Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 7. (11.2.1880)
- Date
- 1880-02-11
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sind in Deutschland, weil sie unter harten Gesetzen leben, empfindlicher als anderwärts, und jeder Jude, der die Feder führt, sollte sich hüten, diese Empfindlichkeit zu verletzen, denn wir wissen, wie dem Unterdrückten zu Mutlie ist. Wir wollen die ״Germania“ nicht in Schutz nehmen, aber einige jüdische Literaten hätten sich voi'sehen sollen, durch ihr Hervordrängen im Culturkampfe ihr den Yorwand zu jenen Artikeln zn liefern. Es ist uns gar nicht lieb, dem Herrn Verf., der gerade gegen diese Zeitschrift sehr freundlich ist, dies vorzurücken, und wiederum ist die Pflicht, wahr iw sein, um so dringender gegen gute Freunde. 2) Die moderne Judenhetze von A. Reichenbacb. Breslau. 14 S. Als Ref. jüngst einem hervorragenden nichtjüdischen Publicisten den Wunsch aussprach, es möchten doch häufiger Hichtjaden in Deutschland den Stöcker und Marr energisch wehren, da wurde mir die Antwort: ״Eure Leute schlagen diese Sippe so gut auf die Köpfe, dass ihr fremde Hilfe gar nicht braucht.“ Und das ist ja nicht unrichtig; die Juden beherrschen zwar nicht die Presse, aber einige Juden beherrschen so gut die deutsche Sprache und verfügen über eine solche Fülle von Gedanken, dass wir mit den Vertheidigern aus dem eigenen Lager gar wohl zufrieden sein können. Dennoch ist es gut, dass auch aus nichfjüdischen Kreisen Protest erhoben wird gegen die literarische Judenverfolgung; solch ein warmherziger Protest ist die Broschüre des Hrn Reichenbach. Besonders hat es uns erfreut, dass Hr. R. darauf hinweist, wie in den alten Zeiten das Handwerk in so hohen Ehren bei den Juden stand, dass sogar ihre Gelehrten ein Handwerk zu lernen pflegten. 3) Börne und Treitschke! Offenes Sendschreiben über die Juden an Löb Baruch (Dr. Ludwig Börne). Berlin. Stein’s literarisches Bureau. 20. S Der Verf. dieser Schrift ist jüngst in öffentlichen Blättern genannt worden bei Gelegenheit des Dank- Schreibens, das des Reichskanzlers Schwiegersohn für diesen wegen der Uebersendung der Schrift, dem Autor zugehen liess. Es ist Herr J. Stein; wie verlautet, der Sohn des vortrefflichen Redakteurs der ״Breslauer Zeitung“, der ein so guter Deutscher ist, dass er zuerst im Jahre 1866 den Bann gebrochen hat, welcher die Liberalen damals umfangen hielt, und der ein so freisinniger Mann ist, dass Vorurtheile gegen einen Tlieil seiner Mitbürger gar keinen Platz in seiner Seele haben. Gott sei Dank sind Freisinn, Vorurtheilslosigkeit und deutscher Patriotismus Dinge, die sich ganz gut mit einander vertragen, wenn auch in Herrn v. Treisehke die Deutschthümelei alle anderen höheren Gefühle zu verdrängen scheint. Und der Sohn wandelt in den Spuren des Vaters, er hat das Ansehen ßörne’s und der Juden gegen den Unglimpf Treitschke's in Schutz genommen Die Form ist die eines offenen Sendschreibens Börne’s aus dem Elysium. Diese Einkleidung giebt der Schrift einen eigenen Reiz, durch den sie sich vortheilhaft von dem Schwann der übrigen durch die Angriffe der Judenfeinde hervorgerufenen Broschüren unterscheidet. ״Die Sache der Juden muss aus einem Gegenstand der Empfindung zu einem Gegenstand der Ueberlegung gemacht werden, und damit ist das Gute gewonnen; denn wer über seine Träume nachdenkt, der träumt nicht mehr. Ihr habt geträumt, Herr Professor, und träumt noch.“ ״Sehet zu, wie weit Ihr kommt mit der Freiheit des deutschen Landes, so lange die Freiheit nicht sein soll für Alle“ Wir empfehlen die Schrift aufs Wärmste. (Forts, f.) Z. Notizen. 1) Der von Einigen gehegte Zweifel, ob der als Befreier der jüdischen Exulanten in Babylon in der Bibel rühmlichst erwähnte Cyrus wirklich jener grosse Perserkönig gleichen Hamens gewesen sei, oder nicht, ist jetzt infolge eines kürzlich aufgefundenen Cylinders so ziemlich gehoben. Mr. Rassam vom britischen Maseum, der vorigen Sommer mit Ausgrabungen in den Ruinen des alten Babylons beschäftigt war, stiess nämlieh auf einen Cylinder, der eine Proclamation von Cyrus enthält, die in vielen Stücken mit der biblischen (vgl. Esra) identisch ist. Während wir nun einerseits daraus ersehen, welchen geschichtlichen Werth die Bibel hat, können wir es andererseits nicht unterlassen, eine Parallele zwischen der einstigen persischen und der jetzigen deutschen Toleranz zu ziehen. Ch. 2) Auf den Aufsatz von Herrn Rabbiner Hambürg er (״Ueber Leichensection“ in Hr. 51 Jahrg. 1879) muss ich wenigstens bemerken, dass Einbalsamirung bei den Aegyptern, wie Sieber berichtet, auch ohne Einschnitt in der linken Weiche und mit Belassung der Eingeweide statt gefunden hat. Die Bezeichnung, dass Israel von den aegyp tischen Aerzten einbalsamirt wurde, spricht dafür, dass eine besondere Art und Weise dabei stattfand, und es lässt sich wohl annehmen, dass gerade diese ohne Einschneiden stattgefunden hat. (Interessant ist beiläufig die Beobachtung des Dr. Reid, dass gewisse Mumien in Peru durch Selbstbegrabung in ilire Lage gekommen sein müssen.) Auf andere Beweise, dass die Juden das Einbalsatniren ebensowenig von den Aegyptern gelernt haben, wie die Beschneidung, komme ich ausführlicher zurück. Di*. Kornfeld. Anfrage. Es wird um Auskunft gebeten: ■ .׳; 1) Ueber die Bedeutung des verschlungenen Dreiecks | (des s. g. מק דוד) in und auf den Synagogen und seit wann dieser Gebrauch besteht? (Die im Schulchan. Aruch c. 150 erwähnte Stanges pricht nicht davon.) 2) Findet man den מג* דוד nur auf deutschen Synagogen, oder ist er auch in anderen Landern üblich? H. Lilcrariselie Anzeigen, Für alle gebildete Kreise, die Sinn füi’ Sprache und Literatur haben, ist dringend zn empfehlen das Magazin für die Literatur des Auslandes. Organ der Weltliteratur. 1832 begr. v Jos. Lehmann. Red.: Dr. Ed. Engel. Wöchentlich ca. 2 Bogen in gr. 4°, pro Quartal nur Mark 4.—. Leipzig. Wilhelm Friedrich. ״lofepl)“ 3$raelitifd)e 3ngenb=3cit11ng. 2. Qabrgang. ®ierteljäfplid) 1 3Jtarf. Üßro&enummtrn ®erben auf aßunfdj franco gratis *ugefanöt. 2l&onuenfenfat1tmUr erhalten auf 3 (Epemptare ein greiepemplar. [2130 8re8tau. %. $c)»pncr&*JBerlag. Qm Vertage dou?1. 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