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Das jüdische Literaturblatt · 1880-11-11 · No. 46. (11.11.1880) · p. Seite 183

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 46. (11.11.1880)
Date
1880-11-11
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 — פאסאנה. Fasana ist das Femininum von Fasan; aus Jacob Grimms ״Geschichte der deutschen Sprache“ ist zu ersehen, wie häufig und wie sogar mit besonderei Vorliebe Namen von Vögeln zu Frauennamen gewählt wurden. Ich will nur an die in meiner Heimath noch vorkommenden Namen Sprinze״) erinnern, der auch a a. O. bei Grimm vorkommt und als Falke erklärt wird; siehe übrigens unsere Bemerkung zu dem Worte שקולרינה weiter unten. ציטפא irn Bet-Samuel vorkommend, ist eine Abkürzung von Zippora. In ganz Lithauen wird nämlich, so theilt mir Herr Rudermann mit, statt Zippora Zippe* **)״) gesagt, und es ist nur eine Verhärtung, wenn daraus Zimpe geworden. Zunz fügt diesem Worte auch צינא hinzu, wie wir glauben mit Unrecht, es gehört vielmehr zu dem folgenden, nämlich zu ציני. Beide Numen nämlich werden als Namen für etwas besonders Schönes gebraucht. Dieser Bedeutung schliesst sich auch das folgende צאצי Zaze, Zeze an, welches Zunz durch ״Geliebte“ wiedergiebt. Es bedeutet aber, wie die beiden vorhergehenden Namen, einen besonders werthgehaltenen Gegenstand. קאלובה. c a 1 u b a ist aus dem lateinischen columba ״Taube“ entstanden; im Rumänischen heist coluba noch heute Taube, ebenso im russischen. Da aber nach Zunz das Wort in Gallipoli vorkam, so glauben wir ihm walachischen (rumänischen) Ursprung zuschreiben zu müssen. קראלה. Krala ist in allen slavischen Sprachen ״Königin“. רוזיקה. Rozika, das Deminutivum von ״Rosa“. ריבא. Riva, abgekürzt aus Rebekka, auch R i v k e bei den Juden ausgesprochen; Herr Rudermann theilte mir mit, «lass Mädchen mit dem Namen רבקה, so lange sie klein sind, Rivke, wenn aber erwachsen, Rive ריבא gerufen werden. Hierbei kann man die interessante Bemerkung der unbewussten Volksetymologie machen; da nämlich, wie wir oben bemerkt, die Sylbe ka Deminutivendung in den slavischen Sprachen ist, kürzt man das Wort רבקה, obgleich bekanntlich in vor- ]legendem Fall das קה nichts weniger als ein Deminutisouffix ist. i) שבתיק, שבתיה, שבתולה, שבתו halten wir sämmtlich für Feminina des Masculinum שבתי Sabbatai; Sehabsula ist eine romanisirte Form wie Arsula. שקולרינה. S 0 k 01 e r i n a ist das Femininum von Sokol, Falke, also etwa Falkin. Schliesslich will ich noch einen Namen, den Zunz übergangen, anführen, der gleichfalls slavischen Ursprungs ist, er lautet: טשרנה und דשרנה cernä (sprich tschernah) — ״schwarze“ als Antithese gebraucht. Es ist dies der Name meiner seligen Mutter gewesen. Zur wissenschaftlichen Judenhatz. Im ״Globus“ (begründet von Carl Andree, herausgegeben von Dr. Richard Kiepert) Heft 17 des Jahrg. 1880 spricht Richard Andrde über ״Die Ueberreste der Kelten“. In demselben Athemzuge, in welchem er den beachtenswerthen Satz: ״Unsere Terminologie ist noch gar nicht scharf genug, um die typischen Formen der Völker und Ragen zu beschreiben“ ausspricht, liefert er auch Folgendes: ,,Die Sprache ist ein sicheres Kriterium, insofern, *) Das Sprinze Esperanza ist doch ziemlich feststehend. (Rd.J **) In Oberschlesien auch Zipp er 1. (Red.) ■{־) Da liegt es denn aber do׳ h wohl viel näher, das Wort einfach aus dem Aramäischen zu erklären, wo es bekanntlich ein ״erwachsenes Mädchen, eine