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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-25 · No. 9. (25.2.1880) · p. Seite 35

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 9. (25.2.1880)
Date
1880-02-25
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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— 35 — um unsere Neumondsbestimmungen zu verwirren, indem sie die Bergfeuer zur Unzeit aufzündeten, so dass man die Feuersignale aufgeben und dafür Sendboten aussenden musste (Beza 4b; R. Haschana 22b). Grosse Vorsicht gebrauchte man bei Aufnahme der Neumondszeugen, wobei nur genau gekannte, früher bestellte Zeugen zulässig waren (ibid.. 22a; Synhedr. 10b). Samaritaner wurden überhaupt der falschen Zeugenschaft verdächtig gehalten (Gittin 10a). Gewiss gebrauchte man bei den Sendboten dieselbe Vorsicht, um nicht durch Samaritaner irregeführt zu werden. Sehr witzig gab Rabba seinem Schüler R. Cliija nach En-Tab die Parole דוד מלך ישראל חי וקיים mit (R. Haschana 25a) in der Voraussetzung, dass ein verkappter Samaritaner sich zu solchem Spruche nicht leicht hergeben werde. e) Der Taubencultus. Das alte Sichern hatte verschiedene Namen Es hiess Sichar*) Maborta; Kaiser Vespasian gab ihm den Namen Flavia Neapolis, woraus nach arabischer Mundart Nablus, nach talmudischer ניפוליה auch ניפולין geworden (Jer. A. Sara 5, 4; Bamidbar Rabba Ende; Debarim R 3), dessen Bewohnern man die verschiedensten Spottnamen beilegte. Jesus benannte die Pharisäer schimpflich auch Samaritaner; Sirach nannte sie: den tollen Pöbel zu Sichern; der Talmud: Taubenanbeter (Joh. 8,47; Sirach 50,29; Chulin 6a; Jer A Sara 5,4). Nun ist letztere Anschuldigung erwiesenermassen eine falsche, aber dieser Spottname hatte sich so eingenistet, dass Nipul mit Taube identisch geworden. Es ist zwar gewagt, aber vielleicht begreiflicher, dass die Mischna (Bathra 2, 6) sich des Ausdruckes ניפול anstatt גוזל be-dient, was freilich ״Gefäll“ ausdrücken soll, nämlich junge Tauben, die nach kurzem Fluge bald fallen, aber auch גוזל hätte denselben Sinn ausgedrückt; und wäre nicht von שובך die Rede, so könnte man auch auf eine Heuschrecken-Gattung verfallen, die auch mit ״Nipul“ übersetzt wird (Chulin 65a). Literaturbericht. Receusionen. Hamburger, Dr. J., Realencyclopädie für Bibel und Talmud. Abtheilung II, Heft 5. Strelitz in Mecklenburg. Im Selbstverläge des Verfassers. Dieses eben erschienene 5. Heft des fleissigen Gelehrten enthält wieder mehrere interessante Artikel, von denen der über den nachbiblischen Messiasglauben, wie er sich sowohl innerhalb des Judenthums, als auch in mystischerWeise besonders im Christenthum entwickelt hat, den grösseren Raum dieses Heftes einnimmt, und allein schon den Preis des ganzen Heftes (3 Mark) werth ist. Freilich ist dazu derselbe Artikel in der ersten Abtheilung dieses Werkes zum Nachlesen zu einpfehlen, weil dort schon der Unterschied zwischen der jüdischen und der christlichen Auffassung dieser Glaubensansicht angedeutet ist. Denn Moses, der Vater der Propheten, hat keinen persönlichen Messias, sondern nur eine -bfachfol^e in der Prophetie (V. 18,15 u. 18) und eine einst durch Gott selbst zu bewirkende Erlösung Israels (ds 30, 1—6) verkündet. — Ausgezeichnet ist a'ch der Artikel über Lohn und Strafe oder über die gü tliche Vergeltung, worin dem heidnischen Fatalismus unc der christlichen Annahme einer sog. ״Erbsünde“ 4, 5. Munk und Luzzatto (Palästina S. 91; Korme Schomron S. 23) leiten diesen Spottnamen vom Verbum שכרי »sich berauschen“ ab. Hieronymus corrigirt שכם• Uns liegt näher, ihn ^on שחד schwarz, wegen ihrer