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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-11 · No. 7. (11.2.1880) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 7. (11.2.1880)
Date
1880-02-11
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Sache, die er von religiösem Gesichtspunkte als nicht so unwichtig ansah. Gehen wir unter dieser Voraussetzung die wenigen über den betreff. Gegenstand referirenden Verse durch, und zwar nach dem Texte im Buche Jesaja, der mit dem in 2. Kön. bis auf ein oder zwei Wörtchen übereinstimmt, und was uns sonst Wunder nehmen musste, klärt sich ohne Weiteres auf. Nachdem vorher berichtet worden, dass Chiskia der babylonischen Deputation alle seine Herrlichkeiten gezeigt, heisst es weiter: .,Da kam der Prophet Jesaja zum König Chiskia und sprach zu ihm: Was sagten diese Männer? und von wannen kamen sie zu Dir? Und Chiskia sprach: Aus fernem Lande kamen sie zu mir, aus Babel.“ Schon diese erste Antwort des Königs bestätigt die Annahme, dass er die Gesandtschaft lediglich als eine Hofangelegenheit ansah, die den Propheten nichts anginge; denn er beantwortet dessen Frage unvollkommen und offenbar ausweichend. Auch das Wörtchen ואלי das im Buche der Könige fehlt, ist gerade charakteristisch für diese Antwort. ״Aus fernem Lande sind sie zu mir ge־ kommen“, es handelt sich nur um eine rein persönliche Sache! — Der Prophet aber beruhigt sich bei diesem Bescheide nicht, sondern fragt weiter: ״Was haben sie in deinem Hause gesehen?“ Und Chiskia antwortet: ״Alles, was in meinem Hause ist, haben sie gesehen; nichts war in meinen Schatzkammern, das ich sie nicht sehen liess “ In dieser zweiten Erwiderung zeigt sich der König schon etwas pikirt und übermüthig; denn aus der zweiten Frage des ihm wohlbekannten Propheten mochte er wohl herausgehört haben, wo dieser hinzielte, dass das Zeigen der Schätze ihm missfiele; und dennoch soll er ihm in unbefangenem Tone geantwortet haben, dass er A11 e s gezeigt, nichts davon ausgeschlossen! Dieser letzte Zusatz ist sogar überflüssig, wenn er nicht gerade den sich bäumenden Stolz gegen das Ausfragen des Propheten darstellen sollte. — Nunmehr ist uns auch die sich unmittelbar anschliessende, die höchste und doch etwas unmotivirte Erbitterung verrathende Weissagung Jesajas erklärlich. ״Da sprach Jesaja zu Chiskia: So höre das Wort des Ewigen der Heerschaaren.“ Schon diese Ansprache und diese Vorbe* reitung auf die folgende Verkündigung klingt sehr barsch und hart; man glaubt Samuel zu hören, wie er den von ihm auf den Thron gesetzten und ihm dann ungehorsamen Saul anredet. ״Siehe, Tage kommen — so lautet die Jesajanische Weissagung —, da Alles, was in deinem Hause ist, und was deine Väter aufgespeichert haben bis auf diesen Tag, nach Babel geschafft wird, nichts wird übrig bleiben, spricht der Ewige.“ Wiederum erscheint dieser letzte Zusatz überflüssig, wenn er nicht eine drastische, ansdrucksvolle Entgegnung bilden soll auf die obigen Worte Chiskia’s: ״Nichts war in meinen Sch atz kammern, was ich sie nicht sehen liess“ —. Nachdem er noch das Bitterste vornommen, dass seine Nachkommen Höflingsdienste im Palaste des babylonischen Königs leisten werden, sprach Chiskia zu Jesaja: ״Gut ist das Wort des Ewigen, das du geredet hast“; und er fuhr fort: ״Wird doch Frieden und Bestand sein in meinen Tagen!