Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 20. (12.5.1880)
- Date
- 1880-05-12
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 79 — ר zarus“, »von dem berühmten Philosophen Professor Lazarus“ geredet wird etc., während Professor Grätz für ihn nur dazu da ist, ausgeplündert*) und begeifert zu werden? Und das thut derselbe Herr Sehr, der Grätz principal iter für den Treitschke’schen Judenhass verantwortlich macht? Hat H1-. Sehr, denn das Capitel, wo Herr Treitschke von der jüdischen L o b es versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit spricht, und damit ausdrücklich seine grossentheils ungerechten Vorwürfe gegen uns Juden zu stützen sucht, ganz überschlagen? Oder gilt dasAlles nur insofern sich eine unritterliche Waffe gegen den Feind daraus schmieden lässt? Sie sehen also, grosser Schrift steh ler, wohin eine derartige Versündigung gegen die gute Sitte, gegen historische Wahrheit und an dem geistigen Eigenthum Anderer führt, und deshalb fort mit allem Personen-Cultus, dem positiven wie dem negativen. Ich bin zu meinem lebhaften Bedauern weder ein Schüler Grätz’ noch Lazarus’, aber beide sind hochverdiente Männer, die sich weder durch »unschmackhafte Complimente“, und plumpes! Lob geehrt, noch durch gehässigen, einseitigen und unstichhaltigen Tadel gekränkt füll len können, mir gilt hier lediglich die Sache und darum thut es mir leid, wenn diese durch Ingredienzen, wie Sie sie stets allen Ihren Gedankenergüssen beizumischen lieben, auf unwürdige Weise in den Staub getreten wird. Der letzte Punkt, Herr Schreiber, den ich hier noch kurz berühren will, weil er gleichfalls hart gegen die Bestrebungen Lessing-Mendelssohn’s verstösst, ist Ihre Gleichgültigkeit gegen »die Pflege der lieben deutschen Muttersprache11. Man kann nämlich keine Ihrer Arbeiten in die Hand nehmen, ohne den ärgsten, mannigfachsten Sprachwidrigkeiten zu begegnen Es scheint hiernach, als ob Sie eines guten Jugend- Unterrichtes entbehrten, es ist das nicht immer eine Schande, im Gegentheil, oft um so ehrenvoller für den Schriftsteller, aber es darf ihn das nicht gleichgültig gegen Satzbau und Sprachrecht machen, zumal auch Herr Treitschke so leicht Capital gegen uns daraus schlagen könnte. In diesem Punkte kann wirklich das Copiren Grätz, Lazarus’ etc. von den heilsamsten Folgen für Sie sein, nur dürfen Sie es dann nicht gleich für Ihr Eigenthum halten und drucken lassen, vollends ehe es von kundiger Hand corrigirt ist. Zum Belag des Gesagten hier eine kleine Krautlese, die sich unschwer vermehren lässt. So heisst es gleich auf der ersten Seite »die Juden als Träger . . . her- (statt hinjstellen. ‘ S. 32 ״bis herauf zum Königsthron“; ,,wobei er durch Israel Samoscz, Kisch und dem Arzte Dr. Gompertz unterstützt wurde.“ S. 13. — Ferner S. 10: ״Im Heere wurden sie . . . nicht aufgenommen“. (Der Geplünderte, Geiger, hat natürlieh richtig: ״In seine Heere“ u. s. w.) u. a. m. Ich hätte diesen Punkt hier nicht so speciell berührt, wenn es mir nicht darum zu tliun wäre, Sie *) Zur Begründung und Beleuchtung dieses Punktes kann ich es mir nicht versagen, eine ans dem vielbeschimpften Grätz genaschte Stelle mit den Schreiberschen Varianten hierherzustellen : Grätz schreibt Bd. 11 S. 3: Schreiber S. 11: (Mos. M.), »Mos. Mendelss. geb. u. s. w. war geb u. s. w. ״war er ebenso unehenso unscheinbar und elend, wie scheinbar als elend, wie fast alle fast alle ärmlichen jüdischen Kinärmlichen jüdischenKinder, welche der. Die Knechtsgestalt trugen in der Wiege schon die Knechtsdamals meistens schon die jiid. gestalt an sich trugen, für die es Neugeborenen in der Wiege. Für keine heiteren Spiele, keine frohgeweckte Knaben gab es keine liehe Jugend gab, die im zartesten Jugend; denn sie wurden früh Knabenalter schon vom eisigen genug von dem eisigen Hauch des Hauche des rauhen Lebens rauhen Lebens durchfröstelt und durchfröstelt und geschüttelt, aber geschüttelt, aber eben dadurch eben deshalb früher reif, zeitlich wurden sie zeitlich z1׳m Denken zum Denken geweckt und zum geweckt und zum Kampfe mit Kampfe mit der rauhen Wirkder lieblosen Wirklichkeit ge• lichkeit gestählt wurden.