dunkeln Hautfarbe, abzuleiten. Auch Levita (Tischbi Art, ]כ(יף) will in den Zigeunern Epigonen der Kutäer erkennen. und auch der falschen Prädestinationslehre gegenüber die jüd. Anschauungen mitgetheilt werden. — Ferner ist in diesem Hefte die Entwicklungsgeschichte unseres Cult us eingehend behandelt, sowie die talmudischen Vorschriften für die Kinderschule und deren Lehrer, die allesammt so human und praktisch sind, dass sie von den heutigen Schulgesetzen nicht übertroffen werden; und wären dieselben innerhalb der Judenheit stets beachtet worden, so hätte die schmähliche Benennung der Lehrer und sonstigen Cultusbeamten als : משועבדים ״Unterthänigea nie aufkommen können. — Sehr lesenswerth sind auch die Artikel über die Entwicklungsgeschiehte der Mischna, ferner über die jüdischen Münzen, endlich über Mischehen, letztere vom biblischen, talmudischen und rabbinischen Standpunkte aus betrachtet. Wir wiederholen, was wir bei Besprechung der früheren Hefte schon gesagt, dass dieses reichhaltige Werk auch für nichtgelehrte Israeliten von grossem Interesse ist, weshalb wir hiermit dasselbe auch diesen zur Anschaffung empfehlen. Hochstädter. Natonek, Jos. כתר שם טוב. Ehrenkranz des guten Rufes. Festgabe zum 25jährigen Amtsjubiläum des Dr. M. Landsberg, Rabbiners zu Liegnitz. Budapest 1880. 32 S. und ein Stammbaum. Dem Verfasser standen kaum mehr Quellen zu Gebote, als das תאר פני שלמה (von einem Onkel des Hrn. Dr. L. (wenn wir nicht irren מהודר משה לברונץ in Posen) nach welchem auch der bis 1558 zurückgehende Stammbäum entworfen ist, die Antrittsrede des Dr. L in Liegnitz und das aller Welt über das Wirken des Jubilars für die Alliance Bekannte. Sehen wir von der etwas schwülstigen Einleitung ab, in welcher z. B. der Midrasch über den Leviten Jonathan die Beweisführung eher zu entkräften, als zu bestätigen geeignet ist, so ist der Gedanke, dass ״Noblesse oblige“ gut durchgeführt und dargethan, wie Herr Dr. L. als würdiger Sprosse würdiger Ahnen segensreich gewirkt hat. Aber neben der Krone des guten Rufes hat der Jubilar durch sein Wirken im engern Kreise als Rabbiner, Lehrer und Redner, sich auch im Besitz der Krone der Lehre und des Priesterthums gezeigt — das hätte in weiterer Darstellung einer solchen Schrift erst den rechten Inhalt geliefert. Hat Herr Natonek auch Dankenswerthes geleistet, so würden wir doch ein volleres Lebensbild des Jubilars gewünscht haben, das ihn in seinem Walten, Wesen und Wissen gezeichnet hätte zur Freude seiner zahlreichen Freunde und Verehrer, denen es sodann eine reiche Zahl neuer zugefügt haben würde. Wir bedauern daher, dass nicht eine kompetentere Hand das Büchlein geschrieben Vielleicht gewährt die Vorsehung den Wunsch, mit welchem der Verf. schliesst (und dem auch wir uns anschliessen. Red.) — das 50, Jubeljahr etc. und füllt dann die Mängel des 25. aus. Dr. Lewin. Notizen. 1. Bedeutung des מגז דוד. Den Magiern und Mystikern des Mittelalters diente das gleichseitige Dreieck in vierfach variirter Form (1. Spitze nach oben — 2. Seite nach oben — 3. Spitze nach oben und Mittellinie — 4. Seite nach oben und Mittellinie) zur Bezeichnung der vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Zwei in der Weise des ״Schildes Davids“ in einander gescliobene gleichseitige Dreiecke enthalten die Zeichen sämmtlicher vier Elemente. Sie sind somit ein Sinnbild des Kosmos, des organisch in einander greifenden Weltganzen. So weit die einleuchtende Erklärung, die ich vor Jahren im Namen des seligen Salomon Nissen gehört habe. Ueber die Autorität derselben weiss ich ebenso

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