ist גליפן כתב מפרש «־־ מפתחו: פתוחי חותם, ohne בגלף דעזקא, weil dieses bereits an der ersten Stelle E. 28,11 beim Gebot zugesetzt ist. Man findet mehrmals in Onkelos halachische Zu- Sätze resp. Umschreibungen nur an der ersten beziigliehen Stelle. Wie בבית אחד יאכל (E. 12,46) O.בחבורא חדא, dagegen לא תוציא מן הבית (daselbst) 0. מן ביתא, obgleich dieses halachiseh dieselbe Bedeutung hat, wie בבית אחד (Siehe נתינה לגר)• Ebenso ולא ילין חלב חגי עד בקר (E. 23, 18) 0. ולא יביתון בר טמדבחא תרבי נכפת חגא עד צפרא An der zweiten Stelle: ולא ילין לבקר (E. 23,18) 0. ולא יביתון עד צפרא, ohne בר ממדבחא. (Ed. Sob. Patschegen (S. d. zu E. 23,18) mehrere alte Ausgg. Miinch. Hdschrr. 1 und 2.) Es bleibt nunmehr zu erklären, weshalb bezüglich der Steine des Brustschildes E. 28, 21 und 39, 14 בגלף דעזקא zugesetzt ist. Diese Stellen lauten: והאבנים י י פתוחי חותם * das verb. מפתחוז fehlt in beiden. Im Hebräischen bedeutet ״ פתוחיausgraben“;כתב מפרש allein» ohne גלף דעוקא, würde die Art der Schrift allzu unbestimmt bezeichnen, weil das verb. ״ גלףausgraben“ sonst nicht im Satze vorkommt. Literaturbericht. Recensionen. Reichenbach, A. Nach der Hatz. Kritische Betrachtung der letzten Judenhetze in Deutschland, als der neuesten Krankheitserscheinung des deutschen Volkes. Zürich 1881. Verlags-Magazin. 67 S. 8. Wenn auch von anderen Voraussetzungen ausge* hend, kommen wir dennoch zu denselben Schlüssen, wie der Verf. dieser sehr beachtenswerthen Schrift. Wenn auch nicht in denselben Erscheinungen und aus denselben Ursachen, wie Herr R., sehen doch auch wir, dass ein allseitiges Missbehagen im deutschen Volke Platz gegriffen hat, und ein Ausdruck dieses Missbehagens, zum Theil auch ein Versuch, die Ergründung seiner wahren Ursachen zu verhindern, ist die Lust am ״Hetzen“. Nicht zu leugnen ist dieser innere Zusammenhang zwischen den Hetzen gegen die drei Internationalen ״die schwarze, die rothe, die goldene“, wenn auch ״der erste Prügeljunge nun selbst am tollsten mitauf dendrittenlosschlägt.“ Man braucht einen Prügeljungen, dem man die Schuld an allem Bösen, das man selbst mitgethan und mitherbeigeführt hat, aufbürdet. Die Herolde der neuern Judenhetze werden mit einer Kenntniss der Literatur beider Parteien geschildert, die wohlthuend gegen die Stöcker’ sehe Unwissenheit absticht. — ״Voran der katholische Priester und Professor Rohling, dann Otto Glagau, dann Marr und Stöcker und zuletzt Heinrich von Treitschke, ein Professor der Geschichte.“ Die Vertheigungsschriften, die der Verf. als ״im Allgemeinen in einem ruhigen und höchst anständigen Tone geschrieben“ charakterisirt, benutzt er nur, soweit ihre Angaben von bedeutenden, kenntnissreichen Christen bestätigt werden. Es ist nichts Neues gegen die Juden vorgebracht worden, doch stellt Herr R. alle Anklagen: Besitz (soiale Frage), Wucher, Arbeitsscheu, Mangel an Idealismus, fremde Ra$e, falsche Moral, Frechheit und Feigheit, übersichtlich zusammen. ״Solches Geschwätz ohne allen Grund, solche bittere Behauptungen ohne Beweise, ja solche offenbare Verläumdung und Lügenhaftigkeit kann Einen nur mit tiefster Verachtung erfüllen. Und davon ist Keiner ausgenommen, Keiner. Schmach für einen Jeden, der sich dazu hergegeben.