“ stählt.“ davon zu überzeugen, dass es Ihnen im Vorstadium geistiger Durchbildung nicht wohl ansteht, von Koryphäen der Wissenschaft in einem Tone zu reden, als wären sie Ihresgleichen Magdeburg. Max Weinberg. Delitzsch, Franz. Pentateuch-kritische Studien: 1) Die Aussatztheorie des Leviticus. 2) Die Stifrshütte. Luthardt’s Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und kirchliches Leben bringt in den ersten zwei Monatsheften die obengenannten Aufsätze, welche aus der Feder von Delitzsch fliessen. Es ist uns freilich schwer geworden, sowohl was die Gesinnung als auch die Begründung der Thesen betrifft, an die Autorschaft des berühmten Bibelkenners und Exegeten zu glauben. Besonders die Lectüre des ersten der hier angezeigten Aufsätze frappirte unsdermassen, dass wir glaubten, es hier mit einem Krypto-Antisemiten zu thnn zu haben, und im Gefühle der Enttäuschung mussten wir unwillkürlich rufen: ״Also auch du, Brutus!“ Man denke nur, welchen antediluvianischen Standpunkt D. einnimmt, um die Aussatz-Theorie des Leviticus als vorexilisch zu reclamiren! — den längst überwundenen und von Männern der wissenschaftlichen Kritik nie ernstlich genommenen, welchen Schiller, der Laie und Dilettant, vor 90 Jahren (1790) in seinem schwachen Aufsatze ״Die Sendung Moses’“ urgirt Mit diesem einzigen Dictum ist D.’s Aufsatz schon gerichtet Und wie leicht sich der Verf. die Sache macht! Sogar die Citate von den verlogenen Fabeln des Manetho bis zu den Angaben des Chäremon, Lysimachus, Tacitus, Diodor und Justin werden frisch darauf los dem Gewährsmann Schiller oder richtiger dem Fl. Josephus c Apion nachgeschrieben, ohne des Josephus Widerlegung auch nur mit einem Worte zu würdigen. Israel, mit dem Aussatz behaftet, wird bei Nacht und Nebel ausgetrieben! Die zu Tode gehetzte Theorie von elohistischen und jehovistischen Urkunden, die in einander fliessen oder Widersprechendes berichten, muss auch hier flott herhalten. Die inneren Kriterieu für elohistische und jehovistische Stücke werden uns wohlweislich verschwiegen. Die Herren Theologen und Professoren sind darüber selber noch nicht ins Reine gekommen — jam intra judices lis est. Der sonst so gründliche Exeget geht über die seiner Theorie entgegenstehenden Angaben der Schrift, als da sind die sogen. 10 Plagen wegen verweigerter Freilassung, die Hast, mit der man den Aussätzigen, die man kaum verjagt, wieder nachsetzt, mit einer Nonchalance hinweg, die man diesem grundgelehrten deutsehen Professor gar nicht Zutrauen sollte. Hr. D. hält es nicht einmal für nöthig, auf die raffinirte Schlauheit und geschickt maskirte Tendenz des elohisiischen Redactors hinzuweisen, der die Sache ganz anders wie Manetho darstellt und der die Juden nach dem Durchzuge durch das rothe Meer sogar einen Hymnus anstimmen lässt, au dem die naiven, stockgläuhigen, unkritischen Juden sich heute noch erbauen, wähnend, einen der ältesten Fi eiheitsgesänge vor sich zu haben. Credat Judaeus Apella! E9 ist sehr schön vom Papyrus Ebers, dass man aus ihm die Worte asit und sehen, vermuthlich שאת und שחין, entziffern kann. Schade nur, dass sich nicht auch für das ominöse צרעת ein Analogon in den Hieroglyphen findet. Ganz ähnlich geartet ist die Studie über die ״Stiftsliütte“. Auch hier müssen wir das verurtheilende Wort sprechen: die kritischen Bemerkungen des Verf.’s sind — kritisch. Die Stiftshütte, von welcher Graf und der grosse Heerbann seiner Gesinnungsgenossen annimmt, sie sei ein pures Phantasiegebilde, aus dem Salomonisehen Tempel durch künstliche Reflexionen construirt und auf die Vergangenheit bezogen, wie der ezechielische Tempel auf die Zukunft, soll als historisch begründet