Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 18. (28.4.1880)
- Date
- 1880-04-28
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
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— 70 Hessen aber den Text selbst unverändert, voreilige aber und minder genaue machten sich nichts daraus, den ihnen verdächtigen Text ohne Weiteres zu löschen, und wie leichtsinnig man mitunter hierin verfuhr, geht daraus hervor, dass Einer sich unterfing, 22 Wörter mit einem Male zu streichen, was denn freilich von berufener Seite nicht ungerügt blieb.1) Ein Hauptaugenmerk hatte der Lehrer auf die Bildung eines geraden Urtheils zu richten, ein schiefes hiess ״Urtheil des Bauches14־ (nicht des Kopfes).2) Scharfsinn und Dialektik sollten geübt werden, doch nicht in Spitzfindigkeiten und Rabulistik ausarten,3) War der Schüler bis zur selbstständigen Erfassung der talmudischen Discussion und zur Auffindung des leitenden Gedankens vorgedrungen, dann wurde er angehalten, dasjenige, was über einen bestimmten Gegen־ stand an verschiedenen Stellen des Talmuds festgesiellt war, übersichtlich zusammenzustellen. In solchen kurzen, compendiarischen Uebersichten über ein talmudisches Thema, welche wohl den ersten Grund zu schriftstelle־ rischer Conception legten, besass der gereifte Schüler die Quintessenz weitläufiger Studien und den Kerngehalt der gehörten Vorlesungen.4) In diesem Stadium geistiger und körperlicher Reife versäumte man nicht, als ״fahrender Schüler“ von Akademie zu Akademie zu wandern, wie solche in grosser Zahl in Nordfrankreich blüheten und aus aller Herren Länder Zuhörer an sich zogen. Diesen fahrenden Schülern zu Liebe war an den Akademien die Bestimmung getroffen, dass der Beginn eines Traktates immer am Neumond erfolgte, so konnten jene rechtzeitig zum Anfänge eintreffen und waren vor der Unannehmlichkeit geschützt, mitten in den Cursus und in unverständliche Verhandlungen einzutreten. Doch war auch eine andere Rücksicht bei der Wahl dieses Eröffnungstermines massgebend: man erblickte in dem Neumondstage einen günstigen Zeitpunkt für neue Unternehmungen 5) Iudessen wurde dieser Gesichtspunkt als ein abergläubischer nicht allseitig gebilligt und der Aufschub des Vortrages, insoferne er nur aus diesem Grunde erfolgte, fand Tadel. ®) In jedem Falle belehrt uns die erwähnte Einrichtung, dass man jeden Traktat von Anfang bis Ende durchnahm, nicht aber, wie es später wohl zu geschehen pflegte, besondere Themata auswählte. Die fremden Schüler nahmen bei den Gemeindemitgliedern, je nach den Verhältnissen beider, für Bezahlung oder unentgeltlich, Quartier oder wohnten auch wohl bei dem Lehrer.7) Hier nun, an den Akademien, wurden unter reger Theilnahme, oft auch unter Einwürfen von Seiten der Zuhörer, jene ״Tossafot“ oder ״Zusätze“ vorgetragen, von deren Wesen und Bedeutung oben die Rede war. Der Zuhörer sammelte sie in Collegienheften unter den Augen des Lehrers, 8) das war der Schatz, den er von *) Das. Nr. 624. ג) Das. Nr. 622 f., 75 c., Nr. 620 Anf., Nr. 282. 3) R. Tarn sagt das. Nr. 632 f. 78 a von sich דרכי להקשות להעמיד שמועות ישרות ואיני עושה שנויי דחיקי a״ddas•Nr• 486 (Ker. ehern. VII, S. 24) sagt er tadelnd von einem Commenmentator אך אמרתי אחד מן המפלפלים ך,יךן• 4) Ich erblicke solche kurze Compendien in den folgenden Stücken bei R. Meir Rotlienburg der in Frankreich studirt hat, ed. Prag Nr. 469 ישבעה ענינים בסכין וכן׳ Nr. 920 אלו פסולין י ילעדות.וכויad- Rabbin. Nr. 325 בעניני איפור נאמנות יש י״ד חלקים, B. Jaschar zu Bab. batr. 179b: חמש מדות בערבות• *) semakor. 