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Das jüdische Literaturblatt · 1880-07-01 · No. 27. (1.7.1880) · p. Seite 108

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 27. (1.7.1880)
Date
1880-07-01
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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— 108 inhalt des echten, wirklichen, lebendigen 'Christenthums aus, den Glauben, dass Jesus ein Gott, der Sohn Gottes Mensch wurde, um das Menschengeschlecht von dem Fluch der Erbsünde zu befreien, oder es ist ein blosses Hirngespinst, ein Hocuspokus in philosophischen Ausdrücken. Die Zumuthung aber, dass wir deutschen Israeliten uns die Huinanisirung Gottes aneignen sollten, wäre geradezu komisch, wenn sie nicht in einer so ernsten Zeit von einem so ernsten und bedeutenden Mann gestellt wäre. Wenn die Israeliten sich in diesein einen Punkt hätten fügen wollen, hätten, ohne ihrer weltgeschichtlichen Mission untreu zu werden, fügen 1 können, so brauchten sie nicht zu warten, bis mein Freud ' Hermann Cohen Professor der Philosophie an einer! deutschen Universität wurde und ihnen von der lichten j Höhe seines nationalen und philosophischen Bewusstseins 1 diesen patriotischen Rath ertheilte Sie hätten sich mit j dieser geringfügigen Concession längst, schon vor vielen j Jahrhunderten Ruhe vor dem blutdürstigen Fanatismus; ihrer mörderischen Verfolger verschaffen können. Wenn | die Humanisirung Gottes, die Idee der Menschwerdung j Gottes, mit dem israelitischen Monotheismus sich je hätte j vereinbaren können, ohne diesen in seinem innersten Wesen zu negiren, so hätten es Cohens Ahnen nicht nöthig gehabt, ihr Höchstes und Theuersles hinzuopfern, das edelste Blut zur Heiligung des Gottes Israels wie Wasser zu vergiessen, sich nicht als Auswürflinge der Menschheit, schmachbedeckt und fluchbeladen von Land zu Land hetzen und treiben lassen. Ein Bischen Taufwasser, zum Zeichen, das sie sich zur Humanisirung Gottes bekennen, würde dem ganzen namenlosen Elend ein Ende gemacht haben. Wunderbar aber erscheint es mir, wie Hermann Cohen, der einst aus der Kutte sprang, weil ihm sogar der israelitische Monotheismus zu viel war, weil er diesen nicht lehren zu können glaubte, ohne /.um Heuchler zu werden, in verhältnissmassig wenigen Jahren, seitdem er Lehrer der Philosophie an einer deutschen Universität geworden, an seinem Judenthum und seinen religiösen Ideeninhalt nicht genug zu haben glaubt, sondern sich noch dazu zu dem wesentlichsten und ״tiefsten‘1 Gedanken des Christenthums bekennt und seinen deutschen Glaubensgenossen die Nothwendigkeit ans Herz legt, dass sie, die jüdische Minderheit des deutschen Volkes, der religiösen Gemeinschaft ihres Volkes sich angehörig zu betrachten. Die Behauptung Cohens: ״Ich will darauf hinweisen, wie aus der Geschichte der Juden und der der deutschen Juden insbesondere hervorgeht, dass ihre religiöse Entwickelung in der geschichtlichen Tendenz des deutschen Protestantismus verläuft“, begleitet M. mit der ganz zutreffenden Bemerkung: ״Das ist also das Endresultat all der unendlichen Leiden des mehr als tausendjährigen Martyriums, dass wir am Ende doch zum Christenthum übergehen, ja mit einem Fusse schon innerhalb des Christenthums stehen? Gegen diese Zumuthung, gegen diese Annahme protestiren nicht blos die vielen Millionen Juden, die in anderen Ländern wohnen, sondern auch die deutschen Juden mit aller Entschiedenheit, mit feierlichster Verwahrung. Der Jude liebt sein Vaterland, hängt mit allen Fasern seines Herzens dem Volk an, zu dem er gehört, aber seine Religion, seinen israelitischen Monotheismus giebt er selbst um der Idee der Nationalität willen nicht auf! Gar merkwürdig ist es nur und schier unglaublich, dass Cohen zu der übertriebenen, fast fanatischen Auffassung der Nationalität gelangt ist. Ich erinnere mich noch gar wohl der Zeit, da er anders dachte. Eines Tages — er war damals schon Doctor der Philosophie und ein reifer Denker — schwärmte ich in einer Unterhaltung mit ihm für die deutsche Einheit, für die Herrlichkeit einer einigen deutschen Nation. ״Was Nation, sprich mir nicht von Nationen“, unterbrach er mich, ״eine Nation besteht aus so und so vielen Millionen Füssen.