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Das jüdische Literaturblatt · 1880-01-28 · No. 5. (28.1.1880) · p. Seite 19

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 5. (28.1.1880)
Date
1880-01-28
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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mehrfach vorgekommen sei. Dennoch stellt er als biblisches Gesetz die unverrückbare Erbberechtigung des Erstgeborenen auf (’«rund von Deuter. 21, 17 hin. Es scheint aber, als wenn gerade diese Stelle seine Argumentation über die freie Verfügung erst recht stützen könnte. Denn wenn das Gesetz ausdrücklich dem Vater verbietet, den erstgeboreneu Sohn der gehassten Frau seine Krstgeburtsrechte zu nehmen, so geht daraus hervor, dass der Gesetzgeber eine freie Verfügung voraussetzt und fürchtet, dass der Vater hierbei nicht von sittlichen Gründen, sondern von Neigung und Laune, von Intriguen der geliebten Frau geleitet werden könnte und nimmt deshalb den Sohn der gehassten Frau in seinem natürlichen Rechte in Schutz und verbietet eine Beeinträchtigung unter allen Umständen. I S. 2. Verf. übersetzt die Worte der ersten Mischna [ im ersten Perek לכן בגינה also: Ebenso verhält es sich t mit einen! zweien Individuen gemeinschaftlichen Garten, | welche ihn (heilen wollen, qui veulent en fair le par- [ tage. Wenn aber nur einer die Theilung beantragt, so * — würde der Bau einer Zwischenwand unterbleiben.; Das müsste man aus der Uebersetzung des Verf schlie- : ssen. Dem ist, aber nicht so: Auf Antrag des einen | Nachbars muss die Wand errichtet werden. So ist es j nach dem Gange der Discussion, wenn man. wie Verf, es thut, in der Uebersetzung des ersten Theils der Mischna nach der ersten Auslegung des Gemara sich , richtet, מחיצה mit ״mur“ übersetzt und nicht gleich להצלת fassk Wenn man aber diese Auffassung dem Vf. zugestehen wollte, wie denn auch Rosch und Alfassi und | Tur auf den Garten sagen: הבאים לחלוק und damit | anzudeuten scheinen, dass nur, wenn beide in die Theij lung willigen, der Bauzwang eintritt, so bleibt es doch; noch unerklärlich, warum Verfasser die Mischnaworte [ וכן בגינה מקום שנהגו לגדור so erklärt, dass es nur von; einem solchen Garten rede, bezw. von einem Lande, wo es Sitte ist, die Gärten durch Hecken zu trennen, während doch ausdrücklich die talmudische Discussion ergibt, dass סתם גינה כמקום שנהגו לגדור : jeder Garten unabhängig von der Sitte als ein zu umzäunender Ort an- Zusehen sei. Ausdrücklich sagt dies der Rambam im Commentar zur Mischna Selbst Rosch und Tur meinen nur, dass wenn an dem Orte die bestimmte Sitte herrscht, ) nicht zu umzäunen, dann fällt der Zwang weg; sie geben | aber zu, dass wenn keine bestimmte Sitte da ist, der Zwang eintritt. Es sind diese Auffassungen des Verf. nur Belege für die Freiheit, die er in der Auslegung des Talmuds anwendet, welche, da es sich nicht um praktische Ent- Scheidungen handelt, von praktischer Bedeutung nicht ist. Die Freiheit der Deutung ist aber das Element der Wissenschaft und darum auch selbst bei Resultaten, denen man kaum allgemeine Zustimmung Zusagen könnte, ein erfreuliches Zeichen selbstständiger Ueberzeugung. Zum | Schlüsse sei nochmals das R’sche Werk der weitesten! Verbreitnng wärmstens empfohlen. Dr. Krön er. : Rauchinann, Leo. Die Mischehe zwischen; Juden und Christen. Mit einem Anhang: der ächte Ring. Zürich, Verlags-Magazin. 1880. 