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Das jüdische Literaturblatt · 1880-10-21 · No. 43. (21.10.1880) · p. Seite 171

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 43. (21.10.1880)
Date
1880-10-21
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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׳ 171 — Lebzeiten Noach’s und Abraham’s*) Assyrien eroberte; bis späterhin (um 1300 vor d. j. Zr.) die Bewohner der Colonie Assyrien das ehemalige Stammland Baby- Ion unterjochten, wodann Assyrien (vom 9. bis zum 7. Jahrhundert vor d. j. Zr.) seine Herrschaft über ganz Vorderasien ausdehnten. — Innerhalb dieses Zeitraumes kamen deren Weltbeherrscher auch mit unseren Vorfahren im heiligen Lande in Berührung, als: 1. Pul (760—56 v.), der zuerst Palästina bekriegte (s. II. Könige 15,19 und I. Chronik 5, 26). 2. Tiglath-pilesar (745—28 v.), welcher Kord- Palästina eroberte (s. II. Kön. 15, 29 und 16,7 u. 10; dann I. Chron. 5, 6 u. 26 und II, 28, 20). 3. Salman-asar (727—23 v.), welcher die 10 Stämme des israelitischen Sonderreiches in Exil führte. Wahrscheinlich hat derselbe früher, als er noch Feldlierr war und darum den blossen Namen Salman führte, die Einwohner von Arbeel in Obergaliläa, dem Stammgebiete Naphtali bei einem seiner Feldzüge vernichtet (s. Hosea 10,14). 4 Sargon (722—5 v.), welcher durch seinen Feldherrn Tartan die jüdische Grenzfeste Aschdod einnehmen liess (s. Jes 20,1). 5. Sancherib (705—682 v.), welcher Jerusalem belagerte, wobei sein Heer zu Grunde ging etc. (s. II. Kön. 18,13 u. 17 und 19,35—37; dann Jes. Cap. 36 u. 37 und II. Chron. 32, 1 u. 21). 6. Asarhaddan (681 — 69 v.) verpflanzte die assyrischen Kuthäer etc. naeh Samaria, der vormaliger Hauptstadt des Sonderreiches Jisrael (vergl. hz. II, Kön. 18. 11), welche Colonisten nunmehr Samaritaner heissen. Derselbe hat später wahrscheinlich auch den jüdischen König Manasse nach Babel wegführen und ihn dort hart züchtigen lassen (s. II, Chr. 33, II). Es folgen nun noch 2 in der h. Schrift nicht erwähnte assyrische Könige, als: 7. Assardannipal — griechisch: Sardunapal — (668—26 v.) und dessen Sohn 8. Saracus — vielleicht assyrisch: Sargon II. — (625—20 v.), wodann Ninive den verbündeten Chal• däern unter Nabopolasar, dem Vater Nebucadnezar’s, und Medern unter Cyaxeres I, erlag. Somit harmoniren die biblischen Berichte mit den Ergebnissen der betreffenden Keilinschriften. Schliesslich bemerken wir, dass die Entzifferer dieser Schrift die oben erwähnte Mittheilung der griechischen und römischen Schriftsteller über Minus, Semiramis — nebst deren fabelhaften ״hängendem Garten zu Baby- Ion“ — und Nynius als eine blosse Erdichtung betrachten; indess Dr. Hamburger in seiner biblischen Realencyclopädie beiderlei Gerichte dadurch zu vereinbaren sucht, dass er annimmt, Nimrod habe, nachdem er seine neue Residenz Ninive (assyrisch: Ninua) erbaut hatte, den Beinamen Ninus geführt, Ems. Dr. Hoch Städter, Bezirksrabbiner. Literaturbericht. Recensionen. Lagarde, Paul de. Orientalia. Zweites Heft. 4°. Göttingen 1880. Dietrich’sche Verlagsbuchhandlung. (Erklärung hebräischer Wörter S. 1—42; Ueber den Hebräer Ephraim von Edessa S. 43—84.) Herrn Paul de Lagarde’s Werken gebührt eine ehrenvolle Erwähnung in einem jüdischen Literaturblatte. Denn kein christlicher Gelehrter berücksichtigt in solehern Masse die jüdische Literatur, zeigt eine solche *) Denn als Noach starb, war Abraham. 