Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 38 u. 39. (18.9.1880)
- Date
- 1880-09-18
- Page
- Seite 153 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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153 — waren (und sind noch heute im grossen Ganzen) der Viehzucht und dem Ackerbau ergeben. Wann endlich werden wir aufhören, das Wort כנען — anstatt nach seiner Ethymologie mit ״Bewohner der Niederung“ (v. כנע) wie Amori, Bergbewohner (v. אמיר, Spitze) mit ״Krämer“ wiederzugeben? Birnbaum. Rabbiner Dr. S. Dankowicz Nachträge zu meiner Notiz לשין כנען. Aus voranstehenden Zeilen erhellt, dass Hr Dr. Dankowicz für sich die Priorität des Grundes für die Bezeichnung כנען für Slaven in Anspruch nehmen will. Ich ersuche zunächst den Jahrgang und die Nummer des Hammagid j anzugeben. Dann aber, und das ist das wichtigere, tröste ich Herrn D. damit, dass bereits Zunz in dem Buche The Itinerary of Benjamin ofTudela, translated and edited by A. Ascher. London and Berlin 1840 im 2. Bde. p. 226—229 dasselbe und ausführlicher sagt, als Herr D. Er beginnt p. 226 folgendermassen: ״Kn’aan was stamped a slave for life by Noah (Gen. IX. 25) and de Kna’anites by the Jewish law (Lev. XXV, 46). As slavery was found predominant to such a degree in Sclavonia, which includes Bohemia, that Sclave (Sclavonian) became synonymous with Slave, theJews the country, by a reversed rule applied the expression of Kna’an to Sclavonia (R. Baruch, anno 1200 calls the serfs כנעניים and R. Avigdor 1240 סקלאבי. See שבלי הלקט Nr. 31) and particularly to Bohemia, consequently the latter country receivid the appelation ארץ כנען. Wer sich über לשין כנען genau unterrichten will, muss eben p. 226—129 des Itinerary genau durchstudiren, und er wird alles bis zum Jahre 1840 Erforschte und bis heute noch nicht Erschütterte daselbst linden. Ueberdies ist bereits in Nr. 24 d. Bl. in einer Redactionsnote auf Berliners Raschi-Ausgabe verwiesen, wo in den לקוטים p. 367 (קפד) dem לשון כנען eine ausführliche Besprechung zu Theil wird und noch 2 andere Worte angeführt werden, die nicht erklärt sind. Nach Berliner hat Harkavy 1864 im הכרמל bereits nachgewiesen, dass ״ לשון כנעןslavisch“ bedeute. Ich will nun kurz das Uebrige erledigen. שניר glaubt Herr D. in keinem Falle mit böhm. snih und poln snieg identificiren zu dürfen, denn dass hiesse nach ihm die Etymologie auf den Kopf stellen! Es ist gut, bei einein solchen Vorwurf einen Mann zur Seite zu haben, dem Herr D. doch, wie übrigens jeder Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Literatur fast Alles verdankt; es ist kein geringerer als Zunz wiederum, der p. 229 der citirten Arbeit ausdrücklich zu שניר snow das polnische snieg hinzufügt und es damit identificirt. Um übrigens das etymologische Gewissen des Herrn D. zu beruhigen, will ich ihm mittheilen, dass der g-Laut am Schlüsse des Wortes dem Orientalen wie r gehört wird Er vergleiche nur den Laut des arabischen g h a 1 n. Ich erinnere noch daran, dass in den nordischen Sprachen in der That sner, also ganz genau dasselbe wie שניר wirklich vorkommt, was ja nichts gegen uns beweist, da ja der Stamm ein indogermanischer ist, und auch im Lateinischen ist nix nivis erst durch Wegfall des s entstanden, wie dies der Sanskritstamm snaivs beweist. ad קרוקים will ich Herrn D. bemerken, dass das Polnische damals in statu nascente war, und die Orthographie durchaus nicht, wie sie heute ist, eingerichtet war. Miclosich’s vergleichende Grammatik der slavisehen Sprachen giebt die nöthigen Auskünfte darüber. Es ist in der That chrzascz, aber mit der Nebenbedeutung ״gemeiner Käfer“. ad אקדון will ich