Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 49. (2.12.1880)
- Date
- 1880-12-02
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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JKo• 49• Das Jahrg• IX• Jüdische Literaturblatt. Znr Beleuchtung aller .Inden• tbnm und JndeH betreffenden literarisch. Erscheinungen an f dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Tlieologie,Orientalia, Exegese, Homiletik, Litnrgik, Pädagogik. T! p r a 11 s g e g e 1> c n von Rabbiner Br. Moritz Rahmer. Magdebnrי ,:״—. Decombcr 1H80. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zugesandt werden, Anden in diesemBlatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendung von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. V. ו j Das ״•Vüfli&elie IAteratiirblatt“ erscheint wöchentlic h in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Lei pzi g bei Robert Fliese) pro JahrgangtSMk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit'25Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von GS1 •־^• Sc Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die religionsgeschichtliche Bedeutung des Dekalogs. — Simon I. oder II. ״der Gerechte“? — Beiträge zur talmudischen Lexicographie. Von Dr. Grün wald. L i t e r a tur b e r i ch t: Recensionen : Hamburger, Dr. J., Landrabb. Die Nichtjuden und beeten im talmudischen Schriftthum. — Pesicta rabbati, Midrasch für den Fest-Cyclus und die ausgezeichneten Sabbathe etc von M. Friedmann. — Zur Judenlrage. Inquisition und Scheiterhaufen oder Stöcker contra Lessing. Von Konrad von Sonsheim. — Aron Salomo Nathansohn . Lebensbild eines jiid. Cultusbeamten etc. Von Dr. AI. Rahmer. Notiz. — Inserat. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet._ Die religionsgeschichtliche Bedeutung des Dekalogs.*) (Schluss.) Glänzend ist die Darstellung des Gegensätze', in welchem das Judenthum zum Heidenthum steht, ״die Negation der Sünde geht darum der Negation des Heideuthums parallel“ (S. 14). ״Wenn für das Heidenthutn, wie in der Gottes- und Weltanschauung das Verschlungensein des Geistes in der Natur, so auf praktischen Gebiete die Befangenheit des Sittlichen im Natürlichen in der freien Entfaltung der natürlichen Triebe und Geisteskräfte charakteristisch ist, so weckt der Mosaismus im Dekalog in der innern Welt des geistigen Lebens den Zwiespalt und Gegensatz, indem er, wie dies in der wesentlich negativen Form der Zehnworte, wie nicht minder in der imperativen Form des ״Du sollst“ zum Ausdruck komiqt, das thatsächlich Gegebene durch die dasselbe bekämpfende Forderung in Frage stellt. In dem Unterschiede des Seinsollenden von dem Sein in der Welt, des Geistes tritt der Gegensatz eines bewussten Willens gegen das natürlich Gegebene hervor. Und die Ueberordnung jenes bewussten Willens über die Natur wird derartig zum Grundpostulat alles religiösen Lebens, dass dieses ohne Einschränkung, Eindämmung und Fesselung der natürlichen Kräfte nicht mehr gedacht werden kann “ Den Gottesnamen giebt der Verf. als Hiphilform von!הוד und überträgt ihn als den ״Wirkenden“1. Schade, dass er die rabbinische Erklärung, wonach er das Erbarmen im Gegensätze der in אלהים liegenden Gerechtigkeit bezeichnet, nicht gekannt zu haben scheint; dass יהוד. צבאות als ״Gott der Gestirne“ erfasst wird, ist eine Rückkehr zum schlichten, richtigen Alten. Im ersten Worte des Dekalogs wendet das Gottesbewusstsein sich sofort ausschliessend gegen die Anerkennung der auf fremden Boden verehrten Gottheiten. ״Hierin lag die nothwendige Consequenz begründet, dass Jahve der Gott des Himmels und der Erden sei, die wir von den ältesten Urkunden an (sic!) als geistigen Besitz der alttestamentlichen Religion vorfinden“ etc. Das zweite wendet sich ״gegen jede Kreaturvergötterung in der Verehrung von selbstverfertigten Nachbildungen endlicher Dinge“, das dritte ״gegen jeden Aberglauben im scheinbaren Dienste Jahve’s als einen Missbrauch seines Namens. ״ לא תשאTrägt der Mensch Jahve’s Namen zum Nichtigen und Eitlen hin, so stellt er die in den Weltkräften und in Naturmächten und in besonderer Weise in den heiligen Institutionen und Gebräuchen sich bekündende innerweltliche Gottesmacht Jahve’s den von ihnen abhängigen, nichtigen Dingen gleich.“ — Nachdem als Resultat der bisherigen gedanklich wie exegetisch gleich inhaltsreichen Besprechung der 3 ersten Worte (wir verweisen besonders auf den Passus über den Kälberdienst und über לא תשא) die Erklärung der Sünde gegeben ist als ״jede menschliche Activität, die es versucht, in dem bestehenden Heils- und Gemeinschaftsverhältniss zu Gott das wirkliche Abhängigkeitsverhältniss von ihm irgendwie in eine Abhängigkeit Gottes vom Menschen umzukehren, entweder in der freien Wahl des Gegenstandes seiner Verehrung oder in der selbstthätigen Bildung des sinnlichen Objekts der Anbetung als in der willkührlichen Benutzung der göttlichen Kraft für die eigenen Zwecke“, wird die Ueberleitung zum Sabbathgebote sich von selbst ergeben. Die menschliche Aktivität ist von der religiösen Beherrschung der Welt ausgeschlossen und so ist der Meusch für die von ihm erstrebte active Beherrschung der Welt einzig auf seine Arbeit verwiesen. So wird eine bestimmte Zeit der Arbeit von Jedem gefordert, damit er seine Wünsche als Produkt der Arbeit erstrebe — die Inaktivität, die Ruhe ist ״eine Ruhe für Jahve“, der Ausdruck des religiösen Abhängigkeitsverhältnisses zu Gott. Das wird in glänzender Weise durchgeführt. Wenn der Verf. den Sabbath als schon vorher von den Israeliten cultuell gefeiert meint, so hätte er auch für die Ruhe schon im Manna (Exod 16, 23) eine Hindeutung darauf finden können, während die Rabbinen schon in dem חק (Exod. 15, 25) die Einsetzung des Sabbaths wiederfinden. Wir müssten ein Buch schreiben, wollten wir all’ Das hervorheben, was wir beistimmend oder bekämpfend der besonderen Beachtung der Leser empfehlen möchten, deren wir dem Buche recht Viele wünschen. Am meislen leidet an dem Eingangs Bemängelten der VI. Absebnitt ״das Gesetz“ — daher wollen wir lieber mit dem Hinweise schliessen, dass die Ansicht ״die Sünde des חמד ist ״חמם uns zwar nicht genz unberechtigt, aber doch etwas zu weit über das Ziel hinauszugehen scheint. Wir halten es lieber mit der Mechilta zur Stelle, welche 3 Stufen annimmt: 1) (3 ,חמד (2 ,התאוה חמד — .אנוס ולמול ist folglich nicht die That, sondern die Zwischenstufe zwischen der Lust und der That! Wir