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Das jüdische Literaturblatt · 1880-09-18 · No. 38 u. 39. (18.9.1880) · p. Seite 152

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 38 u. 39. (18.9.1880)
Date
1880-09-18
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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— 152 — um als Copulator graduirt zu werde□, noch gar nicht informirt, um unsere Stellungnahme zu dieser Frage schon bekannt geben zu können. Wir würden unsere Mitwirkung zur Klärung dieser Frage nicht versagen, glauben aber nach dem bekannten Spruche: קריינא דאגרת איהו ליהוי פרוונקא die Initiative Sr. Ehrwürden Hm. Landrabbiner Dr. Kroner überlassen zu müssen. Nach erfolgter Uebereinstimmung über beregte Frage sind wir gern erbötig, gemäss dem von der löblichen Redaction uns gemachten Anerbieten, uns der Abfassung eines Compendiums zu beregtem Zwecke zu unterziehen*) Trencsin. Rabbiner Dr. Simon Wolffsohn. Bezugnehmend auf die in NNrn 20 und 26 des ״Literaturblattes“ von Herrn Landrabbiner Dr. Kroner veröffentlichten eingehenden wissenschaftlichen Gutachten, wonach in Fällen, wo es sich nicht um Ent- Scheidung weitgehender casuistischer Fragen handelt, sondern blos um einfache Ausführung des ceremoniellen Trauactes, auch Lehrer oder Leute, die mit den diesbezüglichen talm. Abhandlungen wenig oder gar nicht bekannt, zu betrauen erlaubt wäre, und dessen diesbezügliches Anlehnen dieser Auffassung an die Worte Raschi’s Kiduschin 6, sei es mir hier gestattet, auch auf eine dahingehörige Response in תשוב׳ ריב״ש Nr. 271 zu verweisen, der dieser Auffassung deutlich Ausdruck giebt und sogar an der ceremoniellen Uebergabe des Scheidebriefes, nachdem es festgestellt, dass derselbe den gesetzlichen Anforderungen entspricht — durch einen in die betreffenden Bestimmungen nicht gut Bewanderten nichts Anstössiges findet. Warum? שאפי לדיין אין לו לידע אלא הפוסקים אבל אין צריך שידע הויות sagt bar Schecheth. Von der Kenntniss der oberflächlichen bei dem zu vollziehenden Acte zu beachtenden Bestimmungen wollte auch Hr. Dr. K. durch das betr. Gutachten gewiss nicht befreien. Max Cohn in Rawitsch. Noch einmal לשון כנען. Dass man unter dieser Bezeichnung die slavischen Sprachen, u. z. wegen der Belegung des חם כנען mit dem Epitheton עבד und ע׳ עבדים (Genes. 9, 25, 26, 27) und der Identicität von sclavi slavi zu verstehen hat, ist richtig; dies ist bereits vor mehreren Jahren, vor Harkavy, in einem der älteren Jahrgänge des ״Hamagid“ von mir zur Evidenz nachgewiesen worden. Dass also die von Zunz citirten, bei Raschi Vorkommenden, jedoch fast bis zur Unkenntlichkeit corrumptirten Worte (mit Ausnahme etwa des ersten) slavischen Ur- Sprungs sind, gebe ich auch zu; ob aber die in Nr. 21 d. Bl. versuchte Erklärung derselben richtig ist, möchte ich doch stark bezweifeln. Gehen wir die drei Worte noch einmal einzeln durch: . 1. שניר. Die Stelle (V. Mos 3,9) lautet: צדונים יקראו לחרמון שריון והאמורי יקראו לו שניר. Wenn hier keine den semitischen Sprachen eigenthümliche Metathesis שריון שניר (vergl. כשב כבש; samarit. טוורא טרוא; syr. סלק סקיל; arab. nefs; hymiarit. nissf, u. s w ) vorliegt, was wir umsomehr anzunehmen berechtigt sind, als beide Stämme, die Sidonier wie die Amoriter, Semiten waren und also eine ähnliche Sprache gehabt haben müssen; so lässt sich dieses Wort in seiner jetzigen Leseart, mit Ausnahme der Paranomie im Anlaut mit dem böhmischen snih (in der Aussprache das Schluss-h ziemlich stark ausgehaucht) oder mit dem polnischen s n i e g (sprich schnieg, das n i ganz weicl oder endlich dem russischen s n j e g (sprich ssnjech): *) Herr Seminar-Rabbiner Dr. Joel weist zur Erledigung obiger Fragen noch auf שבות יעקב Thi. in Nr 116, ferner auf כנסת יחזק׳ Gutachten 72 