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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-25 · No. 9. (25.2.1880) · p. Seite 36

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 9. (25.2.1880)
Date
1880-02-25
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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— 36 — wenig etwas Näheres, wie über die״Geschichte des Zeichens anzugeben. Schon der alte Wolf (bibl. hehr. II, p. 1224 f.) zählt .mehr als ein halbes Dutzend Gelehrte auf, die sich mit grösserem oder geringerem Erfolge über die interessante Frage den Kopf zerbrochen haben. Breslau, 15. Februar. Dr. M. Brann.*) 2. Professor Derenburg hat, vereint mit seinem Sohne, Herrn Prof. Hartwig D., die kleinen Schriften und Abhandlungen Abul-Walids Ibn-Djanach in arab. Text und franz. Uebersetzung mit einer gelehrten Ein־ leitung edirt. 3. כה יוסי את יוסי•. Unmöglich kann hier ein beliebiger Name N. N. wie etwa יוסף בן שמעון verstanden werden; denn wie bereits Herr Rens in Nr. 44 vor. Jahrg dies. Bl. richtig ausführt, könnte die Aussage der Zeugen keine Bedeutung haben, wenn sie einen menschliehen und nichteinen göttlichen Namen nannten, welchen der Angeklagte gelästert hatte. Unter ״Jose‘‘jedoch sich ״Jovis“ zu denken, halte ich deshalb für unmöglich, weil die Tanaiten schwerlich Gott den Namen eines heidnischen Abgottes, sei es auch nur als כינוי und selbst bei solcher Gelegenheit beigelegt hätten. Ich bin der Ansicht, dass ursprünglich die Stelle יכה צבאות את צבאות gelautet, weil Zebaoth nur als eine profane Benennung ‘ Gottes (חול) angesehen war. Rabbi Jose, dessen Mei* nungen man viel Geltung beilegte und nach denen man zu entscheiden pflegte (שטעמו ונימוקו עמו), war Träger dieser Ansicht (Schewuoth 35b). Erst später, als man (nach Samuel jedoch nur in Babylonien und blos in diesem Punkte) von Rabbi Jose abwich, weil Samuel dort diese Norm standhaft bestritt, indem er lehrte: אין הלכה כרבי יוסי (daselbst), fand man sich auch veranlasst, die Formel יכה צבאות את צבאות zu streichen und an deren Stelle יכה יוסי את יוסי, den Träger jener irrigen Meinung, zu setzen. So musste R, Jose’s Name bei der Lasterformel — natürlich nur in den Lehrhäusern, keineswegs aber bei praktischem Gebrauch — herhalten. A. S. Weissmann. Ein Wort in eigener Sache. In dem Jüdischen Literaturblatte vom 11. Februar d. J. ist meine Broschüre ״Juden nnd Judenhetze* einer eingehenden Kritik unterzogen und, was ich dankbar anerkenne, in durchaus wohlwollendem Sinne. Nur gegen einen Vorwurf glaube ich mit Entschiedenheit Protest einlegen zu müssen, nämlich gegen die Behauptung, dass ich im antikatholischen Sinne geschrieben. Der verehrte Rec. möge mir ein Wort der Entgegnung gestatten. Ich schrieb mein Büchlein zu einer Zeit, wo die Wogen des Kampfes gegen Israel sehr hoch gingen; aber damals waren es nicht so sehr Stöcker mit seinen Genossen und Treitschke, als vielmehr die ״Germania* und ihre Gesinnungsgenossinnen. Ich bekomme als Mitglied eines Leseclubs die ״Germania“ täglich zu Gesicht — abonniren würde ich nicht auf dieses Blatt — und lese es jedes Mal, da man seine Feinde kennen lernen muss. Das wüste Hep-Hep-Geschrei dieser Zeitung erregte meinen gerechten Zorn — und so entstand die Broschüre. Wenn dieselbe eine zweite Auflage erleben sollte, so werde ich auch gegen die Stöcker’sche Genossenschaft auftreten, deren Gefährlichkeit damals noch weniger klar zu Tage lag. Heute schon darf icii sagen, dass Alles in meinem Werkchen, was nicht lediglich gegen #) Es sind uns noch mehrere Mittheilungen auf die Anfrage bez, ״Magen David“ zugegangen -- darunter von Hrn. Rabbiner Dr. Appell (Homburg), im Wesentlichen der obigen gleich —, die wir in nächster Nr. bringen werden. (Red.) die Germania gerichtet ist, inutatis mutandis auch den protestantischen Gegnern gelten sollte. Ich habe zu lange in specifisch katholischen Kreisen gelebt, als dass ich mich des Hasses gegen dieselben schuldig machen sollte. Ich weiss es und habe es selbst erfahren, dass sie• ״mindestens ebenso tolerant sind, wie der Protestant.