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Das jüdische Literaturblatt · 1880-11-25 · No. 48. (25.11.1880) · p. Seite 190

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 48. (25.11.1880)
Date
1880-11-25
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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— 190 — Obschon ausserdem nicht ein einziges Mal auf die traditionelle wie auf die sogenannte rabbinische Erklärung der Schrift Bezug genommen wird, ist doch die Behandlung des Dekalogs und die Grundidee durch* weg jüdisch! Schon Aeusserlichkeiten ergeben dies. Das erste Wort ist dem Verf. nicht mehr eine nichtssagende Ueberschrift, sondern der Ausdruck ״für die alleinige Beziehung Israels zu Jahve gegen jeden Religionssynkretismus, der das Volk auch noch zu irgend einer anderen Gottheit in Beziehung setzen könnte.“ Freilich möchte er das 5. Gebot lieber der zweiten Tafel einverleiben und kann es nicht verstehen, weshalb alle andern Bibelforscher es zur ersten rechnen. Diese fussten eben auf die jüdische Tradition. Ohne auf die Wortbedeutung von מצוה näher eingehen zu wollen, gestehen wir dem Verf. gern zu, dass (S. 11) ״der ganze Dekalog sowohl nach Seiten seiner Einheit, wie seiner einzelnen Bestandtheile nur eine inhaltliche Darlegung bessen ist, was als unethisch angesehen und demnach von dem isralit. Volke gemieden und ausgeschieden werden soll. So wird der Gedanke der ״Sünde“ (nicht der der Gesetzesübertretung) in den Brennpunkt der gesammten religiösen Anschauung des Mosaismus gerückt, als centraler Begriff desselben, und die Hauptsache im Mosaismus wird die Negation der Süude“. Und ebenso S. 13: ״So wird die Negation der Sünde in einer Weise zur Hauptsache der alttestamentlichen Religion, wie das selbst im Christenthum nicht der Fall ist.“ Was hierbei als Minderwerth erfasst werden soll, ist uns das Zugeständnis des dauernden Werthes, der Berechtigung des ewigen Bestehens. (Schluss folgt.) Erklärung einer dunkeln Stelle in Sifri. Zu 5 ולא נם לחה B. M. Cap. 34 V. 7 bemerkt Sifri: ר" אליעור בן יעקב אמר אל תקרי ולא נס לחה אלא ולא נס לחה וב׳ Gumbinner zum Jalkut und Friedmann wollen den Unterschied der Lesarten im Tempus des Verbums נס finden, es bedeute nicht נס ein particip praeteriti, sondern ein part. praesentis. Diese Erklärung ist nur stichhaltig, wenn der in den Sifre- und Jalkutausgaben befindliche Znsatz 'עכשיו וב als originell acceptirt wird, Nach Tosafoth zu ErchiD 15b ד״ה אל תקרי lautet R. Eliesers Ausspruch einfach: לא נס לחה אין כתיב כאן אלא לא נם לחח• Worin mag nun der Unterschied der Lesarten liegen? Es ist eigentümlich, dass alle alten Uebersetzer das לא כהתה עינו etc. nicht nach dem logischen Wortsinn von dem G reisenalter Mose’s auffassen, sondern es auf die Leiche Mose’s beziehen. Onkelos übersetzt.־ Es änderte sich nicht der Herrlichkeitsglanz seines Antlitzes. Jon. b. Usiel: wie Onkelos. Jerusehalmi: es fielen nicht aus die Zähne seiner Wangen. Septuaginta: es fielen nicht ein seine Wangen. Vulgata: wie Jeruschalmi. Auch Raschi fasst die Stelle als vom todten Mose’s redend auf und folgt der Uebersetzung des Onkelos. In demselben Sinne sagt Sifri zu לא כהתה עינו erklärend: ״ מלמד שעיניהם של מתים כהותIm Gegensatz zu anderen Leichen war das Auge des gestorbenen Mose ungebrochen.