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Das jüdische Literaturblatt · 1880-03-10 · No. 11. (10.3.1880) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 11. (10.3.1880)
Date
1880-03-10
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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־— 43 Franzosen über Juden.*) Es ist nicht immer die beste Kampfmethode, den; Stier bei den Hörnern za packen, es gibt geschicktere Mittel, dem Wüthenden beizukommen—so mochte Hr. Pr. A. Jellinek in Wien gedacht haben, als auch ihn der Geist überkam, hinabzusteigen auf den Plan und eine Lanze einzulegen für die Ehre seiner in jüngster Zeit wieder mehr als sonst geschmähten Glaubensgenossen. Aber der Vater kann nicht Zeugenschaft ablegen für den Sohn und der Sohn nicht für den Vater, auch der Bruder ist für den Bruder kein klassischer Zeuge. Hören wir daher das Urtheil der Fremden über uns! Fremde sowohl in Bezug auf Abstammung und Nationalität, als auch auf Religion und Glauben. Seit jeher zeichnen sich die Franzosen aus durch den Blick für’s Grosse und Ganze, durch die klare Ge-; sammtanschauung von geschichtlichen Erscheinungen, durch scharfsichtige Charakteristik von Individuen und Völkern. Wohlan, sie haben auch über die Juden und das Judenthum nachgedacht und darüber gesprochen, Geistliche und Weltliche, Philosophen und Naturforscher, Geschichtschreiber und Schöngeister haben, sei es, um direct alte Angriffe abzuwehren, sei es ohne eine andere Tendenz als um das Resultat ihrer Forschungen und ihres Nachdenkens im Zusammenhänge der Wissenschaftliehen Untersuchung mitzutheilen, die gewichtigsten Voten über die Bedeutung des Judenthums in der Geschichte, über seinen Werth als Glaubenslehre, aber auch über den Character der Juden und über ihre Vorzüge und Tugenden in zum Theil so überschwänglichen Worten ausgesprochen, dass die Versuchung sehr nahe liegt, diese und ähnliche Aussprüche in diesem Augenblicke an’s Tageslicht zu ziehen und unseren Lästerern sie vorzuhalten, als die Plaidoyers erleuchteter Geister, die, ohne hiezu von uns aufgefordert zu sein, schon vor Jahrzehnten und Jahrhunderten entkräfteten, was giftiger Racenliass und läppischer Chauvinismus wider uns aus den rostigen Zeugkammern der antijüdischen Nomenclatur abermals hervorgeschleppt. Von dem Protestant. Prediger Jaques Saurin, der im Haag zu Anfang des 18. Jahrhd.’s gepredigt, bis auf E. Renan’s jüngste Apologetik des jüdischen Stammes herab ist es dem durch seine ungewöhnliche Belesenheit selbst in ausländischen Literaturen bekannten Verfasser gelungen, siebenzehn französische Autoren anzuziehen, die mit erhabener Vorurtheilslosigkeit, mit edlem Mitgefühl, mit lichtvollem Verständnisse dem Judenthum und seinen Bekennern die hohe und bevorzugte Stelle anweisen, die ihnen in der Schätzung der um Cultur, Gesittung und Seelenadel verdienteste Bekenntnisse und Volksstämme von jedem gerecht fühlenden Kenner der Geschichte rnit Bereitwilligkeit eingeräumt werden muss. Herr Jellinek hat in der 26 Seiten umfassenden Einleitung nicht blos jedem Einzelnen der 17 Schriftsteller ein kurzes orientirendes Wort gewidmet, sondern überdies dieselbe dadurch'zu einer ebenso anziehenden als anregenden Lectüre gemacht, dass er darin eine schon im Jahre 1870 geschriebene vergleichende ethnopsychische Charakteristik des jüdischen Stammes im Vergleiche zum deutschen, französischen und englischen Volkstypus zur Veröffentlichung brachte, die, wenn auch derartige allgemeine Urtheile stets eine stark subjective Färbung zu verrathen pflegen, dennoch durch scharfe Beobach” tung und geistreiche Apercus allen Anspruch auf eine tiefere Ausführung der darin angedeuteten Grundzüge 1׳ •erheben darf. Wir können von dieser bon ä propos erschienenen Schrift nicht anders als mit den Worten *) Von Dr- A. Jellinek. Wien 1880. M. Gottlieb. (Die «rate Aufl. war in 5 Tagen vergriffen, die 2. erscheint soeben.) scheiden: ״Ein Wort zurZeit, wie gut wirkt das!