Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1880-09-18 · No. 38 u. 39. (18.9.1880) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 38 u. 39. (18.9.1880)
Date
1880-09-18
Page
Seite 155 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5367336-6488238-9584516--1644-9584523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

155 parallelisirt H1-. B eine Anzahl von Stellen aus diesem und dem Cod. Flor., die im ersteren vollständiger und klarer abgefasst sind, und sich als blosse Versehen oder vorsätzliche Eigenthümlichkeiten der Abschreiber nicht erklären lassen. Nun, so gut Hr. B. in dem Schlüsse von der Differenz der Datumszahlen in den 3 Codices auf eine 2—3fache Recension des Werkes zu verschiedenen Zeiten viel zu weit geht, da gerade bei Ziffern und Jahreszahlen Abweichungen ganz gewöhnlich sind, so führt auch die Zusammenstellung der grösseren textliehen Varianten keineswegs mit Nothwendigkeit zu obigem Resultate, indem die Stellen aus Cod. Flor, nur mangelhaft copirt sind, und einige durch ihre Unverständlichkeit die Spur der Corruptheit, deutlich zeigen, während der Copist der jerus. Handschrift ein gewissenliafter und sachverständiger Mann war und nach einem Exemplare schrieb, das von R. Tobia’s Schülern herrühren dürfte, wie die auszeichnenden Ehrentitel bezeugen, die ihm daselbst an Stellen, die ihm selbst angehören (im Gegensatz zu Ausführungen aus dem Midrasch) beigelegt werden. Der Herausgeber hat mit dem Abdruck des Cod. Jer einen recht lesbaren, correcten Text geliefert, in dem er ferner Capitel- und Verszahlen beifügte, die Uebersichtlichkeit durch Spatien hob, etwaige Lücken oder Fehler nach den anderen Handschriften ergänzte bezw. corrigirte, die Stellen der citirien Bibelverse bezeiehnete u. s. w. Ueberdies begleitete er den Text mit fortlaufenden Anmerkungen, die das Verständniss desselben wesentlich zu fördern geeignet sind Vor allem wird die Quelle jedes Satzes, der aus dem Talmud und der Midrasch-Literatur entnommen ist angegeben, der Wortlaut der angezogenen Stellen mit dem Originaltexte verglichen und hierbei euf die Varianten und die Riehtigkeit der Lesarten geprüft,״) insbesondere auf die Tradenten, in deren Namen die Auslegungen angeführt worden und etwaige Abweichungen hierin die Aufmerksamkeit gelenkt, endlich die bezüglichen Varianten der beiden anderen Codices angeführt und schwierige, der sprachlichen oder sachlichen Erklärung bedürftige Stellen erläutert. Hierbei befleissigt sich der Herausgeber grosser Kür e und Knappheit und sind seine Nachweisungen ebenso vollständig, wie seine Erklärengen sachgemäss und zutreffend, fern von jeder Ab- Schweifung und ungehörigen Breite. Zur besonderen Zierde gereicht dieser Herausgabe die Einleitung, die ihr Hr. Buber (bis S. 69) vorau-geschickt, worin er die Ergebnisse seiner Untersuchungen über unser Werk und seinen Verfasser, Dessen Hcimath und Lebenszeit, über seinen Inhalt und seinen Charakter, seine Quellen und seine Benützung, seine Werth- Schätzung und seine Schicksale in einer ebenso klaren und logischen, als fliessenden und ansprechenden Dar- Stellung niedergelegt. Es ist ihm dabei geglückt, nach echt wissenschaftlicher Methode manche Ermittelungen zu Tage zu fördern, die uns sowohl die Person des Autors, als sein Werk selber viel näher bringen, als beide bisher zu uns gestanden. Mit grosser Umsicht ist das 4. Cap. geschrieben, worin Hr. B die Identification des Vaters von R. Tobia, R Elieser mit R. El. ״dem Grossen“ aus Mainz von der Familie Abun’s (so beiZunz, G. V. 193 und Z Gesch. 