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Das jüdische Literaturblatt · 1880-12-16 · No. 51. (16.12.1880) · p. Seite 202

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 51. (16.12.1880)
Date
1880-12-16
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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— 202 — Wichtigkeit der Deutung vieler in der Bibel vorkominenden Ausdrücke hinweisen. Dass es von den altesten Zeiten her, nicht nur bei den Semiten, sondern auch bei den anderen Völkern Sitte war, Städte und Dörfer nach den Gottheiten zu benennen, ist bekann), die zahlreichen Belege, die der Autor p. 2 ff. anführt, sind lehrreich, wir wollen nur auf בצל aufmerksam machen, welches so häufig in der Bibel vorkommt, wo Raschi es durch מישור ,,Ebene“ erklärt. Wir erfahren aber zu gleicher Zeit den Schlüssel zur Erklärung der Redensart ״ ברת בריתein Biindniss schliessen“. Auf dem in Barcelona aufgefundenen Götzenbild findet sich eine Cypresse und ein Bär; man erinnere sich der Mythe, dass die in den Jäger El ioun verliebte Göttin Berath hiess.*) Die von Theocrit erzählte Fabel erhält dadurch erst ihre Bestätigung. Dass aber Berath, Berith wirklich eine Gottheit der semitischen Völker war, ersehen wir auch aus dem Buche der Richter 9, Vers 46, wo wir lesen: וישמעו כל בעלי מגדל שכם ויבאו אלצריחביתאלברית. Die übliche Uebersetzung eines Bundes tempels ist nicht am Platze, da ja ein jeder Tempel mehr oder weniger ein B u ndestempel ist. Meiner Ansicht nach ist nun die Redensart ״ כרת בריתein Bündniss schliessen“ ursprünglich in Bezug auf eine Gottheit Berith zurückzuführen. Wie man bei allen alten Völkern im Tempel und unter Darbringung von Opfern ein Bündniss schloss, das giltig sein sollte, so mag dies bei den semitischen Völkern mit der Göttin Berith, Berath gewesen sein. Ich erinnere blos an die Bedeutung des lat. ״feriae“ und ״ferire“ und den Zusammenhang beider mit einander. Die bekannte Stelle in Genesis bei Abraham בברית אשר כרת בין הבתרים lässt diese Vermuthung nnr noch wahrscheinlicher erscheinen, es waren Raubthiere, die den Friedensbund, das Opfer, stören konnten. Selbst die wahrscheinlichste und bisher übliche Etymologie des ברית von ״ ברהschneiden, theilen“ entspricht dem vollkommen, da ja schneiden, theilen wesentliche Bestandtheile des Opfercultus waren. Jedem, dem es ernstlich um die vergleichende Mythologie der alten Semiten zu thun ist, empfehlen wir diese Zeitschrift, die des Anregenden und Belehrenden auch sonst viel bietet. Dr. M. Grünwald. Bemerkungen zur Massora auf Onkelos. Von S. B. Schefftel in Posen.**) Gen. 18, 18 (Berliner Massora magna S. 18) יהיה וחברו. ברוף — .(G. 18,18)דמתרג׳ יתוי ג׳ באוריתא: ואברהם יהיה :(D. 29,12) למען הקים — .(Deut. 7,15) תהיה Eine andere Version befindet sich Deuter. 7, 14 (Massora magna S. 56): יהיה דמתרג׳ ןדזוי ה׳ באוריתא, ואברהם וחברו. למען .(N. 18,20) וחלק לא יהיה .(G. 18,18) היו : (D. 7,14) ודין .(D. 29,12) הקים אתך Herr Dr. Berliner bemerkt zu N. 18,20, dass ed. Sab. daselbst יהי hat (Schreiber dieses hat in keiner Ausg. hier ןה.וי gefunden). In beiden Versionen hat Herr Dr. Berliner für וחברו keine Stelle angeführt, weil weder zu ואברהם היו noch zu וחלק לא יהיה Parallelen vorhanden sind. Die erste Version ist nach seiner Ansicht die correctere. — In der ersteren ist jedoch die Stellenzahl 'ג falsch, weil mit וחברו vier Stellen angege¬ *) Sanpere übersetzt Berath durch Cypresse; ברת aber kommt in der Bibel nicht vor, der Plural ברתים nur Cantic. cant. 1,17. **) Herr Sch., Schwiegervater des Herrn Rabb. Dr. Perles in München, gehört zu der in Deutschland leider immer seltener werdenden Klasse von Kaufleuten, die ihre Mussestunden dem Studium der jüdischen Literatur widmen. Herr Sch. ist seit mehreren Jahren mit der Abfassung einer Schrift über das Targum Onkelos, von welcher sich die gelehrte Welt neue und interessante Aufschlüsse versprechen darf, beschäftigt. (Red.) ben sind, auch müsste statt ואברהם יהיה stehen ואברהם היו. In der zweiten Version stimmt die Zahl ה 'mit den Stellen-Bezeichnungen überein. Es sind auch in der That 5 Stellen mit יהוי# für יהיה in Onkel, vorhanden. Ausser G. 18,18, D. 9,14 und 29,12 ist in beiden Dekalogen in ed. Sab. und fast in allen korrekten Ausgg. לא יהיה לא .יה.וי zu lesen. Die zweite Version ist im Ganzen korrekt, bis auf das Wort וחלק, welches auf N. 18, 20 hin weist, woselbst in allen Ausgg. die LA. לא ןד׳י, nicht לא יהוי und keine Parallelstelle dazu zu finden ist. Offenbar ist וחלק verschrieben. An dessen Stelle dürfte etwa דדב״ק abbrev. דדבריא קודשיא gestanden haben, als Bezeichnung des Dekalogs (Exod. 20, 3) und וחברו (ist D. 5, 7) im 2. Dekalog. Der Schreiber, der die Abkürzung nicht zu entziffern wusste oder wegen Undeutlichkeit nicht erkennen konnte, hat dafür וחלק לא יהיה geschrieben. Mit grösserer Bestimmtheit ist ein Schreibfehler in der unmittelbar darauf folgenden Massora zum nächsten Vers nachzuweisen. G. 18, 19. גלי קדמי י״ב באוריתא: Unter den zwölf Stellenbezeichnungen lautet eine הלום Herr Dr. Berliner nimmt dafür G. 16, 3 (דאתגלי)« Da die Massora den Ausdruck גלי קדמי behandelt, ist es ganz unannehmbar, dass eine Stelle mit דאתגלי gemeint sei. Der Massoret wird auch nicht הלום mit ü schreiben, während in der h. S. stets הלם stets ohne 'ו vorkommt. Da die vorher bezeichneten Stellen aus Exodus sind, zunächst E. 3, 9, so braucht man nur bis in’s nächste Oapitel zu suchen und nicht nach Genesis zurückzugehen, um die fehlende Stelle ausfindig zu machen. — Sie ist E. 4, 9 אהרן אחיך הל וי ידעתי כי דבר ידבר. Daselbst ידעתי גלי קדמי, wegen des Anthropomorphismus. Zweifellos stand in der Massora הלוי• Das י׳ am Ende des Wor* tes war undeutlich, der Schreiber hielt es für ein Abkürzungszeichen und schrieb הלום hin. Exd. 29,11 (Massora magna s. 41) כתב מפרש בגלף דעוקא ב׳ דמשתבשין בהון. והאבנים ודומיה*) Im ״Patschegen“ ist diese Massora E. 39, 6 angeführt. Die Schlussworte lauten daselbst corrump. ״ והאבנים ודומיהםdie Steine und ihresgleichen“, d. h. an allen auf die Steine des Ephod und des Brustschildes bezüglichen Stellen, E. 28, 11 und 21 — 39, 6 und 14 sei כתב מפרש פתוחי חותם בגלף דעזקא, dagegen an den auf das Stirnblech des Hohenpriesters bezüglichen Stellen, E 28, 36 und 29,14 ist כתב מפרש פתוחי חותם allein, ohne בגלף דעזקא, weil nech der Tradition (Gittin 20, 1; Maimonides: ה׳ כלי המשכן פ׳ט׳ב) die Schrift auf dem Stirnblech nicht wie in einen Siegelring, vertieft, sondern hervorstehend ausgearbeitet war. An diesen beiden Stellen ist der Zusatz בגלף דעוקא ein Fehler. Der Verf. des Patschegen sagt, dass er diese Massora nicht verstehe, weil er beim Berichte der Anfertigung der Steine zum Ephod E. 36, 9 בגלף דעזקא nicht findet, obgleich beim Gebot E. 28, 11 diese Worte zugesetzt sind Herr Dr. Berliner führt Patschegen an, giebt jedoch über die Schlussworte keine bestimmte Erklärung. Dieselben lauten in seiner Massora והאבנים ודומיה masc. sing, bedeutet לשון והאבנים ודומיה, d. h. an den Stellen, wo das Wort והאבנים oder האבנים gebraucht ist, E. 28,11 und 21 und E. 39,14 ist כתב מפרש בגלף דעזקא־־פתוחי חותם, wo והאבנים oder האבנים nicht vorkommt, ist פתוחי חותם כתב מפרש =, ohne בגלף דעוקא, nämlich E. 28,36 und 39,14, bezüglich des Stirnblechs und E. 39,6, woselbst nicht האבנים, sondern אבני השהם gebraucht ist. *) Massora und Patschegen בגלף, Cod. Sab. und fast alle Ausg. כגלף mit כ״ף.

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