Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 23. (2.6.1880)
- Date
- 1880-06-02
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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Annahme liest der Midrasch כים statt בכסלך. Eine solche Willkür darf man aber dem Midi*, ohne zwingenden Grund nicht unterschieben. Er scheint vielmehr בכסלך aufgelöst zu haben in zwei Wörtchen: בכים לך, Sinn: wenn Gott in Eolge des Beutels (der milden Spenden) dir gut gesinnt ist, wird er dich hüten, pg. 8: שכלול heisst ״Vollendung“ und nicht ״Grundlegung, ib : כדעת אבא heisst ״nach Ansicht des Vaters“ und nicht ״nach Ansicht des R. Abba“, von dem hier gar nicht die Rede ist. Ib : תדרין heisst nicht ״Ochsen“, sondern ״Turteltauben“ im Gegensätze zu בני יונה ,junge Tau־ ben“. pg. 9: עריסה ist eine ״Wiege“ für ein Kind (בן מלך), nicht ״ein Bett“, pg. 10: מאין הרגל heisst nicht ״woher kommst du?“ sondern mit Supplirung des üblichen ״ לד בךwoher kommt deine Verhinderung, deine Zerstreutheit“, pg. 14: Mit den Worten יהי רקיע beginnt ein neuer Satz und eine neue Deutung, es ist also nicht dem Früheren anzureihen mit den Worten ״und erst als Gott sprach“ u. s. w. pg. 15: אלו נאמר bedeutet ״wenn es geheissen hätte‘‘ hypothetisch, und nicht ״wenn es heisst“, pg. 16: פלגיא הרקיע gehört nicht zusammen und heisst nicht ״die Hälfte der Veste“, sondern es geht hinauf und bezieht sich auf das hier agadisch mit פלגא pelagus identificirt wird. Mit הרקיע beginnt ein neuer Passus, ib.: כיפה heisst nicht ״Stein“, sondern ״Gewölbe“,״Wölbung“, ib.: מחמת heisst im Talmudischen und Rabbinischen ״wegen“ und nicht ״wegen der Hitze“, von der hier gar nicht die Rede ist. pg. 16: שתות heisst 1/6 und nicht ״etwas“, pg. 18: מנול heisst nach Aruch ״Mütze“ und nicht ״Pfeife“, was Midr. Echa zu bestätigen scheint, woselbst sich parallel ובסודרין findet, pg. 23: רשות heisst nicht ״fremdes Gebiet“, sondern ״Erlaubniss“. pg. 25: בא' בתקופת heisst nicht: ,.am ersten Monat des Tamuz“, sondern ״am ersten Tage der Tamussonnenwende, Sommer- Sonnenwende“, pg. 30: ״Das ist auch die Meinung des R. Eleasar“ ist gegen den Sinn des Midrasch, da nur von R. Eleasar die Rede ist. pg. 31: למי ך)ין שואליף לא לתורה? ist eine Doppelfrage und heisst•' wen fragten sie? etwa nicht die Thora? W. übersetzt falsch: ״aber die Thora fragten sie nicht“ pg. 32: צדק heisst hier nicht ״Gerechtigkeit“, sondern ״Mildthätigkeit“, wie צדקה, wie die Begründung daselbst erweist, pg. 33: כתוב heisst ״schreibe“ und nicht ״es werde geschrieben“, pg. 34 דומינו heisst nicht ״Hymne“, sondern ״domine“, pg. 35: רביעי אור לחמישי heisst nicht, wie W. will, ״der vierte Tag war ein Licht für den fünften“ u. s. w., was ja keinen vernünftigen Sinn giebt, sondern ״am 4. Tage, dem Vorabende des fünften“. Ein Blick auf den Commentar מ״ב z. St. hätte den liebersetzer des Richtigen belehrt, pg. 43: אמר ר' חנינה משכני ר' heisst nicht ״R. Chanina der Maskanite“! sondern ״R. Chanina erzählte: ״einst brachte mich R. Ismael“ u. s. w. ib.: יצלוץ דחולא heisst ״man müsse das Gebet für die Wochen tage verrichten“ pg. 46 : תבשילין של צונן heisst nicht ״Gekochtes und Kaltes“, sondern ״kalte Speisen“, die schon am Freitag gekocht waren, da am Sabbath das Kochen verboten ist. pg. 48: לנגדא אך heisst nicht ״du verweisest mich auf einen Fluss“, sondern, wie schon מ״ב z. St. richtig erklärt, ״du willst mich hinziehen, abspeisen mit Fernliegendem“, ib.: Die Erklärung von Erub (Mischung) ist nicht über alle Bedenken erhaben. Mit Hülfe des Erub darf man auch am Sabbath nicht thun, was nur an den Wochentagen erlaubt ist. (ערוב ist vielleicht im Sinne von ״Bürgschaft“ zu nehmen: Bürgschaft tür das