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Das jüdische Literaturblatt · 1880-10-28 · No. 44. (28.10.1880) · p. Seite 175

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 44. (28.10.1880)
Date
1880-10-28
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
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— 175 — dahinter. In diesem Zusammenhänge ist es wohl kaum möglich, die Worte אחד und ואחד auf die Priester מי שוכח zu heziehen, vielmehr drängt sich die Annahme auf, dass die Worte ושתי מפתחות aus demselben Grunde wiederholt sind, wie טני und כוז, nämlich um sie selbst zu erklären, nicht um etwas von den מי שזכה zu sagen. So klar dies durch die Lesart der Amsterdamer Talmudausgabe ausgedrückt ist, so klar ist es aber auch selbst hei den anderen grammatisch uncorrecteren Lesarten, da hier der Zusammenhang und die Wiederholung mehr beweist als die Lesart. Und gerade diesen bedeutungs• vollen Zusammenhang hat der Herr Professor nicht nur nicht erwähnt und die in demselben gegen seine Annähme und Emendation liegende Schwierigkeit nicht berührt, sondern die Zwischenstelle aus seiner Mischnafassung weggelassen. Die Amsterdamer Lesart und der Zusammenhang machen die Emendation also bedenklich, wohl gar unmöglich. Es scheint vielmehr nicht anders zu sein, als dass die Stelle von (אחד (אחת bis כיון eine Erklärung derSchlüssel ist. Nun bleibt freilich die Stelle von Neuem schwierig. Was ist מת השחי>$ oder ,אמת בית חש, was soll das יורד sein? Was bedeutet כיון? Der Herr Professor geht von der Ansicht aus, dass die Commentatoren אמת mit ״Armu übersetzen und er findet darum מ Armhöhle“ durch אמת ב׳ השחי zu übersetzen, für gewaltsam. Das dürfte gewiss zugestanden werden, denn so nennt die Mischna die Armhöhle sonst nicht. אמת ist ausserdem ein st. construct., und es ist unmöglich, dass man hätte sagen sollen: Der Arm der Höhlung. Aber es ist gar nicht von den Commentatoren ausdrücklich gesagt, dass sie אמת mit ״Arm* übersetzen. Nur der Rambarn fasst es so in seinem Commentar zur Mischna. Es ist also offen אמת auch anders zu übersetzen. Da nach Raschi und den ihm Folgenden der Oeffnende seine Hand durch eine Lücke zu stecken hatte, um von innen zu öffnen, so wäre bei אמה an einen längeren Hohlraum zu denken, der fast so tief war, dass man den Arm bis zur Schulter durchstecken musste, und deshalb אמת בית השחי genannt wurde. Der Sinn wäre daun: bei dem einen Schlüssel senkt man die Hand in diesen Hohlgang bis zur Achsel, so wie der Jeruschalmi zu B. mez. p. 8d erklärt. Der Rambarn erklärt aber אמת für ״Arm“ und stellt die Sache so hin, dass der Oeffnende mit seinem Arm nicht gerade aus öffnen konnte, sondern seinen Arm soweit an der Thür senken musste, um den unten angebrachten Yer- Schluss zu öffnen, dass der Gebückte gerade mit der Schulter dahin reichte, wo er beim Aufrechlstehen die Hand hielt Vielleicht dürfte aber noch eine andere Auffassung zulässig sein. (Schluss folgt.) Literaturbericht. Recensionen. Leimdörfer, Dr. D. Die kürzeste Darstellung der nachbiblischen Geschichte für die israelitische Schuljugend nach grösseren Werken bearbeitet. Leipzig und Nordhausen 1880. Verlag von Eigendorf’s Buchhandlung (Moritz Greiner). Preis 1 M. 50 Pf. In seinem vortrefflichen Referat über die Nothwendigkeit des Unterrichts in der nachbiblischen Geschichte auf der Conferenz der mitteldeutschen israel. Cultusbeamten zu Halle hatte Leimdörfer mit Recht darüber geklagt, wie wenig Zeit den mannigfachen Disciplinen des jüdischen Religionsunterrichts eingeräumt werden kann. Bei zwei Stunden wöchentlich in den höheren Lehranstalten soll das ganze Gebiet der jüdisehen Glaubens- und Sittenlehre, der biblischen und nachbiblischen