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Das jüdische Literaturblatt · 1880-05-05 · No. 19. (5.5.1880) · p. Seite 74

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 19. (5.5.1880)
Date
1880-05-05
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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Leben durch Gift.welehes er immer Leben durch Gift, welcheserimmer bei sich gelührt liabeu soll, zu bei sich trug, zu enden. — Das enden ... (S. 10) Das Dogma Dogma hatte jede(?) bindendeKraft hatte die bindende Kraft eingeeingebüsst, während andererseits büsst.Die Humanitätsdie Humanitätsidee, damals noch idee war noch nicht zu einem ein junger, schwanker Sprössling, starken Lebensbaum emporgeder von jedem Windstosse geknickt wachsen, wurzelte noch nicht einwerden konnte, noch nicht fest mal fest und tief im Boden, war und tief genug im Boden wurzelte, vielmehr ein junger, schwanker um ein kräftiger Lebensbaum de- Sprössling, der von jedem heftinen sein zu können. (Das Weitere gen Windstosse geknickt werden ebenfalls aus Dessauer; aber konnte. das Gewissen erwachte und Dr. S. 11 ist fast ganz und wärt- Schreiber macht unwillkürlich lieh bei Schreiber S. 33 wieder- Anführungsstriche, um aber 7 Reizufmden, sogar bis auf die Bilder: hen weiter wieder gewissenlos ״wie ein milder Regenstrom nach plündern zu können), langer Dürre, wie erquickender Thau nach langem Sonnenbrand.“ Auch sonst sind gerade die prägnan taten Redefiguren geplündert, wie ,׳as Hohelied der Menschenliebe' u. a. S. '■ ־: Die Morgenstunden wa- S. 41: Das letzte goldene Blatt ren da׳! letzte goldene Blatt zu zu Mendelssohns unvergänglichen seinem 1 nvergänglichen Ruhmes- Ruhmeskranze waren seine Morkränze v s. w. genstunden u. s. w. S. 7: Van nannte ihn den ״Deut- S. 31: .... ihm den -Namen sehen Plato“, den ״Sokrates des ״Deutscher Plato“, ״Sokrates des 18. Jh.'s“. ״Mendelssohns Pliädon 18. Jahrhdt\s einbrachte. ״Menbegeistert mich“, schreibt Platen delssohnsPhädon begeistert mich“, in sein Tagebuch, ״mit welcher schreibt Platen in seinem Taeesteigenden Eloquenz wird man da buche, ״mit welcher Eloquenz wird von Beweis zu Beweis getragen.“ man da von Beweis zu Beweis ge- Winkelmann hielt es für das beste tragen.“ Winkelmann hielt es für Buch, das er je gele. en. das beste Buch, das er je gelesen. S. 10: .... zur rechten Zeit S. 32: . . . . dass sie ein Wort das rechte Wort gefunden zu zur rechten Zeit sein haben. Der neue Skepticismus werde Denn—der neue Skephatte die weitesten Schichten der ticismus hatte die weitesten Schichmenschlichen Gesellschaft erobert ten der menschlichen Gesellschaft — auch den Königsthron.bis herauf (?) zum Königsthron Der Pietismus Sp e ners u. Fr aninficirt, den der Pietismus eines ke’s etc. Franke und Sp euer nicht bannen konnte. S. 17: Er hat die Rechte von S. 39: . . . . hat er kühn und Staat undKirche genau untersucht, frei müth ig die Trennung des die Notlnvendigkeit einer Schei- Staates von der Kirche als unbedüng derselben frei müt hi g ausdingt nothwendig hingestellt, den gesprochen, den Satz, den schon schon von Spinoza verfochtenen Spinoza verfochten , . ״Nur Satz: ״NurThaten solltengeahndet Thaten sollten geahndet werden, werden, Worte, Gesinnungen, Worte, Gesinnungen, Grundsätze Grundsätze aber unstrafbar sein“, aber unstrafbar sein“,scharf betont, scharf betont. (Nun wir haben es hier ja mit einer That des Hrn. Sehr, zu thun!) Wir müssen es uns versagen, gerade die grösseren Stücke aus Dessauer und Bodek, (besonders S 150—168 des Less.-Mendelss-Gedenkbuchs) liier wiederzugeben; dazu fehlt uns wirklich der Raum, auch überkommt uns ein Ekel, Hrn. Schreiber in all’ die Schlupfwinkel zu folgen, allwo er seinen liter. Raub ablagert. Er nennt, ausser einmal Geiger und Stern, nur noch Lazarus*) und Emil Lehmann**) zwei mal, obwohl er deren Arbeiten viel öfter ausschreibt; er sucht das durch widerwärtige Schmeicheleien gut zu machen. Prof. Gr ätz erweist der edle Ab-Schreib er die besondere Ehre, zum Dank für die Reihen, die er S. 11 aus dessen Geschichte (Band XI. Seite 3 u. 4) fast wörtlich abschreibt, in der Vorrede auf *) Wie leichtfertig der Plagiator verfährt, sei an einem Beispiele gezeigt. S. 19 heisst es: ״Blosse Strenge und Einheit des abstracten Gedankensystems“ sagt von ihm der berühmte Philosoph Professor Lazarus, ״besassen auch vor ihm gar viele mehr, als er selbst; sie war das Eigenthum auch der ärmsten Erben eines Kant oder Hegel u. s. w.