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Das jüdische Literaturblatt · 1880-11-25 · No. 48. (25.11.1880) · p. [Seite 1]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 48. (25.11.1880)
Date
1880-11-25
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Ufo. 4§. Das Jaltrg. IX• Jüdische Literaturblatt. Zar Belenclitnng aller Judenthnm nnd Juden betreffenden literarisch.Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. lleru iisge^ebeii von Rabbiner Dr. Moritz Itahmer. 3Iagdebn1״־r, November 1^80. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zngesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh.Besprechnng. BeiEinsendnng von zwei Recensionsexemplaren erfolgt ancb Erwähn, i. d.Wochenschr. Das ״Jii«IJmel1e erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert F riese) pro J ah r g a n g: 8 Jlk. Abonnenten der ״Israeli tischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit25Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr. L. Daube & Co., Frankfurt a. 11., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die religionsgeschichtliche Bedeutung des Dekalogs. — Erklärung einer dunkeln Stelle in Sifri. Literaturbericht: Recensionen : Zu kermandel, Dr. M. S., Rabb. Tosefta nach den Erfurter und Wiener Handschriften etc. — Wünsche, Dr. Aug. Bibliotheca Rabbinica. 4. und 5. Lieferung: Der Midrasch Bereschith Rabba. — Zander, C. Handbuch, enthaltend die sämmtlichen Bestimmungen über die Verhältnisse der Juden im preussischen Staate. Notizen. — Inserat. _Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet._ Die veligioiisgescliielitlielie Bedeutung des Dekalogs.*) Wollen wir Juden das überschriftlich genannte Buch nach Gebühr schätzen und geniessen, so müssten wir dem Verfasser seinen naturgeinässen religiösen Standpunkt in allen Consequenzen zugestehen. Dieser lautet: Das Christenthum ist eine höhere Stufe, eine Fortentwickelung des Mosaismus. — Dieser Satz wird mit unerbittlicher Ci nsequenz festgehalten und führt zu Auffassungen und Folgerungen, deren logische Berechtigung uns nimmermehr einleuclifcen kann. So S. 30 Anmerk. 1: ״Denn es ist ein grosser Unterschied, ob das Individuum Gott ״seinen“ und die christl. Gemeinde Gott ״ihren“ Gott nennt, oder ob Israel Jahve ״seinen Gott“ nennt“ . . . . ״die christliche Gemeinde ist keine Naturgrösse, sodern eine christliche Gemeinschaft, deren Grund und Einheit in dem Gotte ruht, den sie ihren Gott nennt. Wenn aber Israel Jahve seinen Gott nennt, so hat hier das nationale Bewusstsein eine Selbständigkeit gegenüber und in dem religiösen Bewusstsein“ u. s. f. Verstehe es, wer’s kann. Uns summte das alte Wort des Junker Alexander in die Ohren: Ja Bauer, das ist ganz was anders! Was 1. c. über die partieularistische locale Fassung der Gottesidee gesagt wird, verwechselt Absicht mit Mittel. Es sollte der Vermischung mit den Heiden damit vorgebeugr, jener Lasterhaftig• keit forngehalfen werden, t- Weitere Ausführung auch in Bezug auf die ״an das heil. Land gebunden gedachte Heilsgegenwart“ würde den uns zu Gebote stehenden Raum überschreiten. Ferner giebt, wie wir weiter ausführlicher es darlegen wollen, die vorliegende Schrift eine Verherrlichung des Sabbathes, ein ״hohes Lied“ zu seinem Preise. ״Aber“ — wie hätte sonst die theilweise Abschaffung des Sabbaths gerechtfertigt werden können? — (S. 64) ״dass diese“ (die im Sabbathgesetze liegenden humanen *) Prolegomena zu einer alttestamentlichen Lehre von der Sünde. Von Lic. Ludwig Lern me, Privatdocent und Inspector des Johanneums zu Bresiau, Breslau, Louis Köhler’s Hob und Verlagsbuchhandiung. 1880. 147 S. 8. Ideen) ״in so langsamer und allmählicher Entfaltung sich Geltung verschafft haben, ohne auf dem Boden des alten Testaments jemals zu völliger Reife zu gelangen, erklärt sich aus der äusserlichen Form, in der jener Gedanke im vierten Worte beschlossen blieb. Indem derselbe nämlich durch äussere Ausscheidung eines besondern Tages, an dem er zu durchschlagender Geltung kommen sollte, praktisch zur Anerkennung gebracht wurde, wurde er in ein äusserliches Verhältniss zu den Werkeltagen gesetzt.aber dadurch war er auch zugleich mit der Schranke behaftet, dass er die Arbeit nicht innerlich beherrschte, das thätige Leben nicht innerlich durchdrang, also auch nicht von vornherein einen bestimmenden Einfluss auf alle Lebens- Verhältnisse ausüben konnte.“ Giebt sieh dieser an den Haaren herbeigezogener Mangel als ein Produkt von Tifteln und Mückenseihen, so muss die Deduction S. 78, dass die ethischen Theile der Zehnworte nu:־ auf die Gesammtheit Israels und nicht auf alle Menschen anzuwenden seien, um so unangenehmer empfunden werden, als wieder der alte Kohl aufgewärmt wird, dass JH. nur den ״Israeliten“ bedeute. Hier sucht der gelehrte Herr Verf. nicht nach Beweisstellen, die ihm das Falsche seiner Ansicht deutlich gemacht hätten. Wir erinnern mir an die vielen Gesetze der Milde gegen den גר mit der Begründung, denn ihr seid גרים in Aegypten gewesen (Vgl. auch Michael Levy’s ges. Aufsätze S 4 ff.). Aber wie durfte Herr Lemrne, der so tief sinnige, fast hätten wir gesagt philosophisch strenge Begründung und Verursachung der Zehnworte nicht in sie hineinträgt, sondern aus ihnen herausliest, wie durfte Herr L. die so selbstverständliche Bemerkung der Talmudisten unbeachtet lassen : Bei den ethischen Geboten und Gesetzen heis«t es nicht: den Priester, den Leviten, den Israeliten — sondern dieses Weglassen des Objectes schliesst die Ausnahmslosigkeit ein! Wie sollte der göttliche Gesetzgeber den Diebstahl, Mord etc. gegen Nichtisraeliten unverboten gelassen haben? Wird der Israelit nicht dadurch zum Dieb, zum Mörder, zum Uebelthäter vor Gott? Das wäre sicherlich dem gelehrten und geistvollen Verfasser nicht entgangen, wenn er nicht durchaus dem Judenthume eine niedrigere Stufe anzu weisen gewohnt gewesen wäre! Es gehört dies mit zu der Zweiseelentheorie, welche das ganze Werk durchzieht. Begeisterung für das Herrliche und Hohe der zehn Worte — und doch das Bestreben, di Unvollkommenheit des alten Bandes in hergebrachter Weise zu constatiren, ein wahrhaft frommes Fühlen — und doch all’ die Mittelchen zersetzender Kritik. Doch über Letzteres mögen die Amtsgenossen des Herrn Verf. mit ihm rechten.

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