58 Jahre alt (’□אכרה היה בן נה, כשמה נח). Vertrautheit mit derselben, wie Lagarde. Er benutzt bei seinen Arbeiten Talmud, Midrasch, Tosefta, Mischna, Raschi, Maimuni, das Machsor wie die Werke der neueren Forscher Rappoport, Zunz, Frankel, Grätz . . . bis auf dieses Literaturblatt. Wir wissen, wie oft Christliehe Gelehrte, auch da, wo ihnen die Arbeiten der Juden nützlich sein könnten, dieselben vornehm ignoriren. Lagarde, wie er überhaupt von Unpartheilichkeit und Wahrheitsliebe durchdrungen ist, ohne Rücksicht das für wahr Erkannte ausspricht, hat auch das Vorurtheil manches Gelehrten gegen die jüdische Literatur überwunden. Denn er erkannte, dass die spät hebräische und jüdische Literatur eine Fundgrube ist zur Kunde nicht nur der hebräischen, sondern auch der anderen semitischen Sprachen. Und Sprachforscher ist er im eminenten Sinne. Er kennt nicht nur die semitischen, sondern auuh die indogermanischen Sprachen, deren Grammatik und Wortschatz er mit einander vergleicht und bis auf den Grund zu erkennen sucht. Er trägt selbst das Material zu seinem Gebäude zusammen und beginnt es von Grund aus zu bauen. Er hat eine grosse Reihe von Werken des Alterthums in chaldäischer, syrischer, arabischer, griechischer und koptischer Sprache nach Handschriften verglichen und kritische Ausgaben veranstaltet, er hat eine armenische Sprachlehre herausgegeben. Die Zahl seiner Schriften — unter diesen auch deutsche — beträgt bis jetzt fünf und vierzig. Vergleichen ist sein ״Losungswort.“ Er vergleicht die Handschriften, um den richtigen Text zu ermitteln, vergleicht Sprachen, um die Herkunft eines jeden Wortes zu erforschen, er vergleicht Religionen, um Aehnlichkeiten und V erschiedenheiten herauszufinden. Auch das vorliegende Werk trägt diesen Charakter. Um die Bedeutung eines Wortes zu ermitteln, werden die verschiedensten Sprachen verglichen, die LA. der Handschriften untersucht, die verschiedensten Literaturgebiete herangezogen. Er beginnt, seine Aufgabe sich vorzeichnend, folgendermassen: ״Wer ein hebräisches Wörterbuch schreiben will, hat zuerst für einen Text des alten Testaments zu sorgen, dem sämmtliche erreichbaren Varianten der Handschriften, Uebersetzungen und Grammatiker und alle einem Sachverständigen erwälinenswerth scheinenden Conjecturen der Kritiker untergelegt sind. Er hat darnach aus den alten Uebersetzungen, den nachbiblischen Schriften der Juden, soweit dieselben der vor dem Siege der arabischen Cultur liegenden Zeit angehören, den Lexicographen des Mittelalters und den Schriften indoceltischer Philologen und Theologen, eine vollständige Uebersicht über die Tradition und die Deutungsversuche Derer zu liefern, welche die Tradition nicht kannten oder aber eine Tradition nicht hatten, natürlich wird er angeben, was Kirchenväter und Rabbiner über die Aussprache derVocabeln brachten, und er muss neben der palästinischen auch die babylonische Vocalisation verzeichnen. Er hat darnach das Alte Testament selbst zu studiren: seine Bücher chronologisch zu ordnen, seine Synonymik zu ergründen, durch systematische Vergleichung der anderen semitischen Dialecte festzustellen, was in der sogenannten hebräischen Sprache semitisch, was hebräisch, was israelitisch, was jüdisch ist.“ Solche Aufgaben kann nur der stellen, welcher durch seine Werke gezeigt hat, dass Beherrschung solch massenhafteu Materials möglich ist. Wenn nun die Beurtheilung der Resultate, zu denen der Verfasser bei Erklärung der von ihm angeführten Worte nur Demjenigen möglich ist, der diese Sprachen beherrscht, wovon Referent sehr weit entfernt ist, wenn ferner der religiöse Standpunkt des Referenten ihn hindert, die auf Subjectivität ruhenden Annahmen S. 8 u. S. 21 als richtige zu bezeichnen, so wollen wir solche

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