Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 38 u. 39. (18.9.1880)
- Date
- 1880-09-18
- Page
- Seite 154 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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154 — 82) In einer noch mythenhafteren Relation beruft der geschichtskundige R Jochanan sich auf die Chronik 2 K. 24 — die uns abhanden gekommen —. Im Midr. r (P. Mezora) wird erzählt, das hohe Gericht habe Jojakim dem Nebukadnezar ausliefern wollen, er habe sich wiedersetzt, sei aber gewaltsam ergriffen und auf Leben und Tod fori geschleppt worden, dann soll er in das Innere eines todten Esels gelegt und den Hunden vorgeworfen worden sein. Indem man sich'auf 2 K. 24 oder 2 Chr. 36 berufen wird, meint R. Jochonan, J. habe Kilajiin getragen, d. h. er habe ein Doppelspiel getrieben, habe den Älantel auf beiden Schultern getragen, habe es bald mit Aegypten, bald mit Babylon gehalten, das war die böse Saat, die ihm dieses Ende getragen. (Vgl. B. R. 94.) Folgender sagenhafter Bericht erweckt unsere Aufmerksamkeit. Nach M. K. 26 soll man dem Jojakim berichtet haben, Jirmija habe die Klagelieder מגלת איכה verfasst, worauf sich der König in die Brust warf und sprach אנא מלכא; als sie ihm den Vers כי ה׳ הוגה citirten, riss er die göttlichen Namen aus und warf sie ins Feuer. Es entstand die Frage, wie konnte, wenn auch nur eine Sage, das Unchronologische produciren, dass die Klagelieder in Jojakims Zeiten verfasst waren oder wurden, da diese ja die Zerstörung Jerusalems und des Tempels beklagen? Ja, im ersten Abschnitt von Midrasch Echa, wo R. Jehuda dieses behauptet, entgegnete ihm R. Nechemja, man weint um einen Todten erst dann, wenn er todt ist. Wie kam R. Jehuda zu dieser Sage? Es scheint, dass R, Jehuda nicht unsern, sondern den Joakirn im Sinne hatte, welcher ein Schwestersohn Jose ben Joesers war, und eigentlich Alkim genannt wird. Er war ein Griechenfreund und wurde nach Menelaus Hohepriester, welcher gar nicht vom priesterlichen Stamme war. Damals war der Tempel dem olympischen Jupiter geweiht, die Festtage und die heiligen Gebräuche waren verboten. Die Assidäer kämpften für die Heiligthümer, allein die Griechlinge hatten die Oberhand. Ohne Zweifel hatte man Joakim durch die Klagelieder Jeremija’s zu bewegen und zu rühren gesucht, allein vergebens. Er hatte sogar seinen Onkel Jose zum Schaffot abl uhren sehen, und verhöhnt, bis er endlich aus Verzweiflung sich entleibte. So passt die Sage auf diesen Jojakim zutreffend. Wenn im Synh. 103 statuirt wird, dass Gott 1 um Jojakims Willen die Welt zerstören wollte, aber | sie um seines Zeitalters willen verschont habe, so passt { dies auch eher auf das Zeitalter dieses Jojakims als 1 des biblischen, wo es keine fromme Partei gegeben. Dr. M. D u s c h a k. Literatuybericht. ßeccnsioiien. לקה טוב, Lekach tob (Pesikta sutarta). Ein agadischer Commentar zum 1. und 2. Buch Moses von R. Tobiq. b. Elieser (li. Jahrh ). zum ersten Male herausgeg. von Salom. Buber (Lemberg). Wilna. Romtn. 1880. Das vorliegende Werk ist das zweite bedeutende Ineditum, dessen Herausgabe wir Herrn Salomon Buber, seiner hingebungsvollen Liebe zur jüdischen Literatur, seinem unermüdlichen Fleisse, wie seiner reichen Sachkenntniss verdanken. Es ist der noch ungedruckte midraschartige Commentar des R. Tobia b. Elieser aus dem Ende des 11. Jahrhdrts. zu Genesis und Exodus, dessen andere Hälfte zu den drei andern Büchern Moses unter dem Titel 1546 פסיקתא ווטרתא zu Venedig bei Daniel Homberg (durch Cornelius Adelkind) erschien und ebendaselbst mit lateinischer Uebersetzung 1764/9 im Thesaurus des Ugolino. Der wahre Titel des Buches ist aber טדרש לקח טוב; die Bezeichnung