“ Darum hat es mir durchaus fern gelegen, gegen die Katholiken im Allgemeinen feindlich aufzutreten.;Was ich gesagt habe, geht nur gegen diejenigen extremen katholischen (und indirect auch lutherischen) Elemente, welche als genaue Nachbeter ihrer Caplanspresse, deren Macht der geehrte Recensent denn doch zu unterschätzen scheint, als blinde Judenhasser sich geriren. Nur diese wollten wir treffen. Kein Katholik, der dieser Richtung fern geblieben, und sei er noch so ultramontan, wird uns dieserhalb gram werden können. Daher kann ich nicht für richtig halten, wenn es in der Kritik heisst, es sei ein schwerer Irrthum von mir, für die Ausschrei־ tungen einzelner katholischer Pressorgane die deutschen Katholiken verantwortlich zu machen. Wo hätte ich das gethan? Nur der Germania und ihresgleichen galt meine Broschüre; wie auch der Titel andeutet, gilt sie den Hetzern. Wenn ich S. 14 daselbst sage, dass die Ultramontanen erst römisch und dann erst deutsch seien, so ist diese Behauptung durch die jüngsten Kammerdebatten wohl vollauf bestätigt. Wenn ich auf S. 15 die kath. Kirche einen grossen bewundernswerthen Bau nenne, so wird doch das Niemand als eine antikatholische Aeusserung ansehen können. Wenn ich daneben behaupte, dass die Zeiten der blutigsten Judenverfolgungen zusammenfallen mit der Blüthezeit der kath. Kirche, so ist dies eine historische Thatsache, die mir Niemand bestreiten kann. Seite für Seite ist meine Schrift gegen die Germania gerichtet und gegen ihre bodenlos heftigen unbegründeten Angriffe auf die Juden. Wenn wir uns veranlasst sahen, angesichts der grundlosen Beschuldigungen der Germania die Fehler ihrer eigenen Glaubensgenossen zur gefl. Betrachtung vorzurücken, die sie nur gar zu gern übersieht, so geschah das wohl mit Fug und Recht. Oder soll man es still hinnehmen, wenn sie heute die Juden und Wucherer identificirt, morgen aber einem christlichen Wucherer den Text liest, ohne dessen Religion auch nur einmal zu erwähnen, was sie aber bei einem Juden nie zu thun vergisst. Alle Verbrechen, von Juden begangen, werden gewissenhaft von ihr registrirt und einige boshafte Bemerkungen hinzugefügt — da war es wohl in der Ordnung zu zeigen, dass auch die Katholiken keine Engel sind. Wir Juden bedürfen gewiss der Toleranz undüben sie darum auch selbst im hohen Maasse. Um so mehr musste es mich unangenehm berühren, dass man mir den Vorwurf machte, im antikatholischen Sinne geschrieben zu haben. Freilich kann man in einem Kampfe, wie der jetzige ist, wo Mann gegen Mann steht, keine Schonung üben; man übt sie auf der Seite, gegen die ich mich gelichtet habe, auch nicht. Aber die religiösen Gefühle der tolerant denkenden Katholiken anzugreifen, das hat mir wahrlich fern gelegen. Denen aber, die auf die Germania, auf Herrn Stöcker und Genossen schwören, diesen wollte ich zeigen, dass es nicht rathsam ist, mit Steinen zu werfen, wenn man selbst in einem Glashause sitzt. Und schliesslich noch eine Bemerkung. Eine Reihe von anerkennenden Recensionen sind über mein Werkchen in verschiedenen christlichen Blättern erschienen, so in der ״Schles. Zeit “, dem ״Schw. Beob.“, der ״Chemnitz. Zeit.“ u. a., in keiner ist mir ein ähnlicher Vorwurf gemacht. Sollte da der Herr Recens. nicht etwas gar su zartfühlend gewesen sein? Enodatus. VerA11twnrt,lich&r Kedacteur Dr. Rah in MnirdaKurrr I tnielr U LJ ״ U ״ L Va^larr

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