Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 26. (23.6.1880)
- Date
- 1880-06-23
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ן 102 — i 1 Wäldern niemals herausgekommen wäre, und warum sollte nicht auch Renan seine schwachen Momente haben, wo er sich nicht von der Vernunft, sondern vom blinden Eifer hinreissen lässt und folglich in’s Gebelle Anderer mit einstimmt. Seine natürliche Menschenvernunft scheint aber wieder bei ihm die Oberhand gewonnen zu haben, als er weiter ״kühl bis ans Herz hinan“ sein Thema fortsetzte. ״Aus diesem Kampfe, sagt Renan weiter, wird der Jude sicherlich als Sieger hervorgehen. Die Hoffnung ist die Seele des Juden. Die Psalmen waren ihm wie ein langtönender Harfenklang und füllten sein Inneres mit harmonischen religiösen Gefühlen. Die hebräischen Propheten kündeten ihm die Worte des Ewigen. Der zweite Jesajah z. B, der Prophet während des Exils, malte ihm die Zukunft in Farben aus, wie sie selbst im Traume nicht schöner gedacht werden können. Seine ethischen Bücher lehrten ihn, wie er wahrhaft glücklich sein könne, und zwar dadurch, dass er die Prinzipien der Moral und Tugend streng beobachtete. Was die Juden im alten Rom betrifft, so hatten sie sich daselbst etwa 60 Jahre vor der Geburt Christi angesiedelt gehabt. Sie vermehrten sich rasch. Cicero hielt den Versuch, ihnen zu widerstehen, für ein grosses Wagestück; Cäsar, der sie begünstigte, fand sietreu und anhänglich. Der Pöbel verachtete sie aus dem Grunde, weil er sie als eine geheime Gesellschaft betrachtete, deren Mitglieder zum Nachtheil der übrigen Mitbürger der Stadt zusammenhielten und sich gegenseitig unterstützten. Diese oberflächliche Beurtheilung war aber nicht massgebend für Alle. Die Juden hatten eben so viel Freunde als Feinde. Es herrschte allgemein der Glaube, dass sie im Besitze eines vorzügliehen Princips seien. Der arme jüd. Hausirer von jenseits der Tiber kehrte oft des Abends mit reichen Gaben heim, die ihm fromme Herzen reichten, und besonders waren es Frauen, die sich von diesen Missionären in Lumpen angezogen fühlten. Juvenal rechnet unter die Laster seiner Zeit auch die Tendenz der Frauen, sich der jüd. Religion zu nähern. Das Hauptquartier der jüd. Colonie in Rom befand sich jenseits der Tiber, nämlich im ärmsten und schmutzigsten Stadttheile. Daselbst war, wie noch jetzt, der! beste Hafen Rom’s, der Platz, wo die von allen anderen Häfen kommenden Waaren abgeladen wurden Die ersten römischen Juden waren solche, die Pompejus als Gefangene nach Rom gebracht werden hatte. Obschon Sklaven, so vernachlässigten sie dennoch die Ausübung ihrer religiösen Gebräuche nicht. Das Merkwürdigste in der jüdischen Religion ist deren Einfachheit, der zufolge der Jude nach mehreren Generationen noch Jude bleibt, selbst wenn er tausende von Meilen von seiner Heimath entfernt lebt.“ Ob Herr Rdnan dieses allerdings nicht ungünstige Urtheil über die Juden und das Judenthum in der Absicht aussprach, um dadurch das daraus hervorgegangene Christenthum in ein um so helleres Licht zu stellen oder nicht, wollen wir hier keineswegs untersuchen. Soviel aber steht fest, dass er trotz der bekannten Parteilichkeit die Wahrheit nicht bemänteln konnte, als er vom reinen geschichtlichen Standpunkte aus das Judenthum behandelte. Was wir bei unseren Beurtheilern vermieden wissen möchten, das sind die äussersten Extreme. Das höchste Lob und der niedrigste Tadel, sie sind uns beide gleich zuwider; was wir beanspruchen, das ist eine nüchterne, unparteiische Kritik, und eine solche werden wir stets mit Freuden begrüssen. Belfast, Juni. D r. C h 01 z n e r. Wer darf religiös trauen? Zu den sehätzenswerthen Bemerkungen, welche die Herren Rabbiner Dr. Simon Wolfsohn zu Trenczin und Prediger und Religionslehrer J. Sturmann in Osterode i Pr. dem von mir aufgestellten Gutachten hinzugefügt haben, gestatte ich mir zur Klarstellung auf Folgendes hinzu weisen: 1. Wenn der?"