124 und bei Anderen) als irrig zurückweist, wie die noch willkürlichere Annähme, dass der als Decisor unter dem Namen ר׳ שב״ט angeführte Samuel b. Natronai (irrthümlich angenommen b. Tobia) sein Sohn gewesen. Vielmehr wird von deutschen und französischen Autoren nur sein und des Vaters Name angeführt, was auf die Vermuthung führt, *) Bibelverse citirt R. Tobia oft mit verändertem Texte, was daher zu erklären, dass er nach dem Gedächtnisse citirte. Die Anmerkungen machen auch hierauf jedesmal aufmerksam. dass die bisherige Annahme, R. Tobia habe in Mainz gelebt, die sich auf die Anführung der Leiden der Mainzer Juden im Jahre 1096 und die Heranziehung eines — angeblich — deutschen Wortes (Mantel) stützte, eine irrige sei. Herrn B ist es im 5. Cap. auf Grund einer interessanten, kritischen Untersuchung gelungen, diese Ansicht zu widerlegen und hat er sowohl aus inneren Grüuden — zahlreiche Worterklärungen durch Uebersetzung in’s Griechische, Vertrautheit mit der Geschichte und der Lehre der Moslim, Polemik gegen die Karäer —, als besonders auf die ausdrücklichen Zeugnisse zweier glaubwürdigen Zeugen den Nachweis erbracht, dass R Tobia aus dem griechisch-byzant in i sehen Reiche und zwar aus Kastoria in Bulgarien stammte, wodurch erst Ibn Esra’s aburtheilende Bemerkung über ״die Gelehrten aus Griechenland und Rom“, wofür er לקח טוב als Beispiel anführt (Vorrede zum Pentateuch-Cornmentar) verständlich und erklärlich wird. (Schluss folgt.) Lauth, Dr. F. J. Aus Aegyptens Vorzeit. 2. Heft. Die geschichtlichen Zeiträume. Berlin Th. Hofmann. 1880. 88 S. (100—188) 8°. Welchen Werth Lauth’s Veröffentlichungen über ״Aegyptens Vorzeit“ für das grössere, gebildete Publikum haben, ist von uns bereits in Nr. 5 des Literaturblattes bei der Anzeige seines ersten Heftes angedeutet worden. Einen ganz eigen gearteten fesselnden Reiz haben für den gebildeten und geistig regsamen Laien die populär gehaltenen Miltheilungen über die neuesten Ergebnisse der ägyptologischen Forschung, wenn sie den Publicationen der modernen Assyriologie entgegengehalten werden. Gerade bei der Würdigung der historischen Zeiträume zeigen sich dem kundigen Auge neben einzelnen Berührungsmannigfache Abstossungspunkte. Zur natürlichen Vermittung der anscheinend unversöhnlichen Gegensätze und als Schlüssel zur Lösung räthselhafter Schwierigkeiten bei Entzifferung der Hieroglyphen und Keilinschriften bietet sich von selbst das althebräische Schriftthum dar, wie es im Pentateuch, in den historischen, prophetischen und poetischen Büchern der Bibel niedergelegt ist. Auf die 5 Abschnitte des 1. Heftes lässt der gelehrte Verf. des Weiteren hier .4 Kapitel folgen, welche handeln: über den Protomonarch Menes und die Dynastie der Theeinyten, über die Dynastien von Memphis, über die grossen Pyramiden und den Androsphinx, über die Elephantiner und schlieslich über die Dreitheilung des Reiches: Memphiten, Herakleopoliten, Diospoliten: Hanti, Achthos und Antefao. Seine Mittheilungen aus der historischen Zeit Aegyptens reichen etwa bis zum Jahre 2665 vor der üblichen Zeitrechnung. Herodot und die späteren griechischen und römischen Historiker werden oft zur Eruirung oder Berichtigung der That- Sachen herangezogen. Bemerkenswerth ist, dass der Verf. die Bauten der grossen Pyramiden nicht in die Zeit des ägypt. Exils verlegt, in welcher die Hebräer nach dem Berichte der Schrift dem Pharao die härtesten Frohn- und Sklavendienste verrichten mussten Nach seinen Angaben hat man sich die ägyptischen Colossalbauten wenigstens 1800 Jahre vor dem Exodus der Hebräer und 1500 Jahre vor Abrahams Auftreten zu denken. Den Colossalbaut^־ . weist auch er einen religösen Zweck an. Er erblickt in ihnen einen funerären Charakter und pflichtet der Ansicht bei, dass die Pyramiden Aegyptens für die Pharaonen die Bedeu• tung einer Nekropolis gehabt haben. Die biblischen nomina Pharao, Potiphar u. s. w. sind nicht nur gesichert, sondern werden auch von den modernen Aegyptologen entsprechend gedeutet. Pu-ti-ph־ra heisst ״die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.