“ und wünschen ihr nicht allein weiteste Verbreitung in jüd. Kreisen, sondern mehr noch, dass sie jenen deutschen Patrioten, die nicht Spott genug haben für das eitle Selbstbewusstsein der ״an der Tete der Civilisation marschirenden Nation“, der Franzosen, in dem einen Punkte darüber Aufklärung verschaffen möge, dass Angriffe gegen die Juden, wie die jüngst in der deutschen Metropole mit hohlem Pathos vorgebrachten, in Frankreich kaum möglich, jedenfalls aber dem Fluche der allgemeinsten Lächerlichkeit verfallen wären. —m. Literaturbericht. Receusionen. Bibliotheca Rabbinica. Eine Sammlung alter Midraschim. Zum ersten Male ins Deutsche übersetzt von Dr. August Wünsche. (Schluss.) Wir gehen nun an die Berichtigung derjenigen Stellen, die unserer Ansicht nach vom Verfasser nicht correkt wiedergegeben sind, und zwar werden wir sie der Seitenzahl nach in Folgendem aufführen. S. 5: Das im Midrasch befindliche סנטור ist durch ״Censor“, nicht durch ״Wächter“ wiederzugeben, und demnach bedeutet das bald darauf folgende מסנטרותי ״meine Steuer“, nicht ״mein Wächterlohn“. — S. 11 : Es handelt sich um die Beantwortung der Frage, wie die Erde trinkt, und da sagt R Simon: כמין תיבה כהדין קבריאל. Dies soll nach demVerf. heissen: Wie der Wassersturz des Stromes Kapraja. Dass dies keinen Sinn giebt, ist wohl klar. Es muss aber das ל in קבריאל weggelassen werden*) u. alsdann ergiebt Sich: ״es gleicht einem Kasten der Todtengräber“, der immer neue Leichen aufnimmt, ebenso trinkt die Erde Wasser, giebt es den Pflanzen ab und nimmt immer wieder neues Wasser in sich auf. — S. 13: Hier und an vielen anderen Orten hätten die im Texte stehenden Stellen, welche nicht übersetzt wurden, durch Punkte angedeutet werden müssen. — S. 15: Eine Proselytin wird nicht betrachtet, als ob sie nicht zur Welt gehörte, sondern als ob sie früher nicht gelebt hätte; dies besagen die falsch wiedergegebenen Worte des Midrasch. — S. 17: Das קסלופנם ist fy\onicht aber Leuchter. — s 19: ניסים של עולם sind nicht Wunder, welche einst in jener Welt sich ereignen werden, sondern Weltwunder, Wunder, die sich nicht blos auf ein einziges Land, wie z. B. Aegypten erstrecken, was auch deutlich aus der angezogenen Stelle Jeremias 23, 7, 8 hervorgeht. — S. 28: Tc.aazvfl ist ein Fass, kein Fischteich. — S. 31 Z. 9 v. o,: Nach Jalkut muss es statt פיסטורין richtiger מיסטורין heissen, die Thorah, die im Geheimen studirt wird. — S. 46: Man bringt ein wohlgesittetes Weib in das Haus eines ungesitteten Weibes, giebt keinen Sinn, es soll vielmehr heissen: man bringt einen guten festen Balken in ein schlechtes baufälliges Haus u. s. w. — S. 71: Der Bibelvers muss in der eigentlichen, natürliehen Uebersetzung vorangestellt werden, nicht nach der Auslegung und der Deutung des Midrasch. — S. 73:חיו׳ ist blos ״Thier“, nicht ״Schlange“, vgl. חיות ברא. — S. 74: Depeschenträger gab es bei der Abfassung des Midrasch wohl nicht. — S. 79: מה חייליה heisst: ״was seine Kraft, sein Verdienst ist“, nicht ״was sich ziemt.“ — S. 80: Kräftiger Dickbauch ist ein zu drastischer Ausdruck. — S. 84 : Das im Midrasch befind- *) Dann muss es aber auch כה׳ דיהךיץ heissen; so lautet in der That die LA. in Beresch. rabb. c. 13, die Hr. W. selbst citirt. (Rd.)

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