Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 26. (23.6.1880)
- Date
- 1880-06-23
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 103 prophetischer Vorschau des kommenden Ereignisses seinem Sohne bereits bei der Geburt den andeutungsvollen Namen ״Peleg“ gegeben hatte. Es gilt den Talrnuden und Midraschim überhaupt für ausgemacht, dass die Völkertrennung im Todesjahre Pelegs erfolgt und dass Abraham ein Zeitgenosse derselben war.*) Nach Pirke di R Elieser ist die Völkertrennung die Folge des Fluches, den Abraham über das gottlose Beginnen des Thurmoaues ausspricht; nach Bereschith rabba cap. 38 soll wieder der Thurmbau den Widerspruch der Zeitgenossen gegen den ״Einigeinzigen“ zum Ausdruck bringen: שאמרו דברים חדים עלה" א לה י נ ו ה׳ אחד ועל אחד היה אברהם. AbodaSara foliol9a* * 3) wird Ps. 1,1 auf Abraham, ״weil er nicht gegangen in den Rath der Genossen der Völkertrennung“. und Sabbath folio 10b wird behauptet, Sodom habe iin Ganzen blos 52 Jahre bestanden, was gleichfalls voraussetzt, dass die Völkertrennung iin Todesjahre Peleg’s und im 48. Lebensjahre Abrahams erfolgt sei.4) Schliesslich heisst es Böresch. rabba cap. 37: ר׳ יופי אומר הראשונים על ידי שהיו מכירים את ייחוסיהם היו מוציאין שמן לשם המאורע. אבל אנו שאין אנו מכירים ייחוסינו אנו מוציאין לשם אבותינו; רש״ב״ג אומר הרא שונים על ידי שהיו משמשין ברוח הקדש היו מוציאץ לשם המאורע, אבל אנו שאץ אנו משתמשין ברוח הקדש מוציאין לשם אבותינו♦ א״ר יוסי ב׳׳ר חלפתא נביא גדול היה עבר שהוציא לשם המאורע וגו♦ Bei dieser Gelegenheit sei hier eine Erklärung des Differenzpnnktes zwischen R. Jose und R. S b. G. mitgetheilt. Ich glaube nämlich, R. J. und R S. b G. differiren in der Erklärung dessen, was unter dem Ausdrucke ״נפלגה הארץ״‘ zu verstehen sei R. S. b G. glaubt, mit dem fraglichen Ausdrucke sei die ,,Trennung der Völker der Erde“ gemeint, zwischen den Altvordern und uns sei der Unterschied der, dass jene, denen es gegönnt war, in die Zukunft zu schauen, in dem Namen der Kinder die zukünftigen Ereignisse angedeutet hätten, wir, denen der Bück in die Zukunft verwehrt• ist, erhalten in den bedeutungsvollen Namen unserer Eltern, die wir den Kindern ertheilen, die Erinnerung an die Vergangenheit. R. J. hingegen glaubt, mit dem fraglichen Ausdrucke sei die mit Peleg beginnende ״Trennung d h. Kürze der Lebensdauer der Erdenbewohner“ gemeint,5) zwischen den Altvordern und uns sei der Unterschied, dass jene, die sich des Anblickes ihrer Ahnen erfreut hatten, den Kindern in den Namen, welche sie ihnen ertheilten, Andeutungen über ihre zukünttigen Lebensbegegnisse gaben, wir, denen der Tod die Eltern gar oft sehr früh entreisst, erhalten in den Namen der Eltern, die wir den Kindern ertheilen, die Erinnerung an die Lebenserfahrungen unserer Heimgegangenen.6) Dr. G o 1 d f a h n, Bezirksrabbiner. *) Hr. Rabbiner Dr. Beck in Bukarest sandte uns ebenfalls einen mit dem obigen im Wesentlichen übereinstimmenden Artikel, in welchem er noch auf Wolf Einhorn’s Commentar z. St. zu den Rabboth (Wilnaer Ausgabe 1878) verweist. ln Beer’s ״Leben Abrahams“ Note 79 findet sich übrigens die ausführliche Berecli* nung. Das Eber seinem Sohn in prophetischer Vorahnung den Namen Peleg gegeben, bemerkt schon Hieronymus, wie wir dies in unserem: ״Die hebr. Traditionen in den Werken des Hieron.“ 1 p. 37 hervorgehoben. (Red.) J) Bereschith Rabba cap. 61 ־, Midrasch zu Ps. 1, 1. 4) Vgl. Rasclii a. 1. Auf diese Stelle beziehen sich die Worte Zakuto’s, juchassined.Fiiipowski s.4: כדאיתא בפרק קמא דשבת♦ 5) Aben Esra I. M. 11,10־, Chiskuni und Siporno I. M. 10,25־, Zacut, Juchassin S. 4 ed. Fiiipowski. s) Es ist demnach unrichtig von Chiskuni, der den fraglichen Ausdruck auf die beginnende Kürze der Lebensdauer bezieht, zur Glorification Eber’s den Ausspruch R. S. b. G.’s zu citiren ־, in Batreff der Gabe der Prophetie herrscht zwischen R. J. und R. S. b. G. keine Meinungsdifferenz, wie denn auch R J. Eber ausdrücklich einen grossen Propheten nennt. Nach unserem Midrascii ist auch Löw ״die Lebensalter“ S. 95: ״Erst seit dem 18, Jahrh u. s. w.