Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 21. (19.5.180)
- Date
- 1880-05-19
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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?«•SS1»»?f'fBWWasssPSr-r; 9M*ÄS :iE — 82 — U•!•' H zuhalten bestrebt sein mussten, legten den angesessenen Gemeindemitgliedern durchaus kein Hinderniss in den Weg, auf dem sie ihre Bildung suchten. Misstrauisch und argwöhnisch waren sie nur gegen einwandernde Fremde, die, unter dem Schein, Talmudbeflissene zu sein und als solche Duldung und Unterstützung hatten, in dem Verdachte der Abtrünnigkeit standen. Von diesem Gesichtspunkte aus muss man auch das Contisciren deutscher Bücher betrachten, die die Einheimischen ohne Weiteres lesen konnten. Wenn man bedenkt, welches Unheil und Wehe die getauften Juden über die Gemeinde vom Anfänge bis zum vierten Jahrzehnt des achtzehnten Jahrhunderts gebracht haben und dass diese Proselyten häufig aus denen hervorgegangen waren, die zuerst den Schutz und die Wohlthaten der Gemeinde genossen hatten, so wird man sich die Strenge der Gemeinde- Aeltesten leicht erklären können. Kurz erinnert sei hier an die Verleumdungen, die der ״bekehrte Jude“ Christian Kahtz gegen seine früheren Glaubensgenossen 1702 dahin anbrachte, dass sie »gegen die heilige Christnacht gotteslästerliche Einfälle wegen des geborenen Heilandes״ hätten und am 22. December desselben Jahres ein landesherrliches Verbot gegen ״derlei Lästerungen“ erging. Die Folgen dieser nichtswürdigen Anschuldigungen riefen aber eine solche Erbitterung des gemeinen Volkes hervor, dass die Juden dem Könige klagten, sie seien weder in den Städten noch in den Dörfern ihres Lebens mehr sicher und deshalb um Schutz baten, den der König durch Publicandum vom 4. Januar 1703 zwar gewährte, aber die Untersuchung der wider die Juden angebrachten Beschuldigungen ״mit Zuziehung einiger Theologen“ gleichzeitig ankündigte. Erinnert sei ferner an die grosse Gefahr, die den Juden durch die Anzeige eines anderen bekehrten Juden (Franz Wenzel) drohte, der ein noch heut in allen Synagogen der Judenheit gebräuchliches Gebet als Christum lästernd denuncirte, worauf eine förmliche Inquisition mit allen im ganzen Staate wohnenden Juden vorgenommen wurde, bis es sich zeigte, dass die Beschuldigungen grundlos waren und der Hallenser Theologe und Orientalist Dr. Joh. Heinrich Michaelis die Juden der ihnen zur Last gelegten Beschuldigungen nicht schuldig erklärte und sie rettete. Nichtsdestoweniger erschien ein königliches Edict vom 28. August 1703, worin in grosser Breite und Ausführlichkeit Anordnungen über das Gebet getroffen und diese sogar 1716, 1717 und 1720 erneuert wurden. Erinnert sei an die Denunciation eines anderen getauften Juden (Margalita), der in dem Buche (Midr. Rabboth) ״Lästerungen wider Christum und seine Anhänger“ gefunden haben wollte, worauf die zum Bericht aufgeforderte theologische Facultät der Universität Frankfurt a. d. 0. erklärte, dass in dem Buche keine Blasphemien, auch keine Lästerungen Christi oder der Christliehen Religion enthalten seien, was zur Folge hatte, dass durch königl. Rescript vom 5. März 1707 das Buch wieder freistegebeu wurde. An ähnlichen Denunciationen fehlte es auch in der Folge nicht, und König bemerkt in seinen Annalen: ״Nicht selten führte ein Geistlicher die Feder, und der Proselyt gab nur den Namen her, indem die wenigsten Juden, die zum Christenthum übergingen, die Fähigkeiten besassen, einen Aufsatz zu machen. Der Profit ward vermuthlich getheilt.