“ Wir stutzten, als wir das lasen. Kann das der berühmte Professor der Philosophie gesagt haben? Wir schlagen dasCitat nach, da steht natürlich richtig ״»Hell ihm“ **) Die Brochüre ist Hrn. Emil Lehmann, (״Es thut mir lang’ schon weh, dass ich Dich in der Gesellschaft seh’!“) dem ״wackeren Rechtsanwalt seiner Glaubensgenossen in Lessing-Mendelssohn’schem Geiste etc.“ gewidmet. — Ja aberder wahr hei t sliebende ״Lessing-Mendelssohn’sclie Geist“ muss sich mit tiefster Indignation von solcher ״Schreiberei“ ab wenden! j ihn weidlich zu schimpfen. Und warum? WeilGrätz in seiner Geschichte der Juden von einer jüdischen Nation spricht. Aber hat nicht Mendelssohn selbst unzählige mal diesen Ausdruck gebraucht? Hätte der Abschreiber in seiner Schrift S. 38 seine Plünderung aus Dessauers Schrift S. 14 nur 4 Worte weiter noch fortgesetzt, er hätte das Wort ״meine Nation“ aus Mendelssohn’s Munde selbst gehört, oder hat er vielleicht gar gerade deshalb hier zu plündern aufgehört, weil er sonst auf Gr ätz nicht hätte schimpfen können, ohne auch Mendelssohn mitzutreffen? Mit scheinbarer Bescheidenheit schliesst der Verfasser seine Vorrede: ״Zum Schluss bemerken wir, dass wir uns durchaus nicht einbilden, etwas ganz Neues zu sagen, was mit Bezug auf M. heute wohl kaum mehr möglich sein dürfte.'•‘ Und weil dies nicht möglich und man doch über Mendelssohn reden will, schreibt man ungenirt das vor einem halben Jahre Gedruckte einfach ab und giebtdies als selbsteigene Schrift heraus. Der Verf. muss geglaubt haben, dass er nach dem bekannten Sprichwort: von den ״grossen Dieben“, weil er im grossen Style fremdes Eigenthum annectirte, der Kritik entkommen werde; aber sie hat ihn doch gefasst und zur Warnung an den Pranger gestellt. Und da der an den Pranger gestellte ehedem auf der Brust eine Tafel tragen musste, auf der sein Verbrechen aufgeschrieben stand, so würden wir für einen Plagiator den auch auf geistigen Communismus vortrefflich anzuwendenden Spruch der Väter als sehr geeignet vorschlagen: האומר שלי שלך ושלך שלי עם הארץ׳ האומר שלך שלי ושלי שלי רשע! Das Erziehungs- und Unterriehtswesen bei den deutschen und französischen Juden während des Mittelalters. (Schluss) Aber so sehr auch das Wissen geschätzt wurde, so kam es doch nur dann zur Geltung und Anerkennnung, wenn es mit einem religiösen und sittlichen Leben und Handeln gepaart war. In diesem Punkte half das Beispiel der Rabbiner, ihr Familienleben, die Uneigennützigkeit, welche sie im Verkehr mit der Welt und in Ertheilung des Unterrichts bewiesen, ihre Enthaltsamkeit und Massigkeit, ihren Lehrvorträgen nach, und ein tiefer, immer auf die Befhätigung der erworbenen Enkenntnisse gerichteter Ernst durchdrang und begeisterte Beide, Lehrer wie Scholaren. Derselbe tritt jetzt noch dem Leser aus dem vorhandenen Schriftthum entgegen und er kann nicht besser illustrirt werden, als wenn man die sittlichen Zustände innerhalb der Christliehen Geistlichkeit dieser Periode daneben hält. ״An hohen Festtagen, welche nur zum Lobe Gottes sollten angewendet werden, zogen die Bischöfe Taschenspieler, Sänger und Tänzer an ihren Tisch, feierten mit ihnen Tag und Nacht und belohnten sie nachher durch grosse Geschenke, welche sie von den Beneficien und den Oblationen der Armen nahmen u ‘) — Diesem verwahrlosten Zustande der Geistlichkeit entsprach auch das Leben an den Hochschulen, besonders an der zu Paris. Hier wissen die Berichte nur von Faustkämpfen der verschiedenen ״Nationen“, Raufereien der Studenten mit den Bürgern oder der Scharwache, Saufgelagen in Weinschänken und Frauenhäusern, woran die Scholaren wie die Lehrer und selbst die Kleriker theilnahmen, zu erzählen. — Dagegen boten die jüdischen Hochschulen das Bild emsigsten Fleisses, der sich kaum Nachtruhe gönnte, einer Enthaltsamkeit, die allen Freuden des ‘) Neander, der heil. Bernhard und sein Zeitalter S. 129 (Worte Abälard’s).

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