Geschichte, des Ceremonialgesetzes und der Liturgie wenigstens in den hervorragenden Punkten durchgenommen werden. Während es nun für die meisten der genannten Disciplinen kurzgefasste Lehrbücher gibt, war der Mangel eines solchen für den Unterricht in der nachbiblischen Geschichte äusserst fühlbar. Diesem Mangel in ausgiebiger Weise abgeholfen zu haben, ist das Verdienst des obengenannten, klar und verständlich geschriebenen Büchleins, welches in bündiger Kürze der jüdischen Jugend die Kenntniss ihrer oft thränenreichen, aber immer glorreichen Volks- und Stammesgeschichte vermitteln soll. Der Verfasser hat den richtigen Ton zu treffen gewusst, um unsere Knaben und Mädchen mit Stolz auf die Vergangenheit zu erfüllen, mit bewundernswerthem Takte aber hat er es vermieden, Bitterkeit über das 2000jährige Märtyrerthum des jüdisehen Volkes in das Herz der empfänglichen Jugend zu pflanzen. Wir wollen unseren Feinden im Verketzern Andersgläubiger nicht nachahmen, und so hebt der Vf. bei Erwähnung der Verfolgungen immer auch die nichtjüdischen Gönner und Freunde der Israeliten rühmend hervor, von denen sie irgendwelche Wohlthaten empfingen. Die Biographien der jüd. Geistesheroen (von S. 43 bis 53) sind als besonders gelungen her vorzulieben. Ob auch die letzten Abschnitte über Richtungen und Leistungen der unmittelbaren Gegenwart zu benutzen sein werden, muss dem einsichtsvollen Lehrer überlassen bleiben. Wir zweifeln nicht, dass das treffliche Buch sich seinen Weg in alle deutschen Religionsschulen bahnen wird. Wenn Etwas im Stande wäre, die allgemeine Verbreitung zu hindern, so ist es der Preis, den die Verlagshandlung bei Entnahme grosser Partien zur Einführung in Schulen vielleicht niedriger normiren wird. (Ist bereits der Fall. Red.) — Druck und Ausstattung erfüllen die Anforderungen, die man an Schulbücher stellen muss, vollständig. Caro-Erfurt. Neiniiann, Dr. S. Die Fabel von der jüdischen Masseneinwanderung. Ein Kapitel aus der preussischen Statistik. Berlin. Verlag von Leonhard Simion, 1880. Da ist ihnen ein Hausirer oder Bettler beschwerlieh geworden, dessen polnisch-jüdisch-deutscheRedeweise ihnen unliebsam aufgefallen — und sofort ist die wissenschaftliche (?) Behauptung fertig: Die jüdische Masseneinwanderung über die Ostgrenze des deutschen Reiches ist eine Quelle ewiger Gefahr des deutschen Volksthums. Da nun Zahlen am deutlichsten sprechen und beweisen, hat der V erfasser — ein tüchtiger geschulter Statistiker — genau untersucht, wie gross die Zahl der ״hosenverkaufenden Jünglinge“ sei, die gegen das Germanenthum zu Felde ziehen. Die gewonnenen Resultate stellen die Wahrheitsliebe, wie die gründliehen Kenntnisse der Wagner und Treitschke in ein keineswegs beneidenswerthes Licht. Von 1822 bis 1840 hat Hoffmann, der Begründer der preussischen Statistik, selbst erklärt, ״dass das Uebergewicht der Vermehrung der jüd. Bevölkerung nicht in Einwanderung von aussen liegt.“■ Von 1840 bis 71 hat die Gesammtbevölkerung 2,90 °/0 durch Mehrauswanderung verloren, din jüdische 18 °/0. Aber die Hauptsache: Unter den am 1. December 1871 in Preussen ortsanwesenden Personen sind 182,162 gezählt worden, welche in nichtdeutschen europäischen Staaten geboren sind. Von diesen waren in den Grenzprovinzen Preussen, Posen und Schlesien 72,453, in Rheinprovinz und Schleswig 70,286, der Rest in den anderen Provinzen ortsanwesend. In Schlesweg war der 38, in der Rheinprovinz der 81., in in Schlesien der 103., in Preussen der 122. und in Pose.n der 149. Einwohner fremdgeboren. Also an der Os1 - grenze ist die geringste Einwanderung constatirt. Während im ganzen Staate auf 10,000 Einwohner 74

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