Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 52. (23.12.1880)
- Date
- 1880-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-9583817-9584314--4400-9584323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
_ Beilage zur „Israelitischen Wochenschrift." 9kr. 32 Magdeburg, den 23. December 1880. 11. Jahrgang, vermischte uuD neueste Nachrichten. Magdeburg. Bei den letzten Stadtverordneten'Wahlen ist hier in der 2 Wahlablheilung mit sehr großer Majorität der Oberstabsarzt a. D. Dr. Nosenthal gewählt worden. Derselbe war wegen seiner Tüchtigkeit und gemeinnützigen Thätigkeit von den Comils's beider Parteien, die die Wahlagitation leiteten, als Candidat aufgestellt und sehr warm empfohlen Von beiden Seiten wurde neben seiner hervorragenden Wirksamkeit im Magdeburger Gesundheitsverein, i ganz besonders auch sein Edelsinn — der sich jüngst erst wieder bei der Verheiratbung seiner ältesten Tochter durch reichliches Bedenken der Stadt- und Gemeinde Armen bethätigte — sowie die Lauterkeit seines Charakters hervorgehoben. Auch dem in der 3 Wahlabtheilung vom Bürgerverein einstimmig als Candidat proclamirten Herrn Max Nathan, fehlten nur sehr wenige Stimmen zur absoluten Majorität. Man war seitender Bürgerpartei, die in der 3. Wählerklaffe über die Majorität verfügt, etwas zu siegesgewiß und barum zu wenig thätig gewesen. Berlin. Herrn vr. B Förster, dem durch seine Pferde« Kahnfahrt und Petition bekannt gewordenen Antisemiten, hat die „Deutsche Lileralurzeitung", die von Profeffor Mommsen mit begründet worden ist und in G. Reimers Verlag erscheint, in Folge seiner kutturschänderischen Hetzthätigkeit die Mitarbeiterschaft gekündigt. Selbstverstänbllch beantwortet vr. Förster diese vertiente literarische Deinüthigung durch eine wuthschnaubende Erklärung, in welcher er das Verfahren jener angenehmen Leute nachahmt, die vo. den Fenstern eines Hauses Skandal machen, aus welchem man sie vorher entfernt hat. . Aus Halberstadt erhalten wir die Trauernachrlcht von dem am 16. r>. Mts erfolgten Ableben des dortigen allgemein geachteten würdigen Canlors David Jeretzky, der über 40 Jahre ein treuer Diener Gottes und seiner Gemeinde gewesen. Näheren Bericht in nächster Nr. AuS Dü kheim a v H. erh rlten wir kurz vor RedaclionSschluß Mittüellung von einer polizeilichen Verfügung, - wonach allen mittellosen JsrielUen aus Polen und Rußland, welche sich über ihre Person nicht genügend ausweisen' können, der Aufenthalt in Bayern untersagt wird. In Folge dessen sind bereits viele polnuche Wanderdetller verhaftet worden und zwar auf nicht weniger als 14 Tage. Königsberg i. Pr. Der hiesige Magistrat i:at beschlossen, die ihm von Herrn vr. Förster in Charlottenburg zugesandte Petition einfach ohne Antwort zurückzuschicken. Lobsens. Dieser Tage überreichte eine Deputation des Magistrats und der Stadtverorvnelen-Vrrsammlung dem hie sigen Kaufmann Herrn Moritz N a l h a n s o n ein in sehr gefälliger Ausstattung angefertigtes Eyrendiplom, durch welches die Stadt dem Herrn Nathansohn »n Anerkennung seiner langjährigen ehrenvollen Funktion als Beigeordneter das Prädikat „Stadtältester" verliehen hat. Es ist diese Auszeichnung von um so größerer Bedeutung, als dies der erste derartige Fall in Lobsens ist. Stuttgart, 8. Dec. Auf letzten Samstag Abend war im Bürgermü>eum ein Vortrag des bekannten Hrn. M. Oppenheimer von hier (früher Lehrer, später Redner in socialdemokratijchen Versümm ungen in Mannheim, Versaffer einiger Brochüren gegen Stöcker, seit einigen Monaten hier) über den „Talmud" angekündigt, wurde aber verschoben, da kurz vor dem Termin dem Redner das Lokal entzogen wurde. Elsaß. Das Leipziger Studenten Comit6 schickte einige Exemplare der Antisemiten-Petition auch an Mitglieder der Straßburger Kaiser-Wilhelm-Hochschule. Die Listen fanden, soweit bekannt ist, keine Unterschriften. D r „Ausschuß der Studirenden," welcher die officielle Bei lretun; der Studentenschaft ist, lehnte in seiner letzten Sitzung ab, auf die Petition irgendwie einzugehen, und ging über dieselbe, da es unter seiner Würde sei, sich mit solchen Dingen zu befassen, zur Tagesordnung über. Ungar«. In OroShaza war vor einigen Tagen der Vorstand der israelitischen Gemeinde, Herr Bernhard Blauz, ein allgemein geachteter Mann, gestorben, und die Gemeinde beschloß, dem Verstorbenen ein würdiges Begräbniß zu bereiten. Allein weder der Rabbiner von Szegedin. noch der von H.