“ Jene seine paradoxe Aeusserung blieb mir im Gedächtniss und' zeigt so recht deutlich, welch einem ungeheuren Einfluss andere Umstände, die Ideen der Zeit und vielleicht in einem gewissen Grade auch die amtliche Stellung unbewusst auf Denkweise eines grossen (?) Denkers auszuüben im Stande sind“ Man sieht also, ein wunderlicher Heiliger, dieser Herr Professor Cohen, selbst in den Augen seiner besten Freunde! Dass aber auch die fachwissenschaftliche Bedeutung Cohens, den Herr M. einen Platz unter den ersten Philosophen Deutschlands anweist, und von dessen unsterblichen Schöpfungen er spricht, noch nicht so über allen Zweifel erhaben ist, hat gleichfalls Herr Dr. Steckelmacher des Breiteren dargelegt. Die Reminiscenz eines anderen Studienfreundes des Herrn Professors mag dies ergänzen. Einst, so erzählte ersterer, dem die schwülstige bombastartige Ausdrucksweise Cohen’s nicht eben wohlgefiel, dem Schreiber dieser Zeilen, sagte ich ihm: ״Weisst Du, Cohen, der Unterschied zwischen Dir und mir ist folgender: Wenn ich über irgend etwas zu sprechen habe, so setze ich meinem Auditorium dies schlicht und recht auseinander, und mache nicht mehr Aufhebens davon, als die Sache selbst erheischt, und der Erfolg wird sein, dass man mich verstanden hat, nicht eben enttäuscht, aber auch nicht hochbegeistert ist und im gewöhnlichen Tempo bleibt. Trägst Du aber denselben Gegenstand vor, so wird man Dich anfangs gar nicht verstehen und hie und da gar Dich für verrückt halten; beim zweiten Vortrage wird man sagen, dass dieses und jenes von dem Gesagten doch nicht so ohne allen Sinn sei, ja wie es scheine, gar einen : tiefen Sinn enthalte und zum dritten Male wird man j sich gar Vorwürfe machen, so dumm gewesen zu sein, | den tiefen Sinn (resp. den einfachen Sinn des schwerj fälligen Wortgekliugels) nicht gleich herausgefunden zu | haben, dass Du doch vielleicht sehr gescheidt seiest, ן und diese Wortberauschung wird Dein Glück machen“. | — Sollte die Wahrheit dieser sehr abweichenden Urtheile auch hier in der Mitte liegen? — Max Weinberg. Inserate. 2347] 3» nteiHetn Verlage ersten foeben: ברית אברהם ober bie ©eldjnei&UUfläfmt? unb bie babei ftattfin־ benben ©ebete unh©efänge. 3n’S Sfeutfdje überfe^t unb mit einer ausfüfjrltdjm literar* £)ift tifdjen ®Ölleitung oerfe^en oon 19r. B. 11. Auerbach. 2. mubirte Auflage. — $rei« 2Jif. 1.80. — ©egen § r a n c o־@infenbung beä SSetrageS erfolgt portofreie 3ufe״bung beä ©ucfjeä. granffurt a. s3Jfain. % iFrtttffmattn. ®djiieiber als Slutor. 2)e11 2lutorfi$el bat [2458 2Iucf) ©cfmeiber ©cf)nip5 gefüllt. 2ßa3 er als ©cfjneiber tffat, 2)as tt)11t er noch: — er ftieljit. 21116 Ephraim Moses Kuh (Sptgramme. 3n 2Cu§10al)l tjerausgegeben unb biograpl).־fritifd) eingeleitet oon Theodor Seemann. 2JUn.־$ortn. 116 ©eiten elegant gebrueft ißreis 1,60 23fg. Derlag oon (george (Silbers, tfofbucfyf?״ Sresben. En gros - Uhren-IiÄRcr — En detail. IT. Schlesiclcy in Frankfurt a. M. Rossmarkt 2, erste Etage empfiehlt zu Hochzeitsgescheuken : [2343 Goldene Herren- und Damen-Remontoir- Uhren, abgezogen u. gut regulirt, mit zweijähriger Garantie von M. 80 an bis M. 1700 per 8tück. Ausführung von Monogrammen in Gravirung und Relief. 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