ט zur Decision R Karo’s in E. h. c. 49 hinzufügt; dass nach Raschi bei נתינת קידושין keine so grossen Bedenken, wie bei גטין vorliegen, und wenn er fortfährt, dass bei uns die Sitte sei, mit סידור קידושיי auch einen solchen zu betrauen, der kein למדן גדול sei, so bezieht sich diese beschränkte facultas copulandi auf den ganzen religionsgesetzlichen Akt und sagt, dass ein Mann, der zwar keine Grösse in der eherechtlichen Wissenschaft, aber doch im Ganzen ein Gelehrter sei, berechtigt sei, sei bstständig Trauungen zu vollziehen. Daraus folgt aber nicht, dass ein Lehrer, nachdem über die religionsgesetzliehe Zulässigkeit der in Frage stehenden Ehe von einer competenten Autorität entschieden worden ist, also die Seite des Aktes, welche die Gültigkeitserklärung in sich schliesst, das heisst auch die Feststellung der Kethuba, erfolgt ist, nicht berechtigt sein sollte, ohne התרת קידושין die lediglich liturgische Seite der Trauung auszuführen. Herr Dr. Wolffsohn lasst die Worte des ט״ן auch auf die liturgische Seite allein anwendbar, ich fasse sie auf den eigentlich juristischen Theil des Aktes vorzüglich, aber nicht auf den davon vollständig getrennten liturgischen Theil anwendbar. Ebenso bezieht sich das Dictum des מהרשא auch nur auf den juristischen Theil, wie die Worte להתיר פנויה beweisen. Ich präcisire daher, auf mein Gutachten zurückzuweisen mir erlaubend, die entscheidende These also: 1) Die selbstständige Vollziehung einer Copulation kann und darf ein Lehrer nur dann ausüben, wenn er התרת קידושין von competenter Seite erworben hat. 2) Die Vollziehung einer Trauungsfeierlichkeit, nachdem eine competente Autorität über die Zulässigkeit der in Frage stehenden Trauuung und die Fest- Stellung der Kethuba entschieden hat, kann einem rite geprüften und religiös würdigen Lehrer auch ohne התרת קידושין übertragen werden. Lengsfeld, 11. .1 uni. Dr. Kroner Kritische Streifzüge. I. In der Nr. 22 d. Bl. versucht Herr Dr. Gronemann eine Erklärung einer Bemerkung des Bereschith Rabba cap 64,1j die ich für ganz unnöthig finde, da ״der den Namen Raschi’s tragende Coinmentar zum Midrasch bereits die richtige Erklärung gegeben und die Einwendüngen des Dr G. gegen diese Erklärungen nicht stichhaltig sind. Dieser Commentar hat ke i n es w egs, wie Hr. Dr. G. behauptet, Genesis cap. 11 nachgerechnet, sondern seine Quelle war Seder Olam rabba cap. l,a) wo nachgewiesen wird, dass die Sprachverwirrung und Völkertrennung im Todesjahre Peleg’s und im 48. Lebensjahre Abrahams erfolgt war, und dass Eber in *) Auch cap. 30; 46; 95; Midrasch z. HL. 5,16; Pessikta rabbathi Piska עשרת הדברות Pag. 01a ed. Lemberg. — Maimonides, Hilch. Akkum 1,3 sagt, Abraham sei 40 Jahre alt gewesen, als er seinen Schöpfer erkannte: wahrscheinlich war in seinem Exemplar das (ך in ם verschrieben, weshalb er anstatt מ״ךן gelesen hätte מ״ם• Vgl. die Glossatoren a. 1. *) Jalkut Scliimeoni i, §62; II, § 1073; RaSchi zu I. M. 10,25; zu Sabbath. iolio 10b s. v. ,לשישיבתה, קרובך Ab. Sara folio 19a s. V. לאברהם אבינו Aben Esra I. M. 11, 1.