-M.-Vasarhely konnten der diesbezüglichen Einladung Folge leisten, und so hätte denn das Leichenbegängniß ohne „geistliche Assistenz" stattfinden müssen. Da erschien der evangelische Geistliche deS OrteS, Herr Harsanyi, bei dem Begräbnisse und hielt über der Bahre des Verstorbenen eine so ergreifende Rede, daß die ganze Versammlung zu Thränen gerührt war. Jassy. DaS Raffinement der Rumänen, die Juden zu quälen,ist unerschöpflich. Beider Steuertaxe werden die den Juden gehörige Gebäude etc. dreifach zu hoch veranlagt. Von Mikilärlieferungen sollen alle die ausgeschlossen sein, welche jemals mit der Verwaltung eine Differenz gehabt. Penaugo(Italien). Der einzige hier wohnende Jude, Herr Deangeli, ist zum SyndicuS (Bürgermeister) erwählt worden und residirt im Stadthause, welches nichts Andereist, als der ehemalige Jnquisitionspalast. (Was sagt Stöcker zu dieser „autorativen" Stellung deS einen Juden über die christlichen Bewohner einer ganzen Stadt? Red.) Petersburg. Nach dem „Russki Jew" ist den Juden BessarablenS die Erlaubniß erlheilt worden, in den Grenzorlen wohnhaft zu bleiben. (Hazeph.) Paris. Das seltsame Gebühren des Redakteurs des Gaulois, der — ein Jude — mit der legitimistisch klerikalen Partei gegen die Regierung zu Felde zieht, hat einigen Journalen Gelegenheit zu unliebsamen Bemerkungen über die Juden gegeben. Dagegen bemerken treffend Archiv isr.: Mit einem solchen Minimum von Judenthum repräsentirt man — nur sich selbst! Paris. Die Arbeit-- (Handwerks) Schule habe am 1 Januar 79—62 Zöglinge, theilS Interne, theils Externe. Am Tage arbeiten sie bei ihren Lehrherrn, Abends erhalten sie Unterricht. Nach Vollendung der Lehrzeit verlassen sie die Anstalt, doch bleibt ihnen die Fürsorge deS ComitLS. Friedrich Dptelhage«, der mit seinem letzten Werke „Quisisana" wieder einen glänzenden Erfolg erzielte, hat, wie wir hören» ein neues Werk unter der Fever, welches einer baldigen Vollendung entgegenreift. „Angela" betitelt, ist dasselbe gleichsam ein Pendant zu „Quisisana", — eine echte und rechte Herzensgeschichte —, doch bildet diesmal eine Frau die Hauptfigur und den Mittelpunkt des Romane«, auch gestaltet sich di« Entw ckelung in ihren Konsequenzen tragsicher und ergreifender. Das „Berliner Tngedlatt" hat das Werk des berühmten Dichters zur ausschließlichen Veröffentlichung in Deutschland erworben, und ist in der bevorzugten Lage, diese literarische Perle seinen Lesern darbieten zu können. Anfang« des nächsten Quartals beginnt die interesiante Dichtung im Feuilleton des „Berliner Tageblattes" zu erscheinen, worauf wir schon jetzt anfmerkfam machen. Abonnement« «erden jederzeit bei den ReichSpostanstalten entgegengenommen. Eine möglichst frühzeitige Bestellung ist jedenfalls geboten, damit der Empfang de« Blatte« vom Beginn des Quartals ab gesichert fei. Die sonstige Reichhaltigkeit, Vielseitigkeit und Gediegenheit, welche anerkanntermaßen den Inhalt des „Berliner Tageblatt" auszeichnen. sowie die werthvollen Beiblätter: die belletristische Wochenschrift „Deutsche Lesehalle". das illustrirte Witzblatt „Ulk" und die „Mittheilungen über Landwirthschast. Gartenbau und Hauswirthschaft*. bei dem billigen Abormements-Prei« von 5 Mrk. 25 Pf. pro Quartal (für alle vier Blätter zusammen), haben den Leserkreis stetig vermehrt, so daß das „Berliner Tageblatt" gegenwärtig ca. 76,000 Abonnenten besitzt.