פסיקתא entstand durch einen Irrthum des ersten Herausgebers, der, irregeführt durch das vor jeden Versanfang gesetzte 'יפם in demselben eine Pesikta vor sich zu haben vermeinte, Anfangs selbst im Zweifel, ob die grosse oder kleine sei, bis zum Schlüsse der Ausgabe der Name ״kleine Pesikta“ als der alleinige und richtige angeführt erscheint. Die falsche Namenbeilegung in der ersten Druckausgabe war Ursache einer Verwechslung dieses fortlaufenden pentateuchisehen Commentars mit den beiden wirklichen, den Titel Pesikta führenden Midrasehiin zu den Haftara’s, sowohl mit der älteren P. de- R. Cahana, als der jüngeren, P. rabbathi genannten. Trotzdem schon der eine in die Augen springende Unterschied, dass die fälschlich sog. ״kleine Pesikta“ in der äusseren Anlage grundverschieden ist von ihren Namensgeschwistern, indem sie nicht wie diese die Haftara’s zu Fest- und Wochenabschnitten behandelt, sondern die Thora selber als Erläuterung in continuo, von einer Identificirung mit den Pesikta’s hätte warnen können, sind keine geringeren Autoritäten, als Jechiel Heilprin, Buxtorf, Asarja dei Rossi und sein christlicher Namensvetter J. B. de Rossi Opfer dieses Missverstandnisses geworden, wobei noch die der Annahme des hohen Alters dieses Opus aus seinem Inhalte selbst entgegentretenden Momente, wie die Ausführung der Leiden der Mainzer Juden im ersten Kreuzzuge, die Citation jüngerer Autoren etc als spätere Zusätze des Sammlers oder Epitomators R. Tobia erklärt wurden. (S. Einleit. Kap. 1—3.) Herr Buber hat durch Halberstam’s Vermittelung aus Jerusalem eine vollständige Handschrift des לקח טוב zu den zwei ersten BB M., die bereits Asulai gesehen angekauft und dieselbe unter Vergleichung mit einer anderen ihm zu diesem Zwecke übersandten Handschrift der Nationalbibliothek zu Florenz (zu den 3 ersten BB. M) und einer dritten aus Petersburg, zur Grundlage seiner Edition gemacht. Diese 3 Codices beschreibt Hr. B. im 13. und 14. Capilel der Einl. eingehend. Der jerusalem. ist 1349 von einer Hand geschrieben, der florentin. von 2 verschiedenen Schreibern, die sich aber beide viele Auslassungen und Irrungen zu Schulden kommen Hessen, welche von einer späteren Hand (bis Abschn. ויצא) am Rande und zwischen den Zeilen verbessert wurden. Dennoch hat das letztere MS. dem Herausgeber vortreffliche Dienste geleistet, einerseits weil es oft richtigere Lesarten erhalten hat, andererseits weil es einen Vorzug vor dem ers'.eren darin besitzt, dass es nicht, wie dieses, Auführungen von Bibelstellen mit der Formel ״und Desgleichen“ unterdrückt, die Zahlen in Worten und nicht in Buchstaben anführt und sonstige nützliche Zusätze des Abschreibers enthält. Das Petersb.MS. scheint sehr alt zu sein, für seine Authenticität bürgt der Mangel an ehrenden Titulaturen beim Namen des Verfassers, wie sie in dem jerusalem. vorkommen, ist aber sehr defect. Hr. B. glaubt aus einer Datumangabe des R Tobia, die in den 3 Handschriften verschieden lautet, schliessen zu dürfen, dass Derselbe mindestens zwei Recensionen veranstaltet habe. Der Archetyp datire vom J. 1097, dieser liege dem Codex Florenz zu Grunde. 10 Jahre später habe der Verf sein Werk nochmals durchüegangen und mit zahlreichen Zusätzen und Verbesserungen versehen, die der Cod. Jerus., der als Abfassungsjahr 1107 bezeichnet, enthält. Der Cod. Petersb., der das Datum 1108 hat, sei die Abschrift eines MS’s, das ein Jahr darauf gleichfalls vom Verf. selber oder auf seine Veranlassung geschrieben worden sei. Zum Beweise seiner Behauptung, dass der Verf. selber eine förmliche zweite Revision seiner Schrift mit namhaften Abänderungen und Nachträgen vorgenommen, die im Cod. Jer. ei halten sind,