und נודע ביהוד׳ ed. II. GA. 83 hin. Schnee, nicht vergleichen; denn in allen diesen slavisehen Worten gehört der G-laut itn Auslaute mit zur radix. Wollte man in dieser Weise vergleichende Sprachwissenschaft treiben, so könnte man dieses Wort wegen seiner lautlichen Assonanz im Anlaute mit dem deutschen ״Schnee“ vergleichen, wie es Raschi (1. c.) 1 wirklich thut; dies hiesse aber doch diese Wissenschaft, die ihre exacten Gesetze auf dem festen Boden der Geschichte und Ethymologie, nicht aber auf dem der ■ zufälligen Lautähnlichkeit aufbaut, auf den Kopf stellen. 2. קרוקים soll mit kroszim ähnlich sein und polnisch ״Ungeziefer“ bedeuten. Wenn dies monströse quasii poln. Wort nicht ein sinnentstellender Druckfehler ist | (denn schon das Vorkommen des weichen i nach dem | harten Dipstong sz (= sch) ist mir sehr verdächtig), so ן ist wahrlich nicht abzusehen, wie es mit dem citirten קרוקים identificirt werden könnte ln dem ganzen polnischen Sprachsatze giebt es kein Wort, welches ähnlich lautet Wohl giebt es im Polnischen ein Wort krosienka (plur. tant.), das aber einen ״Stickrahmen“ bezeichnet und hier nicht in Betracht kommt. Sollte aber das bei Raschi als ל׳ כנען bezeichnete חיפושתא durchaus ein Wesen aus dem Thierreiche bezeichnen und von ihm richtig mit 'ק glossirt sein, so möchte ich Letzteres, vorausgesetzt, dass die Endsilbe ים, wie wir dies so häufig in den Talmudim und Midraschim bei Wörtern fremdländischen Ursprungs sehen, den Plural bedeutet, aus dem polnischen kruk, das ״Rabe“ heisst, herleiten. Oder sollte es, immer unter obigen Voraus- Setzungen, mit dem gleichfalls poln. chrzaszcz (sprich chrschontschtsch) ״Käfer“ etwa identisch sein? 3. אקדון. Dies Wort soll mit dem polnischen koszun (sprich koschun) Korb, identisch sein Zunächst muss ich wieder bemerken, dass ein Wort wie dieses im Poln. gar nicht existirt; Korb heisst aber im Polnischen kosz (spr. kosch). Wir sehen also, dass es mit der Aehnlichkeit nicht ׳“weit her ist und dass diese sich lediglich auf die Aehnlichkeit des K-Lauts im Anlaute ( beschränkt. Sodann ist nicht zu ersehen, welche logische und sprachlicheAnalogie zwischen einem ״Waschbecken“, das wir unter משכינתא zu verstehen hätten, und einem s ״Korb“ bestehen sollte. Ich gestehe also ganz offen, dass ich mir dieses räthselhafte Wort in seiner je tzigen Lesart aus dem Polnischen nicht zu erklären vermag, schon aus dem Grunde, weil nach den phonetischen Gesetzen dieser Sprache ein hartes d auf ein weiches k nicht folgen kann, sondern letzteres sich ersterem (als g) assimiliren müsste. Zum Schluss noch eine Bemerkung über die Hypothese des Herrn Dr. Dnschak in Nr. 24 d. Bl. Derselbe will die Bezeichnung כנען aus dem angeblichen ursprüngliehen Wanderleben (כנען Krämer), das die slavischen Völker geführt haben sollen, herleiten. Haben etwa die Slaven allein ursprünglich ein Wanderleben geführt, oder wissen wir vielmehr nicht, dass es sämmtliche indogermanische, mongolische, ottomanische und andere Yölkerstämme bis zu ihrer dauernden Niederlassung gethan? Warum sollten also gerade die Slaven allein ausnahmsweise nach ihrem Wanderleben benannt werden. Ja noch mehr. So weit unsere geschichtliche Kenntniss reicht, wissen wir, dass die slavischen Stämme, theils wegen ihres psychischen Naturells, theils aus anderen noch unbekannten Ursachen, von allen indogermanischen Völkern am allerwenigsten demWandertriebe fröhnten; im Gegentheil seit vordenklichen Zeiten ein sesshaftes Leben führten, was schon durch den im 6. Jahrhundert lebenden byzantinisehen Geschichts- Schreiber Jordanes hervorgehoben wird. Zudem haben die slav. Völker, bis auf den heutigen Tag, gar nicht (oder doch sehr wenig) Handel getrieben, sondern

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