47 S. 8. Lessing’s und Mendelssohn’s Manen zieht dieser ״Mann“ von ״Rauch“ und Dunst hinab in das gedanken- und verstandlose Gewäsch von Gleichsein und Gleichwerden. Mit Ekel würden jene scharf denkenden und warm fühlenden Männer sich abwenden von diesen herzlosen und denkschwachen Pygmäen, die im Anhäufen von Phrasen sich als ihre Geistesenkel geberden. Nach der Bibel, meint der feuerlose Rauch, war es erlaubt, Heidinnen zu ehelichen. Die naheliegende Frage, ob diese auch Heidinnen bleiben durften, wird nicht beantwortet. Dies ist das erste grosse Loch. Natürlich ist Christenthum stets anders beurtheilt worden, als Heidenthum. Aber die ״Modification des Gottesbegriffes“ ist dem Denkenden eine so gewaltige, dass ein Ausgleichen unmögbch ist. Die Folgen zeigt ja deutlieh genug das Geschick der Ehe des Herrn A. Naquet. Doch die Mischehe ist dem Verf. nur ein Mittel, welches einer universellen Religion der Vernunft (die freilich auch forrnulirter Lehrsätze sowohl, wie nicht minder einer cultuellen Organisation bedarf) den Weg bahnen wird“ — ״der Confessionalismus ist für die Gegenwart Anachronismus“! Also ״Rauchmannianismus“ ist die neue Religion der Zukunft. Wozu aber überhaupt kirchliche Trauung bei Mischehen? ״Im Civilakt erscheint die Ehe als Vertrag, die kirchliche Feier erhebt sie zum Bund‘‘ — Prosa, Poesie, Phrasen! Doch wir wollen uns zwingen, ernst zu bleiben. ״Ans dem Märchenbau der Alten wird der Tempel sich entfalten (sic!), draus der Irrthum ist entfloh’n — die Vernunftreligion.“ So lautet die elende Reimerei, bei der die Form der wahre Ausdruck der inneren Gehaltlosigkeit ist. Was soll werden? Ein wirres Durcheinander von Willkühr und Aug und Ohr gefälligen Formen, bei dem Jeder thun und lassen kann, was er will, wenn nur der Rabbiner dabei beschäftigt bleibt, also seines Einkommens nicht verlustig geht. Bisher meinten wir immer, dass die Natur- oder Vernunftreligion in erster Reihe die Geistlichen und Rabbiner und wie sie sonst noch betitelt werden, als unnützen Ballast über Bord wirft — eben dies lässt uns einen Augenblick vergessen, dass bei ״Bastarden“ und sonstigen Sprösslingen ungesetzlicher Verbindungen das Aufspüren der Vaterschaft verboten ist. Es ist ein Streben pro domo — das Anwiderndste ergiebt sich: der Verf. ist — ein Rab bin er! Einen Schritt weiter führt uns die seltsame statistische Angabe, dass Idioten unter den Juden häufiger seien, als bei Andersgläubigen. Diese seltsame Erscheinung ist für Württemberg constatirt. Fügen wir hinzu, dass dem Verf. es sichtlich sehr fatal ist, dass Geiger die Mischehen nicht gern sieht, dass der als grösster Reformator gepriesene Mann in einer solchen Ehe die Gewähr des ehelichen Friedens, der innigen Seelengemeinschaft vermisst, sowie dass d ie Z iirich er ״Frau im Talmud zu den wenigen citirten Büchern gehört, so werden wir wohl nicht weit fehlen, wenn wir das Chamaeleon Rubens in der Rauch haut wiederfinden. Es ist freilich ein seltsamer Beleg für die Moral der neuen Vernunftreligion und ihrer Stifter, dass man sich als Lehrer der Religion gerirt, die man bekämpft, und sich als Erhalter und Vertheidiger von Grundsätzen und Lehren besolden lässt, die man verwirft und verspottet. Wenn diese Gesellschaft wenigstens ehrlich wäre und den Muth einer Meinung hätte und das Stern-Banner nicht verleugnete. Bei der Theorie bleibt man nicht stehen. In Bonn werden Proselytinnen mit Kohanim getraut, nächstens wohl auch Mischehen. Immer ran zum Traubureau — die Herren Prediger der Vernunftreligion haben Zeit und machen’s nicht so theuerl Lauth, Dr. F. J. Aus Aegyptens Vorzeit. 1. Heft. Die prähistorische Zeit. Berlin. Theodor Hofmann’s Buchhandlung 1879. 100 S. 8°. Diese Schrift des gelehrten Professors der Aegyptologie in München streift insofern das Gebiet der jüd. Literatur, als sie von der Grundanschauung ausgeht, Sprache, Cultur und Literatur der alten Aegypter sei keine autochthone, sondern vielmehr auf rein semitischen Ursprung zurückzuführen; denn erst semitische Einwanderer hätten geistige Regsamkeit und geistiges Leben den! alten Mizraim eingehaucht. Wir überlassen natilr-

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