136 ומה שנהגו קדמונינו להתחיל המסכתות בראש חדש זהו להמתין הבחורים הבאים מחוץ לעיר ואף לסימן טוב. 6)1 B. d. Fr. Nr. 59. י) Das. Nr. 973. s) B. Jaschar f. 85 d שנתוספו לפני רבינו שמואל, Temim Deim Nr. 9 פסקי איפור והיתר שכתבתי לפני ר׳ משולם der Akademie heimbrachte und den er für seine eigene künftige Lehrthätigkeit als das geeignetste Mittel, Schüler zu gewinnen, aufbewahrte. Denn von welchem Lehrer man wusste, dass er die ״Tossafot“ einer berühmten Autorität besass und vortrug, der konnte auf reichen Zuspruch rechnen, während der concarrirende Lehrer, dem die Tossafot nicht zur Verfügung standen, mit einer geringen Schülerzahl vorlieb nehmen musste. Ein späterer Sittenlehrer trug deshalb den Besitzern von Tossafotheften auf, sie anderen Lehrern zu borgen, damit die Schüler derselben nicht zu kurz kämen.1) Diese Zusätze bilden überhaupt den Mittelpunkt der höheren talmudischen Wissenschaft im damaligen Frankreich; der Gelehrte kannte keinen höheren wissenschaftlichen Ehrgeiz, als einen Zusatz zu schreiben, der seinen Namen verewige;2) Handschriften, die Zusätze enthielten, wurden, wenn sie etwa von christlichen Gewalthabern der Erpressung wegen waren weggenommen worden, vor anderen ausgelöst,3) und selbst die sagenhafte Aus- Schmückung fehlt nicht, die Bedeutung der Zusätze zu erhöhen. Es erinnert an die Art, wie nach der Sage die Septuaginta zu Stande gekommen, was Menachem b. Serach 4) von der Redaction der Tossafot in der Schule des R. Isaak b. Samuel (Ri) in Rameru, eines Urenkels von Raschi, erzählt. Sechzig im ganzen Talmud bewanderte Gelehrte — die Zahl entspricht derjenigen der talmudischen Tractate — bearbeiteten je einen der letzteren, um etwaige Widersprüche in diesen selbst oder mit den übrigen auszugleichen, alle sonstigen Schwierigkeiten zu heben und praktische Resultate zu gewinnen. Man konnte sich eben die Anhäufung von soviel Scharfsinn und Wissen auf keine andere Weise, als eine sagenhafte, erklären. (Schluss folgt.) Einige Bemerkungen zu D1\ Herzfeld’s ״Beitrag zur massoretisclien Punktation“. Von Dr. Hoc 11 Städter. 1. Zunächst ist zu beachten, dass das Pathach in Hebräischen bei den Zeitwörtern ein Grundvocal ist und somit den betonten Hauptlaut bei gewissen Grundformen derselben bildet, als: Paäl, Pual und Hophäl. In der chaldäischen Schwestersprache ist dies sogar bei den Dingwörtern (Substantives) der Fall. So lauten dort die hebräischen Wörter להב (I. M. 24, 22), נשר (Jech. 1, 10) דהב und נשר u. dgi. m. — Die alten jiid. Grammatiker nannten darum diesen Vocal a פתח גדול, indess dessen Umlaut ä (e) פתח קטן heisst. 2. Was nun die Pausalform bei denjenigen Zeitwörtern, deren Hauptvocal ein Zere ist, anlangt, so verwandelt sich dieser in Sch’wa aufgelöster Laut: a) wenn die Pausa bei einer offenen—d. i. auf einen Vocal auslautenden — Silbe steht, wieder zum Grundvocal Zere. So wird הדל (PS 39, 5) in Pausa חדלו für חדלו (Rieht. 5, 7) und דבר (Jirm. 7,13) in Pausa .דברי (II. Sam. 14, 12) für לבדי (Rieht. 5, 12) u. drgl. m. b) wenn aber die Pausa bei einer geschlossenen — d. i. auf einen Consonant auslautenden — Silbe steht: so erhält dieselbe meistens ein Pathach, wie dies vgl. das, Mr. 14, Nr. 248. B. Jaschar Nr. 591 (Ker. ehern. VII, p. 32)שמא אין בידו תוספות הרב ר׳ יוסף שפירש בהן אחי• Meir Rothenb. Semachoth § 25 וכן מצאתי בתו' ריב״ם שפי׳ ילפני ר' יצחק בן אשר °r sar• י״s 1L 38 מצאתי בליקוטיי שכתבתי בשם ריב״א• das. ולה לשון תוספות שנכתבו .לי«5י ריי־״א י,“) B. "d. Fr. Nr. 972. ג) Das. Nr. 430 Ende, Nr. 210. 3) Das. Nr. 930. 4) Zedah laderech Einl.