Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 23. (2.6.1880)
- Date
- 1880-06-02
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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preisend. Die maroccanischen Juden, deren Zahl in Tanger gross ist, sind meist wohlgebaute Menschen, bei denen der semitische Typus nicht so sehr hervortritt wie bei den europäischen, sie besitzen ovale Gesichtsbildung mit schwarzen, lebhaften Augen und kräftigem Haar und Bartwuchs; ihr Costiim ist dem der Mauren ähnlich, nur von dunklerer Farbe. Die Jüdinnen sind meistens schön, mit regelmässigen Zügen und man sieht sie im Gegensatz zu den maurischen Mädchen und Frauen häutig auf den Strassen und in den Läden. Die Juden sind bald nach der Zerstörung des jüdischen Reiches in das nördliche Africa, so auch in Marocco, eingewandert und haben sich hier trotz der drückendsten Knechtschaft von Seiten der eingeborenen Muselmänner bis jetzt erhalten. Vorzüglich haben sie hier in den Nachbarländern Algerien und Tunis ihre Existenz der grossen Befähigung für den Zwischenhandel und ihrem bedeutsamen Talent einer ausserordentlichen Vermittlungskunst in Geschäften allerlei Art zu verdanken. In den alten nordafricanischen Piratenstaaten bedurften die Araber der Juden zum Verhandeln der geraubten Schätze und zur Vermittlung des Verkaufs derselben; so gelang es nun durch ihre kaufmännischen Eigenschaften, ihren Fleiss und ihre Sparsamkeit den intelligenten Juden bald, festen Fuss zu fassen und in den Besitz von Reichthümern zu gelangen. Allerdings dürfen die Juden die erworbenen Schätze nicht an der Oeffentlichkeit zeigen, da von den maroccan. Behörden ihnen nicht die ungestörte Sicherheit ihres Besitzes gewährleistet wird, und wie man bei vielen Gelegenheiten gesehen hat, ist es nicht schwer, eine Judenverfolgung zu improvisiren, um die Reichthümer den Kindern Israel zu entreissen. Natürlich hüten sich deshalb die maroccanischen Juden wohl, ihre Schätze zu entfalten; mit Freuden würden sie eine mächtige Fremdherrschaft, die ihnen ihren Besitz sichert, begrüssen. So nahmen auch einst die algerischen Juden die französische Herrschaft mit Freuden auf, konnten sie sich doch hinfort in Algerien in Ruhe und Sicherheit fortentwickeln und ihre Schätze ohne Gefahr zeigen, wie denn auch die Besitzer der zahlreichen schönen, neuentstandenen Häuser in der Stadt Algier grösstentheils Juden sind. In den maroccanisehen Städten müssen die Juden noch in abgeschlossenen Stadtvierteln wohnen und werden, ebenso wie die Christen, von den Arabern verachtet.“ Literaturbericht. Recensioneii. Wünsche, Dr. Aug. Bibliotheca Rabbinica. 2. Lieferung: Der Midrasch Bereschit Rabba (c. 1—3,22, Parascha I—XXI). Leipzig 1880. O. Schulze, 96 S. 8°. Die erste Lieferung dieser Midraseh-Uebersetzung hat in diesen Blättern mit Fug und Recht eine äusserst günstige Aufnahme und Beurtheilung gefunden. Es freut uns, auch der vorliegenden 2. Lieferung unsere volle Anerkennung spenden zu können. Der gelehrte^Uebersetzer hat sich in den Midrasch so tüchtig eingelesen, dass es ihm zumeist mit bestem Erfolge gelingt, eine sprachlich genaue und gedanklich treue Uebersetzung zu liefern. Wir heben es an dieser Arbeit als einen beachtenswerthen Vorzug hervor, dass der Uebers. stets nur seinen Text reden lässt, dass er nur auf die nothwendigsten Erläuterungen in gedrängtester Kürze sich versteht, um den Eindruck des Originals so wenig als möglich zu verwischen. Es darf ferner nicht verschwiegen werden, dass Hr. W. mit Geschick die Commentare מתנת כהונה und ידי משה zu Rathe gezogen und benützt hat. Seine Vertrautheit mit dem midraschischen I Idiom, mit der