Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 43. (21.10.1880)
- Date
- 1880-10-21
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 172 — ]Bemerkungen herausheben, die auch dem in der Sprach- Vergleichung nicht so Eingeweihten einleuchten, und einige Notizen da machen, wo Verfasser den Talmud und Midrasch anführt. Wichtig ist dem Referenten der S. 6 ausgesprochene Satz des Verfassers, dass er an dem Glauben festhält, dass trotzdem die orientalischen Sprachen Homonyma haben, doch eine und dieselbe Wurzel verschiedenen Ursprung haben könne. Ref. hatte bei seinen Versuchen, Homonyma zu erklären, das Streben gezeigt, sie auf einen Grundgedanken zurückzuführen (vgl. Literbl. 1872 Nr. 5,35; Grätz, Mschr. 1873: 476, 528). — Zu der Bemerkung S. 12, Z. 6 ist zu vergleichen Tosefta p. 29,25 (ed. Zuckermandel), über בד zu vrgl. ib. 672,2, wo auch בדידה vorkommt; dass כרי S. 31 palästinisch ist, wäre eher zu erweisen aus Tos. p. 309 als aus Tr. נדרים, dessen angenommener palästinischer Ursprung doch einer genaueren Untersuchung bedarf. — Einleuch־ tend ist der Nachweis, dass das griechische xöXXuß0; und ־/oXXoßov semitisch ist und von חלף herkommt (S. 27.) — Nachdem das semitische Wort gräcisirt wurde, wanderte es in dieser Umprägung nach Palästina (vgl. Tos. 174,14,15. Geistreich ist die Vermuthung, dass ־׳דב!$,(:ל(£ von פלס gebildet scheint. — Mit grossem Scharfsinn und Aufwand gewaltiger Gelehrsamkeit will der Verfasser erweisen (S. 16), dass הלל den כהנים zukam, welche die חצצרות bliesen, während auf die לויים das הודות welche auf נבלים /מצלתיים und כנדה musicirten. In Mischna סוכה heisst es 51b: והלויים בכנורות ובנבלים ובמצלתיים ובחצוצרות ובכל כלי שיר, wo also auch den לויים die חצוצרות zugesprochen werden. Allerdings fehlt dieses Wort in Tos. 198,27. — Dass das הלל nicht blos am פסח dem Hausvater vorgeschrieben war (S. 24), dagegen vergl. Tos. 195,23, ferner 3,20, 21, 23. — S. 37 schreibt Vf.: ״Was Josue der Sohn Levi’s in בראשית רבה über die Namen der Cainiten ingesammt und עירד insbesondere vorträgt, unternehme ich nicht zu deuten.“ Referenten muss es auffallen, warum dem Verfasser die Erklärung in מתנת כהונה nicht zusagte: עוררן כערוד הוה שהוא דר־במדבר ואין אדם יודע כך אני מאבדן מן העולם. Nach Levy s.oll ערד auch im Syrischen vernichten bedeuten. מוחה אני טחייאל ich vertilge sie; ־ מתישן מתושאלich reisse sie aus von נתש. Im לקח טוב (jüngst herausgegeben von Buber) (S.30) ist dieser Derasch ohne Angabe des Referenten Josua b. Lacisch gegeben. Doch fehlte dort der grösste Theil der Stelle, die der Herausgeber nach Rabbah ergänzt hat. — Zu S. 39 über תולדות Ist zu bemerken, dass Ibn Esra in der That תולדות activ nimmt, auf das Wachsthum der Erde und den Thau und Regen des Himmels bezogen. Nicht minder lehrreich als der erste Theil ist der zweite, aus welchem wir die zutreffende Bemerkung bervorheben wollen (S. 45) zu ואת הפעם עצם מעצמי, dass זג פעם mit זוג vertauscht werde, sodass er übersetzen konnte ״das ist meine Ehefrau“. Auch Tos. 115,17 steht זוג für זג ohne Variante. Wir sehen, dass die Schrift nicht blos für den Sprachforscher von Fach, sondern für jeden Freund der hebräischen Literatur gar Vieles des Anregenden und Lehrreichen enthält. Wir wünschen derselben die weiteste Verbreitung. Z. Schwarz, Dr. Adolf, Stadt- und Conferenz-Rabbiner in Karlsruhe. Sabbath-Predigten zu den Wochenabschnitten des dritten Buches Mosis (dritter Theil der Predigten). Karlsruhe, A. Bielefeld’s Hofbuchhdlg. Im besten Sinne populär weiss der Verfasser ein gebildetes Publikum nicht allein durch seiner Rede Wohllaut zu fesseln, sondern er bietet Denkstoff und. Denkresultaie in reichem Masse, dass selbst die gelesene Predigt