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Das jüdische Literaturblatt · 1880-12-02 · No. 49. (2.12.1880) · p. Seite 194

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 49. (2.12.1880)
Date
1880-12-02
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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— 194 — hoffen, Herr L. wird seine Forschungen weiter fortsetzen und, da er die Wahrheit sucht, reichen wir ihm über alle Prinzipienkämpfe hinweg die Hand und wünschen ihm den Segen des Gottes Israels, des Gottes der Wahrheit. Coblenz. Dr. Lewin. Simon I. oder II. — ״dm* Gerechte“? Wenn es auch schwer ist, bei dem Mangel an sicheren und bestimmten Nachrichten einen historisch sicheren Weg zu gehen; wenn es auch schwer ist, mitten in einem Streit der Meinungen über eine historische Persönlichkeit und ihre Lebenszeit eine Entscheidung zu treffen, so ist es doch immerhin eines neuen, anregenden Versuches werth. Ueber Simon ״den Gerechten“ ist schon früher viel geschrieben worden und zuletzt hat Grätz in seiner Geschichte d. J. Ilb dafür plädirt und 'nachzuweisen sich bemüht, dass nicht, wie bisher immer angenommen worden, Simon II., sondern Simon I. es sei, der mit dem Beinamen ״der Gerechte“ von der Nachwelt geehrt wurde. Aber die Beweise, die Hr. Prof. Dr. Graetz für Simon I. den Gerechten beibringt, erscheinen nicht ganz haltbar. Er hat hauptsächlich 3 Gründe für seine Annahme: 1) dass Josephus lediglich Simon I. als ״den Gerechten“ nennt; 2) dass der Hohepriester Simon, welchen der Dichter Sirach besingt, nur Simeon I. sein könne, ״denn er (Sirach) hebt von ihm hervor, dass er die Mauern Jerusalems wieder aufgerichtet und den Tempel befestigt habe. Das kann nur kurz nach der Zerstörung durch Ptolemaeus I. geschehen sein.“ Noch ein dritter Beweis aber, der vorerst eine LA in Sirach corrigirt, stützt sich auf den ersten, dass Josephus nur Simon I. als *den Gerechten“ bezeichnet. — Nun aber ist es ja bekannt, dass Josephus nicht immer zuverlässig ist, und dass man bei gewichtigen Gründen für eine andere Ansicht von J. leicht absehen dürfe. Was ferner den 2. Beweis anbetrifft, so ist Graetz noch den Nachweis schuldig geblieben, warum denn der Aufbau der durch Ptolem. I. zerstörten Festungswerke nur kurz nach ihrer Zerstörung geschehen sein könne und nicht auch unter Simon II, Uns scheint es richtiger, Simon II. für ״den Gerechten“ zu halten. Denn 1) wird in der Mischna Simon ״der Gerechte“ als der erste Tanaite bezeichnet, und von ihm bis zu Hillel, welcher doch c. 30 v. a. Z. lebte, sind 7 Geschlechter. Wenn für ein jedes Geschlecht als Maximum 30 Jahre gerechnet werden, so erhalten wir als Lebenszeit Simon’s des Gerechten c. 210, die Zeit, um welche Simon II. Hohepriester war. 2) Lehrt dies noch klarer die Stelle j. Joma VI p. 43c, die also lautet: אמרו לי׳ לשמעון הצדיק למי נמנה אחריך אמר להן הרי נחוניון בני לפניכם הלכו ומינו את נחוניון וקנא בו שמעון אחיו, in dieser Relation ist das vorletzte Wort fehlerhaft. Wäre aber unter Simon dem Gerechten Simon I. zu verstehen, der, wie bekannt, nur einen jungen Sohn hinterliesss, für den zunächst stellvertretend Elasar und Mariasse die H.-P.-Wlirde übernahmen, — wie hätte dann Simon der Gerechte auf die Frage nach seiner Nachfolgerschaft antworten können: ״Da ist doch mein Sohn Onias!“? Auch der Zusatz wird begreiflich, wenn man für שמעון liest ישוע — Jason, der — wie die Folgezeit lehrt — selbst nach der H.-P.-Würde strebte. Er war es ja, welcher seinen Bruder der H.-P.