“ Sollte die letzte Antwort Chiskia’s nichts weiter, als seine Ergebung anzeigen, so wäre der Satz genügend: ״Gut ist das Wort des Ewigen“, wie es ähnlich der Hohepriester Eli ausgesprochen. Selbst der kurze Relativsatz: ״[das Wort], das du verkündet hast“, ist nicht so nebensächlich, wie er beim ersten Anblicke aussieht. Chiskia wollte damit etwa sagen: Du findest nun einmal Vergnügen daran, mir Unheil zu verkünden! Ebenso zeigt das wiederholte 1יאמר ״und er setzte hinzu“ das Ueberraschende und Ungeheuerliche der letzten Worte Chiskia’s: ״Wird doch Frieden .... sein in meinen Tagen“, was geht mich die Zukunft meines Volkes und meiner Enkel an; apres moi ledöluge! Das dürfte doch mit dem tiefen Gemüthe eines Chiskia kaum vereinbarlich sein! — Vielmehr soll damit nur die gereizte Stimmung widergegeben werden, die als ein Product von gekränktem Ehrgefühl und heldenmüthiger Fassung anzusehen ist. In dem Herzen Chiskia’s mag es dabei anders ausgesehen haben. — Zum Schlüsse dieser philologischexegetischen Erörterung sei noch hervorgehoben, dass der Ausdruck in 2. Chr. 32, 25! ״ כי גבה לבוdenn sein (Chiskia’s) Herz wurde übermüthig“, nicht blos auf die an sich unschuldige Handlung des Zeigen» seiner Kostbarkeiten, sondern viel eher auf dieses etwas trotzige Auftreten Jesaja gegenüber sich beziehen könne. Ob der Umstand, dass die besprochene Unterredung zwisehen Prophet und König an beiden Parallelstellen als die letzte zwischen ihnen angegeben ist, nicht auch zur Bestätigung unserer Ansicht beiträgt, dass dieselbe einen sich erhebenden Zwist zwischen Beiden darstelle, das wollen wir nicht als gewiss hinstellen. Braunschweig. Dr. Kusznitzki. Literaturbericht. Schriften fär die Juden. 1) Juden und Judenhetze von E n 0 d a t u s. Löbau. Skrzeczek. 31 S. Dieser Denkzettel ist der ״Germania“ und der ultramontanen Presse überhaupt gewidmet, und wenn wir an die leidenschaftliche Wärme denken, mit der sich der Verfasser der Juden annimmt und gegen sociale und religiöse Vorurt.heile, die uns stören, zu Felde zieht, so sollten wir wohl dem gewandten witzigen, durchweg anregenden und unterhaltenden Autor zu Danke uns sehr verpflichtet fühlen. Aber dieser Dank ist nicht ganz uneingeschränkt, und so schwer es uns wird, dies dem Vorkämpfer unserer Sache zu sagen, Schriften wie die seinige nähren das Vorurtheil, das sie scheinbar mit so vielem Geschick bekämpfen. Denn diese Schrift ist durchweg antikatholisch. Der Vf. macht zwar nach dem Vorgang liberaler Zeitungen einen Unterschied zwischen Katholiken und Ultramontanen. Aber dies ist doch nicht vielmehr, als was die Liberalen einen ״jesuitischen Kniff“ nennen würden Die Wahlen haben erwiesen, dass die ungeheure Mehrzahl der deutschen Katholiken ultramontan ist. Aber es liegen keine An- Zeichen vor, dass die Animosität gegen die Juden, wie die ״Germania“ und einige andere katholische Zeitungen sie zeigen, von der katholischen Bevölkerung getheilt wird. Jeder Jude, der in katholischen Kreisen lebt, wird wohl die Erfahrung des Referenten bestätigen, dass der Katholik mindestens so tolerant gegen den religiösen Brauch der Israeliten ist und auch so herzlich mit uns verkehrt, wie der Protestant. Die katholische Partei im Parlamente ist den Juden viel freundlicher gewesen, als die Extrem-Kirchlichen unter den Protestanten. Als in den fünfziger Jahren, in der Hochfluth der Reaktion, derselbe Wagner, der nachher die Austreibung der Jesuiten beantragte und durchsetzte, die Streichung des § 12 der Verfassung vorschlug, war es Reichensperger und seine Partei, die diesen judenfeindlichen Plan zu Falle brachte. Windhorst hat oft in einem uns günstigen Sinne das Wort ergriffen. Es ist ein schwerer Irrthum des Herrn Verf., wenn er für die Ausschreitungen einzelner katholischer Pressorgane die deutschen Katholiken verantwortlich macht. Warum sollten auch diese über die Juden anders denken, als ihre Glaubensgenossen in Frankreich und Italien? Aber die Katholiken

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