“ Literaturbericht. Recensionen. Wünsche, Dr. A. Bibliotheca Rabbinica. Lieferung III. (Schluss des Midrasch Koheleth.) Leipzig, Otto Schulze. 1880. Was wir von der ersten Lieferung des oben genannten Werkes gesagt haben (s. Literaturblatt Jahrg. IX Nr. 11) gilt anch von der vorliegenden. Der Fleiss des Verfassers ist unverkennbar, die Uebersetzung noch etwas eleganter, man merkt der Arbeit durchweg an, dass der Herr Verf. sich mit Liebe in seinen Gegenstand vertieft hat Bei einem solchen Unternehmen thut es wohl, einen gedeihlichen Fortschritt wahrzunehmen, und der beste Beweis dafür ist die Möglichkeit der Herausgabe dieser III Lieferung. Mit wahrer Befriedigung hat es uns erfüllt, dass die an der ersten Lieferung von uns gemachten Ausstellungen im vorliegenden Hefte nach unsrem Vorschläge grösstentheils beachtet worden sind, und wollen wir darum auch heute statt einer kritischen Betrachtung des Ganzen lieber an einzelnen Stellen Kritik üben, was der Sache sicherlich förderlicher sein dürfte. S. 102 Z 4 V. 0.: מצוקים sind nicht ״Beschränkte“, sondern .,Mächtige der Erde“, wie מצוקי ארץ (es ist eine Ellipse und ארץ hinzuzudenken) vgl. Raschi Kethuboth 104b im Gegensatz zu אראלים, welches die ״oberen, himmlischen Mächte“ bedeutet. — S. 103 Z. 14 v. u.: Statt der Uebersetzung: habe ich dir nicht an dem Resen am 8. Tage des Laubhüttenfestes einen guten Beistand gegeben? muss es heissen: habe ich nicht dem Regen einen guten Fürsprecher verschafft? (sc. durch das Gebet am Schemini Azereth, den Verf. trifft deshalb kein Vorwurf, denn dazu gehört Kenniniss des jüd. Gottesdienstes.) — S. 137 Z 9 v. u.: בת קול ist nicht mit ״Tochterstimme‘•, sondern mit ״Himmelsstimme“ wiederzugeben. Die ganze Stelle ist aber vom Verf. missverstanden worden. Der Sinn des Gesagten ist folgender: R. Simon ben Jochai, als er nach 13 Jahren die Höhle verlassen hatte, sah er einen V ogelsteller sein Netz ausbreiten, um Vögel zu fangen. Sobald er vom Himmel die Worte hörte "דימלס“ d. i. 0r;a0׳3<׳; der Vogel ist öffentliches Eigenthum (eig. herrenlos), so wurde er vo.1־ ihm eingefangen, hiess es aber: ספיקלא d. i. specialis (Specialeigenthum), ואשתזבת, so war er gerettet (oder er wurde in Freiheit gesetzt). R Simon schliesst daraus: wenn selbst der Vogel ohne göttliche Bestimmung nicht entfliehen kann, 11m wie viel weniger der Mensch. — S. 138 Z. 7 v. o.: Es handelt sich um die auch von Grätz, Gesch. d. J. Bd IV Note 19 (2. Aufl) erwähnte Stelle, wonach R. Simon b •Jochai die Stadt Tiberias von Leichen gesäubert haben soll. Hr. Wünsche folgt blindlings dem geistreichen Historiker, dem es aber nur auf das Faktum, nicht auf die Etymologie der Worte ankam. Das hierbei sich findende תרמוסץ ist nämlich gleich f)stotxcc und bedeutet heisses, siedendes Wasser R S. b J. nahm nicht Feigenbohnen und warf sie auf den Boden, um zu sehen, ob Leichen darunier begraben liegen, wie Grätz meint, sondern er erweichte durch heisses, siedendes Wasser den Boden, so dass, wenn eine Leiche irgendwo lag, sie emporschwimmen musste. Jede so an die Oberfläche gebrachte Leiche wurde alsdann ausserhalb der Stadt begraben, und das Innere der Stadt Tiberias wurde somit leichenfrei, zu berichtigen Auch die Vermuthung FrankePs (Darke hammischna S. 133) wird hiernach fraglich, da R. Jose bekanntlich einen Sohn, Chalafta, hatte, demnach sein Vater, Chalafta. damals nicht mehr am Leben gewesen. Oder aber es hat Chalifca seinen Sohn im Greisenalter erzeugt und als Waise zurückgelassen. '