Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 18. (28.4.1880)
- Date
- 1880-04-28
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 71 Herr I>1*. Ilerzfeld gründlich auseinandersetzte, z. B.: זקן wird זלן?תי (I. M 27, 1 u. 2) und גדל (Jes. 49, 21) wird גדלתו (Jona 4, 10) u. d״l. in. 3. Dagegen hat H. übe1*sehen, dass bei der Pausa in der z ח r ü c k f ii h r e n d e n Wirkungsform (Hitphael) die geschlossene Silbe Kamez —nichtPathach — hat, weshalb der Wortton ultima stehen bleibt, z. R. תתחפד und תתמם etc. (II. Sam. 22, 26 u. Ps. 28, 26) — vgl. dag. גנבתם (I. B. M. 31,32). — Die Ursache hiervon ist wohl keine andere, als: weil in der chalduischen Schwestersprache die Redeform mit Pathach geradezu passiv ist: nämlich Hithpeäl für d. hebr Niphal und Hippael, und ITitpaäl — wie z. B יתבלןר (Esra 5,17) ״es soll untersucht werden“ für d. hebr. Pual (vgl. 11z. יבל!ש Est, 2, 23) etc. Deshalb heisst es im ehald. Kaddisch Gebet יתגדל etc. ״es werde hoch gepriesen“, und nicht ״ יתגללer möge sich preisen“. Literaturbericht. Recensione». Moses Mendelssohn. Eine Gedenkschrift zu dessen 150sten Gedenkfeier von Dr. Benjamin Szold, Rabbiner der Oheb-Schalom Gemeinde in Baltimore. Baltimore, Verlag von Wm. Mühsam. 1879. Was man auch sagen mag, es giebt kein dankbareres Volk, als die Juden. Wer ihnen einmal Liebes und Gutes erwiesen, der wurzelt fest in ihrem Herzen und sie vergessen es ihm nimmer. Man frage nur einmal das frühere Gesinde des oft schlichtesten ungebildetsten Dorfjuden, das ihm einstens in Treue gedient, und sie werden es feuchten Auges bestätigen. Wo aber gäbe es Namen in der Geschichte, an der sich angenehme oder freudige Erinnerungen knüpften — und wenn sein Träger noch so wenig die schwere Decke ihres Druckes geliifi et, und selbst wennseine Bemühungen gar nicht durch Erfolg gekrönt wurden, sofern er ihnen nur wohl wollte — an dem sie nicht mit rührendster Pietät und Verehrung und mit unerschütterlichster Dankbarkeit hingen? Ich verweise hier nur aul die so vielfach missdeutete und ihnen zum Vorwurf gemachte Sympathie für den grossen Corsen, auf Reuchlin, Lessing, Joseph II., Hardenberg und viele. Andere. Sein grösster Wohlthäter aus dem eigenen Blute war seit vielen Jahrhunderten zweifelsohne Moses Mendelssohn. Mit welcher Liebe aber wird nicht seiner gedacht, soweit die zerstreute Judenheit lebt, wie lebendig hat sich nicht sein Andenken bei ihnen erhalten, jetzt noch, nach fast einem Jahrhundert seit seinem Tode? Auch das dieser Besprechung zu Grunde liegende Schriftchen ist dessen Zeuge. Es behandelt einen Vortrag, den der Herr Verfasser im fernen Westen gehalten und welcher die Veröffentlichung durch den Druck in der That rechtfertigt. Das von ihm entworfene bild Mendelssohns ist so naturgetreu und lebenswarm, so anziehend und anmuthig, dass es eines tiefen Eindrucks auf Hörer und Leser nicht verfehlen kann und sicherlich sein Scherflein dazu beiträgt, die Liebe und Verehrung für diesen unsern edelsten Denker der Neuzeit in immer weitere Kreise zu tragen und zu befestigen. Dabei zeigt die vielseitige und gründliche Beleuchtung des Thema’s, die interessante und gefällige Form der Färbung des Ganzen, dass Herr Dr. Sz. seine Aufgabe nicht leicht genommen und sich auf das Eingellendste mit Mendelssohns Werken und Wirken beschäftigt hat. Einige abgerissene Gedanken des Büchleins selbst werden dies vollauf bestätigen: ״Mendelssohn’s Bedeutung für die deutsche Literatur und für die deutsche Volk — heisst es S. 20 — besteht darin, dass er seine reiche Gedankenwelt, die sich durch sein eifriges Studium der besten philosophischen Schriftsteller der Franzosen, Engländer und Deutschen (nicht auch seines eigenen Volkes: Maimonides, Spinoza?!) in ihm aufbaute, in einer Form zur Darstellung brachte, die dem Volke direct zu Herzen ging, die aber auch von einem Zauber ist, der seine Schriften die unverwelkliche Frische bewahrte, so dass sie noch jetzt eine höchst anziehende Lectüre bilden.