Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 18. (28.4.1880)
- Date
- 1880-04-28
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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18 .©זג. Das Jabrg:. IX. Jüdische Literaturblatt. r ר Zur Beleuchtung aller Judenthron und Jnden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. ־*י}׳ <§■* Magdeburg, S8. April 1880. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zngesandt werden, Anden in diesem Blatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendnng von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. ר Das ״Jü<liselte Iiiterjiturblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 15 Mark berechnet. Die Expedition der ״Israelitischem Wochenschrift.“ Inhalt: W iss en sch aftli ch e A u fs ätze: Das Erziehungs- und Unterrichtswesen bei den deutschen und französischen Juden während des Mittelalters. — Einige Bemerkungen zu Dr, Herzfeld’s ״Bei* trag zur massoretischen Punktation. Von Dr. Hnchstädter. Literatur bericht: Recensionen: Moses Mendelssohn. Eine Gedenkschrift zu dessen 150. Gedenkfeier von Dr. Benjamin Szold. — Wolf, G. Die alten Statuten der jüd. Gemeinden in Mähren. Literarische Anzeigen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Das Erziehungs- und Unterrichts wesen bei den deutschen und französischen Juden während des Mittelalters. (Fortsetzung.) Den Anfang machte der hebräische Leseunterricht, wobei auf die richtige Betonung der Worte geachtet wurde. Zum Zeigen der Buchstaben und Wörter bediente sich der Lehrer eines eigenen Instrumentes, französich ״tendeur“ oder ״tendoir״ genannt 4) Dann ging es an den Unterricht in der Bibel und den Gebeten. Den ersteren begann man, wie erwähnt, mit dem III. BM., und, wenn derselbe bis zu Ende des 3 Capitels gelangt war, so wurde der Schluss (d. i. v. 17) melodisch, wie beim synagogalen Vortrage, gelesen, und darauf erhielt der Schüler — zur Aufmunterung — eine Collation.2) Ueberhaupt las man die Bibel mit einer eigenthümlichen Cantilene,3) und zwar die verschiedenen Theile derselben, Pentateuch, Propheten und Hagiographen je mit einer besonderen, deren absichtliche Vertauschung als eine Uebertretung des Verbotes: Du sollst die Grenze (oder das Gebiet) deines Nächsten nicht verrücken (V. BM. 19,14) angesehen wurde.i) Der hebräische Text der Bibel und der Gebete wurde in die Landessprache übersetzt, wie denn auch bei häuslichen Andachten der Familienvater darauf sah, die Gebete durch Ueber- Setzungen allgemein verständlich zu machen, wenn nicht überhaupt, wie es geschehen sollte,5) die des Hebräischen Unkundigen in der Landessprache beteten. So pflegte an den sogenannten Sederabenden (den beiden'ersten des Pa&sahfestes) der Hausvater die ersten beiden Abschnitte der ״Hagadah“ nach dem hebräischen Vortrage in französischer Sprache zu wiederholen. 6) Dass diese grammatikalisch richtig gehandhabt wurde, lässt sich nach den Anführungen französischer Phrasen bei den Commentatoren, die oft zur Erläuterung herangezogen werden, mit Sicherheit annehmen. Wahrscheinlich schrieb man auch, obwohl dies ebensowenig einen Unterrichtsgegenständ bildete, wie die französische Sprache — die ‘) Buch d. From. Nr. 898. ג) Machsor Vitry das. 3) B d. Fr. Nr. 302. 4) Das. das. 5) Nach dem B. d. Fr. 6) Pardes hagad. § 133. Insbesondere wird dies von Salomo dem Heiligen aus Dreux berichtet. Or sar. II, S. 119. französische Schreibeschrift, d. i. die ״christliche Schrift'1, wenigstens ist in einer späteren Zeit von einem in dieser Schrift abgefassten jüdischen Testamente die Rede.1} Die Erklärung der Bibel beschränkt sich in der älteren Zeit hauptsächlich nur auf Wiedergabe der halachisclien und hagadischen Bemerkungen des Talmuds und der Midraschim, wie solche und zwar vielleicht ursprünglich im Hinblicke auf den Unterricht, von R. Moses Darschan u. A. in Compendien gesammelt waren, bis eine rationellere Exegese die Bibel aus ihrem eigenen Verstände heraus zu erklären anfing. Seit dem Erscheinen von Raschi’s Bibelcommentar wurde dieser als der ״Commentar״ schlechthin dem Bibel unterrichte zu Grunde gelegt. 3) Für den Unterricht in den Gebeten bediente man sich besonderer für den Schulgebraueh eingerichteter Abschriften der wichtigeren, besonders der biblischen Gebetstücke,3) obwohl eine spätere rigorosere Praxis dies nicht billigen wollte.4) Hebräische Grammatik wurde, wenn auch nicht besonders gepflegt, doch gewiss auch nicht gänzlich vernachlässigt. Bei dem Unterrichte wurde dem Schüler zur Pflicht gemacht, den Körper in einer gewissen Bewegung zu erhalten. ä) Mit der zunehmenden körperlichen und geistigen Reife des Schülers ward er in die rabbinisehe Literatur, in Mischna und Talmud, eingeführt. Der letztere — und zwar der babylonische — nahm dann Zeit und Thätigkeit völlig in Beschlag, und obwohl es religiöse Vorschrift war, je ein Drittel der verfügbaren Zeit der Bibel, der Mischna und dem Talmud zu widmen, so glaubte man sich doch auf den letzteren beschänken zu müssen, weil man sicli sagte, dass die ersteren beiden darin eingeschlossen seien.6) Bei dem Umstande, dass man nur aus Handschriften studirte, und bei der Verschiedenheit und öfteren Verderbtheit derselben, spielte die Feststellung der richtigen Leseart eine Hauptrolle in dem Vortrage des Lehrers. Hierdurch wurde nun zwar das kritische Urtheil des Schülers gebildet, aber auch die Neigung, Textesänderungen vorzunehmen, befördert, so dass R. Tarn einmal unwillig ausruft: ״Es gibt keinen Knaben, der Talmud studirt, der nicht Correcturen macht‘1'.7 *) Besonnene Lehrer und Schreiber waren deshalb in diesem Punkte sehr vorsichtig, schrieben die ihrer Ansicht nach richtige Leseart mit der Bernerkung ״ הכי גרפינן) ה״גso ist zu lesen״) an den Rand, *) Ran GA. Nr. 84. Ueber hebräisch und lateinisch (לאטיל) abget'asste Testamente in Spanien oder der Provence s. R.lSal. b. Aderet GA. I, 704. 9 Meir Rothenburg GA. ed. Crem. Nr. 137 אשד דןידןיי איד שותיכבכליוס• * 3) B. d. Fr. Nr. 915. 4) Das. das. s) Machs. Vitry das. s) Toss. Abod. sar. 19b. 7) B. Jaschar Nr. 632 f., 78 d, vgl. das. Nr. 446 s. 50b התלמיד שיבש הגירסא•