“ Die feuchten Lebenssäfte sind aber bei allen Leichen kurz nach dem Tode noch bemerkbar und das mag nun R. Elieser zu dem Ausspruch veranlasst haben: אל תקרי לחה von לח feucht, אלא לא נם לחה von לחי Wange, entsprechend den alten Versionen. Caro- Erfurt. Literaturbericht. Recensioneii. Zuckermandel, Dr. M. S., Rabbiner in Pasewalk. Tosefta nach den Erfurter und Wiener Handschrifien mit Parallelstellen und Varianten. Lieferung 6. Pasewalk 1880. In Commission bei Aug. Schnurr. (Schluss) Chulin p 4. m. 4 lautet: a) die Druckausgabe: b) in der Wiener*) Hsch.: א״ל טרפה תוכיח ששחיטתו תטהרת לאכילה אמרו לו טרפה טיהרתה < מן המגע ולא טיהרתה מן המגע ולא תטהרנו לאכיל׳ תטהרנו לאכילה p. 5. m. 6.: שחטה ובא אחר ושחט את שחטה ובא אחר ושחט את א!מהובא אחר ושחט את בתה בתה שנים האחרונים חייבין שנים האחרונים חייבין והאמצעי והא מצעי פטור פטור p. 6. m. 3.: הנוחר ומעקר ושחיטת נכרי הנוחר ומעקר פטור מלכסות פטור מלכסות p. 6. 1x1. 11.: זה הכלל כל שהוא מין עפר בולע זה הכלל כל שהוא מין עפר בולע ומצמיח מכסי ן בו ומצמיח אין מ כס ין בו p. 7. m. 2.: ר׳ יהודה אומר אין נוהג בשליל ר׳ יהורה אומר אין נוחג בשליל חלבו מותר ודם כדם איברין והלבו מותר דר״א וכ״א אין חייבין עליו ואין גאמנין עליו ועל החלב הטבחין נאמנין על גיד הנשה דברי ר׳ מאיר וה״א נאט נין עליו ועל החלב p. 7. in. 10 und 11: אבר מן החי חייב משום נבלה אבר מן החי חייב משום נבלה, ומשום אבר חלב מן הנבלה דם מן המוקדשין הייב משום חייב משום שני לאוין ב׳ לאדן משום חלב ומשום נבלה, דם מן וכד Es genügen diese nur aus Tractat Chulin zusammengestellten wenigen Proben vollständig, um jeden Kundigen zu überzeugen, wie, man könnte fast sagen, unzuverlässig die alte Druckausgabe an diesen Stellen ist, wie unverständlich, ja sogar irreleitend manche derselben sind, wie ganz besonders die von der Censur arg verkümmerten Stellen nun erst ein bedeutungsvolles Material für die historische Forschung werden. Noch hinzuweisen wäre auf viele andere interessante Varianten wie S. 602 Z. 22, Z. 24, S 624 Z. 27, S. 625 Z. 18, Z. 32, S. 632 Z. 18, S. 684 Z. 25 u. s. w. Es würde den Raum, der hier zu Gebote steht, überschreiten, wollten wir die grosse Zahl der Beispiele für die Vorzüge der Wiener Handschrift, also auch für die der Zuckerinanderschen Ausgabe noch weiter darlegen. Freilich hat auch die alte Druckausgabe einzelne Stellen, in denen sie eine bessere Lesart hat, wie die E. und W. Handschriften, ferner sind Stellen da, in denen die richtige Lesart bei Keiner vorhanden zu sein scheint. Wenn es z. B Chulin p. 3 m. 1 heisst: נשברה השדרה ונחתך רובו של חוט פסולה נימוקה הריאה ואין חוט השדרה קיים פסולה, so ist offenbar unverständlich, was "נימוקה הר mit חוט השד׳ ZU thun hat. Die Lesart aber erweist sich aus der Tosefta selbst als falsch; denn in demselben perek m. 10 heisst es: ואלו כשרות בבהמה * ♦♦ נימוקה הריאה וקרום שלה קיים כשרה. Hier zeigt sich eben nur die Aufgäbe, welche als ein weites Feld für die Tosefta-Forschung sich zur Lösung darbietet, nämlich die kritische Erörterung der Lesarten und der Versuch, in einem *) Ebenso muss in vor. Nr. S. 187 Z. 22, 36 statt ״Erfurter־‘ heissen: ״Wiener“ Manisch rift.

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