-Würde entkleidete und sie für sich erkaufte. Und diese Vorgänge unter den Nachkommen Simon II. sind auch allein geeignet, den Nachruhm Simon’s des Gerechtee zu erklären, dass ״die sichtbaren Gnadenzeichen, welche sich bis dahin innerhalb des Tempels gezeigt hatten, mit seinem Ableben verschwunden seien“. — Als ein dritter Beweis dürfte Simons des Gerechten Unzufriedenheit mit der Ueberfrömmigkeit der Chassidäer gelten, über welche Hr.Prof.Graetz richtig sagt: ״Sicher ist es, dass mit der Zunahme der Zahl der Genusssüchtigen in Judaea, welche den Griechen an Ausgelassenheit nacheiferten, auch die Zahl der sich kasteienden Chassidäer sich vermehrte“ Vielleicht ist auch gar der Beiname ״der Gerechte“ dadurch besonders begründet, dass Simon gegen beide Extreme auftrat, sowohl gegen die Genusssüchtigen, als auch gegen die Ueberfrommen. Aber welche Zeit bietet für ein solches Auftreten mehr Anhaltspunkte als die Zeit des IV. Ptolemaeus und Simons II., da man in Judaea nach dem Beispiele des Aegyptischen Hofes verschwenderisch, genusssüchtig nnd unkeusch zu leben begann? Aus diesen Gründen dürfte es wohl als sicher anzunehmen sein, dass nicht Simon I, sondern Simon II. das Epitheton ״der Gerechte“ gebührt. Lublinitz. Dr. S. Fried mann. Beiträge zur talmudisclien Lexicographie Von Dr. M. Grünwald in Breslau. 1. די קו לי. Dieses vieldeutige Wort, das auch semitischen Ursprung in einigen Bedeutungen hat, scheint uns in e i n e m Falle rein indogermanischen Ursprunges zu sein u. zw. vom griechischen oeuoXo; ^zweigliederig, zweiarmig.zweihenkelig abzustammen. Formell ist gegen diese Etymologie nichts einzuwenden, sachlich aber wird die Frage zu Tosaphot Cholin toi. 98a ganz von selbst durch diese Etymologie gelöst. Es ist in Chulin 1. c. der bekannte Fall besprochen, wenn Fett in der Grösse einer Olive in einen Fleischtopf fällt (natürlich ist das Fett טרפה und das Fleisch, das sieh in dem in Rede stehenden Topfe befindet, כשר). Da aber דיקולי Krug und Körbchen bedeutet, fragt Tosaphot, wie ist es den möglich, dass man eine grössere Menge Fleisch in einen Krug oder gar in ein Körbchen geben wird. Weiss man aber, dass nicht nur die Krüge und Körbe, sondern auch die Töpfe bei den alten Griechen und Römern zweiarmig דיקולי o'.zoü.o׳. (es entspricht ganz genau der Aussprache im heutigen Griechisch, wo es nämlich dikoli gesprochen wird) waren, so fällt jede Schwierigkeit, sowie auch die Frage von Tosaphot von selbst weg. 2. סמרטוט. Im Tractat Sabbat fol. 142a, sowie Schebuoth und anderen Stellen findet man dies Wort, und auch die Bedeutung ist im allgemeinen teststehend. Da die Etymologie bis jetzt nicht bekannt ist, will ich eine solche zu geben versuchen. סמרטוט ist. nämlich die im Spanischen sowohl als auch im Assyrischen übliche Sc ha p h e l for m, von der Oppert in seiner ״Expedition en Mesopotamie“ sogar Spuren im biblisehen Hebräisch nachgewiesen hat.*) סמרטוט hat also zur Radix מרט, zerreiben, zerfetzen Recht anschaulich ist daher das Wort סמרטוט, indem zunächst die Schaphelform angewendet wird, die ja selbst eine Verstärkung anzeigt, und dann noch eine Rnduplication des letzten Wurzellautes, die ja auch zur Verstärkung dient, hinzugefügt wird. Bemerken will ich noch schliesslich, dass nach Brinkmaier’s ״glossarium diplomaticum“ (Gotha 1863, Perthes) samarra, samaretta der Anzug der von der Inquisition Verurtheilten war. Man vgl ferner Ducange VI p. 53 s. v. samare, samaretta vestitus damnati a tribunali inquisitionis. Ob nicht samaretta das ursprüngliche ist trotz der scheinbaren Deminutivform, will ich dahingestellt sein lassen. * So leitet Oppert שכן von ״ כןbegründen“ ab.

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