Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 27. (1.7.1880)
- Date
- 1880-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 — Hofsehulen, gründete klösterliche Schalen. Nach einer Inschutznahme Alcuins gegen den Vor warf, dass er Griechisch nur unvollcomrnen verstanden hahe, legt er die angestrengten Bemühungen dar, welche Karl der Grosse darauf verwendete, eine gründlichere sprachliche Kenntniss und Erforschung der biblischen Schriften unter den Geistlichen herbeizuführen, indem er zwei sehr interessante Erlasse K. d. G. theilweise wörtlich anführt. Bei aller Methode der Sprachforschung diente die Bibel als Basis, was der Verfasser an den etymologischen Versuchen nachweist, welche eine grosse Verwandtschaft mit den midraschischen Etymologien zeigen. Z B. ainicus — animi cus (tos). Er entwirft dann ein Bild der Unterrichtsgegenstände, die 7 an der Zahl waren: Grammatik, Rhethorik, Dialektik (Logik, Ethik), Aritlimetik, Geometrie, Musik, Astronomie, indem er ein Bild des Theodult’schen Gedichtes erklärt. Da die Hofschule K. d. G. nachweisbar auch in Aachen und Nimwegen längere Zeit war, und Rhabanus Maurus, der Lieblingsscluiler Alcuins, sich streng an die Unterrichtsregeln seines Lehrers hielt, so betont Verfasser den Umstand, dass Alcuin als Begründer des deutschen Schulwesens zu betrachten sei. Nach Guizot zählt er die Schüler der Alcuin’schen Hofschule auf und schliefst sich dem Ausspräche Guizot’s an, dass der Unterricht in derselben mehr den Charakter einer Conversation hatte, die an das anknüpfte, was das Gespräch mit sich brachte. Was Alcuin lehrte, sucht Verf. näher aus seinen Briefen zu erweisen, und zum Schluss führt er die Theile an, in welche die Grammatik zerfiel, indem er dabei die Angäbe des Rhab. ]Maurus in der Voraussetzung, dass sie treue Wiedergabe des von Alcuin Eingeführten sei, zu Grunde legt.. Die ganze Arbeit ist von Hinweisen und Vergleichen aus dem Gebiete der jüd. das Unterrichtswesen betreffenden Literatur begleitet und liefert einen Beitrag zur Erkenntmss des Einflusses, welchen der Geist des Judenthums auch auf die Entwickelung des Schulwesens unter K. d. G. aus״eübt hat. Die interessante Abhandlung ist durcn ihre Quellennachweise und neue Darlegung recht belehrend, sowie durch ihre pietätsvolle und besonnene Kritik sehr ansprecliend. Zu wünschen wäre, dass der Herr Verf. so viele an sich ja ganz interessante, aber zur Sache nicht streng gehörige Abschweifungen und Reflexionen aus dem Texte heraus und in die Anmerkungen aufgenommen hätte, da diese Excnrse die Klarheit der Darstellung sehr beeinträchtigen. -- Lengsfeld, 10. Juni. Dr. Krön er. Baetligen, Dr. Friedrich. Anmutli und Würde in der alttestamentlichen Poesie. Ein Vortrag. Kiel, Verlag von Lipsius <fc Fischer. 1879. 28 S. gr. 8. ״Wenn der Pilger auf seiner Fahrt einen Quell mit süssem Wasser findet, so löscht er freilich zuerst den brennenden Durst, aber sein Ohr ist deswegen nicht taub geworden für das melodische Rauschen“ etc. Mit diesem Gleichnisse macht der Vortragende es deutlich, wie die Idee der Religion die geschichtliche Bedeutung des Judenthums und seiner Literatur begründet, daneben aber in letzterer Anmutli und Würde die echte Poesie bewahrheitet Ein Mensch weichen und reich׳ n Gefühls (das Büchlein ist ״meiner lieben Mutter und meiner treuen Schwester zum Geburtstag gewidmet״) ist der Verfasser der geeignete Interpret des Gefühlsleben, das sich in der hebräischen Lyrik so herrlich bekundet. ״Wer sich an Schönheit des Seelenlebens erfreut, wer für das Auf- und Abwogen der Gefühle Verständnis hat, wer mit empfinden kann und will, der trete an die