Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 19. (5.5.1880)
- Date
- 1880-05-05
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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:1 XTo. 19. Das tlalirg• IX, Jüdische Literaturblatt Zur Beleuchtung aller Juden* thum und Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, £5. Mai 1H80. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zugesandt werden, Anden in diesemBlatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendung von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. Das ״•Viidigelie Iiiteraturblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (ia Leipzi g bei Robert Friese) pro Jahrgang :8Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr. L. I>a.nt>e & Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wiss enscliaftlicheAufsätze: Ein literarischer Diebstahl mit erschwerenden Momenten. — Das Erziehungsu. Unterrichtswesen bei den deutschen und französ. Juden während des Mittelalters. Literaturbericht: Recensionen: Molchow, Dr. Jesus, ein Reformator des Judenthums. — Schreiber, Dr. E. Moses Mendelssohn’s Verdienste um die deutsche Nation. — Wolf, Cr. Die alten Statuten der jüd. Gemeinden in Mähren. Literarische Anzeige. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Ein literarischer Diebstahl mit erschwerenden Momenten. ״Es giebfc einen Diebstahl, den das bürgerliche Gesetz nur in sehr seltenen Fällen bestrafen kann, weil er sich so leicht verhüllen und verbergen, ja durch allerhand Kunstgriffe auch bemänteln lässt, so dass die jnristische Beweisführung gegen ihn immer sehr erschwert, ja zumeist ganz unmöglich gemacht wird. Aber je seltener das bürgerliche Gesetz ihn bestrafen kann, um so nachdrücklichere Strafe sollte ihm vor dem Richter- Stuhle der Moral zu Theil werden. Wir reden von dem gelehrten Diebstahl, von der Entwendung geistigen Eigenthums, Plagiat genannt, wenn Jemand die Gedanken eines Anderen ausschreibt und sie für die seinigen ausgiebt.“ — An diese Sätze wurden wir lebhaft erinnert, als wir das uns übersandte Recensionsexemplar des unten verzeichneten Schriftchensdurchblätterten. Soweit also ist es in unserer jüd. Literatur gekommen — mussten wir uns sagen —, dass man nicht nur ein Büchlein, von welchem neun Zehntel des Inhalts anderen Autoren angehört, unter eigenem Namen drucken lässt, sondern dass man die Schamlosigkeit so weit treibt, diejenigen Autoren im Vorwort zu beschimpfen, deren Werke man obendrein in so unerhörter Weise ausschreibt und das ganze Machwerk sodann der Redaedon desjenigen Blattes, das man u. A. auch geplündert hat, gleichsam als Quittungsbelag über verübten Raub, zu übersenden. Die Leser d. Bl. werden sich erinnern, dass wir Ende August vor. J. in den NNrn. 34, 35 und 36 mehrere Artikel über ,,Mendelssohn’s philosophische und reformatorische Bedeutung“ von Dr. M. Dessauer in Cöthen brachten, die der Verf. sodann unter Hinzufügung eines neuen Capitels: ״Biographischer Umriss und Gedankensplitter M.’s“ als Erinnerungsschrift zu M. Mendelssohns löOjährigem Geburtstage unter dem Titel: ״Der deutsche Plato“ herausgab. Diese Artikel sind es nun zunächst, die Hr. Schreiber mit ganz besonderer Vorliebe ausschreibt, meist wörtlich, oft auch unter Niederreissung des Periodenbaues, Verrenkung *) Moses Mendelssohn’s Verdienste um die deutsche Nation. Von Dr. E. Schreiber in Bonn. Zürich, Verlagsmagazin. 1880. einzelner Glieder desselben und Verballhornung diverser Redetheile — ganz in freibeuterischer Weise. Neben Dessauer ist der Meistge^plünderte Hr. Dr. A. Bodek (״Moses Mendelssohn als deutscher Nationalschriftsteiler“*), Dr. Stern (״Geschichte des Judenthums von Mendelssohn“ u. s. w.) und — Prof. Dr. Grätz! Dieses Schreiber’sche Opus operatum, das im Ganzen 40 Seiten Text enthält, stellt sich zusammen aus c. 20 Piecen Dessauer, 10—12 Entwendungen aus Bodek, 6—8 Excerpten aus Stern und Grätz und diversen Citaten aus Emil Lehmann, Geiger und Lazarus! Hierzu kommen die vielen Stellen aus Mendelssohn’s Schriften selbst, so dass ausser demTitel, der Widmung, dem Vor wort und wenigen einleitenden Sätzen'**) die schriftstellerische Thätigkeit des Hrn. Schreiber sich nur darauf beschränkt, die aus verschiedenen Büchern ohne Quellenangabe abgeschriebenen Stücke so aneinander zu reihen, dass man das unsaubere Mannöver möglichst nicht merke. Damit der Leser sich ein Bild von solchem literarischen Piratenthum mache, wollen wir hier als ganz kleines Pröbchen nur einige Parallelstellen aus Dessauer und Schreiber gegenüberstellen: Dessauer S. 23: Wie Lessing Schreiber S. 14: Wie Lessing gleich in der ersten Zeit ihrer Begleich in der ersten Zeit seiner kanntscliaft über Mendelssohn Bekanntschaft mit M. über diesen dachte, ersehen wir aus einem dachte, geht .... aus seinem Schreiben des erstem an Prof. Schreiben an Professor Michaelis Michaelis .... hervor .... S. 23: Ohne Wissen M.’s gab er S. 17 : . . . . ohne Wissen M.’s dessen Erstlingsschriften, die drucken liess. Es waren die Philosophischen Gesprä- Philos. Gespräche und die che und die Briefe über die Briefe über die Empfin- Empfindungen heraus. Die düngen. Erstere lehnen sich an Philos. Gespräche lehnen sich an die von ihm vielbewunderten die von ihm vielbewunderten Meister L ei b nitz und S p i n 0 z a MeisterLei b n itz undSpinoza au. Ueber den Spinocismus sagt an. Schön, aber nicht ganz rieher, freilich nur von seinem Stand• tig ist sein Urtheil über den Spinopunkte aus richtig : Bevor der zismus: Bevor der Uebergang etc. Uebergang etc. S. 25: In seiner Erstlingsarbei- S. 22: Schon in seiner Erstlingsten schon bekundet er seine echt arbeit, den Phil. Gesprächen, deutsche Gesinnung dem franzö tritt er für deutsche Art . . . gesischen Modegeschmack gegengenüber dem . . . französischen, über u. s. w. (Die folgenden Auszüge sind Bodek S. 148 entlehnt.) S. 13: Gleich Luther glaubte er S. 38: Gleich Luther glaubteer die Befreiung seiner Glaubensgeer die Aufklärung seiner Glaunossen von Innen heraus mit dem bensgenossen von Innen heraus mit ABC der Bibel beginnen zu dem ABC der Bibel beginnen müssen u. s. w. zu müssen u. s. w. S. 11: In düstern Stunden hat S. 33 : Hat doch selbst der grosse auch Friedrich der Grosse Friedrich in düsteren Stunden im Sinne gehabt, bei unglückliim Sinne gehabt, bei unglückliehern Ausgange seiner Kriege sein ehern Ausgange seiner Kriege sein *) Moses-Mendelssohn-Gedenkbuch 139—173. **) Auf das gänzlich Verkehrte und Jämmerliche dieser winzigen, selbsteigenen Schreiber’schen Zuthat kommt die im Literaturberichte dieser Nr, folgende ״Recension“ zurück.