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Das jüdische Literaturblatt · 1880-06-23 · No. 26. (23.6.1880) · p. Seite 104

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 26. (23.6.1880)
Date
1880-06-23
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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— 104 — Das ומקליק ist ״ ,ומלקקer befeuchtete, benetzte“ den Marktplatz, wie Richter 7,7: המלקקים. — S. 140 Z. 14 v . 0. Im Mi drasch steht: R. Simon b. Lakisch sagte, als Gott zur Schlange sprach: ״auf deinem Bauche sollst du kriechen“ u. s. w. ging ihre Stimme vom einen Ende der Weit bis zum anderen. בא נחש ולמד על מפלתה שיל ארם• Der Verf. liest und übersetzt: Die Schlange lehrte Persiens (Edoms) Fall. Hier hat er doppelt und dreifach geirrt: 1. kann Persien nie unter אדום gemeint sein, sondern Rom; 2. sreht hier nicht אדום, sondern 3;ארם. lehrt die Schlange nicht Arams Fall, sondern — mit Bezug auf Jesajas 27,1, wo Aegypten, נחש בריח und נחש* עקלתון die flüchtige und sich windende Schlange genannt wird — ist hier auf die Niederlage Aegyptens! in Aram angespielt, die am Euphrat unter Pharao Neeho! stattgefunden hat, was auch der herangezogene Vers j aus Jeremias 26, 22 zur Genüge beweist. (Einem Ueber- 1 setzer des Midrasch dürfte übrigens eine so feine Anspielung nicht entgehen.) Die nächste Lieferung verspricht Herr Wünsche in Bälde naehfolgen zu lassen, die 1. einen Codex der verschiedenen Lesarten der ältesten Editionen und Hand- Schriften, 2. einen Index der fremdsprachlichen Bestandtheile, 3. einen der erklärten und citirten Bibelstellen und .4. einen Realindex der wichtigsten Materien des Midrasch Rabba enthalten wird. Wir wollen an dieser Stelle die Bitte des Hm. Vf. wiedergeben: Es mögen die geehrten Subscribenten der bibliotheca rabbinica das Unternehmen durch Empfehlung in Freundeskreisen unterstützen. ' Schmieheim (Baden), im Mai. ■ Dr. M. Rawicz, Grh, Bezirksrabbiner. Buddensieg. Dr. Rudolf. Die assyrischen Ausgrabungen und das alte Testament. Ileilbronn, Gebr. Henniger. 1880. 76 S. 8°. Im 3. Hefte des 5 Bandes, der ,,Zeitfragen des christlichen Volkslebens“ veröffentlicht der gelehrte Vf. obige recht lesenswerthe Monographie Obgleich die Aufschrift ״Zeitfragen des christl. Volkslebens“ vermuthen Hesse, dass diese Arbeit im Dienste einer einseitigen, : polemischen oder apologetischen Tendenz stehe, müssen wir doch anerkennen, dass sie keinen befangenen dog- 1 malischen Standpunkt urgirt und die speciüsch christliche! Tendenz nur in der Einleitung und auch da nur obenhin 1 streift Die Schrift verdient also in jedem Falle eine j ehrende Anerkennung vor dem Forum der Bibelfreuade, ja sie ist sogar geeignet, das rege Interesse jedes gebildeten Laien zu erwecken, dem es darum zu thun ist, ohne Specialstudien sich über die Ergebnisse der modernen Assyriologie in nuce zu orieniiren. Dass man dieser Darstellung so wenig den Schweiss des Gelehrten anmerkt, dass man die Schreibweise eine tliessende und fesselnde nennen muss, gereicht ihr zum besondern Vorzüge und macht diese Arbeit zu einer eminent populären. Dies vorausgeschickt, wird man wesentlich Neues hier nicht erwarten Was aber der Verf. vorbringt, wird in einer durchaus geniessbaren Form mit überlichtlicher Klarheit geboten. Den Kern 11er Abhandlung bilden die Mittheilungen aus den bisher entzifferten Keilinschriften, soweit sie in den Angaben des alten Testamentes ihre Destätigung, ihre Berichtigung oder Erläuterung finden Nach dem jetzigen Stande der assyriologischen Forschung bietet das alte Testament analoge Berichte für die Geschichte von der Weltsciiöpfung, der Sintfluth, vom Thurmbau und vom Kampfe der chaldäischen Könige Gen. c. 14. Der Fall des ersten Menschenpaares und seine Vertreibung aus dem Garten Eden findet in