alttestamentlichen Dichter heran und spüre den Hauch ihres Geistes“. Und dieser Geist ist durch die Religion geformt, von welcher ״Sittlichkeit im höchsten Grade unzertrennlich ist“ Deshalb adelt hier die geistige O ö Schönheit auch die minder schöne Form und im Falle eines Conflicts wird den Forderungen der Ethik vor denen der Aestbetik der Vorrang eingeräumt. Psalmen, Hiob, das Lied der Lieder, die Klagelieder Jeremias (die Trauer um den Verlust des Ideals), Ruth werden eingehend charakterisirt und Einiges in treuer oder freier metrischer Uebersetzung (geringfügige Versehen lassen wir unerwähnt) als Belege der geistvoll durchgeführten Grundanschauung gegeben. Von ihnen lassen wir hier eine Stelle fiuden: ״Stark wie der Tod ist die Liebe, Unwandelbar wie das Grab •, Sie glüht wie ein ewiger Funke, Ein Feuer, das Gott uns gab. Die Wasser mit all ihrer Menge, Sie löschen das Feuer nicht aus; Der Liebe Leuchten verdunkelt Nicht Wetter noch Wogengebraus. Und gab’ Einer all’ seine Habe Um Lieb’ zu erkaufen dahin — Nicht Liebe würde ihm werden, Verachtung war’ sein Gewinn. Können wir uns somit in allen Stücken der Dar- Stellung des Herrn Verf. anschliessen und uns ihrer freuen, so ist es nieht Recensentenhochmuth, sondern innere Ueberzeugung, die uns das Urtheil über die Nachwüchse der liebr. Literatur als zu schroff bezeichnen lässt: ״man bemüht sich vergebens, an diesem Spätling die Züge wiederzuerkennen, die bei der alten Dichtung das Bestimmende waren Nur in ihren Zerrbildern treten sie hier auf, in affectirter Anmutli: als Ziererei; in affectirter Würde: als Gravität.“ Man sollte kaum meiner, dass der Herr Verf. Jehuda halevi und Gebirol gelesen hat. Denn sonst könnte seinem feinen Ohr das Wehen der Anmutli und das Rauschen der Würde nicht entgangen sein. Wir möchten fast mit Bestimmtheit es ersvarfen, dass gerade Herr D1*. Baethgen berufen ist, die Schönheiten auch dieser Dichter und maneher ihrer Genossen zu erkennen und dem weniger Kundigen deutlich zu machen. Coblenz. D1*. Lewin. Moses, Adolf, Rabbiner in Mobile (Alabama). Prof. Dr. Hermann Cohen in Marburg und sein Bekenntniss in der Judenfrage. Eine Reminiscenz und Kritik. Milwaakee Wisc. 1880. ״Von allen Freunden, die mir in der alten Heimat leben, sagt der Herr Verf einleitend, steht Hermann Cohen meinem Herzen am nächsten! Zu ihm habe ich seit ein und zwanzig Jahren mit neidloser, fast an Anbet.ung grenzender Bewunderung aufgeblickt. .....“ Aber trotz dieser etwas weitgehenden Verehrung, die sich bis zur letzten Zeile durch das ganze Schrifrchen zieht, kann Herr M nicht anders, als diese Arbeit und Anschauungen C.’s rückhaltlos zu verurtheilen und in diesem Hauptpunkte zu dein gleichen Resultate zu kommen, wie es in der Steckelmacherschen Recension in Nr. 10 d Bl. ausführlich und klar dargelegt ist, ״Was Cohen aber über die Judenfrage sagt“, heisst es S. 5, ״ist wenn man den Gedankenkern von der rnysteriösen philosophischen Schale ablöst, hier nichts anderes als eine vollständige Uebergabe, ein Uebergehen in’s Lager der Feinde mit Sack und Pack. —• Sprechen wir es mit dürren Worten aus, C. verlangt von den Juden Deutschlands nicht mehr und nicht weniger, als dass sie eine r e 1 igi ös e G e m e i n s c h a ft mit ihren protestantischen Mitbürgern bilden sollen, dass sie, um ganz deutsch, ganz national zu sein, nach und nach in den deutschen Protestantismus aufzuiehen sich bestreben müssen.als dass sie sich die Idee der Menschwerdung Gottes aneignen.Gott lmmanisiren Was bedeutet aber die Phrase ״Humanisirung Gottes?“ Entweder es bedeutet, was es aussagt, oder nichts, entweder es drückt den eigentlichen Ideen-