hier massgebenden Terminologie und seine eingehende Kenntniss der!israelitischen Riten überraschen angenehm. Ausser De 1 i tz s c h dürften sich nicht viele christliche Theologen finden, die es wagen könnten, mit Aussicht auf Erfolg an eine solche Arbeit heranzutreten. Wenn wir nun einige Ausstellungen und Berichtigungen folgen lassen, so ist dies nicht nur eine unabweisbare Forderung der wissenschaftlichen Akribie, sondern wir kommen damit auch einem speciellen Wunsche des gelehrten Uebersetzers entgegen. Den Eindruck vieler Piecen hat Hr. W. dadurch beeinträchtigt, dass er die citirten Bibelstellen zumeist nicht übersetzt, sondern nur nach Kapitel- und Verszahl einfach anführt. Dadurch geht oft die vom Midrasch scharf nüancirte Pointe verloren; denn es ist bekannt, dass hier oft die Bibelstellen mit aller homiletischen Freiheit in einer vom Wortsinne abweichenden Weise gedeutet werden und es kommt darauf an, die vom Midrasch beabsichtigte Nüance genau zu präcisiren. Als klassisches Beispiel verweisen wir nur auf die Bemerkung des R. Naehman in Parascha VII (pg 56). Die Ansicht, dass Alles vom Himmel kommt und doch von der Erde entsteht, wird begründet mit Hiob 9,7 האמר לחרס ולא יללה• Hier wird חרם doppelt gedeutet. An unserer Stelle heisst ״ חרסSonnenball“‘ sonst heisst es ״Thon“, ״Erde“, ein Hinweis darauf, dass selbst die Sonnenkugel der Erde ihre Entstehen zu verdanken habe In der voliegenden Uebersetzung tritt mit dem dürftigen Citate von Hiob 9,7 das Wortspiel und die doppelte Deutung von חרם durchaus nicht zum Vorscheine. Derartige nicht durchsichtig erkennbare Deutungen von Bibelstellen halten oft das richtige Verständniss der betreffenden Midraschstelle auf. Wir lassen nun an der Hand der W.’schen Uebersetzung einige Bemerkungen folgen, die Ungenauigkeiten oder Unrichtigkeiten zu rectificiren bestimmt sind. Pg. 1: Wenn W. אמן in der Bedeutung מוצנע auf das ägypt. Amun und Amum zurückführt, so hat er wohl kaum die Tendenz des Midrasch getroffen. Man kann vielmehr die drei Bedeutungen ,מכוסה מוצנע ׳פדגוג von der hebr. rad. ״ אמץanvertrauen“ ableiten. Anvertrauen zur Erziehung פדגוג, anrertrauen zur Aufbewahrung מוצנע, anvertrauen (dem Körper das Gewand) zur Umhüllung אמון .מכוסה in der Bedeutung רבתא kennt übrigens nur das Targurn Nach. 3,8. — pg. 2: 'הכל מודים שלא נברא heisst: Alle stimmen darin überein, dass am ersten Tage die Engel nicht erschaffen wurden. W, übersetzt falsch: dass am ersten Tage ausser den Engeln Nichts erschaffen wurde, pg 13 wird die Parallelstelle richtig wiedergegeben und es fällt daher um so mehr auf, dass W. nicht selbst die Stelle berichtigt, pg. 3: Die dreifache Deutung von ראשית ist aus der Uebersetzung nicht zu ersehen, ib.: כמיס את מוראך heisst nicht ״die Ehrfurcht vor dem Lehrer verlieren“, sondern ,,die Ehrfurcht vor dir gering schätzen“. Hier ist מולא ״Furcht“ mit .T"l^״Lehrer“ verwechselt, pg. 4:רשות heisst ursprünglich nicht ״Macht“, sondern ״Erlaubniss“. pg. 5: R. Jirmijah spricht keine neue Ansicht aus, sondern erläutert nur, wie die צופים dazu gekommen, die Finalbuchstaben מנ״צפ״ך einzuführen und nicht, wie W. schreibt, ״die Buchstaben“ zu überliefern. pg. 6: עולה בידו ist ein agadiseher terminus technicus und heisst ״gelingen“, nicht aber, wie W. schreibt, ״dasselbe (set Gebäude) steigt auf in seiner Idee“, ib.: פריבטא gieb, Mussaphia wieder mit: private ״geheime Gemächer‘, pg. 7: בשעה שאין בשעה עזאי und heisst: zur stunde da ihr euch n i c h t mit ihr beschäftigt, ist sie euch ein leeres Wort, was W. übersehen hat. ib.: ההוריה heisst ״Entscheidung“, ״Belehrung“ und nicht ״was ist zu verstehen“. W. liest מה הוראתה. ib.: בכס לד. Nach W.’s