den Keilinschriften keine Parallele. Alles, was Verf. vorbringt, um eine künstliche Uebereinstimmung auch hier zwischen Bibel und Keilinschrift zu construiren, hält •vor der Kritik nicht Stand und bleibt noch immer ein pium desideriuin Auch die Beziehungen zwischen der sogen Izdubar-Sage und dem Bibelberichte über Nimrod sind sehr lose und keineswegs über alle Bedenken erhaben. Verf. gelangt zu dem Geständnisse, dass die Angaben der Bibel sowohl was ihre Form- Vollendung als auch was ihren ethischen Gehalt betrifft, viel werthvoller und erhabener seien, als die rohen und primitiven Mittheilungen der Keilinschriffen. Er erklärt dies aus dem höheren Alter der assyrischen Traditionen, als deren Träger er mit den Assyriologen den aus Chaldäa nach Palästina ziehenden Abraham betrachtet. Wir haben hier weder die Berechtigung noch die U11- Zulässigkeit dieser Ansicht klar zu legen, können aber nicht umhin, zu bemerken, dass hier die Aegyptologen den Assyriologen das Terrain streitig machen und dass somit eine Hypothese die andere verdächtigt. Natürlich sucht Verf. auch die Idee d< s Monotheismus als den Assyrern eigentümlich zu reclamiren. Freilich ist der Versuch als ein verunglückter anzusehen; denn gerade die 1. Tafel des Berichtes ״Als droben“, welche bei Schilderung des תחום meldet in passus 7: ״als die Götter noch nicht erstanden waren, keiner von ihnen‘־, erzählt gleich darauf im pass. 9: ״auch die grossen Götter wurden geschaffen, die Götter Lachniu und Lachamu Hessen sie kommen.“ Bekanntlich nahmen auch die modernen Aegyptologen an, Möge habe die Idee des Monotheismus in den mizrischen Priesterministerien erfahren. Es ist dies wieder eine der bezeichnendsten Controversen zwischen Assyriologen und Aegyptologen. Wahr ist die Thesis des Verf., dass zur Erhärtung heilsgeschichtlicher "Wahrheiten die modernen Funde der geistreichen Entzifferungen Nichts beitragen. Sie bleiben in ihrer Integrität bestehen mit denselben und ohne dieselben. Wir wollen schliesslich noch bemerken, dass der Verf. in sehr fesselnder Weise den ersten glücklichen Entzifferungsversuch Grotefend’s der polyglotten Achämenidentafel zu Persepolis veranschaulicht hat. Dieser Versuch erinnert lebhaft an die anologen Vorgänge bei der Enträthselung der ägyptischen Hieroglyphen auf dem Steine zu Rosette. Die erste Handhabe für weitere Entzifferungen bieten auch hier die zunächst errathenen Eigennamen. Freunden der Bibelforschung können wir diese anregende Srhrift angelegentlich empfehlen. Sohrau O.-Schl Dr Immanuel Deutsch. Notiz. Die ״Balduineum“ genannte Urkundensammlung des Erzbischof Baldewin von Trier (1304) hat in dem im hiesigen Provinzialarchive befindlichen Prachtexemplar (Bald. Catnerae archiepisc.) eine besonders werthvolle Zugabe, indem 37 Pergamentblätter vorgeheftet, auf denen sich 73 zur Geschichte Baldewins und seines Bruders, des Kaisers Heinrich VII. gehörige Bilder befinden. Für die jüdische Geschichte von Interesse ist das 48 Bild mit der Inschrift: Imperator vadit dans judeis legem moysi in rotulo. (Der Kaiser giebt den Juden das Gesetz Mosis in der Rolle zurück.) welches also den Moment schildert, da der Kaiser am 29. Juni 1312 nach seiner Krönung in Rom die Huldigong der Juden entgegennimmt. Dominicus in seiner Geschichte Baldewins schildert das Bild: ״Die Juden stehen rechts vor dem Kaiser, ihr Sprecher mit ausgeprägt orientalischen Gesichlszügen; alle sind mit dem spitzen Judenhut bedeckt. Der Kaiser ist zu Pferde, seine Krone grösser und geschmückter wie früher; in der Linken hat er den Scepter, mit der Rechten reicht er die Rolle“ etc. AL. — Coblenz. Verantwortlicher Kedacteur Dr. Kahmer in Magdeburg, uruck von H. Horbach in Barty. Verlag von Robert Griese in Leipzig.

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