hinzufügen, dass ich bei den drei Wörtern, die ich etymologisch zu erörtern suchte, zunächst die Transscription geben wollte und folglich koszun und nicht kosz schrieb. Die Orthographie- Frage habe ich bereits besprochen; ich halte an der Etymologie von kosz fest, und Uber die Aehnlichkeit eines Waschbeckens mit einem Korbe verweise ich auf Raschi zur Stelle. Es sei noch bemerkt, dass in den slavischen Sprachen die radix kad etwas rundes, beckenartiges bezeichnet. (Siehe hierzu Miclosich, Lexicon polaeoslovenicum, Vindobonae 1858, s. v. kad. Auch die Hypothese des Herrn Dr. Duschak findet sich bereits bei Zunz p. 227, wo er wörtlich sagt: ״In the course of time the became prevalent, thal the Selavonians were descendants of fugstive Knanites (Josippon, chap. 1); the opinion was adopted partly by Aben Esra (in Obadia v. 20). Schliesslich sei es mir noch vergönnt, einen Irrthum von Zunz zu berichtigen, p. 228 sagt Zunz nämlich : R. Isaak of Vienna, author of the work Or sarua calls his country justly the empire of the land of Kna’an because Austria, under Ottokar (1253 etseq.) belonged to the crown of Bohemia. Wir verweisen hierzu auf unsere Notiz in Nr 21 des ״Literbl.“, wo wir zeigten, dass der Grund nicht darin liegt, wie Zunz meint, weil Wien zufällig unter des Böhmen Ottokar Herrschaft stand, sondern weil Wien, damals Vindobona benannt, auf einen slavischen Stamm, die Wenden nämlich, verweist Wie man übrigens nach der Lectüre von Benjamin Massaot auch nur zweifeln konnte, dass כנען slavisch sei, ist mir ein Räthsel, da Benjamin ausdrücklieh als die Hauptstadt Kna’ans Prag, noch jetzt die Hauptstadt Böhmens, anführt und auch das slavische veverke (Eichhörnchen) citirt Breslau. Dr. M. Grün wald. Jojakim in der Agada. Das jüdische Volk hatte den Schallum, den jüngsten Sohn des Josias, auf den Thron gesetzt, wobei derselbe den Namen Joachas annahm. Der Talmud, (Horajot 11) identificirt Schallum mit Zidkijahu; allein dass Schallum und Joachas identisch waren, geht aus Jeremiah 22,11 hervor: Denn so spricht der Herr zu Schallum, Sohn Joschijahu, König von Jehuda, welcher an die Stelle seines Vaters Joschijahu regierte Aber Necho liess Joachas drei Monate nach seiner Regierung entsetzen und führte ihn gefangen nach Egypten. Dieser unterwirft sich nach der Schlacht bei Karkhemisch dem babylonischen Reiche, fällt aber nach 3 Jahren wieder ab; da zieht ein babylonisches Heer gegen das jüdische Reich; Jojakim zieht ihm entgegen, kämpft mit ihnen und fällt im Jahre 598. Das ist Alles, was uns die Geschichte über Jojakim berichtet Die geschichtliche Agada liefert uns noch andere Daten. So soll Jojakim um zwei Jahre älter als Jehojachas gewesen sein. In der That heisst es bei Jehojachas, es habe ihn das Volk gekrönt und gesalbt, als wäre Jehojachas als nachgeborner Prinz nur auf den Schultern des Volkes zur Regierung gekommen; es scheint dass der ägyptische König Necho die Legitimität wieder herstellte und den erstgeborenen Eljakim in die Regierung einsetzte. Jojakim, früher Eljakim, starb nach 2 K. 24 eines natürlichen, ehrenvollen Todes, während er nach einer Prophezeiung Jirmijahu’s 22 wie ein Esel begraben und umhergeschleudert worden ist. Die Agada berichtet: Man habe einen Schädel in den Thoren von Jerusalem gefunden, welcher als der Schädel Jojakims erkannt wurde, es waren darauf die Worte verzeichnet זאת ועוד אחרת; man habe den Schädel beerdigt, er sei aber wieder zum Vorschein gekommen, bis man ihn endlich verbrannte, so brachte man Jeremiä’s Prophezeiung zu Ehren. Ob dieser Bericht der Sage oder der Geschichte angehört, lässt sich natürlich nicht entscheiden. (Synh.