“ Nun folgt die Widerlegung, wie wir sie kaum je s c h ö n e r und populärer gelesen haben ״Die Juden im Alterthume“ (S. 34—38), ״Die Juden im Mittelalter — unter den Christen“ (S. 39—50), ״Ein psychologisches Rechenexempel“ (S. 50—53) (״Zeigt man uns eine verächtliche Judengestalt, so sagen wir dem hochmuüthigen Pharisäer: Das ist Euer Werk, Bruder in Christo! Begegnen wir aber einem Juden, der trotz. .. sich zum ehr- und achtbaren Charakter herangebildet und in edler Gesinnung Mensch ist iui schönsten Sinne des Wortes, so sagen wir: Hut ab vor solch einem Manne!“) und besonders ״Wie soll es der Jude machen?“ (S. 53—56, d. h. er kann’s nie Allen recht machen) sind so lesens- und verbreitenswerth, dass wir an die Leser dieses Bl. die Aufforderung richten, das Büchlein eifrig zu kaufen und in christlichen Kreisen zum Lesen herumzugeben. Das muss wirken, denn es ist schlicht und leicht, weil es — Wahrheit ist. Coblenz. Dr. Lew in. Geller, Moritz. Talmud-Schatz אוצר התלמוד בבלי. Fragmente aus dem babylonischen Talmud. Budapest. 183 S. Unsere Zeit ist berufen, das Schriftthum der Juden der Welt leichter zugänglich zu machen, als dies bisher geschah. Sie ist dazu berufen, da es ja im Hinblick auf die vielen Judenfeinde, welche wiederum in neuester Zeit aufgetreten sind, und namentlich auf dt ienigen unter ihnen, welche verurtheilend über den Ta) nud sprechen, eine Nothwendigkeit ist, besonders fün die Laien, die sonst keinen Einblick indenseiben gewi!L׳en können, zu sorgen und sie mit dem Inhalte desselb n durch Uebersetzungen bekannt zu machen. — Nuü ist’s aber nöthig, diejenigen, welche sich der Aufgabe des Uebersetzens unterziehen, an jenen alten Satz zu erinnern, dass der Uebersetzer nicht nur die Sprache, aus welcher, sondern auch die, in welche er übersetzt, gut verstehe und beherrsche. Es genügt nicht, dass die Arbeit sachlich befriedige, sie muss auch der Form genügen, und dem Laien, für den sie besonders bestimmt ist, leicht fasslich und sprachgewandt dargestellt sein. Dies ist es denn auch, woran der Uebersetzer des angezeigten ״Talmud-Schatzes“ erinnert, und um so mehr gemahnt werden muss, als er sachlich — soweit wir aus diesem 1. Hefte, welches zunächst die Halachoth und den grösseren Theil der Erzählungen und Allegorien aus dem Tractat Berachoth und Seder Seraim enthält, urtheilen können — ganz der Mann dazu ist, den Inhalt des Talmud mit Verständniss wiederzugeben. Wir geben ja gerne zu, dass die Aufgabe, Fragmente aus dem Talmud zu übersetzen, keine leichte ist und dass der Uebersetzer mit vielen Schwierigkeiten, namentlich technischen Ausdrücken zu kämpfen hat, allein wir dürfen und müssen verlangen, dass derselbe die deutsche Schriftsprache mit allen ihren Zeichen und Wendungen correct verwende. Wenn wir aber z. B. auf Seite 5 den endlosen Satz lesen. ״Obwohl es sich mit der Bescheidenheit Davids nicht verträgt, dass er sich selbst den Titel ״Frommer“ beilegte, da wir überhaupt an anderer Stelle finden (Psalmen 27,13): Kaum glaube ich das Land der Glückseligen zu schauen, welches Rabbi Jose dahin erklärte, dass der König David sagte: ״Herr der Welt! ich weiss es, dass Du die Frommen belohnen wirst, ich weiss aber nicht, ob ich auch einen Antheil unter ihnen haben werde oder nicht,“ woraus zu schliessen ist, dass David über den Grad seiner Frömmigkeit im Zweifel war, es Hesse sich aber so erklären, dass er wohl von seiner jetzigen Frömmigkeit überzeugt war, er befürchtete nur, durch die Sünde verleitet, auf Abwege zu gerathen, und sein

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