noch anregend und zündend wirken muss. Dabei zeichnet sich Dr. Schwarz durch die Kühnheit aus, mit der er schwer zu behandelnde Fragen und Probleme seinen Reden zu Grunde legt, eine Kühnheit, die reichlich gerechtfertigt wird durch die geistvolle, nicht allein geschickte, sondern von heiligem Feuer wahrer Religiosität durchglühte Weise der Beantwortung und Lösung. Wir heben besonders ״die israelitische Priesterweihe“ (IV), ״der Urtheilsspruch des Priesters“ (VI), ״Zwei Nadelbäume“ (VII), ״Der Genuss des Heiligen“ (X) hervor. III ״Der jüd. Kalender“ ist eine החדש ^-Rede,die eigentlich eher zum II. B. Mos. gehört, in der besonders der Gedanke anspricht, dass der Mond kündet: ״Sehet, dass der Ewige Euch den Sabbath gegeben — sowie dass die ״Glaubensphase“ unserer Zeit, wo der Glaube ״im letzten Viertel“ steht, ״in dem Buche der Weltgeschichte schon unzählige Male verzeichnet steht. Auch dieses Mal wird das letzte Viertel nicht allzulange dauern, der Glaube muss früher oder später aufs Neue sich verjüngen“ — denn ״Israel wird mit Gottes Beistand zu allen Zeiten Männer haben, die es verstehen werden, לעבר שנים ולקבוע חדשים nur solche Neuerungen einzuführen, welche die Jahre unserer vieltausendjährigen Geschichte befruchten.“ In IV: Der Priester!bekleidet weniger eine Würde, sondern versieht einen Dienst. Dass da der jüdischen Gottesdiener unserer Zeit gedacht wird, die ״ לא יום ולא לילהweder am Morgen noch am Abend, weder bei Tage, noch in der Nacht mit ihren Gedanken und mit ihren Gefühlen im Heiligthume weilen“ ist natürlich. Ergreifend ist da die Schilderung der Entartung der Priester im II. Tempel, die noch prächtiger in der Einleitung zu X durchgeführt ist, wo in dem Maschal, dass nicht der Berg versunken, sondern das Thal sich gehoben habe, die Uebertragung des Priesterthums auf ganz Israel gezeigt wird. Es ist ein Ilauptvorzug dieses Predigers, dass ihm die Gleichnisse in Inhalt und Form so gelingen, dass man sich versucht fühlt, nachzusehen, wo der Midrasch steht. Besonders ist dies der Fall bei den 2 Naäelbäumen (תודיע מצורע). In VI wendet sich der Redner gegen die ״Ketzerriecher und Ketzerrichter“ (gegen die Reformsucht wie gegen die Dunkelmänner richtet sich ״der Genuss des Heiligen“ (X), gegen Fanatiker und Austrittler (V) ״das Sichibarwerden göttlicher Herrlichkeit“) da wird ״ שאת ובהרתGeschwulst und Fleck“ nicht allein köstlich gegeisselt, sondern mit ernster Würde gegen die Gesinnungslosigkeit der Emporkömmlinge, gegen die Ueberhebung der ,.Priester des Himmels“, wie gegen alle Heuchelei zu Felde gezogen. — Es ist uns ein Beweis, wie religiöses Leben in Israel nicht ertödtet ist, dass es allein schlummert und nur des rechten Erweckers harrt, dass diese Predigten nicht allein gern gehört, sondern auch deren Drucklegung gefordert wird. Wir freuen uns dessen um so mehr, als sicher kein Leser ohne fruchtbare Anregung von dieser Sammlung scheiden wird. Aber wir haben ja noch Nichts getadelt? Um auch dahin der Recensentenpflicht zu genügen, wollen wir hervorheben, dass die der Kunst entlehnten Bilder für ein Publikum, das nicht, wie das Karlsruher, so viel Gelegenheit hat, seinen Kunstsinn zu veredeln, zu oft wiederkehren und dass die Druckfehler zahlreicher sind, als erwünscht. Dr. L e w i n. Notiz. Wie ״Hazephira“ berichtet, sind neulich im Archiv zu Plock alte Handschriften zur Geschichte der Juden in Polen, die bisher unbekannt waren, aufgefunden worden. Aus dern 16. Jahrh. und weiter Stammendes hat der ״Corresp. Plocki״• schon einiges copiren lassen und wird es veröffentlichen. Den Inhalt bilden Gesetze und Rechte der Juden in Plock. Verantwortlicher ßedacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig,