Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1880-06-16 · No. 25. (16.6.1880) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 25. (16.6.1880)
Date
1880-06-16
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5367336-6488238-9584451--1575-9584454
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 99 — alten Deutschen in dem Donner des Gewitters das Brüllen eines Stieres und sie sahen in dem Blitze sein blitzendes Horn. Im Hebräischen ist dabei an das Einhorn (r e e m) zu denken, daher heisst hier der Donner raam.“ Dass das erstere mit 'ראם) א), das letztere mit רעם) ע) geschrieben wird, genirt Hrn. E. nicht im mindesten, ebenso wie die Zusammenstellung von thor (ת1ר) mit dem stierköpfig gedachten altdeutschen Donnergott Thor. ״So sind auch — sagt er weiter — Ada und Zilla, die Weiber Lemechs, keine nomina propria wirklicher Persönlichkeiten, sondern bezeichnen die Gegensätze von glänzend oder brennend (ad) und dunkel oder schattig (zel). Diesen Vorstellungen entsprechen auch ihre Kinder. Ada, die Glänzende, Schmuckvolle, war die Mondgöttin der Assyrier, die Gattin des Sonnengottes Adad oder Hadad mit dem Beinamen Rimmon, da sein Attribut der Granatapfel war (Zach. 12, 11). Darum wird wohl ursprünglich der sog. Paradiesapfel am Laubhüttenfeste (3. BM. 23, 40) peri ez hadad statt hadar gelautet haben. Da aber die Jhvh-Feier der späteren reformatorischen Zeit unter Esra und Nehernia alle heidnischen Geschlechtsgebräuche verbannte, so hat man auch statt des samenreichen Liebesapfels den Cederapfel des schönen Baumes einseführt. Aber der Name ״Paradiesapfel'־‘ und das ״Ausbeissen des Stiels“ dieser Frucht zur Erleichterung der Niederkunft ist noch heute unter frommen Judenweibern herrschend geblieben.“ Von curiosen Etymologien seien noch herausgehoben: priapus peri ab Frucht des Vaters, Persephone ist per zepl10na ״Pracht (פאר) der Unterweit“. Der Name der Frau des indischen Mondgottes Kasyapa soll von dem hebr. kasabh die Täuschende herkommen, wie der betrügerische Laban den Mondgott bezeichnet. Hephaestos ist ab aeschtha Vater des Feuers. In dem Worte Kain ist die Spiessform ausgedrückt (von kanah, das Rohr ) — In dem Schlusssatze: ״Wir können daher mit keiner besseren Maxime schliessen als: ״Alles Gescheidte ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es nochmals zu denken“ — becomplimentirt sich der Verf. selbst, vergisst aber, dass dann die Bezeichnung ״Original Studien“ keineu Sinn hat, es sei denn in dem von uns zu Anfang angedeuteten Sinne. M. R. Literatui'bericht. Recensionen. Destinon, Dr. J. v. Die Chronologie des Josephus. Kiel, Lipsius & Fischer. 1880. 35 S. 4°. Zu den vielen Schwierigkeiten, welchen der aufmerksame Leser der Josephinischen Schriften auf Schritt und Tritt begegnet, gehört in erster Reihe die Chronologie des Flavius Josephus; denn bald stimmen die Hauptsummen mit den an früheren oder späteren Orten angegebenen Einzelposten nicht überein, wenn man diese suminirt, bald stehen die Zahlenangaben im Wider- Spruche mit den Datirungen, wie sie uns aus anderen Quellen her bekannt sind, oder gar mit den eigenen des Josephus, bald sind die Zahlen zu hoch, bald zu niedrig gegriffen. Diese Thatsachen sind bereits seit langer Zeit bekannt, die Versuche zur Lösung oder Erklärung der Schwierigkeiten schon im 17. Jahrhunderte unternommen worden, von da ab gehen sie bis auf unsere Tage fort. Eine der wahrscheinlichsten und einleuchtendsten Erklärungen für die meisten der angeführten Uebelstände in den Zeitangaben des jüdischen Geschichts- Schreibers ist die zuerst von M. v. Niebuhr (Geschichte Assurs und Babels seit Phul) ausgesprochene, Josephus habe seine chronologischen Angaben den verschiedensten Quellen ohne nachzurechnen entnommen; Freuden- I thal hat diese Ansicht in seinen ״hellenistischen Studien4 durch neue Beweismittel zu stützen gesucht, und der Unterzeichnete hat dies auch in Rücksicht auf die übrigen Theile der Archäologie gethan. (״Die Quellen des Flav. Josephus in seiner Archäologie“.) Gegen diese Annahme ist nun in der angezeigten Schrift Einsprache erhoben worden; v. Destinon kann es nicht annehmen, dass Josephus die von der jeweiligen Quelle gegebenen Zahlen nicht nachgerechnet habe; es scheint ihm unglaublich, dass Josephus sich einer solchen Unterlassungssünde schuldig gemacht, dass er so oft den Zusammenhang des Ganzen ausser Acht gelassen haben sollte (p. 23), und doch steht von Destinon nicht an, dem Josephus zuzumuthen, dass er ״an einzelnen Stellen seine eigenen Worte anders als gewöhnlich aufgefasst habe und dadurch zu abweichenden Resultaten gekommen sei“ (pg. 26). — Hat Herr v. Destinon auf p. 26 denn bereits vergessen, was er drei Seiten früher so emphatisch ausgesprochen hat? Auf p. 23 lässt sich v. Destinon folgender Weise vernehmen: ״Wer den gesunden Verstand des Schriftstellers nicht ausser Rechnung lässt, dem muss sich doch die Frage aufdrängen: Ist es denn denkbar, dass Josephus nicht bemerkte, in welchen Widerspruch er sich mit sich selber setzte.“ Herr J. v. Destinon hat nun an sich selber gezeigt, dass dies wohl denkbar sei! Diese allgemeinen Erwägungen können uns darum nicht von der Unwahrscheinlichkeit der bisherigen Annahme überzeugen, zumal v. Destinon auch sonst unserem Josephus Flüchtigkeiten vorhält und nachrechnet, welche dessen Fähigkeit und Gewissenhaftigkeit bei weitem mehr in Frage stellen und verdächtigen, als die bisläufige Lösung der chronologischen Ungereimtheiten es thut (vgl. pp. 10, 15, 18). flehen wir nun zu v. Destinons Aufstellung. Er glaubt, ״es müsse sich wenigstens eine durch die gesammten Alterthümer und vielleicht auch durch den jüd. Krieg hindurchgehende Hauptrechnung nachweisen lassen.“ (Vorwort.) Diesen Nachweis nun zu erbringen, ist die Aufgabe der angezeigten Schrift; allein wir fürchten, dass die Mühe des Verf. eine vergebliche gewesen ist; denn ein System, welches so viel Löcher und Risse zeigt, die uns nach den redlichen Bemühungen des Verf., sie auszufüllen, noch immer so klaffend entgegen gähnen, wird wohl nicht mit Recht den Namen eines ״Systems“ führen dürfen. Zu all’ dem kommt noch, dass v. Destinon kein anderes Ausgleichungsverfahren kennt, als trotz des besten handschriftlichen Materials, das ihm zu Gebote gestanden hat, für all das Unheil in dem chronologisehen ״System des Josephus“ die librariorum negligentia verantwortlich zu machen; wo es eben nicht anders geht, da muss man eine Corruptel selbst in den besten Manuscripten des Josephinischen Textes annehmen; das heisst wohl den Knoten zerhauen, nicht aber ihn lösen. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, an dieser Stelle dem Verfasser von Schritt zu Schritt zu folgen, nur Einiges sei zur Bekräftigung unseres bis nun allgemein gehaltenen Urtheiles beigebracht. Antt. Judd. II. 15,2 setzt Josephus in genauer Uebereinstimmung mit den Angaben der Bibel für die Zeit von Jakobs Ankunft in Aegypten bis zur Exodus 215 Jahre an, für die Zeit seit der Wanderung Abraharns bis zur Exodus 430 Jahre, demnach sind von Abrahams Wanderung bis zu Jakobs Ankunft in Aegypten 430 — 215 215 Jahre verflossen. Rechnet man nun die einzelnen Posten aus der Erzählung in den Alterthümern zusammen, so kommt man auf 230 Jahre*) Die Differenz ist auffallend. Freudenthal hat nun nachgewiesen, dass die Summe 215 dem Demetrios entlehnt *) Vgl. meine Quellen des Fl, Josephus etc. p. 57.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.