“ Konnte man es unter diesen Umständen den Gerneinde-Aeltesten verdenken, wenn sie die Fremden streng beaufsichtigen liessen und in jedem ihr Vertrauen Missbrauchenden einen angehenden Abtrünnigen sahen? Durfte man ihre Vorsicht tadeln, wenn sie junge unerfahrene Menschen vor den Bekehrungseifrigen wahren wollten, die, wie wir gesehen, ihren Eifer nur dazu verwandten, Denunciationen gegen Juden und Judenthum erfinden und verbreiten und so die öffentliche Meinung gegen Juden vergiften zu lassen, wie dies schon von Alters her getrieben wurde? Mussten sie nicht, da der König selbst die Bekehrung der Juden wünschte und sie, da sie bei ihrer Religion blieben, nur noch mehr drückte, Alles aufbieten, dem Hasse und der Verachtung nicht neue Nahrung zu bieten, besonders seitdem der Prediger Müller in Gotha 1727 durch eine in dem jüdischen Jargon abgefassten Schrift ״von der Versöhnung durch Christum“ das ßekehrungswesen systematisch betreiben liess und wandernde Missionare anstellte, die mit Unterstützung des Hallenser Professors Callenberg und des dortigen Arztes Dr. Fromman (eines getauften Juden) umherreisten. Letzterer setzte selbst mit hebräischen Lettern eine, von Müller unter dem Namen ״Licht am Abend“ verfasste Schrift, die — ohne Erfolg — unter die Juden gebracht wurde. Die Missionare wandten sich aber vielfach an fremde junge Leute und Dienstboten, bei denen sie Empfänglichkeit für ihre Glaubens- Verbreitung finden zu können meinten. So hatten die Verhältnisse die Gemeindeleiter in eine Zwangslage gebracht, von der jedoch nicht behauptet werden soll, dass sie nicht zu allerlei Missbräuchen und Irrungen geführt, die theilweise durch die Beschränktheit einzelner gerade die Geschäfte führenden Aeltesten (die Leitung der Geschäfte wechselte jeden Monat) theilweise durch die unteren Organe verschuldet wurden, welche sich dadurch beliebt zu machen suchten, sowohl bei ihren unmitelbaren Vorgesetzten, als bei dem Polizeidirectorium, bei dem der jüdische Polizeidiener sich täglich melden musste. Der Gemeinde lag nämlieh die Verpflichtung ob, einen eigenen Polizeidiener zu halten, der dann auch noch andere Unterbeamten- Functionen versah und als ״Klepper“ in den General- Juden-Reglements aufgeführt war. (Schluss folgt.) Die geographische Lage von Ziklag. Diese unter den Städten des Stammes Juda und Simeon aufgeführte Stadt hat hinsichtlich ihrer geographischen Bestimmung gleiches Schicksal mit dem ebenfalls unter den Städten Juda’s genannten יקתאל. (S. Jüd. Literaturbl. 1878 Nr. 39.) Von den Reisenden wurde es vergeblich aufgesucht; Ritter in seiner ״Erdkünde“, wo er nach noch jetzt gebräuchlichen Benennungen die Lage so mancher ausgegangenen Orte eruirt hat, hat für die Lage Ziklags keinen Anhaltpunkt gefunden. Wörterbücher und Bibelerklärer nehmen willkürlich an, es habe ursprünglich zu Juda oder Simeon gehört, sei von den Philistern erobert und später durch Geschenk von Achisch an David gelangt Demgemäss finden wir den Ort auf unseren Karten auf der Grenze zwischen Juda und Simeon ebenso willkürlich verzeichnet. Lesen wir jedoch die Erzählung 1. B. Sam. Cap 27, wie Ziklag an die Könige Juda’s gelangte, so gelangen wir, bezüglich seiner Lage, zu einem anderen Resultat. Nachdem David, fast nur durch Wunder, dreimal den Verfolgungen Sauls entgangen war, heisst es das. Vers 1: ״Und David sprach in seinem Herzen: Nun könnte ich doch verenden eines Tages unter der Hand Sauls; nichts besser für mich, als dass ich entschlüpfe in das Land der Philister; Saul wird es aufgeben, mich ferner aufzusuchen im ganzen Gebiete Israels und somit bin ich seiner Hand entschlüpft.“ — Diesen Vorsatz, fährt der Erzähler fort, führt David aus, geht mit seiner Familie und seiner aus 600 Mann bestehenden Truppe zu Achisch, dem Könige von Gath. Von hier aus unternimmt er Streif- und Plünderungszüge gegen verschiedene, auch mit den Philistern befreundete Völkerstämme. Aus Furcht, in der Residenz des Königs zu sehr der Beobachtung ausgesetzt zu sein, sprach er zu Achisch (das. Vers 5): möchte man mir