Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 46. (11.11.1880)
- Date
- 1880-11-11
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 — nächstfolgenden Artikel. Ferner ist lesenswert!!, was der Verf. über Nasi, das jüdische Patriarchat ünd über die einzelnen Patriarchen vom Jahre 180 vor bis zum Jahre 425 nach der jetzigen Zeitrechnung mittheilt. Interessant sind auch die Artikel über Nichtisraeliten, Noachiden und Proselyten. — Aus dem Buchstaben 0. heben wir die Artikel Onias und Oniastempel, sowie Ordination hervor, worin das Geschichtliche hierüber erschöpfend behandelt ist. — Ausser der allgemeinen Schilderung des Rabbinism u s bringt dieses Heft noch von den Autoritäten unter den jüdischen Gelehrten der nachbiblischen Zeit neben den schon erwähnten Patriarchen die Biographien des hellenistischen Philosophen Philo, des Babyloniers R. N ath an, Zeitgenosse des Patriarchen R. Jehuda, Yerfassers der Mischna, des Letztem Hörers Rab (Abba) u. drgl. m. — Aeusserst interessant und belehrend ist der Artikel über die Entwickelungsgeschichte religiöser und moralischer Vorträge (Predigt und Schrifterklärung). Möge dieses inhaltreiche, seinem Abschluss entge' gengehende Werk die weiteste Verbreitung finden. ערוך השלם. Talmudisches, targumisches und midraschisches Lexic on etc von Dr. Kohut. II. Th. 4 Heft. Mit Freuden ersehen wir aus der raschen Aufein' anderfolge der Hefte, dass die Herausgabe dieses grossartigen Werkes stetig fortschreitet. Dieses Lexicon ist auf breiter — vielleicht allzubreiter — Basis angelegt. לס ס indem fass jeder Artikel durch die Erläuterungen und Verbesserungen, welche der Herausgeber mittelst der ihm zu Gebote stehenden alten Ausgaben und 7 alten Handschriften eruirte, und namentlich durch seine geistreichen Zusätze einen weit grösseren Raum einnimmt, als in den bisherigen Ausgaben. Darum verdient es aber auch mit Recht den Titel: Aruch completum. Man schlage in dem eben erschienenen Hefte beispiels• weise die Artikel ״ גוזמאHyperbel, rednerische lieber* treibung “, ״ גורהEntscheidung, Bescheid“, גיהנם ״Hölle“, ״ גימטריאGeometrie, Mess- und Rechenkunst“ p., גלם ,,ungeformte Masse“ und den Eigennamen גם־וו; dann die beiden Artikel גמר und ״ גמראüber die rabbinische Tradition“ nach, und man wird sich von der ausserordentlichen Belesenheit und Gelehrsamkeit des Herausgebers leicht überzeugen. Derselbe notirt bei wichtigen Artikeln alle Stellen aus den beiden Talmuden, worin das betreffende Wort vorkommt, wodurch das Werk den Werth einer talmudischen Concordanz erhält. Wir erwähnen hier noch di3 Erklärung des bekannten Wortes גט, das im Talmud so viel als das chaldäische שטר und das hebräische ״ ספרSchrift, Urkunde“ etc , obschon alleinstehend vorzugsweise eine S c h ei d e u rkünde bedeutet. Man hat diesen Ausdruck als Abkürzung von ״ לגטLegat“ ableiten wollen, was jedoch nicht wohl gelten kann, weil letzteres Wort nur ״Vermächtniss“ bedeutet. Der Herausgeber übersetzt darum das Wort גט — wie dies schon Dr. Perles in Frankel’s Monatschrift XV, 151 gethan — mit ״Schriftstück“ und leitet es in Folge seines richtigen Strebens, die talmumudischen Fremdwörter wo möglich aus der Sprache des Landes, in welchem der babylonische*) Talmud abgefasst wurde, zu erklären, vorn Persischen ab, wo es ״Schrift,“ heisst, was mit der angegebenen Bedeutung übereinstimmt. — So sucht