“ ״Die Philosophie sollte nicht wie früher die Schule zu ihrem ausschliesslichen Bezirke haben, sondern das Leben. Sie sollte Bildnerin des gesammten Volkes werden. Dazu gehört, dass die Philosophie Lebensfragen behandelt und ihren Gehalt in eine Sprache kleidet, die sich durch Natürlichkeit und Verständlichkeit dem Gemüthe des Volkes einschmeicbelt. Wenn darum die Stellung Mendelssohn’s in der Geschichte der Philosophie, die er mit keinem neuen System bereicherte, keine so hervorragende ist, so ist sie es desto mehr in der Geschichte der das ganze Volk umfassenden Cultur“ (S. 16). ״Durch M. — heisst es in weiterer Ausführung S. 22 — wurde die Philosophie zum lebendigen Factor der Volksaufklärung erhoben. Allerdings wurde er in diesem Streben von einigen seiner berühmten Zeitgenossen auf’s Wackerste unterstützt, doch der Deutscheste von Allen war ausser Lessing unser Moses Mendelssohn. ״Mein lieber M.u, schrieb nach Lessings Tode II er der an ihn, ״sparen Sie sich unserer Erde. Da Lessing hin ist, hat Deutschland Sie vor so vielen Andern nöiliig.“ Ebenso schön wie wahr sagt Herr Sz. von der Sprache M.’s: ״Es lag ein besonderer Zauber in dem schönen Sprachgewande, in das Mendelssohn’s poetisch gestimmte Seele die Philosophie kleidete. War er auch kein Dichter, der seine innere Welt in poetischen Formen und Gestalten ausbreitete, so lag doch in ihm, wie in dem griechischen Philosophen Plato, jenes unergriindliehe Etwas, das dem Dichter allein die poetische Weihe und Berufung giebt, und das als ein unlösbares Geheimniss tief in den dunkelsten Gründen der Seele ruht. In seinem Innern schlummerte und tönte schon die himmlische Musik seines Enkels. Aus diesem dunkeln Etwas sprosste der Lebensbaum seiner Philosophie hervor, der lieblich zum Anschauen und dessen Früchte gut zum Genuss für Jeden, dem cs Bedürfnis ist, die Seele mit geistiger Kraft zu nähren“ (S. 17). Ebenso scharf formulirt ist das, was Herr Sz über den zweiten Theil seines Thema’s (Redner unterscheidet zwischen der Bedeutung Mendelssohns für das deutsche und seiner speciellen Bedeutung für das jüdische Volk) sagt, allein das Gegebene dürfte zur Genüge dargethan haben, das wir es mit einem recht anregenden Büchlein und—einem denkenden Redner zu thun haben. Magdeburg. Max Weinberg. Dem vor der deutschen Gesellschaft in Philadelphia gehaltenen Vortrage ist in dem vorliegenden Büchlein noch ein ״gottesdienstlich er V ortrag“ desselben Autors beigegeben, den er am 6. September in der Synagoge seiner Gemeinde in Baltimore gehalten. Ein | Hauptvorzug dieser Predigt ist ihre gedrungene Kürze; in ihr wird Mendelssohn als Licht Israels, als feste Säule und als gewaltiger Hammer, der die Scheidewände, die das Vorurtheil hie und da zwischen Israel und den Völkern ei'richtet, zertrümmerte, gezeichnet. In einer Anmerkung zum zweiten Theile (S. 48 des Büchleins) weiss Hr. Sz. die bekanntlich etwas schwache Mendelssohn’sche Theorie von dem gesetzlichen Theil der Thora durch den Hinweis auf die geschieht- 1 i c h e Aufgabe Israels recht gut zu stützen. Es fehlt , \