Eigenthumsrecht eines zweiten, weitergelegenen Ortes, Bürgschaft und Zeugniss für die schon am Wochentage wegen des Sabbath bereitete Speise.) pg. 55. übersetzt W. das chald. ״ שאליתer fragte“ statt ״ich fragte“. Ib.: auch Kohut in seinem ערוך השלם s. v. אנריקוס liest wie w. אגדיקום ko״״;, indess kann man bei der Leseart ivtoxoc, אנדיקום stehen bleiben, wenn man nicht die Form a־jvo׳zo;, V erwalter, vorzieht, pg. 58 liest W. ״ להעבירzuzuführen“, statt להעביד ״dienstbar zu machen“, pg. 60: שחק heisst nicht ״malen“, sondern ״reiben“, ib.: דקין sind ״Därme“, nicht ״Mist“, ib.: כדי רביעה heisst nicht ״dass die Menge ein Viertel beträgt“, sondern ״dass er (der Regen) lagere auf der und eindrinsje in die Erde“, pg. 63 übersetzt W. wärtlieh den folgenden Nonsens: ״Ist es (das Kind) aber im neunten Monate gebildet und im 8. geboren, so bleibt es nicht am Leben.“ Wie ist das möglich, dass ein Kind, welches erst im 9. Monat gebildet wird, schon einen Monat früher, im 8., geboren wird? Es muss heissen: das Kind werde gebildet für den 7. oder 9. Monat. Das Embryo ist rechtzeitig da und es handelt sich um eine normale oder abnorme Geburt, pg. 65: Statt ״ במדיauf die Eigenschaften“ liest W. ״ במריauf den Herrn“, pg. 66: אופיתא ist viell. das griech. <^3׳.;, was hier sehr gut passen würde, pg, 68: מתמרות ועולות heisst nicht ״der Dattel bäum, der gross wird“, sondern ״die hoch aufstreben und wachsen wie der Dattelbaum“, ib.: המוצא heisst nach dem Midrasch ״der hervorgebracht hat“ und ״ מוציאder hervorbringen wird“, ib.: לפך ist nicht, wie W. will, der Dativ von פת, Brot, sondern ״ ילפתZukost“, pg. 73: כנגדו heisst nicht ״wie ein Stachel“, sondern ״ihm zuwider“, pg. 82: ״Die Schlange aber sprach nicht so, sondern: ihr sollt nicht davon essen und auch nicht anrühren.“ Diese Worte spricht bekanntlich die Frau und nicht die Schlange, pg. 86: Nach מ״ב ist hier ״ חברSchlangenbewörer“ und nicht ״Schriftgelehrter“, pg. 88 steht 72 Jahre irrthümlich für 7 Jahre, pg. 89 ist irrthümlich gesagt 7 Monate für 7 Jahre, ib.: Der Passus von der Schlange, die nach 7 Jahren gebärt, weil sie um das 7fache im Verhältniss zu den Hausthieren verflucht ist, ist falsch aufgefasst. Der Midrasch führt einfach folgende Gedanken aus: das Wild gebärt nach 50 Tagen, die Hausthiere erst nach 7 mal 50 350 Tagen =־־ etwa 12 Mondmonaten, die Schlange aber gebärt erst nach einem 7 mal späteren Zeiträume, also erst nach 7 mal 12 Monaten oder nach 7 Jahren, pg. 90: בנערן heisst ״man frage“ und ist kein Eigenname des Griechen Baon, wie W. fälschlich sagt. ib. heisst es unrichtig ״niemals gebiert ein Weib in 27J, 272, 273 Tagen“, vielmehr: ״immer gebiert“ u. s. w. Zu suppliren ist das Wörtchen אלא• pg. 91 sieht fälschlich: ״es dauert jedoch nicht länger als die Tage eines Mondjahres und nicht weniger als die Ta2e eines Sonnenjahres.“ Das Umgekehrte ist richtig, da das Sonnenjahr um 11 Tage länger ist als das Mondjahr. — Dass diese Ausstellungen zum grossen Theil nur unwesentliche Punkte berühren, wollen wir nicht verschweigen. Doch haben wir im Interesse einer möglichst fehlerfreien Uebersetzung dieses bedeutenden rabbinischen Werkes, das christlichen Forschern jetzt zum ersten Male zugänglich gemacht wird, die Mühe nicht gescheut, ausführlich auch auf kleine, nicht ganz sinngemässe Entstellungen hinzuweisen. Möge der gelehrte Uebersetzer seine Opfer und Mühe erheischende Aufgabe muthig fortsetzen und mit bestem Erfolge zu Ende führen. Die Vorzüglichkeit der Ausstattung ist bereits beim ersten Hefte hervorgehoben worden. Sohrau Q./S.Dr. Immanuel Deutsch. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barty, Verlag von Robert Friese in Leipzig«