Herr Dr. Kohut in diesem Werke die alten und neuen Forschungen der talmudisehen Lexicographie zu benutzen und mit den Ergebnissen seiner eigenen zu vermehren. *) So übersetzt auch das für die chaldäisch sprechenden Jehudim verfasste Targum Onkelos das hebräische ספר כריתות ..Scheideurkunde״ (V, Al. 2-1,1) mit יגט פטורין indess das pal äs tinäische Targum Jeruschalmi dafür ספל תירוכץ hat. Inzwischen ist auch das 5. Heft des zweiten Theils erschienen, welches den Buchstaben ג׳ abschliesst. ■ Es bringt als Anhang Nachträge und Verbesserungen zum I. und II. Theile. — Möge das Werk, das eine Zierde sprachwissenschaftlicher Erforschung des Talmuds ist, allseitig die verdiente Unterstützung finden. Bad-Ems. Dr. B. Hochstädter, Bez.-Rabb. Holländer, Dr. J., Oberrabbiner in Trier. Der biblische und der göthische Faust. (Der Reinertrag ist für die innere Ausschmückung der hiesigen Synagoge bestimmt.) Trier, Commissionsverlag von Heinrich Stephanus, 1881. 22 S. kl. 8. Der biblische Faust? Welcher? Denn nicht mit Unrecht könnte auch Hiob so genannt werden, und sicherlich würde da der Vergleich noch eher günstig für die Tiefe der Lebensanschaunng der Bibel ausfallen. Reicher bewegt und auch in den äusseren Schicksalen dem deutschen Faust ähnlich istKoheleth — Göthe hat die Arbeit, Koheleth die Religion als letztes Mittel erkannt, durch welches das Leben erträglich wird. Darum löst der deutsche Faust das Problem nicht, während der jüdische doch die Spuren des Glückes und des Zielbewussten nachweist. Gedankenreich schön geformt ist der Vortrag weitester Verbreitung werth. In Trier aber wird er hoffentlich die Erkenntniss wachrufen, dass der Gedanke über der Form steht, und so helfen, alle Denkenden der Mutter- I gemeinde wieder zuzuführen. L. Notizen. t - I 1) Wieder will ein Russe im Kaukasus einen jüdi- ' sehen Stamm entdeckt haben, der nur die Bibel kennt und | über den zweiten Tempel nichts weiss. Die neue Entdeckung soll ausführlich geschildert sein in Wojinstwujusci Israil von W. J. Remirowitsch Dantschenko. Wir halten es für Pflicht unserer Collegen in Russland, die Angaben deseiben durch Sachverständige sorgsamer Prüfung unterziehen zu lassen, und wenn sie glaubwürdig erscheinen, etwa von Tiflis aus Juden zu den wiedergefundenen Brüdern zu senden, da die Sache religiös, wie a! chäologisch von hohem Interesse ist. 2) C u r i 0 s u m. ״Aus allen Welttheilen“ Illustrirtes Familienblatt für Länder- und Völkerkunde, redigirt vom Realschul-Oberlehrer Dr. Hugo Toeppen, giebt die Zahl der auf der Juden auf der ganzen Erde (im 2. Heft, des 11. Jahrg.) auf 6 bis 7 Millionen Juden an nach dem .,Jahresbericht für 1878 d er jüdischen Gesell- Schaft für Verbreitung des Glaubens in Berlin.“ Es ist dies eine u 1 k i g e Verballhornung der ״c h r i 811 i c h e n Missionsgesellschatt zur Verbreitung des christlichen Glaubens unter den Juden!“ rx'Ä-v ער : מ s! 5 ä׳! VI <c xa jjr-' M P tfl -ז כיס a> u a - P. ca o . ca H 0*3 S •ם O •r-4 «wo *O •H rt M סי o P3 ca 3 a>־ 15 O V) >*■< ׳ >*< H מ g >־•״<♦ *o Cj) סס Ui מ 0 ~ u׳ ® 5 £ - ö «& ö׳s H a M3 2 g j 0 Sך0ו ט CÖ CÄ «O u M © »־f £ ö ‘ £ g S ® ® י .S ßiüb M © *נל ה. ~ S ff •N» ע Pf מיי 71 f-t a> * et et s-, cs © Jr .< ־+■ _ a> © Ho > UJ U «M "©‘ . ״e ■■1 Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von K Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig,״