Jungfrau“ bezeichnet (vrgl. Targ. Gen. 14, 24). Rudermann’s obige Mittheilung bestärkt uns in dieser Auffassung. (Red ) als ich einen italienisch Redenden einen Italiener nenne. Für die Abstammung ist damit aber noch gar nichts entschieden, denn die Sprache wechselt und der Schwarze von Haiti ist noch kein Franzose, weil er französisch redet, der Bischari Nordafrika’s kein Araber, weil er die Sprache des Propheten annahm; Präsident Juarez war und blieb ein echter Mijc-Indianer, obgleich er nur castilianisch redete Diesen Process des Sprachenwechsels sehen wir noch täglich unter unseren Augen vor sich gehen, wenn wir die Sprachgrenzen und Sprachinsein beobachten. Oesterreich-Ungarn liefert da eine besonders grosse Anzahl von Beispielen. Ludwig Bamberger, Morit z Lazarus, Oppenheim u. A. behaupten mit Pathos und grossem Floskelreich thum gegenüber H. v. Treitschke ihr Deutschthum. Germanen sind sie aber nimmermehr trotz ihrer deutschen Sprache, und die anthropologische Analyse würde ihnen gegenüber unendlich leichteresSpiel haben, als bei den Walisern. Wie aber der Körper verschieden, so auch der Geist.“ Ist aber der Körper verschieden? Beweist es doch erst! Was macht Euren Treitschke zum Deutschen? Seine sehr zweifelhafte germanische Abstammung doch sicher nicht! Also dieselben Attribute, welche auch die deutschen Juden als Beweise ihres Deutschthums vorlegen. Wollt Ihr mehr, dann stehis schlimm um Euer Deutschthum. Nicht allein Euer Treitschke wird von den Slaven zurückgefordert, Moltke gehört dann den Dänen, eine nicht geringe Zahl der Heldenführer in den jungsten Kriegen den Polen und anderen Slaven, Chamisso den Franzosen — Alle, in deren Adern ein Tropfen nicht deutschen Blutes rollt — undeutschem Stamme an! Wendet Eure Principien aus der Judenhatz auf Euch selbst an, und es bleibt kaum ein Germane in Deutschland! Literaturbericht. Recensionen. Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud von Dr J. Hamburger zu Strelitz in Mecklenburg. Abtheilung II, Heft 6. Es giebt Recensenten, welche nur einige Blätter von einem neu erschienenen Buche lesen und sogleich eine Recension über das ganze Werk niederschreiben. Ist ein solch leichtsinniges Verfahren überhaupt zu tadeln, so führt es bei einer Realencyclopädie gar leicht zur falschen Beurtheilung! Ein solches Wörterbuch muss eben durchgelesen sein, bevor man ein sicheres Urtheil darüber gewinnen kann. — Der Unterzeichnete scheut darum bei dergleichen Recensionen niemals die Mühe, das Ganze eiuer literarischen Erscheinung zu lesen, um das Wichtigste daraus hervorheben zu können. Das rubricirte Heft enthält ebenfalls der wichtigen Artikel mehrere, die für Denjenigen, welcher über gewisse Persönlichkeiten, Ereignisse und Schicksale aus der jüd. National- und Religionsgeschichte, sowie aus der Cultur- und Literaturentwickelung des Judenthums eine übersichtliche Belehrung sucht, diese genügend zu ertheilen vermögen. Wir heben zur Empfehlung dieses Werkes folgende Artikel aus dem rubricirten Hefte hervor: Aus den Buchstaben N. ״Namen“, wobei der Verf. nach weist, dass — wie nach dem lateinischen Sprichworte: Nomen est omen — auch im jüdischen Midrasch behauptet wird, ״dass der Name eines Menschen als ״Vorbedeutung“ gelte und auf dessen Charakter und Geschick vom Einflüsse sei“ (לעולם יבדק אדם בשמות׳ I שהשם גורם לו). Dazu gehört die ״Namensänderung“ im

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